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HersselÄke Krcislillitt.
__________Wit wöchentlicher Kratis-Weilage „Illustrirtes Nnterhaktungsvlatt".
Nr. 118.
Donnerstag den 6. Oktober
1887.
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auf das „Hersfelder Kreisblatt" mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrirtes UnterhaltungsBlatt" pro zweites Quartal 1887 werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriesträgern und von der Expedition angenommen.
Hersfeld, den 3. October 1887.
Der seitherige Bürgermeister George Triesch - m a n n H. zu Widdershausen ist heute als solcher auf 8 weitere Jahre bestellt und eidlich verpflichtet worden.
9668. Der Königliche Landrath _________________Freiherr von S chleinitz.
Der hinter den Tüncher Johannes Pflüger aus Wiesbaden diesseits am 30. Juli bezw. am 10. August 1887 erlassene Steckbrief ist durch Ergreifung erledigt und wird zurückgezogen. Cassel, den 30. September 1887.
Der Erste Staatsanwalt.
J. A.: Chuchul.
# Die „Modenationalität" der elsässischen Protestier.
Es sind nun 17 Jahre vergangen, seit Elsaß- Lothringen wieder deutsch geworden ist. Die Verwaltung des Landes hat die ernstesten Anstrengungen gemacht, auch die Herzen der Bevölkerung dem alten Vaterlande zurückzuerobern. Die Erfolge dieser Bestrebungen könnten fast gering erscheinen, wenn man die Stimmung der
Wir haben das Wort „Modenationalität" den
Reichsländer nur nach den auch für den ferner I „Erinnerungen aus alter und neuer Zeit, vom stehenden Beobachter augenfälligen Erscheinungen, ®™ton c^K^^e -Dm^a-i.» mtnnmmm ->?«-»» wie den Ergebnissen der Wahlen, den fortgefetzten Klagen der Protestpartei im Reichstage über Vergewaltigung des Landes oder den letzten Landesund Hochverrathsproceffen beurtheilen wollte. Ist es nicht an sich höchst auffällig, daß eine Bevölkerung, welche nach Sitten, Gewohnheiten, Sprache und Denkungsart deutsch war und deutsch geblieben ist, die Tage der französischen Herrschaft so schwer vergessen kann? Gewiß sind in einer zweihundertjährigen Fremdherrschaft manche Ueberlieferungen der Vorfahren verloren gegangen und gewiß konnte auch das wohlwollendste Verhalten der neuen Regierung nicht sogleich Alles vergessen machen, was Elsaß-Lothringen bis zum Frankfurter Frieden in Erziehung, Studien, Familienverhältnissen, politischer Ueberzeugung mit Frankreich verbunden hatte. Aber daraus allein läßt sich das Auffällige nicht erklären, daß die Einlebung in den deutschen Staatsorganismus nicht schnellere Fortschritte macht.
Diese ErkkMmg MgegeMiT^kMN"Mäst" erfährt und erwägt, unter welchem Terrorismus die Bevölkerung des Landes steht. Die französische Protestpartei hat es verstanden, namentlich bei den Wahlen einen Druck auszuüben, der die deutsche Grundnatur nur schwer zur Geltung kommen läßt. In Wahrheit entsprechen die Bilder, welche die Simonis, Guerber und Genossen im vorigen Reichstage über die Lage des Landes, seine Vergewaltigung, den Raub seiner Muttersprache, wiederholt entwarfen, der wahren Stimmung der breiteren Massen nicht. Die Protestpartei hat unter systematischer Schmähung und Verfolgung der versöhnten und versöhnlichen Elemente das Land unter das Joch einer „Modenationalität" gebeugt, welches abgeschüttelt werden muß.
Graten Eckbrecht Dürckheim entnommen, einem
Buche, welches, aus der genauesten Kenntniß der Natur der Reichsländer geschrieben, beweist, daß das freudige Gefühl der Wiederkehr zum alten Stamme durch eine ungerechte und rücksichtslose, geschickt mit dem allemannischen Eigensinn rechnende Agitation gewaltsam zurückgehalten wird. Graf Dürckheim war bis 1870 französischer Unterthan und hat früher verschiedene Aemter im französischen Staatsdienst bekleidet. Aus der Zeit, als er Unterpräfect in Weißenburg — zu Anfang der vierziger Jahre — war, erzählt er eine Geschichte, welche auf's Schlagendste darthut, wie weit die den Eisässern von der Protestpartei aufgenöthigte „Modenationalität" her ist. Damals machte die Julimonarchie lebhafte Anstrengungen, die französische Sprache im Elsaß zur herrschenden zu machen. Die Bemühungen stießen jedoch auf einen hartnäckigen Widerstand sowohl der Landbevölkerung als des katholischen wie protestantischen Klerus, der sich insbesondere, voran Bischof Räß von Straßburg, weigerte, den Religionsunterricht in französischer Sprache zu ertheilen. Die Geistlichen, an welche Graf Dürckheim zu seinem Bedauern die ministerielle Verfügung zu schicken hatte, traten entschieden für die Muttersprache des Volkes ein. „Sehr pikant ist es aber — fährt Graf Dürckheim in seinen Erinnerungen fort — daß heute dieselben Herren im Reichstage wie im Landesausschuß die deutsche Verwaltung beschuldigen, den elf off er Kindern die französische Muttersprache rauben zu wollen. Jetzt ist also plötzlich auf Kommando des Chauvinismus die Muttersprache umgesprungen, aus der deutschen die französische geworden."
