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jjmftlitr Kreisblatt.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeitage „Illustrirtcs Anterhaltungsölatt".
Nr. 134. Sonnabend den 12. November 1887.
Amtliches.
Hersfeld, den 7. November 1887.
Wie die vor Kurzem abgehaltene Revision der Schafbestände im Kreise ergeben hat, herrscht z. Z. die Räude unter den Schafen noch in den Ortschaften:
Allmershausen, Aua,Beiershansen, Friedlos, Gittersdorf, .Heenes, Kerspenhausen, Meck- bach, Mecklar, Mengshausen, Niederaula, Niederjossa, Obergeis, Reimboldshausen, Stärklos, Wippershain, Friedewald, Geth- semane, Harnrode, Heringen, Hilmes, Lauten- hausen, Malkomes, Motzfeld, Oberlengsfeld, Ransbach und Schenksolz.
Unter Hinweis auf §. 120 ff. der Jnstruction vom 24. Februar 1881 (Extrabeilage zu Nr. 17 des Amtsblattes pro 1881) weise ich die Herren Ortsvorstände der genannten Gemeinden an, falls es noch nicht geschehen sein sollte, die daselbst erwähnten Sicherheitsmaßregeln behufs Verhinderung der Weiterverbreitung der Krankheit alsbald anzuordnen, insbesondere aber, worauf auch die Königliche Gendarmerie des Kreises zu achten W, darüber zu wachen, daß räudige Schafe ohne eingeholte diesseitige Genehmigung weder verkauft, noch anderen Heerden zugeführt, oder überhaupt äusgeführt werden.
Hinsichtlich der Wiederholung des Heilverfahrens im nächsten Jahre, behalte ich mir weitere Verfügung vor.
10718 Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz.
Hcrsfeld, den 7. November 1887.
Den Herren Ortsvorständen des Kreises werden in den nächsten Tagen die nach den Unicaten berichtigten Duplicate der Klassensteuer-Zu- und Abgangslisten pro I. Semester 1887/88 zugehen.
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Das Fegefeuer in Frappes Wigwam.
Von B a l d u i n M ö l l h a u s e n. (Fortsetzung.)
Den Halbindianer fertigte Nekoma zuerst ab, zum Lohn, wie sie spöttisch behauptete, weil er nicht mehr gesehen habe, als sie selber. Den zweiten Napf mit besonders großen Fletschschnitten trug sie zu Mark hinüber. Als sie gewahrte, daß dieser ihn höflich Vilandrie reichte, funkelte es wieder geheimnißvoll in ihren Augen. Das, was ste als einen Beweis freundlicher Bevorzugung betrachtete, achtlos verschmäht zu sehen, hatte ihren Zorn wachgerufen. Sie fühlte sich verletzt, war aber zu stolz, ihre Enttäuschung in Worte zu kleiden, und beschränkte sich zu Marks innigem Ergötzen darauf, ihn als Letzten zu bedienen. Sie selbst aß gar nicht, sondern vor dem Kamin niederkauernd, vergnügte sie sich damit, immer wieder neue Funkenregen zu erzeugen. Zuweilen stieß ste mit ihrem Schürholz in die Gluth, als hätte es gegolten, einen verhaßten Feind zu vernichten.
Das Mahl nahm nur kurze Zeit in Anspruch. Dann warfen die drei Brüder ihre Büffeldecken um die Schultern, dieselben oberhalb der Hüften mittelst dünner Riemen festschnürend. Etwas gedörrtes Büffelfleisch, Bogen und Pfeile vervollständigten die Ausrüstung, und sorglos mit einander plaudernd traten sie in's Freie hinaus. Dort schlugen sie ohne Säumen die nächste Richtung nach der Insel ein. Die Dämmerung hatte
D.ie darin enthaltenen Abgänge sind alsbald nach Zeit und Betrag in den Klassensteuer-Rollen zu notiren und hiernach die ersteren aufzubewahren. 10669. Der Königliche Landrath ____Freiherr von Schleini
Hersfeld, den 10. November 1887.
Für den am 28. December 1868 zu Obergeis geborenen Johann Heinrich Opfer ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
10799. Der Königliche Landrath ______________Freiherr von Schleini tz.—
Hersfeld, den 11. November 1887.
Für den am 27. Mai 1872 geborenen Heinrich Conrad Meyer zu Friedewald ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
10839. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz.
Gefunden: 1) ein Sack enthaltend eine Pferdehalfter. 2) ein Pantoffel. Meldung der Eigen- thümec bei dem Ortsvorstand zu Schenksolz.
Gefunden: eine Tabackspfeife. — Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Heenes.
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser hatte am Mittwoch Nachmittag eine Conferenz mit dem Staatsfecretär des Aeußeren, Grafen Herbert Bismarck. Am Donnerstag hat der Kaiser bereits einige Zeit früher, als an den vorhergehenden Tagen das Bett verlassen können. Allerhöchstderselbe erschien gegen 1 Uhr am Fenster seines Arbeitszimmers, als die neu aufziehende Wache am Königlichen Palais vorüber- defilirte und wurde bei seinem Erscheinen von dem zahlreich vor dem Palais versammelten
sich um diese Zeit zur Dunkelheit verdichtet, aber zu einer Dunkelheit, welche der hinter schweren Wolkenschichten verborgene Mond dürftig' lichtete.
