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im Etat des laufenden Jahres), an einmaligen Ausgaben 17,880,750 Mk. (2,507,523 M. weniger) auf. Das Mehr der fortdauernden Ausgaben ist vornehmlich auf die Errichtung eines Schiffsvermessungsamts (17,700 Mk.), auf zwei neue Mitglieder für das Gesundheitsamt (8,850 Mk.), auf zwei neue Stellen für ständige Mitglieder, vier Bureaubeamte und zweiKanzlei- secretaire im Reichsversicherungsamt (27,900 Mk.) 2C. zurückzuführen. Unter den einmaligen Ausgaben befinden sich 175,000 Mk. für die Be­theiligung des Reichs an der Ausstellung in Mel­bourne. Als siebente Rate für das Reichstags­gebäude sind 800,000 Mk., als zweite Rate für den Nord-Ostsee-Canal 16 Mill. Mark (3 Mill. weniger als im Vorjahr) eingestellt.

Prälat Weyland in Wiesbaden ist am Freitag als Nachfolger Dr. Kopps zum Bischof von Fulda gewählt worden.

Das b r a u n s ch w e i g i s ch e Staatsmini­sterium wird, wie ein dortiges Blatt aus guter Quelle erfährt, dem wahrscheinlich im nächsten Monat zusammentretenden Landtag eine Vorlage unterbreiten, welche eine nicht unbedeutende Er­höhung der C i v i l l i st e des Regenten Prinzen Albrecht bezweckt.

(O e st e r r e i ch - U n g a r n.) Eine in Prag erschienene tschechische Brochüre gegen das Bünd- niß mit Deutschland wurde auf höheren Auftrag in der Auflage von 4000 Exemplaren.confiscirt. Die Gendarmerie in Kuttenberg unternahm in der dortigen Druckerei, wo die Brochüre herge­stellt wurde, eine Hausdurchsuchung. Es heißt, daß die französische Regierung einige Hundert Exemplare bestellt habe.

(Frankreich.) Der Sieg, den das Mini­sterium Rouvier durch die Annahme der Renten- zins-Herabsetzung seitens der Deputirtenkammer errang, hat die Kluft zwischen den Radicalen und Gemäßigten ungeheuer erweitert. Die ersteren werden alle Anstrengungen machen, um das Ministerium zu stürzen. Ein Mitschuldiger des Generals d' An blau, der Geschäftsver­mittler Georg Philipp Buy, auf welchen die Polizei seit .längerer Zeit fahndete, wurde, als er aus einem Wirthshause kam, verhaftet. Buy leistete Widerstand; es gelang ihm auch, sich frei zu machen; er ergriff aber nicht die Flucht, sondern schoß sich eine Kugel vor den Kopf und blieb auf der Stelle todt.

(England.) Die Regierung wird gegen die Theilnehmer an der letzten verbotenen nächt - lichenVersammlung in Woodford, in welcher die Proclamation des Vicekönigs von Irland verbrannt wurde, gerichtlich vorgehen. Unter den Theilnehmern befinden sich die Par­lamentsmitglieder Rowland, Gill, Sheeby und der Secretär des Lordmayors von Dublin, Deneby. Auch gegen die turbulenten Kund­gebungen der A r b e i t l o s e n in London schreitet die Polizei nunmehr ein. So wurden bei einer Demonstration am Freitag die rothen Fahnen weggenommen, zwei Redner verhaftet und die Menge zerstreut.

(Rußland.) Der nunmehr nach Petersburg zurückgekehrte Großfürst Nikolaus Michailowitsch leugnet derKöln. Z." zufolge durchaus nicht, daß er die bekannte deutschfeindliche Rede gehalten

die beiden Männer nicht weiter beachtete,Schön­heit und Anmuth zieren sie, ohne daß sie es selbst zu wissen scheint. Welch' Bild mußte sie bieten, wäre sie der Segnungen einer sorgfältigen Erzie­hung theilhaftig geworden."