Den „Arrangeurs der elsässischen Sache" wird es nicht gelingen, die Hoffnungen zu zerstören, welche der Elsasser Graf Dürckheim in folgenden Worten ausspricht: „Ich fah mein Elfaß frei
^Unbefugter Nachdruck verboten.)
Kayard.
Von H e l e n e P i ch l e r. (Fortsetzung.)
Sobald die ersten Tropfen fielen, hielten sie ihre Lumpen ausgebreitet über sich. Aber mochte es gießen, daß kein Haar trocken blieb, hernach dieser und jener im Fieber sich schüttelte, einen herzhaften Trunk gab's nicht; glücklich mußte schon der fein, welcher das größte Stück Zeug auszusaugen hatte.
Am dritten Tage schnüffelten wir umher. Konnte man von unserer Ladung auch gerade keinen Rosendust verlangen, so überstieg der aus dem aufgebauten Deck hervorquellende Dust doch alles Erträgliche und da man nicht wissen sonnt# was geschehen und was die Folgen, so mußte- zwei Mann mit dem Steuermann in die Höhe hinein, um die Sache zu untersuchen.
Lieber will ich zwei Tage und zwei Nächte Jet schlechtem Wetter auf dem Außenklüverbalm reiten müssen, als solchen Anblick noch einmal erleben. Vier Todte brachten unsere Leute ausbem Dunkel hervorgeschleppt. Vier Todte, die breits am Tage der Abreise erdrückt oder erstickt sein mußten. , ,
Verfluchtes Schiff! verfluchte Ladung! Whrend der folgenden Tage ward regelmäßig Totenlese gehalten und so an acht bis zehn mochta über Bord gesetzt sein, als der Wind schwächer und es endlich ganz flau wurde. Das fehlte gevde noch, um das Elend voll zu machen.
In der nächsten Morgenwache sitze ich auf der Backbordreeling, lasse die Beine außenbords hängen, gucke über die nachtgraue See und den dunklen Himmel hin und denke über dies wunderliche Thstl Erde nach, welches sie Ostasien nennen. Sr ein Maat, wenn er gesunde Augen und Ohren und ein tüchtiges Hirn besitzt, kann auch zu mancherlei Gedanken kommen, die sonst nur den liuten von der hohen Schule beifallen, nur daß sie Gedanken nicht so fein herauskommen, wie bet len gebildeten Herren. Ich sage mir, warum ist in diesem verwünschten Ostindien, China und Japan fo wenig das zu finden, was wir Deutschen Glück nennen ? und meine, das kommt daher, weil das Zuviel regiert. Zuviel Sonne, zuviel Regen, zuviel Sturm, zuviel Fruchtbarkeit. Und weiter: zuviel Menschen, zuviel Macht, zuviel Reichthum, zuviel Gewalt. Wo ein Zuviel, da fehlt auch die Kehrseite nicht, das Zuwenig. Zwischen diesen beiden schwankt alles hin und her. Das Gleichgewicht kann nicht eintreten; ohne sol- ches ist aber nicht einmal ein Schiff lenkbar, wieviel weniger ein riesig Stück Menschheit. Ein Theil muß da stets leiden.
So sitze ich denn in der grauen Morgenfrühe, wo das innerste Herzblut fröstelt, nicht von wegen der Kälte, sondern weil das Furchtbare, das Großartige des Wechsels von Tag und Nacht die Seele erschauern macht. Viel unheimlicher, als die alberne Gespensterstunde der trockenen Menschen ist die Scheidestunde zwischen Tag und Nacht auf dem offenen Meer, wo es an allen Anzeichen
des Herannahens der Sonne fehlt. Kein Vogel zirpt im Morgenschlaf, thaubehangene Gräser und Blumen fehlen und kein Rauchwölkchen erzählt dem Einsamen von anderen Menschen. Nur der Wind murrt, wie er immer murrt. Da schwimmen wir wenigen Menschen in einem Kasten auf der maßlos wetten See. Wir erwachen vom Schlaf, aber noch ist es dunkel und — wenn die Sonne nun mal ganz ausbliebe?
Aus dieser Vorstellung mag wohl das Gruseln des Schiffers vor dem Morgengrauen herrühren.
Sitze ich also und denke, wie's wäre, wenn die Sonne ausbliebe. Die Kults sind die ärmsten Kerle von der Welt; wenn aber die Himmelsleuchte die Wiederkehr vergäße, bann ist plötzlich Gleichheit da. Alles wäre gleich elend, vernichtet. Sein Matador, kein König hätte vor dem schlechtesten Kult etwas voraus.
Nicht so Diel Wind, daß die Segel steif stehen. Die See nicht gerade glatt, aber doch ruhig. So recht ebenmäßig kommen die niedrigen Wellen herangerollt, Überschlagen sich mal und spritzen endlich an unserem Schiff Helle Kämme herauf, die den außen angebundenen Langzöpfen über die Füße gehen. Ich träume beinahe, aber nur mit der Seele, die Augen sind Helle. Diese sehen in weiter Ferne auf dem dunklen Wasser einen noch dunkleren Punkt, der aus- uud niederschwankt, bald ganz schwarz, dann glänzend weiß erscheint, regellos schaukelt und doch mit dem bischen Seegang uns immer näher getragen wird. Ein Boot? nein! es müßte denn niemand darin sein, weil es