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Zeugniß über den bisherigen Schulbesuch aus­weisen, außerdem, wenn sie über ein Jahr die Schule bereits verlassen haben, ein Attest der Ortsbehörde über ihre Unbescholtenheit beibringen.

Cassel den 7. September 1887.

Das Directorium des landwirthschaftlichen Central-Vereins.

Wird veröffentlicht.

Cassel den 12. September 1887.

Der Regierungs-Präsident.

I. V.: Schwärzender g.

* *

Hersfeld, den* 19. September 1887.

Unter Bezugnahme auf vorstehende Bekannt­machung veranlasse ich die Herren Ortsvvrstände thunlichst dahin zu wirken, daß auch aus dem hiesigen Kreise recht viele Bauernsöhne der be­treffenden nützlichen und bewährten Anstalt zuge­führt werden.

9198, Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz.

IMiiWF Nachrichten.

(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser nahm im Laufe des Dienstag Vormittags zu­nächst den Vortrag des Grafen Perponcher ent­gegen und arbeitete mit dem Chef des Militär- Cabinets v. Albedyll und dem Chef der Admi­ralität v. Caprivi. Mittags hatte der Kaiserlich russische Militärbevollmächtigte Oberst Golenitscheff-Koutousoff die Ehre des Empfanges und erledigte der Kaiser daraus noch einige Re­gierungsangelegenheiten.

So weit bis jetzt bekannt, wird Seine Majestät der Kaiser sich am Sonntag Abend zu länge­rem Euraufenthalt nach Baden-Baden begeben, woselbst Ihre Majestät die Kaiserin seit vorigen Freitag weilt.

Der Kronprinz machte, wie aus Toblach gemeldet wird, am Sonnabend einen achtstün­digen Ausflug nach den Platzwiesen, von wo derselbe sehr befriedigt zurückkehrte. Am Abend wurde demselben von der Toblacher Cur- capelle ein Ständchen dargebracht, für welches derselbe freundlichst dankte. Am Montag unter­nahm der Kronprinz einen Ausflug nach Höhlen- tein und Schluderbach. Das Befinden des lohen Patienten ist ein vortreffliches und dürfte der Aufenthalt in Toblach bis Anfang October währen. Die Witterung dort ist prachtvoll.

Generalfeldmarschall Graf M o l t k e beabsich­tigt, sich auf einige Zeit nach Raggatz in der Schweiz zu begeben und dann seine Besitzung Creisau aufzusuchen, um oort in aller Zurückge- zogenheit den 26. October zu verleben, an wel­chem Tage der greise Marschall sein 87. Lebens­jahr vollendet.

Die Frage der handelspolitischen Beziehungen zwischen Deutschland undOesterreich nach Ab - lauf des Handelsvertrages am 31. De­cember d. I. wird nach den in maßgebenden Kreisen herrschenden Absichten und Anschauungen zunächst dahin gelöst werden, daß eine Verlänge­rung des Vertrages auf ein Jahr vereinbart wird.

Dem Reichstage soll eine Vorlage wegen Aus­dehnung der Versicherungspflicht auf eine Anzahl weiterer der Unfallgefahr unterliegender Betriebe in nächster Session zugehen.

und Polizeicommandant. Manche sterben auf der Straße. Die Kaufläden sind geschlossen und es fehlt an Lebensmitteln. Der N. Fr. Pr. wird unter dem 17. gemeldet: Das Elend und die Noth find grenzenlos. Gestern strikten die Todtengräber, so daß die Leichen einen halben Tag lang unbeerdigt blieben. Die Todtengräber mußten durch Zwangsmaßregeln zu ihrer Pflicht zurückgeführt werden. Auch in den Kerkern ist die Cholera ausgebrochen. Im Neapolitanischen nimmt die Seuche zu. An einem Tage kamen in Castellamare 39 Fälle, darunter 20 tödtliche, in Puzzuoli 14 Fälle, darnnter 7 tödtliche, vor.