Etwa die Hälfte des Weges mochten die jungen Leute zurückgelegt haben, als auch Nekoma sich zu einem nächtlichen Gange rüstete. Mark und Vilandrie hatten unterdessen ihre alten Plätze auf den ausgevreiteten Decken wieder eingenommen. Sobald Ersterer gewahrte, daß die alte Indianerin sich in ihre rothe wollene Manteldecke hüllte, zugleich mit gedämpfter Stimme einige Worte an die scheinbar unaufmerksame Kitty richtete, wendete er sich an Vilandrie mit der Frage:
„Wenn ste die Insel ebenfalls zu besuchen gedenkt, weshalb begleitete sie nicht ihre Söhne?*
„Ihr Ziel ist ein anderes,* versetzte der lebhafte Canadier bereitwillig, mag's immerhin in der Richtung der Insel liegen. Sie will mit sich allein sein. Ich kenne das an ihr. Es ist heute noch, wie früher. Seit zehn Jahren hat sich darin nichts geändert. Nur sie selbst ist nicht mehr dieselbe. Ja, damals hätten Sie das Weib sehen sollen. Nicht mehr der Schatten der Erscheinung ist sie, welche sie damals bot. Um dreißig Jahre alterte sie, daß Jemand, der ihr zwischendurch nicht begegnete, sie schwerlich wieder erkennen möchte. Sacrä Dieu, ich kannte sie schon als Mädchen, und wenn ste in jenen Tagen über die Prairie schritt, aufrecht und stolz, wie eine Prinzessin, und mit ihrem glücklich lachenden holdseligen Angesicht, dann meinte ich, daß Blumen
Publikum lebhaft begrüßt. Im Laufe des Nachmittags hörte der Kaiser den Vortrag des Grafen Perponcher, arbeitete mit dem Chef des Militärcabinets v. Albedyll, hatte eine Conferenz mit dem Kriegsminister Bronsart von Schellen- dorff und später auch noch eine Besprechung mit dem Geheimen Hofrath Borck. In dem Befinden des Kaisers ist eine wesentliche Besserung eingetreten.
Die beunruhigenden Nachrichten, welche heute, wenn auch officiell noch nicht beglaubigt, aus San Remo vorliegen, drängen jedes andere Interesse in den Hintergrund und lassen eine ruhige Stimmung für die Durchsprechung sonstiger Erörterungsgegenstände nicht aufkommen. Es heißt, daß die Untersuchung der deutschen, mit dem Prinzen Wilhelm bei dem Kronprinzen eingetroffenen Aerzte ein betrübendes Resultat ergeben hätte; doch werden wir gut thun, in dieser Beziehung den Inhalt des gestern in Berlin eingetroffenen amtlichen Berichts abzuwarten, dessen Veröffentlichung unmittelbar bevorsteht. Wie die „Kreuzztg." mittheilt, würde eine Operation, wenn sie wirklich, wie vermuthet werden muß, unvermeidlich sein sollte, nicht auf italienischem Boden, sondern in Berlin vollzogen werden; das Kronprinzliche Palais am Opern- Platz wird bereits zur Aufnahme der Kronprinz- lichen Herrschaften in Stand gesetzt, und die Rückkehr derselben wird bestimmt innerhalb der nächsten drei Tage erwartet. Uns bleibt in dieser bangen Unruhe nichts anderes übrig, als unser heißes Gebet zum Himmel emporzusenden, daß Gott, wenn es so Sein gnädiger Wille ist, dem deutschen Volk den bitteren Schmerz ersparen möge, seinen innig geliebten, helden- müthigen Kronprinzen in der Fülle seiner Manneskraft aus seiner Mitte gerissen zu sehen.
Wie sehr die Sympathien in Oesterreich für Deutschland gewachsen sind, das kann man
und Halme sich vor ihr hätten neigen müssen in Bewunderung.'
„Weil Sie selbst sich am tiefsten vor ihr neigten*, warf Mark heiter ein.
„Nun ja, das that ich,' hieß es eigenthümlich ernst zurück, „darin unterschied ich mich nicht von hundert Anderen; aber es geschah mit ähnlichen Gedanken, mit welchen ich heute das Fegefeuer da betrachte und mich frage, woher der Zauber stammt, welchen es trotz seiner Verwilderung auf Jeden ausübt, der ihm nahe kommt, sogar von seinen tollen Launen und der noch tolleren Zunge zu leiden hat. Glauben Sie mir, es gehört Arges dazu, um eine junge lachende Frau in dem ver- hältnitzmäßig kurzen Zeitraum von dreizehn, vierzehn Jahren in ein verbittertes altes Weib umzuwandeln. Bald nachdem ich sie zum ersten Mal sah, heirathete sie einen großen Pawnee- Krieger, der zugleich als Zauberer und Medicin- mann berühmt war, und der hielt auf sie, wie nur je ein rechtschaffener Weißer auf seine Familie. Armer Teufel; er könnte heute noch leben, aber es sollte nicht fein.*,
„Er wurde erschlagen?*
„Erschossen, wie ein toller Hund, und obenein von Jemand, der selber verdient hätte, zehnmal gehangen zu werden. Das war auch der Grund, weshalb Nekoma sammt den Kindern sich gänzlich von ihrem Stamme trennte, und das hätte trotzdem nimmermehr stattgesunden, bestimmten nicht besondere Zwecke und Hoffnungen sie in ihrem 1 Thun. Denn was die einmal will, das führt sie