Schönheit ist ein Geschenk der Natur," spann der Canadier das Gespräch lebhaft weiter,und die fragt nicht, ob es eine braune Eingeborene oder eine Tochter weißer Eltern oder gar ein un­vernünftiges Thier, welchem sie ihre Gaben zu- wendet. Und mit einer Antilope möchte ich das Fegefeuer vergleichen, oder mit einem prachtvoll befiederten Singvogel. Solche Thiere wissen eben­falls nichts von ihrer Anmuth und Schönheit, fragen den Henker darnach, ob hier die feinen Winterhaare, dort ein paar Dutzend Federn der besten Sorte zum Teufel gehen oder der Staub fingerdick auf ihnen liegt; sie springen und singen deshalb nicht um einen Strohhalm schlechter. Dabei ist mir ausgefallen, daß Kitty seit dem zweiten Tage unserer Anwesen­heit hier etwas mehr auf ihr Aeußeres giebt. Sie ordnet ihre gelbe Mähne nach besten Kräften, legt ihr bestes Kleid an, wascht ihr hübsches Ant­litz täglich mindestens ein halb Dutzend mal, ge­rade als ob sie auf einen von uns noch einen be­sonders günstigen Eindruck ausüben möchte"

Auf Sie gewiß nicht, alter querer Gentleman", tönte es wieder sorglos von dem Kamin herüber.

Also auf Mark", rief Vilandrie ergötzt zurück.

Auf ihn noch weniger", versetzte Kitty .trotzig, und durch einen neuen Stoß in die Gluth jagte

habe; wohl aber sei der Inhalt derselben etwas entstellt wiedergegeben, denn er habe den Namen des Zaren nicht genannt. Man glaubt in Peters­burg allgemein, daß er nach der Rückkehr des Zaren einen strengen Verweis erhalten wird. Der offiziösen WienerPolit. Korr." wird aus Petersburg gemeldet, daß dort eine nihilistische Verbindung entdeckt, Dynamitbomben mit Be­schlag belegt und Verhaftungen vorgenommen worden sind.

(Belgie n.) Wie aus B r ü s s e l geschrieben wird, machen sich nach längerer Ruhe die bel­gischen Anarchisten wieder bemerkbar. Mit Todtenköpfen geschmückte Anschläge fordern zur Theilnahme an einem großen Meeting auf, in dem gegen die Hinrichtung der Anarchisten in Chicago deren Gnadengesuch von dem obersten Gerichtshöfe der Vereinigten Staaten inzwischen bekanntlich verworfen worden ist protestirt werden soll. An den sattsam bekannten Brand­reden wird es dabei nicht fehlen. Irgend welche Beachtung finden aber die Ergüsse der Anarchisten auch in Brüssel in keiner Weise.

(B a l k a n st a a t e n.) In Bulgarien soll eine kleine Ministerkrise bevorstehen. Der Kriegs­minister M u t k u r o w hat seine Entlassung ein­gereicht, doch ist dieselbe vorläufig nicht ange­nommen worden. Wie derVossischen Zeitung" berichtet wird, hat Herr Mutkurow seine De­mission deshalb abgegeben, weil die Besetzung der Directorstelle an der Kriegsacademie durch den ehemaligen Kriegsminister Petrow gegen seinen Willen erfolgte. Petrow soll nach Mut- kurows Ansicht um seiner Vergangenheit willen für diesen wichtigen Posten nicht zuverlässig ge­nug sein.

(A m e r i k a.) Nachrichten aus Chicago zufolge ist das Gefängniß, worin sich die verur- theilten Anarchisten befinden, stark bewacht. Zwei Compagnien Polizeisoldaten mit Bajonnet- gewehren und Revolvern stehen im Innern des Gefängnisses, andere Compagnien außerhalb. Weitere Abtheilungen werden bereit gehalten. Die Anarchisten Melden, Schwab und Spieß baten den Gouverneur, das Urtheil abzuändern. Aus allen Landestheilen gehen dem Gouverneur von Illinois Petitionen zu, die um Milde bitten.

Aus Heffen-Naffau.

