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Nr. 116. Sonnabend den 1. OctoLer 1887.
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Die Expedition.
Amtliches.
Cassel, den 16. September 1887.
Da es aus pädagogischen Rücksichten nicht angängig ist, die von der Anklage einer begangenen strafbaren Handlung freigesprochenen aber gemäß §. 56 Strafgesetzbuchs zur Zwangserziehung bestimmten in der Königlichen Erziehungs- und Besserungsanstalt zu Wabern untergebrachten Knaben innerhalb und außerhalb der Anstaltsgrundstücke wie Gefangene zu überwachen und einzuschließen, sind bereits mehrfach Fluchtversuche einzelner Zöglinge vorgekommen und werden solche auch in Zukunft des öfteren vorkommen.
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Einquartierung.
Novelle von C a r l E i s s e n - S t e i n. (Fortsetzung und Schluß.)
AlS die große Wanduhr elf schlug, saß in dem großen Saale wartend Mrs. Smit mit unnachahmlicher Würde auf dem gewohnten Sopha, Herr Hans Carl lief unruhig auf und ab, während Claire vor Aufregung abwechselnd blaß und roth wurde. Nur Käthe saß ruhig auf der Veranda, neben sich ihren treuen Papagei, als ein Wagen vorfuhr und unmittelbar daraus trat der Erwartete ein. Als Claire ihn erblickte, schrie sie laut auf; Mr. Smit blieb das vorbereitete Wort in der Kehle stecken, während seine Gattin, ihre Würde vergessend, nur die Worte vorftteß: „Mein Herr! was wollen Sie und mit welchem Recht find Sie hier?"
»Meine gnädigste Frau, mit dem Rechte, das Sie und Ihr Herr Gemahl mir einräumten — mit dem Rechte Ihres zukünftigen Schwieger- sohnes!" war die sehr ruhige Antwort.
»Das ist ein Irrthum, eine Unmöglichkeit; mein Schwiegersohn ist Baron von Wolihart."
»Das ist mein Name und hier ist Ihr Brief' Herr Smit, der mich legitimirt."
„Nicht möglich I" schrie Herr Hans Carl —
„Sie sind nicht Herr von Wolshart. Herr von Wolihart war bei mir einquarttert---
»Ganz recht, ich war bei Zhnen einquarttert" — „Georg, ich denkeDein!" schrie draußen
der Papagei und über das Gesicht des fremden Herrn zuckte ein heller Freudenstrahl.
„Das ist eine Unwahrheit!" donnerte Herr Hans Carl, aber ein leuchtender Sonnenstrahl durchbrach das Unwetter, als Käthe mit erhobenen Händen und einem Antlitze an den Herrn heran- trat, in welchem die Lösung des Räthsels deutlich zu erkennen war.
„Georg!"
„Käthe!"
Er trat an ihre Seite, faßte ihre Hand und bedeckte sie mit Küssen.
„Was Du mir nicht sagst, hat Joco mir verrathen, Käthe, Käthe, ich bin der glücklichste Sterbliche," flüsterte er.
„Papa, Mama, Claire---versteht mich doch---das ist er ja — er ist es! O Gott, wie Ihr mich anschaut, so verständnißlos — Georg ist es---- Georg!"
„Hören Sie? wer sagte, daß Sie Baron von Wolihart sind? Käthe laß die Hand dieses Herrn — großer Gott! wie unangenehm das ist!"
„Ein Wort, Herr Smit! Ich sah diese Unannehmlichkeiten und diese Mißverständnisse kommen und sah ihnen mit Vergnügen entgegen — nun aber möchte ich sie schnell aus dem Wege räumen, denn mein Glück ist größer als ich gehofft! Ich heiße Georg von Wolihart und war gleichzeitig mit meinem Officier hier im Quartier, er im Hause, ich im Gartenhaus."
„Das ist schändlich, Käthe, Du hast hinter meinem Rücken - -7 —
Die Veröffentlichung des Steckbriefes im Oeffentlichen Anzeiger wird in der Regel erst mehrere Tage nach der Flucht erfolgen können, nachdem der Flüchtling sich vielleicht schon andere Kleidung zu verschaffen gewußt oder überhaupt den Regierungsbezirk schon verlassen hat.
Ich nehme daher Veranlassung, nachstehend die Anstaltskleidung allgemein zur Kenntniß zu bringen, mit dem ergebensten Ersuchen, sämmtliche Verwaltungs- und Polizeibehörden, Gendarmen, mit insbesondere in den der Anstalt zunächst gelegenen Theilen des Bezirks zu steigernder Sorgfalt, dahin mit Anweisung versehen zu wollen, daß alle in dieser Kleidung betroffenen Knaben ohne weiteres auszugreifen und Ew. Hoch- wohlgeboren rc. Anweisung gemäß in die Anstalt zurückzutransportiren sind.
