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jtwftl&et Kreislilitt.
_________Wit wöchentlicher Kratis-Aeitage „Mustrirtes AnterhalLungsötatt".
Nr. 120.
Dienstag den 11. October
1887.
Bestellmtgen
auf das „Hersfelder Kreisblatt" mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrirtes Unterhaltungs- Blatt^ pro viertes Quartal 1887 werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 5. October 1887.
Die Nummerlisten
1. der auf den 1. April 1888 ausgeloosten Schuldverschreibungen der Staatsanleihen von 1850, 1852 und 1853,
2. der verloosten und bis zum 1. Januar k. I. gekündigten 3^2 °/0 Staatsschuldscheine von liegen im Geschäftslocale des hiesigen Landraths- amtes sowie auch in denjenigen der Königlichen Steuerkassen des Kreises den Inhabern zur Einsicht während den Dienststunden offen.
»mache ich auf Die diese Nummerlisten be- ekanntmachungen der Hauptverwaltung der Staatsschulden, abgedruckt im RegierungsAmtsblatt Seite 249/50 aufmerksam.
9726. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 10. October 1887.
Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden des Kreises werden hierdurch angewiesen, alsbald einen Plakat-Fahrplan über die Züge auf den der Königlichen Eisenbahn-Direction zu Frankfurt a. M. unterstellten Eisenbahnen dahier abholen zu lasten, welcher an einer geeigneten
^Unbejugter Nachdruck verboten.) Kayard.
Von Helene Pichler. (Fortsetzung.)
Faß' ich mir ein Herz, geh' in die Kajüte, zieh' die Mütze ab und sage: „Nichts für ungut, Kapitän." Leise berichte ich an oberster Stelle meine Beobachtung. Steht mich Kapitän Ohlsen mit seinem ruhig klaren Gesicht an — übergeschnappt war der nicht — und sagt: „'s ist gut, August! Bleib' selbst nur vernünftig unter der dummen Bande, Die Dummheit steckt an wie der Aussatz. Wenn Du Herz und Kops aus dem rechten Fleck behälft, kriegst Du in der Geschichte der armen schönen Frau noch 'nen Hauptplatz."
„Das könnte mir passen!" erwiderte ich und ging.
Kurz danach stand Ohlsen auf der Cajütentreppe, ließ die Mannschaft antreten, die Chinesin reckten ebenfalls ihre Köpfe empor, um zu hören.
Dumpf.grollte es in der Lust und rollte im Wasser wie ein unterseeisches Gewitter. Neben unserem breitschultrigen Kapitän drängte jetzt ein blasses Gesicht aus dem Dunkel heraus. Die feine zitternde Gestalt war in 'ne alte Tischdecke eingehüllt, die ich vorher hatte in der Kajüte liegen sehen. O Gott, war das Weib in seiner Hills- losigkeit schön 1
Nun sprach unser Kapitän mit seiner ruhig rol- lenden Donnerstimme, durch welche er dem ärgsten Feigling das Blut in's Gesicht treiben konnte.
I Stelle, im Wirthshaus oder wo es sonst passend erscheint, zugänglich auszuhängen ist.
9839. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 10. October 1887.
Die Herren Localschulinfpectoren des hiesigen Kreises beehre ich mich hierdurch an die bald gefällige Erledigung meines Ersuchens vom 1. April er. Nr. 3541 im Kreisblatt Nr. 43, die ländlichen Fortbildungsschulen betreffend, er- gebenst zu erinnern.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
Tas italienisch-österreichisch-deutsche Bündniß.
Die Nordd. Allg. Ztg. enthält folgende bedeutsame Kundgebung: „Der Besuch des Herrn Crispi bei dem Fürsten Bismarck in Friedrichsruh hat die volle Uebereinstimmung der beiden Staatsmänner in ihrer Entschlossenheit ergeben, im Verein mit Oesterreich-Ungarn den Frieden zu erhalten, einen europäischen Krieg nach Möglichkeit zu verhindern und im Falle der Nothwendigkeit gemeinsam abzuwehren. Diese Aufgabe ist keiner schwebenden Detailfrage untergeordnet; sie ist auch nicht der Ausfluß vorübergehender persönlicher Stimmungen, sondern das Ergebniß der Gesammtinteressen beider Völker, welche gewillt sind, nach Wiederherstellung ihrer nationalen Einheit sich der Pflege der damit errungenen Güter zu widmen. Der friedliebende Bürger, welcher jedes neue zur Bekräftigung des europäischen Friedens dienende Pfand mit Freuden begrüßt, wird deshalb mit Genugthuung ebenso wie auf den Besuch des Grafen Kalnoky in Friedrichsruh auf den des Ministerpräsidenten Crispi Hinblicken. In diesem Sinne hat sich
Hurrah, das war ganz der alte Ohlsen, für den seine früheren Mannschaften gltedwets sich hätten in den Tod schicken lassen.
