Einzelbild herunterladen
 

12 und 8 Jahren die Kuh auf die Weide treiben. Als gerade der kleinere von den beiden Jungen die Kuh am Strick hielt, wurde diese plötzlich scheu, sprang einige Mal im Kreis um ihren Hirten herum, wodurch der Strick um die Suiten des armen Kindes festgeschlungen wurde. Ohne daß es der größere Bruder verhindern konnte, sprang hierauf die Kuh über ein Mäuerchen hinab, dann über Feld und Hecken, Steine und Wege weiter, den unglücklichen Jungen immer mit sich fort« schleifend. Erst in der Nähe der Lohmühle, gelang es dem Müller, die ganz wild gewordene Kuh zum Stehen zu bringen und den armen Knaben zu erlösen. Leider war es schon zu spät. Das arme Kind hatte bereits seine Seele ausgehaucht. Der ältere Bruder ist in Folge des großen Schreckens nicht unbedenklich erkrankt.

Bad WilDungen, 9. Sept. Ein von großer Rohheit zeugender Vorfall verursachte gestern Abend einen größeren Menschenauflauf. Bei einem hiesigen Maurermeister war seit einigen Tagen ein Schreiner aus Brunau beschäftigt. In Folge eines Streites mit dem Ersteren gab er diese Arbeit wieder auf. Als er sich nun entfernen wollte, wurde er von einem Gesellen des Maurer­meisters verfolgt und ihm mit einem Beil ein derartiger Hieb gegen den Kopf versetzt, daß er das Bewußtsein verlor und zu Boden stürzte.

Gifliz, 9. Sept. Die Frau eines hiesigen Einwohners ist am Sonnabend von einem chweren Unglücksfall betroffen worden. Als die- elbe nämlich in den Stall kam, um ihr Vieh zu üttern, wurde die Kuh wild, rannte auf die Frau zu und brächte ihr in Folge eines Stoßes mit den Hörnern eine einige Centimeter tiefe Wunde im Unterleibe bei. Dank der sofort her­beigeholten ärztlichen Hilfe ist es jedoch gelungen, die Frau außer Lebensgefahr zu bringen.

Vermischtes.

(Prinz Wilhelm und der märkische Bauer.) Es war beim letzten Kavallecie-Exer- cieren auf dem Bornstedterfelde. Dieses war be­kanntlich erweitert worden und die Grenzen durch Pfähle mit Strohbüschen, sogenannte Wiepen, ab­gegrenzt worden. Bet einer der militärischen Evolutionen erschien dem Kommandeur des Garde- Husaren-Regiments, Oberst Prinz Wilhelm Königl. Hoheit, eine dieser Wiepen hinderlich. Er sah davor einen Bauer aus Bornstedt stehen, der so sein Grundstück zu hüten schien. Der Piinz ritt an ihn heran mit der Aufforderung, die Wiepe weg- zunehmen. Ne, sagte der Bauer, die Wiepe bleibt stehen. Aus diese Weigerung machte der Prinz Kehrt. Dann ritt einer der Adjutanten oder Ordonnanzosficiere an den Bauer heran und forderte in etwas strengerem Tone, als der Prinz gethan, ihn auf, die Wiepe wegzunehmen.Ne,* sagte der Bauer,die Wiepe bleibt stehen.*Wissen Sie denn auch, wer der Olficier wars* frug Der Oificier den Lauer.Ne,* sagte dieser.Seine Königliche Hoheit Prinz Wilhelm war es.* Dann nahm der Lauer, trotzdem der Prinz in der Ent­fernung war, sehr ehrerbietig die Mütze ab mit den Worten:Ju'n Morjen ooch! Die Wiepe bleibt stehen.* Prinz Wilhelm begnügte sich mit diesem Bescheide, er ließ die Wiepe unangetastet, trotzdem sie ihm sehr hinderlich war.

