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N^H SMMM^dM^8. Oktober 1887.'
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# Deutschland und Italien.
Der Besuch, welchen der italienische Minister- Präsident, Herr Crispi, dem Reichskanzler in Friedrichsruh soeben abgestattet hat, ist Gegenstand der allgemeinen Aufmerksamkeit in ganz Europa. Als vor kurzem der österreichisch-ungarische Minister des Auswärtigen, Graf Kalnocky wiederum in Friedrichsruh anwesend war, nannte ein österreichisches Blatt den Fürsten Bismarck den „Friedenskanzler," der sobald darauf erfolgte Besuch des italienischen Ministers spricht daher deutlicher aus, als wie Reden oder andere Kundgebungen es vermöchten, in welcher Richtung auch Italien seinen politischen Einfluß geltend zu machen bestrebt ist. Den Anschluß an die Friedenspolitik der beiden mitteleuropäischen Kaisermächte, Deutschland und Oesterreich, hat Italien schon vor Jahren vollzogen, aber nach dem Tode des Ministers Depretis, des treuen Pflegers der Freundschaft mit Deutschland, mochte es für seinen Amts-Nachfolger von Werth sein, auch an seiner Auffassung der politischen Beziehungen Italiens und der Aufgaben der italienischen Politik nirgend den geringsten Zweifel zu belassen.
Unter den vielen wichtigen politischen Vorgängen dieses Jahres ist der Besuch des italienischen Ministerpräsidenten in Friedrichsruh ohne Zweifel einer der bedeutsamsten. Wer die Entwickelung
^Unbefugter Nachdruck verboten.)
K a y a r d.
Von H e l e n e P i ch l e r. (Fortsetzung.)
DaS stockende Blut gewann frischen Umlauf, in dem wunderbaren Heiligenbild war das Leben noch nicht erloschen. Ritt ’nem Ruck warf ich meine Jacke ab, wickelte sie zu ’nem Bündel zusammen, welches ich unter den Kopf des Heiligenbildes schob, — muß gestehen, daß mir bet Berührung des feuchten schwarzen Haares die Hände zitterten — dann nahmen wir das Boot tn's Tau und ruderten auf den Bayard zu.
's mochte jeder von uns so seine eigenen Gedanken haben. Der Bayard hätte ’ne Erleichterung gut vertragen können, statt dessen brachten wir ihm noch einen Menschen, noch dazu ein Weib, welches unglücklich, pfleg- und hilfsbedürftig. Freilich, um dies Weib hätte ich das ganze hundertfältige Cyimsenpack zum Teufel schicken können; das gehetmnißvolle Frauenbild hatte mich mit ’nem Zauber gepackt, am liebsten wäre ich immer fortgerudert, um sie in Sicherheit zu bringen, nur nicht zum Bayard zurück.
Sie lebte. Sie lebte wirklich. Christoph und ich konnten sehen, daß das weiße Gesicht Farbe kriegte wie Morgenroth. Ein Mal hoben sich auch die dunklen Wimpern und ein Paar große blaue Augen starrten zum sonnenglänzenden Morgenhimmel auf, schloffen sich aber sofort wieder. Durch einige schwache Körperbewegungen legte sich
der europäischen Politik? wie sie sich seit Beginn dieses Jahres vollzogen, aufmerksam verfolgt, kann nicht in Zweifel sein, daß der Besuch des hervorragenden italienischen Staatsmannes ein Glied in der Kette dieser politischen Entwickelungen ist. Man wird darin nicht den Ausgangspunkt neuer Verhältnisse und Gestaltungen, wohl aber eine neue Besiegelung und Bestätigung derjenigen Gruppirung der Mächte zu erblicken haben, welche sich in den letzten Jahren wiederholt als ein fester Damm gegen die Hochflut!) unfriedlicher Bestrebungen erwiesen hat. Derselbe hat in Friedrichsruh nur eine erneute Verstärkung erfahren, welcher der uneingeschränkte Beifall aller friedlichen und besonnenen Elemente in Europa zu Theil wird.
Ebenso wie Deutschland und Oesterreich Ungarn sucht Italien den Frieden zu erhalten. Nachdem es das Ziel erreicht, welches der Gegenstand der nationalen Sehnsucht war, hat auch Italien sich den schwierigen Aufgaben seiner inneren Entwickelung gewidmet, welche ihm ein unermeßliches Arbeitsfeld bietet. Diesen Aufgaben will es ungestört leben können und Italien hat daher gleich den anderen friedlich bestrebten Mächten ein Interesse an der Erhaltung des jetzigen, durch internationale Verträge beschlossenen europäischen Rechtszustandes. Auf die Sicherung und Befestigung desselben ist die Sorge der deutschen Politik unablässig gerichtet, und Herr Crispi beweist durch seinen Besuch in Friedrichsruh in unwiderleglicher Weise, mit welcher Aufrichtigkeit und Entschlossenheit Italien an dieser Sorge theilnimmt.
