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itrsftlitr irrisblitt.

Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIssustrirtes AnterhattungsötaLL".

Nr. 123. Dienstag den 18. October 1887.

Amtliches.

Bekanntmach un

Der seitherige Control-Platz Oberleugsfeld ist in Fortfall gerommen und dafür Schcnkleugsfeld getreten. Es haben daher diejenigen Mannschaf­ten, welche bisher sich in Oberleugsfeld gestellten, von jetzt an in Schcnkleugsfeldauf dem Platz unter der Linde," gur Control-Versammluug zu erscheinen.

Hersfeld, den 10. October 1887.

Königliches Bezirks-Commando.

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) Das Befinden der Kai se r- lichen Majestäten ist ganz vortrefflich. Se. Majestät der Kaiser wird, wie nunmehr festgesetzt ist, am 20. October Nachmittags 5*/2 Uhr mit den Herren seines Gefolges Baden-Baden verlassen. Am 21. d. M. Vormiltags 8 Uhr trifft der Ntonarch mit seiner Umgebung mittels Extra­zuges aus Baden-Baden auf dem Potsdamer Bahn­höfe wieder in Berlin ein, um nunmehr seine Win- terresidenz im Königl. Palais in Berlin zu nehmen.

Se. Kaiserl. und Königl. Hoheit der Kron­prinz wird am 18. October, seinem Geburts­tage, in Baveno am Lago Maggiore, seine ganze Familie um sich versammelt sehen. Die K r o n p r i n z e s s i n mit den P r i n z e s s i n n e n Victoria, Sophia und Margaretha ist bereits dort, und nun sind auch noch die Prinzen Wilhelm und Heinrich dort­hin gereist.

Das Landes-Oeconomie-Co!le- g i u m wird sich zu der ersten Session seiner neuen Sitzungsperiode am 7. Novbr. versammeln. Als zur Berathung gestellte Gegenstände werden genannt: Antrag des Vereins für Züchtung edler

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Kayard.

Von Helene P i ch l e r.

(Fortsetzung.)

Verdammtes Klatschweib," fluch' ich über mich selbst, und suche mich möglichst paßlich herauszulügen.Ja, Hongkong, denn in Australia geh' ich vom Bayard ab und will nach Hongkong. Gehst Du mit, dann wollen wir uns dort ein lustiges Leben machen."

DaS wollte sie wohl. Auf mein Drängen schlüpfte sie jetzt hinweg und legte sich quer vor ihrer Herrin Kabine auf die Planken nieder, dort hielt das wunderliche Geschöpf seine Nachtruhe.

Unser Capitän hatte sich wohl's Schlafen abge- Wöhnl, denn er verbrachte die Nächte ausschließlich an Deck. Entweder er wanderte stundenlang auf und ab, oder man sah ihn in Luv an der Reeling stehen, oder er faß mit gestütztem Kops aus der kleinen Bank neben dem Skylight. Durchsegelten wir auch ein ziemlich gefährliches Fahrwasser wegen der vielen Inseln und Klippen, so wehte doch ständig guter Wind und der Steuermann war ein zuverlässiger Mensch. Es mußte also 'ne ganz besondere Ursache haben, daß der verantwort­liche Schiffsführer auf die Nachtruhe unter Deck verzichtete.

Miß Gilian dagegen schien sehr glücklich zu sein. Ihre weißen Wangen rötheten sich, besonders wenn sie Nikolaus Ohlsens Stimme hörte. Rasch und sicher konnte die Dame schon nach kurzer Zeit

Merinowollen aufCouccutrationdcs Wollmarktcs. Antrag, betreffend die Züchtung, Erprobung und Prämitrung guter Kartoffelncuhciten. Vorlage, betreffend das ländliche Genossenschaftswesen, und Vortrag, betreffend die Fortschritte in der Moor­kultur und die daran sich knüp enden Colonisations- bestrebungen in Hannover.

Der Gouverneur von K a m e r u n, Frei­herr v. ©oben, ist in Berlin angekommen; er wird binnen Kurzem, nach Beendigung seines Sommerurlaubs, nach Kamerun zurückkehren.

Die Nachrichten über die Inangriffnahme neuer resp. verstärkterer Befestigungen von Grau- denz und Thorn werden mit dem Hinzufügen be­stätigt, daß es sich dabei um die Ausführungen eines Systems von Vorschlägen handeln dürfte, welche vor längerer Zeit der Festungsbauaus- schuß unter dem Vorsitz des Kronprinzen gemacht und der Entscheidung des Kaisers unterbreitet hat. Im Zusammenhang damit stand eine Reise des Kriegsministers Broufart v. Schellendorff in die östlichen Provinzen, welcher die dortigen Be­festigungen behufs der vorgeschlagenen Erweite­rung in Augenschein genommen hatte.

Der Gesetzentwurf über den Warrant-Verkehr (Waarenlagerscheine und deren Beleihung) ist in Vorbereitung, der Bundesrath aber noch nicht mit ihm beschäftigt. Wie man hört, würde der Gesetzentwurf sich an die in England bestehenden Einrichtungen anlehnen, in Bezug auf die Einzel­bestimmungen das bereits in einzelnen deutschen Handelsplätzen bestehende Verfahren berücksich­tigen.

Als Reichscommissar bei der Weltausstellung in Melbourne ist Prof. Reuleaux in Aussicht genommen, welcher bereits in Melbourne und Sidney als Ausstellungscommissar fungirt hat.