Gott in gen. Ein hiesiger Restaurateur hatte zum Umversttäts-Jubiläum von einer Nier- steiner Weinfirma Wein in Commision genommen. Der Wein führte die Etikette83er Niersteiner*. Nach dem Fest stellte der Restaurateur den Rest des Weines der Handlung zur Bermgung. Darauf erfolgte der schriftliche Bescheid, der Wein sei an ein Militär-Lasino in Wilhelmshafen verkauft. Gleichzeitig wurde der Restaurateur gebeten, die Absenkung zu vermitteln, jedoch vorher von allen Flaschen die Bezeichnung83er Niersteiner* zu entfernen und statt derselben die von der Wein­handlung übersandten Etiketts mit der Aufschrift 74er Hochheimer* anzulieben. Daß mit den Etiketts an Weinflaschen mancher Unfug gemacht wird, ist eine bekannte Sache, daß ein Geschäft solchen Schwindel aber so offenkundig zu treiben wagt, verdient öffentlich gerügt zu werden.

Ein Restaurateur inSchmö11en, Namens Töpfer, hatte den bei ihm wohnenden Knopf­macher Streicher dadurch zum Verlassen der ge­mietheten Räume gezwungen, daß er alle Fenster und Thüren sowie Dom Ofen alle Platten entfernte. Der Knopfmacher machte hiervon Anzeige und hatte die Genugthuung, daß der Restaurateur wegen Nöthigung zu 30 M. Geldstrafe verurtheilt wurde.

-Aus der Pfalz. Ueber einen Jazdun- fall berichtet man demPf. K.* aus Freinsheim, 7. September: Herr August Friedrich aus Dürk- Heim, der im Sommer hier wohnt und Inhaber hiesiger Jagd ist, verletzte gestern auf der Reb­hühnerjagd durch einen unglückseligen Schuß ein

Mädchen von hier, Fräulein Elisabeth Harm. Die Unglückliche wurde fast von der vollen Ladung getroffen; die Schrotkörner gingen ihr in den Arm, das Gesicht wurde zerfleischt, die Augen sind zum Glück unbeschädigt. Das Mädchen befand sich auf freiem Feld, als sie von dem unglücklichen Schuß, der die Rebhühner treffen sollte, verwundet wurde.

München, 7. September. Aus der schwäbischen Strafanstalt Kaisheim wird von einer Mordthat und einem versuchten Aufstand der Zuchthäusler berichtet. Ein zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurtheiller Gefangener benutzte die isolirte Stellung eines Aufsehers, dessen Kollegen sich eben beim Mittagessen befanden, und hieb den Ahnungslosen mit wuchtigen Hieben, wozu der Mordgeselle sich eines schweren Stuhles bed'ente, zu Boden. Der verheirathete Aufseher ist am Kop'e furchtbar verletzt, seine rechte Kopf­seite zu Brei zermalmt. Als der Mörder in ein Freudengeheul ob seiner Schandthat ausbrach, machten die übrigen Gefangenen Miene zur Revolte. Das Militär war sehr rasch zur Stelle und unterdrückte den Ausstand durch energisches Ein­greifen.

Wilhelmshaven, 7. September. Der Wallwaarenhändler Scharte von hier hatte vor mehreren Tagen das Unglück, beim Kegel­schieben sich dadurch zu verletzen, daß ein Holz­splitter der Bahn unter die Fingernägel gerieth. Anfangs beachtete er die Verletzung nicht; an dem verletzten Finger wurde alsdann eine Operation vollzogen, dieser folgte eine Amputation. Aber weder eine, noch die andere konnte den Tod des in den besten Jahren stehenden Mannes ver­hindern. Zuletzt trat Genickstarre hinzu.

Jnsterburg, 8. September. Auf dem Transport von Gumbinnen bis hierher sind gestern von 27 Füllen in dem Güterwagen, in dem sie alle zusammengepfercht waren, 15 erstickt. Auch die am Leben gebliebenen jungen Pferde befanden sich in einem sehr erschöpften Zustande. Der Schaden der Pferbekäufer ist ein recht bedeutender.