(D ä n e in a r k.) Ein Stier des Königs beruft den Reichstag zum 3. October ein.

(Rußlan d.) In Rußland soll vom 1. Januar 1889 ab das Tabaksmonopol eingeführt werden. Der Belagerungszustand über Petersburg ist auf ein Jahr verlängert worden. Die diesjährigen aoßerordentlichen Manöver in Rußland sind beendet. Es waren zwei Divisionen taurische und Jekaterin- burgische Trappen, außerdem die ganze in Nikolajew und Sebastopol fiationirte Marine auf Kriegsfuß ge­setzt. Die in aller Stille vorbereitete und geheimge- haltene Mobilisationsprobe hat nach dem Urtheil militärischer Kreise befriedigende Resultate ergeben. Die Manöver wurden vom Odessaer Gcueralgou- oerneur General von Roop befehligt, der auch den Mobilisationsbefehl erlassen hat. Bei den Manö- oern waren die hervorragendsten militärischen Celebritäten anwesend.

(B a l k a n st a a t e n.) Auch die Balkanstaaten haben sich endgültig geweigert, den Prinzen Ferdi­nand von Coburg als Fürsten von Bulgarien an» zuerkennen. So begreiflich es war, daß man von bulgarischer Seite den Versuch gemacht hat, bei den benachbarten kleinen Staaten die Anerkennung zu erlangen, so begreiflich ist es auch, daß diese Staaten sich geweigert haben, sich in Gegensatz zu den Großmächten zu bringen.

(Aste n.) Die Folgen von dem Eingreifen Ejub Chans in die afghanischen Verhältnisse zeigen sich schon. Die Truppen des Emirs Habensich vor der immer mehr anwachsenden Anhängerschaft des Prätendenten zurückgezogen und der Zusammentritt einer russisch-alghanischen Grenzcommission ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Den russischen Civil- und Militärbehörden längs der afghanischen Grenze wurde es strengstens untersagt, mit Ahmed Ejub schon jetzt in Verbindung zu treten oder ihm irgend welche Unterstützung zu gewähren.

Aus Hessen-Nassau.

Hersfeld, 21. September. Das Ministerium der öffentlichen Arbeiten macht bekannt: Ja Aus­führung des § 4 der Vorschriften über die Aus­bildung und Prüfung für den Staatsdienst im Laufache vom 6. Juli 1886 bestimmen wir hier­durch, daß das Studium auf den technischen Hoch­schulen zu München, Dresden, Stuttgart, Carls- ruhe, Braunschweig und Darmstadt mit derselben Wirkung für die diesseitigen Staatsprüfungen zurückgelegt werden kann, wie auf den preußischen technischen Hochschulen.

Hersfeld, 21. September. Mit Rücksicht auf die gegenwärtige Obstzeit wird auf eine Thatsache aufmerksam gemacht, die v.el zu wenig Beachtung findet und doch schon manche Krankheit herbeige- sührt hat. An den Birnen und Aepfeln bemerkt

Der Ausschuß der bayrischen zweiten Kammer hat das B rän ntw ei ng e s e tz mit 17 gegen 4 Stimmen angenommen.

Der Verein bayrischer S p i r i t u s Pro­ducenten hat den Wunsch ausgesprochen, daß der Plan einer Bank für Spiritusverwerthung baldmöglichst wieder ausgenommen werde. Es wurde beschlossen, den Gesammtverkauf des bayrischen Spiritus der Münchener Firma Schnetzer und Schertel zu übertragen.

Aus Langenau (Bayern), wird vom 18. September berichtet: Eine hier tagende Bauern- Versammlung, in welcher der Reichstagsabgeord­nete Oberbürgermeister Fischer erschienen, war von 1500 Personen besucht. Es wurde einstim­mig beschlossen, eine Erhöhung des Getreide­zolles für Weizen und Roggen um 3 Mark, für Gerste und Hafer um 1 Mark per Doppelcentner vom Bundesrath und Reichstag zu erbitten.