„Leute," sagte er, „der „Bayard" hat freilich keinen Ueberfluß an Platz, wir sitzen ’n bischen dicht aufeinander. Ader für ein Weib — hört ihr wohl — für ein Weib, zumal wenn's schlimmeres erduldete, als je ein Mann ertragen konnte, wird jeder rechtschaffene Maat den letzten Bffsen Brod und die engste Schlafstelle hergeben. Was hätten wir Männer vor den besseren sanften Frauen voraus, wenn wir sie nicht schützen könnten ? zur Noth mit dem eigenen Leben i So denke ich s So denkt ihr Alle! ich weiß es. Drum habe ich der Dame meine und eure Ehre Der« pfändet. Die Mannschaft des^Bayard sei europäisch, nie habe auf einem ödnff bessere Zucht und höherer Muth geherrscht als hier und Gastfreundschaft sei uns heilige Pflicht. Wo 613 Menschen Unterkommen gefunden, da werde auch für den 614. Obdach und Nahrung gefunden werden. Damit ihr aber wißt, wen ihr im Meere aufgelesen, dem Tode entrissen habt: Miß Gilian ist Schottin, sie kam aus Averdeen. Die „Espe- rance" war nach Hongkong bestimmt, dort wird Miß Gilian von — ihrem — Bräutigam — erwartet. Vor drei Tagen fiel die „Esperance" malayischen Piraten zur Beute. Kapitän und Mannschaft sind niedergemacht, das Schiff geplündert und angezündet worden. Nur an Miß Gilian wagten die Schurken sich nicht zu vergreifen. Nachdem ihre Hände gebunden und jede
die öffentliche Meinung Europas durch die überwiegende Mehrzahl der Zeitungen ausgesprochen. Diejenigen ausländischen Stimmen, welche ihr Mißfallen über diesen Besuch zu erkennen geben, zeigen dadurch, daß sie nicht der großen Mehrheit der europäischen Bevölkerung angehören, welche den Frieden will, sondern der kleinen Anzahl Derer, welche die Kalamität großer Kriege über Europa herbeizuführen suchen."
Wir fügen hieran folgende Mittheilung der Nat.-Ztg. aus Paris. Der orleanistische „Soleil" will das französische Publikum in einer Petersburger Korrespondenz über einen „verhängniß- vollen Irrthum" aufklären, den Glauben, dem es sich allgemein hingiebt, ein Allianzvertrag sei von Herrn v. Giers und Herrn Flourens unterzeichnet oder doch wenigstens moralisch geschlossen worden.
„Meine aus guter Quelle geschöpften Informationen — so schreibt der betreffende Petersburger Korrespondent nach Paris — gestatten mir — leider 1 — diesen in Paris so verbreiteten Irrthum zu berichtigen. Ich habe es Ihnen in der letzten Zeit schon zwanzig Mal gesagt und kann es nicht genug wiederholen: Wenn zwischen Ihnen und den Deutschen ein Krieg ausbricht, so sind Sie allein. Ich füge sogar auf die Gefahr hin, für einen Pessimisten zu gelten, hinzu: die Sympathien des officiellen Rußland werden für Deutschland sein, namentlich wenn Frankreich unterliegt."
YoLiLlschs Nachrichten.
(Deutschland.) Se.Majestät derKaiser erledigte am Freitag in gewohnter Weise die laufenden Regierungsangelegenheiten, hatte eine längere Conferenz mit dem Vertreter der Auswärtigen Angelegenheiten von Bülow, stattete demnächst gelegentlich einer Ausfahrt dem Fürsten von Hohenzollern einen Besuch ab und entsprach
Möglichkeit, ein Schiff anzurufen, genommen war, ward Miß Gilian im Boote ausgesetzt. Was das zarte Wesen während drei Tage und drei Nächte erduldet in stummer Todesqual, durch Hunger und Durft, durch glühende Sonne, Regen und Finsterniß, das stellt selber euch vor. — Jetzt droht ein Wetter, und der Bayard ist keiner von den stärksten. Aber, Jungens, ich weiß, jeder von euch steht seinen Mann und wird eher 's eigene Leben drangeben, ehe Miß Gilian in Gefahr kommt. Alle für Einen, Einer für Alle; so ist es Brauch auf dem Bayard. Denkt ihr wie ich, so dürfen wir keine Menschenseele in Schrecken und Noth lassen. Ich meine, die armen Bursche, welche außenbords hängen. Sie haben gelbe Haut und 'nen festgedrehten Zopf, aber 's sind Menschen. Arrangtren wir uns also, daß die lang- zöpfigen Schelme während des Wetters innen« bords untergebracht werden können. Ihr Jungens räumt das Logis und bezieht die Kajüte, die Kulis müssen sich in euren Kojen zurechtfinden."
„Hoch Kapitän Ohlsen! hoch! hoch!"
Nur gedämpft klang der Ruf; Wind und Wellen brummten im Baß ihn nach.
„— Und Sie, Kapitän?" fragte der Steuermann.
„Werde sehen, wo ich bleibe," lautete die fröhliche Antwort. „Halt, ich hab's, wenn Ihr die Wache habt, schlaf' ich in Eurer Koje.'"
So wurde es ausgeführt. In der engen Kajüte warfen wir unsere wenigen Habseligketten auf den Boden. Die beiden Nohrbänke und der Tisch