konstatirte Blutvergiftung und um sie zu retten, wollte er den Arm abnehmen. Während der Amputation starb die Frau.
Witzenhausen, 13. September. Vier eifrige Nimrode gingen am vorigen Freitag zusammen hinaus auf das Jagdgebiet einer benachbarten Gemeinde. Das Ergebniß der Jagd war: ein Rebhuhn todt, ein — Mann verwundet (glücklicherweise nicht schwer.) Die Herren sollen, wie man hört, nicht besonders erbaut von diesem Resultat gewesen sein.
Sooden a. W., 12, September. Die Zahl der bis jetzt hier angekommenen Curgäste ist auf 1323 gestiegen.
Von der Lahn, 8. September. Zu Atten- Hausen im früheren Amte Nassau ist dieser Tage ein Kind geboren worden, dessen Hände an die Schläfen angewachsen, dessen Beine rückwärts gebogen sind und dessen eine Fuß 7 Zehen hat. Das Kind befindet sich wohl und munter. Eine Trennung der Händchen von dem Kopfe und eine Streckung der Beinchen ist nach ärztlichem Urtheile nicht möglich.
Vermischtes.
— In Mainz erschien am Dienstag früh schon von 5 Uhr ab wiederholt auf der Fensterbrüstung eines Zimmers im 3. Stock des Mainzer Hofes ein Fremder, hielt Reden und warf Zimmergegenstände aller Art hinunter, wo eine immer größer werdende Zuschauermenge sich ansammelte und den offenbar Geistesgestörten beobachtete. Er war nicht zu bewegen, den gefährlichen Platz zu verlassen und sprang, als man endlich durch Sprengung der Thüre mit Gewalt seiner habhaft zu werden versuchte, auf die Straße herab in dem Augenblick, als ein Sprungtuch zur Stelle kam. Schwerverletzt verstarb er auf dem Transport zum Hospital. Der Unglückliche soll Fritz Möhler heißen, Waaren- agent und aus Frankfurt a. M. sein. Er habe an Verfolgungswahnsinn gelitten.
— In F r a n k f u r t a. M. wurde ein Frau wahnsinnig, die bei dem geflüchteten Bankier Schwahn ihr Vermögen, etwa 40000 Mk., deponirt hatte, das nun verloren ist, ,-—- r
Dieser
Tage ereignete sich auf dem Wege von Lauterbach nach Herbstein ein höchst bedauernswerther Un- glücksfall. Der angehende Kaufmann Hermann Struth zu Lauterbach wurde von seinem Principal beauftragt, in Herbstein ein größeres Quantum Packtuch einzukaufen. Nach Erledigung des Aui- trages benutzte er zur Rückkehr eine sich darbietende Fahrgelegenheit, welche für ihn so verhängnißvoll werden sollte. Das Pferd des Gefährtes scheute, der Wagen rannte wieder einen Chausseebaum und und"machte solch' exquisite Toileltte! Die Ber- mählung Weihers findet noch in diesem Jahr im engsten Familienkreise statt, wie ich höre. - -
Marie.
Telegramm (Mai 1887).
Fürst Kirchb er g an die Baronin vonWeiher, Eichberg.
Wann kommt Ihr nun endlich? Erwarte Euch täglich. Fred.
Antwort.
Baronin von Weiher, an den Fürsten Kirchberg, Kirchberg.
Komm Du zu uns — bei uns ist's jetzt und immer wunderschön. Hans grüßt tausendmal, schließt sich meiner Ansicht an. Unsere kleine Xenia sagt schon Papa und Mama. Aus frohes Wiedersehen. Sol.
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Struth und der Knecht wurden vom Wagen ue. schleudert. Während Struth auf den Kopf stürzte und bei zerbrochenem Rückgrad sofort seinen Geist aufgab, wurde der Knecht noch eine Strecke Weges geschleift, bis es ihm endlich doch gelang, auf die Beme zu kommen. Ein wie großes Leid sich der Eltern des hoffnungsvollen Jünglings bei dessen Todesnachricht bemächtigte, läßt sich nicht beschreiben. Um 1 Uhr zog St. wohlgemut!) nach Herbstein und um 5 Uhr wurde er als Leiche nach Lauter- bach gebracht.