DieLothringer Zeitung" meldet: Der sech­zehnjährige Sohn des Polizeicommissars Schnäbele aus Pont-ä-Mousson ist am Montag in Cheminot verhaftet worden. Derselbe hat am 14. Septbr. ein aufrührerisches Placat mit den französischen Nationalfarben an einem Baume auf der Land'- straße von Cheminot nach Pont-L-Mousson ange­heftet. Als er am Mantag in Begleitung zweier Studenten über die Grenze kam, wurde er bis zur Ankunft eines Gendarmen von Grenzwärtern angehalten. Heute Morgen ist derselbe in das Bezirksgefängniß nach Metz abgeführt worden.

(Frankreich.) Der MinisterpräsidentRonvier wird die erste sich bietende Gelegenheit ergreifen, um noch vor dem Wiederzusammentritt der Kammern in Paris eine politische Rede zu hal­ten, die als Antwort auf das jüngste Manifest des Grafen von Paris dienen solle. Verschie­dene Blätter wollen wissen, mehrere Deputirte würden bei der Wiederaufnahme der Kammer­sitzungen einen Antrag stellen, das Gesetz über die A u s w e i s u n g d e r P r i n z e n zur vollen Anwendung zu bringen. Basly und Camelinat würden den Antrag auf Einziehung der Güter der Prinzen wieder aufnehmen. Nach Be­endigung der Manöver findet ein bedeutender Garnisonwechsel statt, dessen Einzelheiten insoweit auch für Deutschland der Beachtung werth sind, als sie mit Ablauf dieses Monats zu den Truppentheilen, die bisher schon an der deutschen Grenze gestanden haben, 11 Regimenter Infanterie (hiervon 10 neu zu formirende), 2 Jägerbataillone, 4 Regimenter Cavallerie (sämmt­lich neu zu formiren), 1 Regiment Feldartilleris hinzutreten. Diese Verstärkungen werden sich ün der unmittelbaren Nähe des deutschen Gebieres befinden. B o u l a n g e r hat wieder einmal geredet und der Telegraph ist so gefällig, den Inhalt seines neuesten Sermons in alle Rich­tungen der Windrose zu verbreiten.Es sei eine Thorheit, zu glauben, und ein Verbrechen, zu sagen, daß die Stunde der Abrüstung für die Völker des alten Europa geschlagen habe!"

(Italien.) Die C h o l e r a hat in Italien in letzter Zeit erschreckend zugenommen. Beson­ders stark wüthet die Seuche in Rom, dann aber auch in Sicilien. Aus Messina sind 30000 Ein­wohner bisher wegen der Cholera geflüchtet. Einige der höchsten Beamten der Stadt sind an der Cholera gestorben, darunter der Quästor

Und wie ist es mit dem Quartier, Sara? Kann der Officier die Fremdenzimmer haben?"

Mrs. Smit ignorirte diese Frage vollständig.

Rufe mir Susannen, Claire; gehe in den Keller, Hans Carl, und revidire den Wein der Hochheimer ist auf der Neige, von den anderen Sorten weiß ich es nicht genau. Käthe, Du wirst dem Diener sagen, daß er das Gartenhaus für den Soldaten herrichtet ich mag ihn nicht im Hause."

Aber Sara--das gelbe Zimmer."-- ---Ich mag ihn nicht im Hause! Geh, Käthe." Käthe geht. Mr. schweigt. Claire ord­net ihre blonden Locken vor dem Spiegel und Mrs. denkt denkt weiter als Alle!

