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trsftlhtr Krcishlitt.

Mit wöchentlicher Kratis-AeilageILlustrirtes Nnterhaktungsölatt".

Nr. 111.

Dienstag den 20. September

1887.

Abonnements-Einladung.

Mit dem I.Octbr. beginnt ein neues Abonne­ment auf das wöchentlich 3 Mal erscheinende Hersfelder Kreisblatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage Jllustrirtes Unterhaltungs - Blatt."

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Die Expedition.

Amtliches

Hersfeld, den 19. September 1887.

Die Herren Ortsvorstände derjenigen Gemeinden, urai nuven, mir ven ^rgevninen feijr zurrieoen ; in deren Gemarkungen durch die Truppenübungen dieselben werden von ihnen dahinzusammenge- Flurschäden entstanden sind, werden hierdurch im faßt, daß die französische Armee in Bezug auf Anschluß an meine Verfügungen vom 13. d. Mts.! Schnelligkeit und Pünktlichkeit der Mobilmachung Nr. 9088 1 und 9128, im Kreisblatt Nr. 109,' im Vergleich zum Jahre 1870 große Fortschritte darauf aufmerksam gemacht, daß die Beschädigten gemacht habe, oder wie der Kriegsminister zu dem Schätzungstermine heranzuziehen sind. , Ferron äußerte, daßdie Truppeneinheiten jetzt 9308. Der Königliche Landrath im Stande seien, zu den im Marschtableau fest«

Freiherr von Schleinitz. ! gesetzten Stunden sich cinzuschiffen".

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Einquartierung.

Novelle von Carl E i s s e n - S t e t n. Lieb' Vaterland magst ruhig sein" . . . In vollen Klängen tönte diese Weise durch einen eleganten Salon und eine ungemein melodische Stimme sang begeistert den Text dazu; aber nur einen halben Vers da schlugen klatschend zwei Hände ineinander nicht Beifall, denn die Musik verstummte sofort, die Spielerin erhob sich und ging.auf ein Sopha zu, auf welchem eine ältere Dame der Länge nach ausgestreckt lag.

Du wünschtest, Mama?" fragte sie freundlich. Daß Du dieses langweilige Lied beendest, ich mag es nicht, das solltest Du wissen;" war die mürrische Antwort der Gefragten, indem sie das Buch zuklappte, das vor ihr auf einem Lese­pult lag.

Lies mir vor," setzte sie dann kurzen Tones hinzu und schob den rothen Saffianband in die Hand des jungen Mädchens.

Mit einem Seufzer setzte dieses sich in einen Sessel und begann in dem Buche zu blättern. Da tönte abermals ein Seufzer durch den glänzenden Raum und eine zweite junge Dame erhob sich aus einem Eckvivan.

Immer und immer Dickens! Erlaube, Mama, daß ich mich entferne; meine Kopfschmerzen quälen

Hersfeld, den 17. September 1887.

Der am 30. November 1863 dahier geborene Schuhmacher und Tagelöhner Johannes S t e ck e l hat um Entlassung aus dem diesseitigen Staats- verbande behufs Auswanderung nach Amerika

nachgesucht.

9283.

Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz.

# Die französische Probe-Mobilmachung.

Der von Boulanger in Vorschlag gebrachte, von seinem Nachfolger Ferron angenommene, wenn auch in einigen Punkten abgeänderte, durch Gesetz festgestellte Plan der Mobilmachung eines französischen Armeecorps ist in den vergangenen vierzehn Tagen zur Ausführung und Durchfüh­rung gelangt. Welchen militärischen Werth dieser Versuch hatte, lassen wir dahingestellt: man wird vor Allem einwenden können, daß es doch noch ein anderes Ding ist, ob ein Armee­corps, welches dazu noch vorher nähere Kenntniß davon erhalten hat und unter dem ganz selbst­verständlichen Eindruck absolut friedlicher Ver- Hältnisse steht, mobil gemacht wird oder ob im Ernstfälle die ganze Armee in Bewegung gesetzt I wird. Indeß das ist eine Sache für sich, welche in erster Linie die Franzosen allein angeht. Ebenso enthalten wir uns jedes Urtheils über die militärischen Ergebnisse dieses Versuchs.

Die Franzosen ihrerseits sind, wenn sie auch noch allerhand Mängel und Unvollkommenheiten ent­deckt haben, mit den Ergebnissen sehr zufrieden;

mich heute so sehr, daß ich Käthens Vorlesen nicht hören kann."

Plaudern wir!" sagte Käthe bereitwillig und schob das rothe Buch auf das Pult und dieses in die Ecke des Zimmers zurück.

Ich bin auch nicht zum Plaudern aufgelegt!"

Zu was denn sonst, Miß Clatre?"

Zu nichts! Es ist so langweilig bei uns, daß ich gar Nichtsthun mag." Käthe lachte lustig auf.