— C o b l e n z, 12. September. (Flüchtig geworden.) Der hiesige Kaufmann und Armee-Lie- ferant S., dessen Vermögen auf ca. 300 000 Thlr. geschätzt wird, soll sich laut der »Mayener Volkszeitung" der Verleitung zum Meineid schuldig ge- macht haben. Derselbe wurde aus der Haft gegen eine Caution von 20 000 Mk. auf freien Fuß gesetzt, ist aber seit Sonntag spurlos verschwunden.
— In München wettete ein junger Gold- arbeitergehilie mit mehreren Genossen er werde zwei ganze Cigarren ohne Schaden verzehren und führte die unsinnige Wette auch aus. Derselbe st nunmehr infolge hiervon lebensgefährlich erkrankt, so daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird.
— Nürnberg, 13, September. Die 41. Hauptversammlung des Gustav-Adolf-Vereins wurde heute Nachmittag durch feierliche Begrüßung der Versammlung im großen Rathhaussaale eröffnet. Nach dem Vorsitzenden des Localcomitees und dem Vorsitzenden des Anspacher Hauptvereins, Consi- storialrath Bürger, ergriff der Bürgermeister von Stromer das Wort, um den Verein im Namen der Stadt Nürnberg willkommen zu heißen. Regierungsrath von Götz aus Anspach überbrachte dem Verein den Gruß der dortigen Regierung. Geheimerkirchenrath Fricke erwiderte diese Grüße unter Hinweis auf die Bedeutung, welche Nürnberg gerade von jeher für die Sache des Evangeliums gehabt habe. Die Betheiligung aus der Nähe und Ferne ist eine überaus zahlreiche.
^—Hamburg. »Herr Constabler, verhaften sie mir den Mann!" rief am Sonntag ein I2mh. riger. .BuM-y^k ^meu/ einem Constabler zu. Anfänglich glaubte der Constabler, er solle dupirt werden, als er jedoch sah, wie ängstlich der Festgehaltene danach strebte, wegzukommen, brächte er beide nach dem Bezirksbüreau. Dort gab der Knabe an, daß er vor anderthalb Jahren von seinem Herrn mit 150 Mk. nach den Gr. Bleichen geschickt worden, ihm aber das Geld von einem Strolch abgenommen worden sei. Der Dieb sei der, den er habe verhasten lassen. Der Beschuldigte gestand nach eiwgem Zögern die That ein und blieb deshalb in Hast.
— Dorf K a i r l i n d a ch bei Erlangen wurde von einem furchtbaren Brandunglück heimgesucht, 30 Gebäude, darunter das Pfarrhaus sind in kürzester Zeit niedergebrannt. Keine Feuerwehr, kein Wasser war vorhanden, Kopflosigkeit an allen Ecken und Enden; die Hitze war so furchtbar, daß man nicht ohne Gefahr sich dem Feuerheerde nahen konnte. An die 30 Betten hat man vorläufig auf den Wiesen placirt, der Jammer ist groß. Der Brand soll durch die Funken aus einer Dreschmaschine entstanden sein.
— Ein Korbwaaren Händler in Bedwitz, Oberfranken, wurde zu 300 Mk. Geld- strase verurtheilt, weil er seine Arbeiter mit Lebensmitteln abgelöhnt hatte.
— Berlin, 9. September. Mehr als 90 Millionen Fahrgäste sind im Jahre 1886 von den Berliner Straßenbahnen befördert worden.
— (Der H öch st e Berg.) In Gera ist dieser Tage ein »Bankier" Goldberg durchge- brannt, der wegen verschiedener Schwindeleien nunmehr steckbrieflich verfolgt wird. Das Verschwinden des Betrügers hat in Gera folgende Scherzfrage zu Tage gefördert: Was ist der höchste Berg? Goldberg, denn er ist »über alle Berge."