Es wäre wohl ein überflüssiges Beginnen, den Empfang der heimkehrenden Truppen schildern zu wollen? Wer ihn nicht selbst erlebt, dem haben ihn unzählige Federn geschildert, und wie allüberall, so prangte die kleine Stadt im Flaggenschmuck, duftete das Eichenlaub von Fenster zu Fenster, wehten Tücher, grüßten erröthende Gesichtchen die gefeierten Helden des Jahres 1870. Den Glanz­punkt bildete hier aber das Haus Smit. Ein Blumenflor schmückte die Fenster, daß Herr Hans Carl besorgt den Kopf schüttelte, in seiner verträg­lichen Art jedoch den Blick wandte, als Joachim an ihm vorüber kam um nicht zu fragen, wie viele Töpfe dem neuen Viertel entnommen seien. Es war eben ein Ausnahmefall heute und sein Haus nahm sich prächtig aus! Besonders das eine Fenster im Erdgeschoß zog alle Blicke auf sich.

Dort hatte Joachim die schönsten Rosen aufgestellt und mitten drinnen stand sein geliebtes Käthcheu als die lieblichste Menschenblüthe, die man sich denken kann. tzerr Hans Carl wunderte sich gar nicht, daß Alles nach diesem Fenster schaute und mancher Kops sich sogar noch einmal ^lmwandte und sein Herz schlug höher auf vor Stolz und Freude. Das war doch einmal wieder ein glück­licher Tag, sonnenheller Sommer draußen und wolkenloser Himmel hier; dabei Rosendüfte und Musikklänge Herr Hans Carl rieb sich die Hände, lächelte befriedigt vor sich hin und nickte seinem Käthchen hinüber, das ihm einen Augen­blick ihr strahlendes Gesichtchen zuwandte. Wie ungemein hübsch dieses Gesichtchen war wie schön das flüchtige Roth es kleidete, das soeben darüber hinhuschtel Ein blonder Lieutenant salutirte ganz besonders ritterlich herauf und Käthe winkte ihm mit ihrem Taschentuchs einen ganz besonders freundlichen, vaterländischen Wtll- kommengruß zu. Da faßte ein neckischer Wind­stoß das feine Spitzengewebe und ließ es hinab auf die Straße flattern nein halt! nicht auf die Straße, aus der Helmspitze eines Soldaten blieb es hängen und beschattete das gebräunte, bärtige Gesicht. Lächelnd trat der junge Mann aus der Reihe, legte behutsam den zierlichen Flüchtling auf die Bajonettspitze juub präsentirle es der hübschen Eigenthümerin. «sie schaute dem blonden Lieutenant nach, der sich noch einmal nach ihr umwandte und dunkles Roth flammte dabei über ihre Wangen. Wie schön sie war! Man

konnte es dem Soldaten unter dem Fenster nicht verargen, wenn er länger als nöthig war, stehen blieb und zu ihr aufschaute. Sie hatte ihr Tüch- lein schon mit einem dankenden Kopfnicken an sich genommen und er zögerte noch was wollte er? Verwundert schaute sie ihn an und da war es sein bewundernder Blick, waren es seine unbe­schreiblichen Augen, was sie, wie mit einem Blitze, traf? Sie grüßte noch einmal und als er darauf in die Reihe zurückeilte, wandte sie sich vom Fenster ab und ließ sich tief aufseuszend in einen Sessel nieder. Hatte sie schon genug des lauten Spieles da draußen? Was war ihr geschehen?

Die Einquartierung ist angekommen l" meldete der Diener nach einer Weile, und Käthe fuhr aus ihrer Träumerei empor. Was war ihr geschehest? Die Stimmen klangen ihr verworren.

Was ist's?" fragte die Mutter.

Ein Officier und ein Gemeiner, Mistreß!"

Namen?"

Hier ist die Karte!"

Gut!"

Und hastig nahm Mrs. Smit die Karte aus der Hand des Dieners, neugierig schaute Claire über der Mutter Schulter weg auf dieselbe und las laut:Baron von Wolshart".

Ein schöner Name!" meinte Mrs. Smit, wäh­rend sie prüfend von der einen zu der andern ihrer Töchter schaute, als käme ihr der Gedanke, welche von Beiden wohl für diesen schönen Namen schön genug fei, und die Karte in eine Schale legend, wandte sie sich dem Diener wieder zu. (F. s.)