Hersfeld, 7. November. In Betreff der Brietsendungen an Soldaten, welche im activen Dienste stehen, ist eine neue Einrichtung getroffen worden. Die bisher übliche BezeichnungSol­datenbrief. Eigene Angelegenheit des Empfängers", welche die portofreie Beförderung der Sendung veranlaßte, fällt weg. Statt dessen werden Sol- Datenbriefe mit Briefmarken von gelber Farbe beklebt, die an die Soldaten verthetlt und von diesen an ihre Angehörigen resp, an Personen, mit denen sie in Briefverkehr stehen, verschickt werden.

Hersfeld, 7. November. Bisher wurde ziem­lich allgemein angenommen, daß eine Mahnung vermittelst Postkarte als eine Beleidigung aufzu- fassen sei. Das Oberlandesgericht in München hat jetzt im gegenthetligen Sinne entschieden. Ein Metzgermeister in Obernburg hatte an einen seiner Abnehmer eine Postkarte folgenden Inhalts ge-

sie abermals ein Funkenheer in den Schlot hinein.

Sacrü Tonnerre, Fegefeuer, so wollen wir uns nicht drum streiten. Stecke Dir lieber ein Knäuel Büffelwolle in die Ohren, anstatt mich fortgesetzt in meinen Reden zu unterbrechen."

Wiederum folgte das geringschätzige Achselzucken, welches Vilandrie mit herzlichem Lachen lohnte, worauf er weiter sprach:

Jetzt sagen Sie selbst, ist's nicht eine Lust, mit ihr zu verkehren? Lei Gott, ließe ich die Ohren so tief herunterhängen, wien mexikanischer Hase, so würden ein paar tolle Einsälle des Fegefeuers in zwei undner halben Minute wieder einen Menschen aus mir machen."

Ich wiederhole", nahm Mark das Wort,sie ist eine seltsame Erscheinung. Je mehr ihre Ver­wilderung zu Tage tritt, mit um so herzlicher Theilnahme betrachte ich sie. Ich erstaune nur über Frappe, der nicht hinderte, daß sie so gänz­lich ohne Zucht auswuchs. Wie kam sie über­haupt in diese Wildniß? Sie muß doch ein Elternhaus besitzen oder besessen haben, Ver­wandte, deren Pflicht es gewesen wäre, sich ihrer anzunehmen V*

Letzteres erscheint mir zweifelhaft", antwortete Vilandrie, und Theilnahme verrieth sich auch in seiner Stimme,und wie sie hierher fand, meinen Sie ? Nun, auf die einfachste Art: Zwölf Jahre, etwas mehr oder weniger, mag es her sein, und seltener kamen noch einzelne flinke Maulthierkara- vanen hier vorüber, als Frappe, so erzählt er mir wohl Hundertmal, Morgens vor die Thüre trat

richtet:Ersuche sie nochmals, mir Ihre Schuld von 4,78 Mk. für bezogenes Fleisch bezahlen zu wollen, glauben Sie, ich bekomme mein Vieh ge­schenkt?" Der Adressat fühlte sich durch diese Art der Zahlungsaufforderung beleidigt und stellte Klage an, die aber in allen Instanzen als unbe­gründet zurückgewiesen wurde.

Hersfeld, 7. November. Es verlautet, daß die preußische Staatsbahn-Verwaltung beabsichtige, demnächst auch für die vierte Wagenklasse Retour­billets einzuführen. Es sollen in jüngster Zeit Erhebungen nach dieser Richtung stattgefunden haben, ob ein Bedürfniß zu dieser Neuerung vorliegt, und inwieweit zu erwarten steht, daß eine erhöhte Frequenz den Ausfall an den Billetpreisen decken wird. Es ist nicht zu verkennen, daß das ärmere Publikum auf die in der seit Jahrzehnten be­stehenden Einrichtung der Hin- und Rückfahrt- Billets liegende Ermäßigung wohl denselben An­spruch hat wie die besser gestellten Passagiere, welche die höheren Wagenklaffen, die Schnellzüge rc. be­nutzen, zumal auf manchen Strecken zwei einfache Billets vierter Klasse nur unwesentlich weniger kosten als ein Retourbillet dritter Klasse. Angeblich besteht die Absicht, zunächst versuchsweise nur für kürzere Strecken (zum Markt- 2c. Besuche) Retour­billets vierter Klasse auszugeben und denselben eine Giltigkeitsdauer von nur einem Tage beizu- legen.