— Der größte Schornstein der Provinz Brandenburg wird im Laufe dieser Woche in der Nähe der Stadt Kalau aus der Glasfabrik Alma- Hütte bei Saerchen beendet. Es ist dies ein runder Schornstein von 210 m Höhe mit unterer lichter Weite von 3,42 m und oberer lichter Weite von , 2,75 m, wozu 350 000 Steine verwendet wurden.
— In I s e r l o h n fand vor einigen Tagen eine Hochzeitsfeier statt, die mit der Verhaftung des Brautpaares und der sämmtlichen Hochzeitsgäste endete. Die Gesellschaft gerieth nämlich während einer wüsten Zecherei in Streit, der bald in Thätlichkeiten überging. Die Gäste fügten sich gegen- seittg die schwersten Verletzungen zu, Die holde Braut schaffte Stöcke, Stuhlbeine und allerlei Knüttel herbei, um den Effect zu erhöhen. Ein Polizist wurde von den Tobenden durchgehauen. Schließlich erschien aber die gesammte Polizei- macht der Stadt auf dem Platze und verhaftete das Brautpaar und dessen Gäste.
— W r e s ch e n, 13. September. Vor einiger Zeit sind 50 christliche und 25 israelitische Familien, außerdem 32 israelitische junge Leute, alles deutsche Unterthanen, welche längere Zeit in Rußland gelebt haben, aus Warschau und der dortigen Umgegend von der russischen Polizeibehörde ausgewiesen worden. Von den Ausgewiesenen kamen gestern 8 Familien mit der Bahn hier an, um sich von hier aus in ihre Heimalh zu begeben. Viele der Ausgewiesenen sind aller Existenzmittel baar, denn die russische Behörde ließ ihnen nicht so viel Zeit, ihre Habseligkeiten, wenn auch zu sehr niederen Preisen, zu veräußern. Der deutsche Unter- stutzungsverein in Warfchau hat den armen Un- glücklichen die nothwendige Unterstützung zur Reise in die Heimat!) zu theil werden lassen. Eine Aus- Weisung in noch größerem Umfange soll schon, wie das »Pos. Tgbl." hört, in den nächsten Tagen zu erwarten sein.
- In R o z t o k l a t (Bezirk Melnik) erschoß der Unterlehrer Vlach den Oberlehrer Doubek, dessen Gattin und Schwiegermutter und dann sich selbst in einem Wahnsinnsanfalle.
— Sofia, 12. September. Durch Feuer sind etwa 2000 Hektar Waldland an der türkischbulgarischen Grenze bei Bessova zerstört worden.
— N e w - N o r k, 13. September. Nach einer Meldung der »Times" ist in Needmere, in der Strtke der Grubenarbeiter ist in der Anthracit- Region ausgebrochen; 20000 Arbeiter haben die Arbeit eingestellt und verlangen eine 15prozentige Erhöhung der Löhne.
— In Montevideo (Süd-Amerika) tobte ein furchtbarer Orkan. Der brasilianische Dampfer »Rio Alfa" sank mit zweihundert Personen, die umkamen. Der Dampfer-Katastrophe scheint eine Meuterei voraus gegangen zu sein.
— (Aus der Schule.) Lehrer: »Wieviel ist 2 und 1, Fritzchen?" Fritzchen schweigt. — Lehrer: »Nun, wenn Dir Deine Mutter 2 Butter- brote giebt und noch 1, was hast Du dann?" — Fritzchen: »Keinen Hunger mehr." ,.
— (Schlagfertig). Herr: Mein Fräulein, ich liebe Sie glühend. — Fräulein: Kein Zweifel; das sieht man Ihnen schon an der rothen Nasenspitze an.
- (Das gute Herz.) Herr (zu einem Junge aus der Straße): Warum weinst Du, mein Sohn? — Junge: Weil mein Vater krank ts. — Herr: Welch gutes Herz! Da nimm dies 50 Pfennigstück. Betrübt dich denn auch wirklich die Krankheit deines Vaters so sehr. — Junge: Nee, die Krankheit nich, aber immer der weite Weg nach der Apotheke.____
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