Eine eigenthümliche Weife, der Langweile zu begegnen, Claire! Thue etwas Vernünftiges, dann lehrt sie Dir gleich den Rücken." Dabei ließ sie die seidene Quaste des Sessels durch ihre schlanken Finger gleiten, als müsse bei dieser Beschäftigung alle und jede lange Weile Reißaus nehmen, und summte leise die Melodie vor sich hin, die sie vor­hin unterbrechen mußte.

Käthe!" tadelte die Mutter scharf.

Entschuldige ich vergaß! Aber die Lang­weile bringt uns Kinder auf Unarten, das sagen alle Pädagogen, Mal"

DieMa" war offenbar geärgert; eine schnelle Rölhe flog über ihr rundes Vollmondgesicht und phlegmatisch erhob sie sich aus ihrer liegenden Stellung.

Ich mag diese Klagen nicht mehr hören, Mädchen! Es lautet undankbar, wenn Ihr Euch so unzufrieden aussprecht, mir, einer Mutter gegen­über, die Alles thut, Euch zu verwöhnen! Was fehlt Euch denn?"

Wie dem auch sei, die eigentliche Bedeutung dieser Mobilmachungsprobe liegt vor Allem in dem politischen Eindruck, den ihre Ergebnisse auf Frankreich machen. Und nach dieser Richtung sind schon einige Zeichen nicht gerade erfreulicher Natur wahrnehmbar. Ferron hat dafür in einer Bankettrede den Ton angegeben, indem er er­klärte, die Probemobilmachung habe jeden Zweifel an der Tüchtigkeit der Armee, der noch vielfach im Lande herrschte, beseitigt und dem Volke wie dem Parlamente das Vertrauen in die Armee eingeflößt, das sie bisher nicht be­sessen hätten. Dem französischen Volkscharakter entspricht es, wenn hieraus sofort größeres Ca­pital zu schlagen versucht wird. Ein Deputirter, Cales, von der radicalen Linken, machte bet einem militärischen Diner im Bezirke des mobili- sirten XVII. Armeecorps seinem Herzen Luft, indem er, von dem Erfolg des Versuchs hinge­rissen, auf das Wohl der Armee trank,welche uns die Revanche bringen soll und wird":bis­her so setzte er hinzu wagten wir die Re­vanche zu hoffen, wir erwarten sie jetzt mit Un­geduld." Herr Cales wird Mar wegen seiner Unbesonnenheit" von einem Pariser Blatte ge­tadelt, indeß nicht wegen der ausgesprochenen Ansichten. Die Pariser Presse ist vielmehr gleichfalls von den Erfolgen, welche der Mobil­machungsversuch verbürgt haben soll, erfüllt und triumphirt darüber, daßwir jetzt ein hin­reichendes Werkzeug haben, um uns Achtung zu schaffen."

Mit einem Worte, der Mobilmachungsversuch und seine wirklichen oder vermeintlichen Ergeb­nisse haben das Feuer der Revanche, das freilich nie ganz erloschen war, von Neuem angefacht, und das ist es, was uns die Mahnung zuruft, auf der Hut zu sein. Um so bedauerlicher ist es, wenn freisinnige Blätter wie im Frühjahr jetzt wieder die Gefahren möglichst zu verkleinern suchen. Ein Blatt will daraus, daßdie deutsche

Nichts gar. nichts, Maachen! Und doch recht viel! Man war seither so aufgeregt und em­pfindet die Reaction recht unangenehm. Der Krieg ist nun zu Ende wir haben uns fast wunde Finger gezupft an der ewigen Charpie, geschwärmt für die deutschen Helden und nicht einen halben davon zu sehen bekommen. War das ein lang­weiliger Krieg!" schmollte Käthe und warf den allerliebsten Kopf trotzig in das Polster ihres Sessels zurück.

Ja wohl, ein langweiliger Krieg;" pflichtete die Mutter bei,Zeitungen voll von Ereignissen, Köpfe voll Phantasie und Größenwahn da­bei bei uns alles im alten Geleise und ich sehe Euch zu alten Jungfern werden in Eurem geprie­senen Deutschland." Und Mrs. Smit erhob sich aus ihrer liegenden Stellung, ihre hellblauen Augen belebten sich, als vor ihnen sich die maje­stätische Gestalt in dem gegenüberhängenden Spiegel ausrichtete. Eine Weile betrachtete die Dame ihr staatliches vis-a-vis, dann strich sie mit der vollen weißen Hand über den eng an die noch rosige Wange sich schmiegenden Scheitel und ein Seufzer schwellte auch ihre Brust. Der dritte Seufzer in kurzer Frist! Durch den prachtvollen rothen Salon zittert er wie ein Fragezeichen! Wo ist das Unglück, das hier wohnen muß? Hat es sich hinter einem Goldspiegel versteckt, oder birgt es sich in den schweren Falten der Sammtvor- hänge? Die beiden jungen Mädchen mit den son<