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Mit wöchentlicher Kratis-WeilageIllustrirtes AnLerhattungsölatt".

Nr. 125. Sonnabend den 22. Oktober 1887.

Bestellungen auf dasHersfelder Kreisblatt" mit der wöchentlichen BeilageJllustrirtcs Unterhaltungs­Blatt" für die Monate Nobemberuud December werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition ange­nommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 18. October 1887.

Es wird hiermit zur allgemeinen Kenntniß ge­bracht, daß der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten, den Königlichen Regierungsbaumeister Stock beauftragt hat, den erkrankten König­lichen^ Kreisbauinspector, Baurath Griesel dahier bis zum 31. December d. J. dienstlich zu vertreten.

10109. Der Königliche Landrath ____Freiherr von Schleinrtz.

Zu der diesjährigen

Herbst-Conferenz, welche den 26. d. Mts. zu Heimboldshausen im Engelhard' schen Gasthof abgehalten werden wird, werden Die Herren Localschulin- spectoren und Herren Lehrer des Oberschulin- spectionsbezirks Hersfeld 11. hiermit ergebenst eingeladen. Die Conferenz wird zur gewöhnlichen Zeit ihren Anfang nehmen.

Die Oberschulinspection Hersfeld II.

Ueber Die staltzösifcheu Herbstmanölier waren bekanntlich die Pariser und andere fran­zösische Zeitungen in Entzücken gerathen. Ein

Kayaed.

Von Helene P i ch l e r. (Fortsetzung.)

Der erste, welcher teilen Boden unter den Füßen fühlen sollte, war ich. Es galt, einen Beieyl des Capuäns auszuführen, der wahrlich ein heikles Stück. Mit dem Besten aus meiner Seekiste an­gethan, benutzte ich den Sampan des abgeyenden Loolsen, um Mr. Humphrey die Anzeige zu machen: DerBayarb" unter Führung von Ca- ptlän Nicolaus Ohlsen sei von Singapore etnge- troffen und habe eine Dame aus Averdeen, Miß Gllian, die an Mr. Humphrey adressirt sei, an Bord. Mr. Humphrey möge die Gewogenheit haben, sich unverzüglich an Bord zu begeben, um Schiff und Ladung in Empfang zu nehmen.

Die Rede saß mir so sicher binnen, daß ich sie konnte abschnurren lassen, wie die Loggrolle. Dennoch schlich ich wie Hans der Träumer durch die Straßen und meine Füße zeigten bedenkliche Neigung, sich achterwärts zu drehen. Mr. Humpy- rey, den großen, mächtigen Handelsherrn stehenden Fußes persönlich an Bord des Bayard zu bringen ohne Mr. Humphrey brauchst Du selbst mir nicht wieder unter die Augen zu kommen, hatte unser Capttän gesagt das war ein arger Schlag gegen die seemännische Sitte, die unbedingt ver­langt, daß der Eapltän zuerst seinem Rheber die Auswartung macht. Leichter dünkte mich die Stunde Angesichts der starren Felsungeheuer, als dieser Gang.

Pariser Bericht in dem in Washington erscheinen­den amerikanischen FachblattArmy and Navy Register" spricht sich jedoch in der Nummer vom 1. Octbr. wesentlich anders darüber aus. Amerika- nischerscits waren General Baird, einer der General -Jnspectoren der Vereinigten Staaten- Armee und Oberst Hasbrock als Vertreter ent­sendet. -Ersterer hat nun über die Manöver Folgendes geäußert: Die Manöver waren von Interesse, boten meiner Meinung nach aber wenig Belehrendes. Wir standen um 7 Uhr des Morgens auf, tranken Kaffee und ritten 1020 Meilen. Hier und da kamen wir an Brücken, an denen Plakate angeschlagen waren, mit der Aufschrift: Diese Brücke ist verbrannt." Auch an Ponton- Brücken kamen wir, die neben steinernen Brücken aufgeschlagen waren, die letzteren wurden von den Truppen überschritten, obwohl ange­nommen wurde, daß sie die ersteren benutzt hätten. Das Terrain wah so bewaldet, daß wir nur wenig sehen konnten; nur bei der Revue am letzten Tage hatten wir bessere Gelegenheit die Truppen zu beobachten. Die Infanterie mar- schirte ziemlich gut, doch nicht mit der Präcision der englischen Soldaten. DieCavallerie sah gut aus, die Pferde aber waren zum Galopp geneigt, so daß die Soldaten ihre Plätze in Reih' und Glied nicht halten konnten." Die ganze Sache wurde nach dem Bericht des Generals nicht mit dem Ernst behandelt, den man erwarten durfte. Der Versuch zeigte, daß die französischen Truppen so ziemlich einexercirt waren, aber es bot sich keine Gelegenheit zu zeigen, was sie im Fall eines Krieges zu leisten vermöchten. Beiden amerikanischen Officieren wurde die größte Höf­lichkeit und Gastlichkeit zu Theil.Es war eine Campagne von Diners," sagte der General. Zwei deutsche Officiere, militärische Attaches der Gesandtschaft in Paris, waren mit in unserer Gesellschaft; dieselben beobachteten Alles mit

Noch an der Thür stockte ich, doch war mir's, als hätte ich eine bekannte StimmeFeigling" rufen hören und vorwärts.