Während in früheren Jahren ungefähr 35 Aspiranten als Kadetten in die Marine ein­gestellt wurden, sind in diesem Frühjahr 50 zur

sich auf dem schwankenden Schiffe bewegen. Die Bewegungen aber sind der sicherste Maßstab für die Gesundheit eines auf Salzwasser lebenden Weibes. Nur mitunter zogen sich die dunklen Brauen zusammen, wenn der Capitän nämlich fragte: befehlen Miß Gilian dies: wünschen Miß Gilian das? Närrisch genug nahm sich das frei­lich aus von einem Manne, der geschaffen zum Commandiren, der gewohnt über alle zu herrschen. Auch bei der Schottin wäre er tzerr und Meister gewesen, wenn er seinem eigenen Empfinden nicht gewehrt hätte. Aber dieser Eifenkopf blieb bei seinem Vorsatz. Er stand der Dame gegen­über, wie ein Minister seiner Fürstin gegenüber steht, deren Befehle er blindlings ausführen will. Erschien die schöne Frau oben im Sonnenschein, so winkte der Capitän nur und die Leute spann­ten über ihrem Haupte ein Sonnensegel aus. Der Schiffsjunge holte einen Stuhl, ein Polster, auch wohl ein Buch, oder einen Firlefanz von Nähteret. Was an Bequemlichkeit aus so 'nem elenden Schiff zu beschaffen, ward für Miß Gilian herge­stellt und der Koch hatte große Noth mit allerlei Experimenten von Mehl und Eiern.

Glücklich war die Boetonstraße passirt. Die Insel Boero östlich liegen lassend, steuerten wir in die Molukken, um die Gilolopassage zu gewinnen. Bis so weit hatten wir immer guten Wind und erträglich Wetter. Der Nordwest ging wohl mal nach Süden herum und dicke Luft, Regen und Dunst gab es auch, so daß wir von einer Glocke zur andern Loth und Glas kaum aus der Hand

Einstellung gelangt, darunter 22 Abiturienten. Von diesen 50 Kadetten, so schreibt man den Hamb. Nachr.", welche den Sommer über auf der SegelfregattcNiobe" eiugcschifft gewesen, sind 47 zum Besuch der Marineschule commandtrt.

(Frankreich.) Dem Caffarel-Skandal ist nun ein Boulanger-Skandal gefolgt, in welchem der Kriegsminister Ferron eine ganz besondere Energie gezeigt hat. Boulauger hatte bekanntlich, mit Hintansetzung aller Disciplin, im Gespräch mit Zeitungsbertchterstattern dem Kriegsminister Ferron vorgeworfen, Dieser habe die ganze Affaire Eaffarel nur angezettelt, um ihm, Boulanger, etwas am Zeuge zu flicken. Die Regierung in PariS hat sich von dem Exkriegsminister viel bieten lassen, aber das war doch zu stark. Ferron fragte bet Boulanger an, ob er die Aeußerungen wirk­lich gethan habe. Der General leugnete erst, machte dann Winkelzüge und gestand schließlich alles ein. Er ist dafür mit dreißig Tagen strengem Arrest bestraft worden. Der Ministerrath wird Später noch darüber beschließen, ob Boulanger daS Commanbo des 17. Armeekorps behalten soll. Die Sachlage in dem Proceß Eaffarel beginnt sich insofern etwas zu klären, als aus den statt- gefundenen Gerichtsverhandlungen erhellt, daß Herr Wilson, dessen Name mehrfach in der Affaire ge­nannt war, von den Hauptangeklagten selbst als vollständig unbetheiligt an den fraglichen Vorgängen bezeichnet wird. Charakteristisch für französische Zustände ist eine Erklärung der Staatsanwalt­schaft, die den Pariser Blättern zugeht. Die Staatsanwaltschaft hält es für nöthig, zu ver­sichern, baß die Untersuchung geheim geführt werde, und daßbei der Untersuchung sämmtliche gesetz­liche Vorschriften peinlich beobachtet würden." S'e scheint das Vertrauen, das sie in dieser An­gelegenheit genießt, nicht hoch anzuschlagen. In der Sitzung des Budget Ausschusses konstatirte der Berichterstatter Cavaignac, daß der frühere

legten, um nicht an irgend einer vertrackten Spitze uns die Rippen einzustoßen; aber zu 'ner steifen Kühlte kam's nicht. Wenn die Luft abklarte, sahen wir sie wie 'nen Vorhang in die Höhe gehen, und über dem Horizont tauchte ein weites, mäch­tiges Bild auf: ein steiler, zerrissener Strand, auf dessen Rücken schiefe und gerade Palmen im Winde nickten. Der Landwind trug uns starken Duft von Kräutern und Gewürzen zu.

So kamen wir fast unter den Aequator. Es war drückend schwül und hatte keiner Lust sich zu rühren. Nur Ohlsen, der Capitän, ist frischer als je, sogar unruhig. Er sitzt über seinen Kar­ten, ist dann wieder an Deck und besichtigt das Loth, schüttelt den Kopf über dem Ergebniß und brummt auch wohl einen Fluch in sich hinein. Das hat seine Ursache, denn todtstill ist die Lust, nicht so viel Wind ist da, daß die oberen kleinen Segel steif stehen, das Schiff ist nicht mehr zu steuern, macht aber doch seine drei Meilen in der Stunde, wir waren also in eine sehr mäch­tige Strömung von Süden her gerathen. Das wäre nicht schlimm, unter Umständen sogar günstig, hätten wir nur reines Fahrwasser vor uns. Aber die Inseln, Klippen und Riffe liegen so dicht, als hätte der liebe Herrgott einen Scheffel riesiger Kartoffeln in's Meer geschüttet und wir haben das Schiff nicht in der Gewalt, es tret bt, weil kein Wind da.

Zu allem Ueberfluß verursachte die heiße Luft noch allerhand tollen Spuck. Bleigran verhangen zeigte sich der Horizont, plötzlich ballte sich die