Hersfeld, 7. November. Obstzüchter können nicht dringend genug darauf aufmerksam gemacht werden, nicht zu verabsäumen, nun die Frost- Nachtschmetterlinge durch Raupenleim und Klebe­ringe zu vertilgen. Es ist jetzt die Zeit, wo die Weibchen an den Bäumen emporklimmen, um ihre Eier zu legen. Hat sich das Jnsect erst eingeniftet, dann ist auch für das kommende Jahr die Erndte des Baumes vernichtet.

Hersfeld, 7. November. Die vom Statistischen Amte des Reichs veröffentlichten Nachweisungen der deutschen überseeischen Auswanderung über deutsche Häken und die Häfen Antwerpen, Amster­dam und Rotterdam geben die Zahl der ausge­wanderten Deutschen für den September d. J. auf 8155, für die 9 Monate Januar bis Septem­ber zusammen auf 80763 an. Darunter sind auch die über England beförderten Auswanderer in so weit gezählt, als sie schon in den deutschen Häfen wegen ihrer Ueberfahrt contrahirt hatten. Im vorigen Jahre belief sich die Auswanderer- Zahl im September auf 9138, war also etwas größer; hingegen war die entsprechende Zahl für die 9 Monate nur 61734,

Hersfeld,7.November. Seinenhöchsten Glanzals Morgenstern Hatjetzt der Planet Venus erreicht; er leuchtet so wunderbar hell, daß es wohl verlohnt, an einem schönen Morgen einmal eine Stunde früher auszusteyen, um den schönen Anblick zu genießen. Ferner ist Venus jetzt hell genug, um sie bei vollem Tage als feines Licht­pünktchen am Himmel wahrzunehmen, dessen Auf­findung jedoch ohne genaue Kenntniß des Stand­ortes sehr schwierig ist. Im Fernrohr zeigt Venus augenblicklich eine Sichelform, wie der Mond zwischen letztem Viertel und Neumond.

Hersfeld, 7. November. In Entmündigungs- sachen und in Processen wegen Nichtigkeitserklärung einer Ehe ist die RevisionSschrift dem Oberreichs­

und seine Blicke zusrieden über die vereinsamte Umgebung schweifen ließ, Zufrieden, weil er sich auf die Tasche klopfen und calculiren konnte: Ich habe Zeit und Mühe nicht verloren." Da wurde er plötzlich in der Höhe des unteren Endes der Insel eines Planwagens ansichtig und zweier Pferde, die in dessen Nachbarschaft weideten. Die Sache erschien ihm bedenklich. In der Ver­muthung, daß die schon des Nachts aufgebrochene schnell reisende Karavane ein überflüssig gewordenes Gefährt und einige die Eile hindernde lahme Thiere einfach d'rangegeben habe, wanderte er hinüber, und da fand er die Bescheerung. In dem Wagen zwischen Decken und umringt von Ballen und Kisten, die Lebensmittel und sonstige ärm­liche Ausrüstungsgegenstände enthielten, lag eine todte junge Frau, die augenscheinlich vor Stunden erst einer Krankheit erlegen war, und neben ihr tu tiefem Schlaf ein etwa fünfjähriges liebliches Kind, nämlich die Kitty da drüben. Leicht über­zeugte er sich, baß ursprünglich mehr Menschen, wohl gar ein zweiter Wagen zu dem Fuhrwerk gehörten. Er calcultrle daher, daß wer auch immer in Beziehung zu der Todten gestanden haben mochte, nach deren Hinscheiden es für ge­scheiter hielt, mit dem reisefertigen Train davon zu gehen.

(Fortsetzung folgt.)

In B r o m b e r g ist ein Bäcker, welcher ver­dorbene Backwaare aufweichte und wieder verbuck, zu einem Monat Gefängniß verurtheilt worden.