Von der immer mehr zusammenschmelzenden Schaar der Männer, welche an der Wiege des jungen italienischen Nationalstaates gestanden und denselben auf den Trümmern einer unheilvollen nationalen Zerrissenheit errichten halfen, ist Crispi
das leichte, nasse Kleid noch enger um die Glieder — es war so ’n spitzen- und kantenbesetztes Nachtkleid, wie's die vornehmen Damen in Europa tragen mögen —, Christoph und ich sahen das junge Marmorbild, guckten uns selbst an und wie auf Verabredung setzten wir uns 'rum, daß wir mit dem Gesicht voraussahen. Wir Schiffsleute sind wahrlich keine Heiligen, aber die schönen, Glieder, die an der „Todten" uns mit schmerzlicher Scheu berührt hatten, sollten an der Lebenden nicht mit ’nem halben Aug' entweiht werden.
Später freilich mußten wir die Unglückliche doch mit unseren groben Fäusten anfassen, um sie nämlich in unser Boot hinüberzubringen, das dann mit ihr aufgeholt wurde.
So hatten wir sie wirklich an Bord des Bayard, und das Boot „Esperance" schaukelte im Kielwasser hinterdrein.
Wer will es mir verdenken, daß ich mich auf's Kundschaften legte? Wohl sagte ich mir: pfui, ein ordentlich Mannsbild thut nicht horchen wie ’n altes Weib. Aber von Rechtswegen hatte ich an der geheimnißvollen Frau den ersten Antheil. Ihr Schicksal, das heißt, was sie erlebt haben mußte, bevor wir sie retteten, ließ mir bei Tag und bei Nacht keine Ruhe. Aus der engen Ca- jüte aber drang kein Wort auf's Vorderdeck. Die Fische, die vor'm Bug spielten, erzählten von der Sache mindestens so viel, wie Capitän und Steuermann. Es waltete eine dumpfe Stille, so'n unangenehmes Schweigen über dem Schiff; mir besonders unbequem. Eins aber merkte ich mit
I einer der bedeutendsten. Nur vier Jahre jünger als Fürst Bismarck hat er an der Einheitsbewegung in Italien seit der Mitte dieses Jahrhunderts einen hervorragenden Antheil genommen und bei den verschiedenen Phasen derselben stets mit im Vordergründe gestanden. Seit 1860 hat er stets entweder der Kammer oder der Regierung angehört, und seine Landsleute, nicht nur die vorgeschrittene liberale Partei, zu welcher er zählt, setzen mit Recht großes Vertrauen in seine Begabung als Repräsentanten der Traditionen jener schweren und mühevollen Zeit, in welcher das neue Italien erbaut wurde.
Seine Reise nach Friedrichsruh führt ihn nach 10 Jahren zum zweiten Male mit dem deutschen Reichskanzler zusammen. Die sympathische Aufnahme, welcher Herr Crispi im Jahre 1877 in Berlin gefunden, erneuerte sich während dieser letzten Tage in der einmüthigen Befriedigung, welche sich in der gesammten deutschen Presse über den Besuch des italienischen Ministers kundgab. Der Umstand, daß diese Befriedigung auch in Oesterreich-Ungarn durchweg getheilt wird und man dort den Besuch des Herrn Crispi gleichsam als die Fortsetzung des Besuchs des Grasen Kalnocky betrachtet, bekundet deutlich den hohen Werth, welchen die friedliche Annäherung und Verständigung der drei Reiche für den Frieden und das Wohlergehen des gesammten Welttheils in sich schließt.
mieden
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Se.Majestät derKaiser wohnte am Dienstag Abend der Opernvorstellung bei und nahm sodann bei der Kaiserin den Thee ein, zu welchem die Prinzen Ludwig und Rupp- recht von Bayern Einladungen erhalten hatten. Am Mittwoch Vormittag nahm der Kaiser Vor- träge entgegen und begab sich Nachmittags ls/4
seiner Nafe sogleich: in unserm Capitän bereitete sich ’ne große Veränderung vor. In der weiten Meereseinsamkeit lernt man unter andern nützlichen Dingen auch in den Gesichtern anderer Leute wie in ’nem Buche lesen, weil man eben dem Capitän immer nach dem Gesichtsbarometer gucken muß.
Gut 1 Als unsere Seejungfrau wohlgeborgen in des Capitäns Koje ruhte und jeder ein wenig sich beruhigt fühlte, denke ich, jetzt ist's ungefährlich, sich achter ’n bischen zu schaffen machen, leicht, daß ich was sehe und höre von der Fremden. Saß Capitän Ohlsen in der Cajüte, 's war nur ’n Loch von zwei Schritt Breite. Vor ihm stand die Arrakflasche, deren Niveau schon seit der Abreise auf gleicher Höhe blieb; haha l mit’n paar Tropfen Feuerwasser hatte er den schwachen Lebensfunken dort in seiner Koje angefacht. Sein mächtiger Kopf lag in beiden Händen vergraben, halblaut sprach er mit sich selbst. Blinde Gerechtigkeit? Höheres Walten? Oder soll's noch nicht genug sein? Sie ist schön! Erbärmlicher Bube, jetzt heißt's Weib um Weib! Ein herrliches Wesen, was ist Aphrodite gegen dies Meisterwerk der Natur? Hm, was ist's auch viel? ein Weib mehr oder weniger? O, Mona, Mona!
Ja, Mona war der Name seiner eigenen, auf so schmähliche Weise um Glück und Leben betrogenen Frau gewesen. Ich wußt es wohl aus all den dumpf umlaufenden Geschichten. Es lief mir unbehaglich über den Rücken und ich wollte mich mit ’ner Hand voll Nägel, die ich leise aus