Die Anstaltszöglinge sind bekleidet:
a. am Sonntage:
1. mit dunkelblauen Tuchjackets mit weißem Nessel gefuttert,
2. „ graue Tuchhosen mit breitem Latz,
3. „ Drillichwesten,
4. „ Mützen von dunkelblauem Tuche, mit weißem Nessel gefuttert und mit rothem, oder weißem Streifen versehen,
5. „ dunkelgrauen wollenen, oder blauweißen baumwollenen Strümpfen,
6. „ blauweißen baumwollenen Halstüchern,
7. „ Schuhen oder Stiefeln,
8. „ blauweißen leinenen Taschentüchern,
9. „ Hemden von Nessel und
10. „ Hosenträgern von Nessel.
b. a m Werktage:
1. mit Westen, Mützen, Strümpfen, Halstüchern, Taschentüchern, Schuhen, Stiefeln, Hemden und Hosenträgern wie vor.
2. „ Drillichhosen von grauem Drillich und ' 3. „ Arbeitskitteln aus blauer Leinwand mit 1 Gürtel und Stehkragen versehen.
Sämmtliche Sachen sind mit dem Stempel E, a. w. und mit der Nummer des betreffenden Knaben versehen.
Der Regierungs-Präsident.
I. V.: Schwarzenberg.
An sämmtliche Königliche Landräthe rc.
* * *
Hersfeld, den 28. September 1887.
Vorstehende Versügung des Herrn RegierungsPräsidenten wird den Herren Ortspolizeiverwaltern und der Königlichen Gendarmerie des Kreises zur Kenntnißnahme und Nachachtung mitgetheilt.
Im Falle der etwaigen Aufgreifung eines Knaben in der oben beschriebenen Kleidung ist mir unverzüglich Anzeige zu erstatten.
9409. Der Königliche Landrath _____Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 28. September 1887.
Nachdem seitens der Königlichen Direction der Rentenbank für Westfalen, Rheinprovinz und Hessen-Nassau zu Münster darauf hingewiesen worden ist, daß in Betreff derjenigen rentenpflich- tigen Grundstücke, deren Gebäulichkeiten vorzugsweise die Sicherheit für die Rente gewährleisten, diese Sicherheit bei einem etwaigen Abbrüche der Gebäude dadurch beeinträchtigt werden könne, daß die Besitzer dieselben nach dem Abbrüche entweder gar nicht oder auf anderen Grund und Boden, welcher für die Rente nicht mitverhaftet ist, wieder aufbauen, so ist, um die Rentenbank für den Fall eines Abbruchs rentenpflichtiger Gebäulichkeiten vor der Gefahr der Entwerthung ihrer Pfandobjecte thunlichst zu schützen, durch höhere Verfügung angeordnet worden, daß gleichzeitig mit der Genehmigung oder Anordnung des Abbruchs eines rentenpflichtigen Gebäudes der Königlichen Direction der Rentenbank zu Münster seitens der Ortspolizeibehörden Nachricht gegeben I werde.
„Weiter kam Mrs. Smit nicht; Georg von Wolfhart trat an sie heran und sagte leise: „Vergeben Sie ihr die Schuld, die sie nicht beging! Sie wußte so wenig, wer ich war, als Sie von meinem Dasein eine Ahnung hatten. Ich sandte meine Karte herauf, sie blieb unberücksichtigt und erst der Brief Ihres Herrn Gemahls gab mir Aufschluß warum! Man hielt meine Karte für die des Officters und diesen für Herrn von Wolfhart, während von meiner Existenz nur Käthe Notiz nahm! Ihr danke ich mein schönes Quartier, ihr hoffe ich Alles danken zu können — Alles! und was Sie dem Baron von Wolfhart versprochen, Herr Smit, die Hand Ihrer Tochter, das hält Georg aufrecht, Käthchen! Um keinen Preis der ganzen Welt gebe ich es zurück, es ist mein, auf ewig!! Sie werden mein Schwiegervater, Herr Smit, ob Sie wollen oder nicht."
Und die Arme um den alten Herrn schlingend, drückte Georg von Wolfhart einen kräftigen Kuß auf seine Backen, während Käthe sich stürmisch an ihrer Mutter Brust warf.
„Und Sie, gnädiges Fräulein — darf ich sagen, Du, liebe Claire?"
Georg faßte mit diesen Worten Clairens Hand und als sie schweigend nickte, fuhr er fort: „Du, liebe Claire, warte noch acht Tage---verstehst Du mich ? Nachdem Du heute so schwer enttäuscht wurdest, geht auch Dir die Sonne aus! Er läßt Dich grüßen!"
„Verstehe ich recht, so kennen Sie den Lieute»