Man wies mich nach längerer Verhandlung über eines Matrosen unstatthaftes Verlangen, per­sönlich den Herrn zu sprechen, in das Privat- comtotr. Hier fand ich den Gentleman in einem Bambusstuhl liegend, bet Thee und Taback fest eingeschlaien.

Wer in das?" fragte er schläfrig knurrend.

MalroseAugust vom DreimastschoonerBayard," Capttän Ohlsen, mit Reis von Singapore nach Hongkong. Habe tm Auftrag des Capiläns zu ersuchen, sich sofort an Bord zu begeben, um Schiff und Ladung in Empfang zu nehmen."

Bist Du ein toller Hund? oder ist's Dein Capitän? weiß Mr. Ohtsen nicht, was sich schickt, so soll er sich's von meinem Stiefeljungen sagen lassen," brauste der Gentleman mich an.

Wird'S schon wissen", erwiderte ich,wird auch seine Gründe haben für die Abweichung vom Reg­lement ; grad wie er allein weiß, warum er auf Gage verzichtet und warum Miß Giltan aus Aberdeen an Bord sich befindet."

Meine ich doch, es legt sich plötzlichne Aschen- schicht über das feine Engländergesichl. Er stand auf, begann mit seinen schmalen Händen zwecklos in Papieren zu kramen. So Dauerte esue lange Weite, bis es heiser herauskam:Ich werbe kommen 1*

Herr, ich warte mituem Sampan aus Sie,

scharfem Interesse. Viele der ausländischen Officiere trugen Civilkleidung, was zu vielen Bemerkungen unter dem Landvolke Anlaß gab." General Baird war in Jnterims-Uniform und wurde von vielen Bauern für Fürst Bismarck in Verkleidung gehalten; in einem Falle war er deshalb sogar großen Unannehmlichkeiten ausgesetzt.

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) Se. Majestät der K a i s e r hat am 20. d. Nachmittags Baden-Baden ver­lassen, um nach Berlin überzusiedeln. In seiner Begleitung befand sich auch Prinz Wilhelm, der aus Italien vom Besuche seiner Eltern kommend, nach Baden-Baden gereist war.

Anläßlich des Geburtstages Sr. Kaiser!. und Königl. Hoheit des Kronprinzen bringen die meisten Römischen Blätter äußerst sympathische Leglückwünschungsartikel. DieRiforma" hebt hervor, daß die Wünsche und Hoffnungen, die sich an den Geburtstag des Kronprinzen knüpften, in Rom die nämlichen seien wie in Berlin; im entlegensten Dorfe Siciliens wie in der niedrigsten Hütte Pommerns würden für den Kronprinzen dieselben Wünsche gehegt. Der Kronprinz werde diese Wünsche jedenfalls mit gleich großer Be­friedigung aufnehmen und, getragen von der Liebe zweier Völker und begleitet von der Sympa­thie und Achtung der ganzen Welt, der Zukunft voll Vertrauen entgegengehen.

Die Vorarbeiten zu einem Entwurf über Alters« und Jnvaliden-Versicherung sind, wie verlautet, so weit gediehen, daß die Vorlegung desselben noch in der bevorstehenden Reichstags­session als wahrscheinlich gelten kann. Die tm Ganzen festgestellten Grundzüge werden zunächst Sr. Majestät dem Kaiser unterbreitet werden. Alsdann ist es in der Absicht, sie dem preußischen Volkswirthschaftsrath und dem preußischen Staats-

um Sie überzubrmgen," sagte ich stramm, denn nun fühlte ich Oberwasser.

Nicht nöthig I habe eigenes Fahrzeug, eigene Leute," befiehlt er.

Warte dennoch, Herr," erwiderte ich kurz.

damned 1 Kerl, ich lasse Dich aushängen," knirfchle er, bereitete sich aber zum Mitgehen.

Wie sich's gebührte, machte ich draußen den er­gebenen Diener, aber Die Hauptsache war erreicht: Wir. Humphrey stieg das Fallreep unseres Schiffes hinan. Ich geleitete ihn zur Cajüte, deren Thür sofort sich hinter ihm schloß, als sei er bange, die unliebsame Eskorte könne sich auch hier ein- drängen.

Was drinnen sich abspielte, konnte ich nur er­fahren, wenn ich das Loch in der Plankenwand zwischen Cajüte und Proviantkammer benutzte und so sehr war ich bet dieser Geschichte in meiner eigenen Reputation heruntergekommen, daß ich mich nicht schämte, in den Proviantraum zu schleichen, einen Brodbarrel bet Seite zu schieben und nun zu sehen unD zu hören, wie sich die Sache entwickelte.

Miß Gilian saß heiter lächelnd über eine Karte gebeugt tm wopya, Nicolaus Ohlsen stand neben ihr und schien ihr etwas zu zeigen. Der ein- tretende srembe Herr wurde von der Dame mit leichtem Kopfnicken begrüßt, dann schaute sie wie­der in Die Karte, währenddeß die beiden Männer in funkelndem Haß stumm sich gegenüber standen. Plötzlich wurde Miß Giltan leichenblaß, ihre Augen wetteten sich unheimlich und richteten sich