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rröfclürt Kreislilitt.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „IllustrirLes Nnterhaltungsötatt".
Nr. 112.
Donnerstag den 22. September
1887.
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Die Expedition.
Hersfeld, den 21. September 1887.
Nach den Mittheilungen der Königlichen Steuerkassen sind die Herren Ortsvorstände zu: Allendorf, Eichhof, Frielingen, Goßmanns- rode, Hersfeld ftsc. Oberförsterei, Hilper- hausen, Kalkobes, Kathus, Meckbach, Meisebach, Obergeis, Oberhaun, Oberrode, Petersberg, Reilos, Rohrbach, Roßbach, Rotterterode, Sorga, Tann, Untergeis, Unter-
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Einquartierung.
Novelle von Carl E i s s e n - S t e i n. (Fortsetzung.)
Man machte ein Haus, die Gesellschaft übersah den Hausherrn, huldigte Gebieterin und machte den allerliebsten Töchtern den Hof. Daß es an Bewerbern nicht mangelte, ist selbstverständlich, aber Verehrer wie Mistreß Smit sie für ihre schönen Töchter wünschte, gab es leider hier nicht. Wer sollte in der kleinen Stadt vornehm genug sein für die aus Albions höheren Regionen ins Deutsche übersetzten Misses? Kaufleute gab es viele, Beamte recht nette, aber an Officieren war großer Mangel und für diesen Stand hatte die Mama eine ganz besondere Vorliebe gefaßt. Ob die Töchter diese theilten, mußte die Zukunft lehren und diese Zukunft war näher als man dachte. Warum mußte der gefällige Herr Hans Carl Smit gerade hier sich niederlassen, hier, wo gewiß der Platz nicht war, um durch eine baronisirende Hetrath den anklebenden Seifenschaum zu übertünchen, der nun einmal in der Wurzel nicht mehr konnte ausgerottet werden und oft in seinen grellsten Schattirungeu an das Licht des Tages kam, je mehr man sich bestrebte, es zu vermeiden. Der arme Hans Carl! Das Leben wurde ihm recht schwer gemacht! Er war eine schüchterne, demüthige Natur und wenn der drohende Schatten über das Gesicht seiner höheren Hälfte glitt, wenn er den
haun, Ausbach, Conrode, Dünkelrode, Geth- semane, Kleinensee, Lampertsfeld, Landers- Hausen, Lautenhausen, Lengers, Malkomes, Philippsthal, Ransbach, Röhrigshof und Schenksolz
mit Erreichung der Klassensteuer-Zu- und Abgangslisten der Stufen 3—12, sowie der Listen der zu den Stufen 1 und 2 durch Zugangstellung n e u veranlagten Personen pro I. Semester 1887/88 im Rückstände.
Falls die qu. Listen bis spätestens zum 24. d. M t s. bei den Königl. Steuerkassen nicht eingereicht sein sollten, werde ich gegen jeden der Säumigen eine Ordnungsstrafe von 3 Mk. festsetzen.
Die Nichtbeachtung meiner Verfügung vom 24. Januar 1885, Kreisbl. Nr. 13, bleibt zu rechtfertigen.
9357. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Die im Jahre 1877 in Marburg gegründete landwirthschaftliche Winterschnlc hat die Aufgabe, in zwei Wintercursen Bauernsöhne und andere junge Leute, welche sich der Landwirthschaft widmen wollen, zu denkenden Landwirtheu zu er« ziehen und für den landwirthschaftlichen Beruf derart auszubilden, daß sie befähigt sind, ein Landgut rationell zu bewirthschaften, um daraus den möglichst höchsten Ertrag zu ziehen.
Dieser Aufgabe hat die Schule bisher durchaus entsprochen. Die Schüler haben nach Erledigung eines zweijährigen Wintercursus bei Wiedereintritt in die väterliche Wirthschaft zu deren Hebung wesentlich mitgewirkt und diejenigen derselben, welche wegen ausreichender Hülfskräfte oder aus anderen Gründen in die väterliche Wirthschaft nicht wieder eingetreten sind, haben durch Vermittelung des Directors der Winterschule als Verwalter auf größeren Gutswirthschaften Stellung gefunden und den daselbst an sie gemachten Anforderungen genügt.
selben durch ein unüberlegtes Wort, eine seiner linkischen Bewegungen herauibeschworen hatte, dann entzog er sich jeder weiteren Erörterung durch schleunige Flucht. Sie nannte ihn feige — aber er war nur sanft und friedliebend, der kleine, zarte Mann, er war auch äußerlich die Null, die die Eins zur Zehn macht, ohne selbst dabei zu zählen. Um sein glatt rastrtes Gesicht spielte immer ein devotes Lächeln, auch seinen Dienstleuten gegenüber, man hatte noch nie eine ernste Miene an ihm gesehen und die drei Damen ahnten auch jetzt kein besonderes freudiges Ereigniß, als die kleine Gestalt des Hausherrn durch die Portiere schlüpfte und mitten unter ihnen stand. Käthe, die wohl am meisten Verständniß und große Aufmerksamkeit für ihren Vater hatte, bemerkte zuerst, daß sein stereotypes Lächeln einen vertiefteren Charakter trug und sich ihm entgegen wendend, fragte sie freundlich: „Was hast Du, Pas"
„Eine Neuigkeit, Kinder."