(Der O l bcr ssch e Komet.) Am Morgenhimmel, vor Sonnenaufgang vollzieht sich gegenwärtig die Erscheinung eines in astro­nomischen Kreisen mit gewisser Spannung er­warteten Gestirnes, nämlich die Rückkunft des im Jahre 1815 von Olbers entdeckten Kometen. Die Elliptizität dieses nach Umläufen von etwa 72 Jahren zur Sonne zurückkehrenden Gestirns ist schon von Befiel festgestellt worden; die Voraus- berechnung für 1887, welche von F. K. Ginzel in Berlin vor mehreren Jahren durch eine sehr um­fassende Arbeit geliefert worden ist, zeigte eine Unsicherheit der Rückkunft von 1,6 Jahren an, und der Berechner ermittelte die Bahnkurven, in welchen der Komet autzusuchen sein würde. Nach­dem nun der bekannte Kometenentdecker Brooks aus Nordamerika am 24. August ein neues Gestirn dieser Art anmeldete, wurde durch die Beobachtungen desselben in Straßburg, Wien, Genf und Königs­berg alsbald die Identität des neuen Kometen mit dem erwarteten Olbersschen konstatirt. So weit es sich bis jetzt übersehen läßt, würde der Komet am 14. Oktober in seine Sonnennähe kommen und sich nur um 0,8 Jahre (statt der oben bemerkten Unsicherheit von 1,6 Jahren) ver­spätet haben. Der Komet steht gegenwärtig dicht über dem großen Löwen, in schöner Ueberein­stimmung mit der Ginzelschen Rechnung, ist etwa so hell wie ein Stern siebenter Größe und schreitet, allmälig noch Heller werdend, dem südlichen Theile des kleinen Löwen zu.

(Z tmmer mann s Ra che.) Die Richt­krone ist gutes, altes Recht der Zimmerleute. Auf dem Rohbau eines Hauses in der Fstraße In Berlin sah man kürzlich statt der Krone einen alten Reisbesen emporragen. Der Bauherr hatte sich von der üblichen Spende für den Richtschmaus gedrückt, und zum Hohn hatten ihm nun die Zimmerleute den alten Besen auf den Dachstuhl gesetzt.

P l e ß, 6. September. Ein 15jähriger Bursche aus Gilowitz wurde vorgestern, Nachmit­tags, zur Stadt gebracht, um ärztliche Hülse zu suchen, welche er auch fand. Denselben hatte auf dem Felde eine Kreuzotter gebissen. Mit be- wundernswerther Willenskraft, so schreibt der Oberschlesische Anzeiger*, hatte sich der Bursche alsbald das Fleisch an der gebissenen Stelle mit einem Rafirmesser selbst ausgeschnitten, mit Brannt­wein ausgewaschen und den Fuß unterhalb des Knies, festverbunden, um die Circulation des Blutes zu verhindern.

Tondern, 7. September. Bei der An­kunft eines Arbeitszuges Dom Norden auf unserm neuen Bahnhof ereignete sich das Unglück, daß ein Wagen, in welchem sich mehrere Personen befanden, umfiel, was von einer Durchsenkung der Eisen­bahnschienen herrührte. Unter dem Geleise war kurz vorher das Rohr einer Wasserleitung gelegt

und vielleicht mangelhaft beschüttet, so daß daS Regenwasser der letzten Tage den Boden unter« wühlen konnte. Beschädigt wurde, demHamb. Korr." zuwlge, eine größere Anzahl Personen leicht, vier erheblich, eine so bedeutend, daß man an ihrem Aufkommen zweifelt, wenigstens rfürßtet, daß die Amputation eines Beines nöthig wird.

Aus der Schweiz, 6. Septbr. Der indische Fürst Gaikwar von Baroda nahm mit seinem Gefolge in Sils sechs Tassen Kaffee; dafür verlangte ihm der Gerant des Hotels 90 Franken ab, nahm aber doch mit 60 Franken, die ihm offerirt wurden, vorlieb. Sobald dieses scandalöse Beispiel von Ausplünderung von Fremden in St. Moritz bekannt wurde, richteten die dortigen Wirthe eine Protestadresse an den Präsidenten der Aciiengesellschast, welcher das Hotel in Sils gehört. Darauf wurde der Verkäufer der zehnfränkigen Tasse Kaffee von seinem Posten gejagt.