Mrs. wandle gelangweilt den Kopf, Claire legte mit einem gespannten Ausdruck in dem schönen Gesichte die Hand auf des Vaters Arm, und Käthe umschlang seinen Hals.
„Was tst's, Pa, foltere uns nicht," flüsterte sie zärtlich, „ich höre Neuigkeiten für mein Leben gern." Der Vater lächelte geheimnißvoll. „Ihr sollt endlich ein Theilchen von der Wacht am Rhein zu sehen bekommen; es wurde mir soeben Einquartierung angesagt. Liebe Sara, wird es Dich nicht derangiren, Kind s"
Bei den sich täglich steigernden Ansprüchen an den landwirthschaftlichen Betrieb müssen wir die Landwirthe dringend auffordern, für die Ausbildung ihrer Söhne in den landwirthschaftlichen Lehrgegenständen Sorge zu tragen, und zu diesem Zweck ihnen den Besuch der landwirthschaftlichen Winterschule in Marburg für ihre Söhne empfehlen. Wir hoffen umsomehr auf einen zahlreichen Besuch dieser Anstalt, als die diesjährige Ernte den Landwirthen neuen Muth zur Verbesserung ihrer Wirthschaft geben wird.
Dank der Fürsorge des letzten hohen Communal- Landtags hat die gedachte Schule ihre Lehr- und Hülfsmittel durch Einrichtung eines Laboratoriums für chemische, physikalische und mikroskopische Arbeiten wesentlich vervollständigen können und wird weiter durch den Besuch von renomirten Wirthschaften größerer Landwirthe, von Zuckerfabriken, Brennereien, Molkerei-Anstalten den jungen Leuten Gelegenheit geboten, das von ihnen theoretisch Erlernte in praetischer Ausführung kennen zu lernen.
Der Unterricht des nächsten Wintercursus beginnt D i e n st a g den 18. O c t o b e r d. I., Vormittags 8 Uhr. Anmeldungen zur Aufnahme sind zeitig vorher an den Director der landwirthschaftlichen Winterschule, Herrn Dr. R. H e s s e in Marburg, zu richten, welcher etwaigen weiteren Aufschluß über die Schule geben wird. Derselbe, welcher auch außerhalb der Schulzeit die Schüler streng überwacht, ist gern bereit, für ein passendes Unterkommen der Schüler in gut beleumundeten Familien zu sorgen. Für Wohnung, Ver- köstigung, Feuerung und Licht hat ein Schüler monatlich 30 bis 45 Mark zu zahlen. Das Schulgeld beträgt 45 Mark für den Winter, wovon die Hälfte am 15. October d. J. und die andere Hälfte am 5. Januar 1888 zu entrichten ist.
Die auszunehmenden Schüler müssen das 15. Lebensjahr überschritten haben und sich durch ein
Er beugte sich bet diesen Worten liebevoll über den Tisch, der vor dem Sopha stand und schaute besorgt in das Gesicht seiner Gattin. Derangiren? Gott bewahre! Als habe ein Sturmwind die Wolke fortgeweht, lag Heller Sonnenschein auf diesem Gesichte und ungewöhnlich elastisch schnellte die corpulente Dame empor.
„Einquartierung! s" wiederholte sie. „Officiere s" setzte sie hinzu.
„Einen Officier und einen Gemeinen."
„Siehst Du, Pa, so gefällst Du mir! Das war eine nette Neuigkeit! Nun haben wir auch ein bischen etwas von dem Kriege," jubelte Käthe und klatschte in die Hände.
„Vor allen Dingen freue ich mich, daß wir unsere Fahnen endlich benützen werden," sagte Claire; „Ma litt nie, wenn eine Stegesnachricht eintraf, daß wir schmückten. Nun aber müssen wir es wohl als ächte Patrioten — nicht wahr, Pa ?"
Der Gefragte streifte mit einem halben Seitenblick das Gesicht seiner Gattin. „Wenn Mama nichts dagegen hat, Märchen!" „Dieses Mal nichst" war die kurze Antwort auf den halben
„Dann geh zu Joachim und lasse Dir auch Blumen schneiden — aber nichts aus dem neuen Viertel - hörst Du s" Und man hört es der Stimme des Herrn Hans Carl an, daß er auch irgendwo zu befehlen hat, in dem neuen Viertel seines Gartens nämlich — da ist er unumschränkter Gebieter, was ihm auch Niemand streitig macht.