Brig (Canton Wallis), 5. Septbr. Der Märjelen-See, in welchem (2350 m über dem Meere) sich das Wasser des Aletschgletschers auf« staut, bis es durch den zum Vieschergletscher ge­hauenen Canal abfließen kann, hat stch, wie er dies alle sieben Jahre zu thun pflegt, unter dem Gletscher Bahn gebrochen und ist in der Nacht vom 3. bis zum 4. d. völlig leer geworden. Die Wasser sprudeln bet Ruderalb aus den Spalten des Aletschgletschers und finden durch die Mafia bet Naters ihren Weg zur Rhone.

Bern. Zwei Gatten besitzt jetzt eine im Jura lebende Frau. Vor sieben Jahren verreiste, ohne Abschied zu nehmen, Frau und Kinder ver­lassend, ein Einwohner des Dorfes Alle nach Amerika. Man erhielt einige Jahre später die Anzeige seines Todes. Die Frau verheirathete sich wieder und die Familie vermehrte sich um zwei Kinder. Da kehrte vor einigen Wochen der vorgebliche Todte zurück: krank im Spital war er mit einem wirklich verstorbenen Bettnachbar ver­wechselt und so die falsche Todesnachricht gemacht worden. Der Zurückgekehrte verlangt alle seine Rechte zurück.

London, 9. September. DerDaily News* wird aus Kairo gemeldet, daß durch die Nil-Ueberschwemmung viele Güter verwüstet und die Durrha-Ernte vernichtet worden ist, weshalb eine Hungersnolh befürchtet werde.

(Explosion.) In den Don Steel Works in Sheffield explodierte am 6. er. eine für den Guß einer großen Kanone bestimmte, über 500 Centner wiegende geschmolzene Stahl­masse mit furchtbarem Knalle. Der Hochofen barst und von den in der Nähe befindlichen Arbeitern wurden acht auf der Stelle getödtet und viele andere mehr oder weniger verletzt.

(Großer Betrug.) An der Peters­burger Staatsbank wurde ein großer Betrug Der« übt. Bei der Vorweisung eines Looses des innern Anlehens, auf welches bei der letzten Ziehung der Haupttreffer von 100 000 Rubel gefallen war, konstatirte die Bank, daß sie diesen Treffer bereits vor einigen Tagen auf ein falsches Loos ausbezahlt hatte. Die Bank bezahlte nun die Summe von 100000 Rubeln zum zweitenmal und zeigte den Fall der Polizei an, welche jetzt eifrigst nach dem Betrüger fahndet.

N e w - N o r k, 5. September. Nach einer Mittheilung des .Charleston und Sonsh Carolina News and Courier* mußten in Charleston und Umgebung in Folge der Erdbeben des letzten Jahres 6000 Häuser umgebaut oder ausgebessert werden. 271 völlig neue Häuser sind gebaut worden. Die Gesamuukosten dieser Bauten betragen 4,300,00 Doll., wovon 3.000,000 Doll. aus die Stadt Charleston kommen.

(Schlau.) Herr:Ich möchte ein Paar knarrende Pantoffeln.* Kaufmann:Bedaure, die gibt es mebt. Wozu sollen dieselben dienen s* Für meinen Sohn, der sich jetzt immer Pan­toffeln nach der Kneipe mitnimmt und dieselben Nachts im Hausflur anzieht, damit ich ihn nicht kommen höre*

(S o i st e s 0Welches sind die Zähne, die zuletzt kommen 2* fragte ein Lehrer in seiner Klasse.Die falschen!* antwortete ein Junge auf der letzten Bank.

-(Erklärlich.)Was, der alte Oberst nimmt jetzt schon die vierte Frau s*Ja, der AUe war von je ein leidenschaftlicher Sammler.*

Telegraphischer Schiffsbericht derRed Star Linie" Antwerpen.

New Dort, 8. Sept. Der PostdampferNoord « land" derRed Star Linie," welcher am 27, Aug. von Antwerpen abging, ist heute wohlbehalten hier ange« kommen.

Fruchtpresse.

Walzen (ä 100 Kilogr.) 14 M. - Pf. bis M. - Pf. Roggen (ä 100 Kilogr.) 11 M.WPf. bis 13 Mk. Pf. Hafer (a 100 Kilogr.) 10 M. - Pf. bis 11 M. - Ps.