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Htrsstldtl Arcislilitt.
Mit wöchentticher KraLis-Aeitage „Illustrirtes UnterhakLungsölatt".
Nr. 108.
Dienstag den 13. September
1887.
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MoLitische Nachrichten.
(D eutschl and.) Se. Majestät der K a i s e r ließ am Sonnabend Vormittag auf Schloß Babelsberg vom Ober-Hof- und Hausmarschall Grafen Perponcher sich Vortrag halten, nahm einige militärische Meldungen entgegen und arbeitete mit dem Chef des Militärcabinets, General der Cavallerie und General Adjutant v. Albedyll. Vorher schon hatte der erlauchte Monarch, in Begleitung des Flügeladjutanten vom Dienst, eine Spazierfahrt im Park von Babelsberg unternommen.—Das Befinden Allerhöchstdesselben ist andauernd ganz vortrefflich.
Nach dem nunmehr feststehenden Programm der K a i s e r r e i s e nach Stettin erfolgt die Abreise von Babelsberg Montag Mittag halb 2 Uhr, von Berlin 2 Uhr 5 Min., die Rückkehr erfolgt Sonnabend 17. Septbr. Abends 7 Uhr.
Ueber die Sonntagsarbeit liegen bekanntlich die Ergebnisse der angestellten Erhebung in drei starken Quartbänden vor. Die Regierung hat sich mit Recht nicht entschließen können, vor einer genauen Würdigung dieser Ergebnisse eine allgemeine gesetzliche Neuregelung der Sonntagsfrage in Angriff zu nehmen. Der Inhalt der drei Bände beweist in seiner bunten Vielgestaltig- keit und Mannichfaltigkeit der Verhältnisse, daß ein überstürztes Zugreifen den Arbeitern vielfach mehr Schaden als Nutzen bringen würde. In verschiedenen Handelskammerberichten findet dieser Standpunkt Anerkennung. So bemerkt der Be richt von Osnabrück: „Daß wir nach wie vor den Wunsch vertreten, die Sonntagsarbeit möglichst und zwar nicht nur im industriellen Betriebe, sondern namentlich auch im kaufmännischen Gewerbe, abgeschafft zu sehen, brauchen wir kaum zu wiederholen. Eine Regelung dieser Frage, wie die der meisten auf die Ausdehnung des Arbeiterschutzes gerichteten Anträge erfordert je-
(Undefugter Nachdruck verboten.) Kot.
Novelle von Eufemia Gräfin Ballestrem (Frau von Adlersfeld).
(Fortsetzung.)
„Doch nicht'Sie etwa, Gräfin Sol? Sollten Sie und die Sonne stch ihrer siegenden Macht nicht ein klein — klein wenig bewußt sein?* — „Mach' ich Ihnen einen solch' arroganten Eindruck ?* fragte Sol.
„Nein, aber für würdig und berechtigt des Vergleichs mit der Sonne", gab er fast unhörbar zurück.
„Armer Mond — jetzt hat er ein solches Gesicht geschnitten, denn er hatte sich eingebildet, daß es Leute gäbe, die nicht schmeicheln könnten."
„Aber hab' ich denn geschmeichelt, so geschmeichelt, daß es Ihren Spott hervorruft?"
Sie antwortete nicht, sondern sang leise vor stch hin:
„Verkennt uns nicht aus's Neu,
Besonders mich!
Wir sind durchaus nicht scheu, Der Mond und ich!"
Da ergriff es Weiher wiederum so eigen, daß er fort von ihrer Seite mußte, fast als könne nur die Flucht vor soviel Liebreiz ihn retten, der ihn so mächtig anzog, der immer dichter und dichter seine unentwirrbaren Fäden um ihn spann.
Als alle sich dann zurückgezogen hatten und
Weiher auf der Teraffe allein zurückgeblieben war,
doch die gewissenhafte Berücksichtigung so vieler und verschiedener Verhältnisse, daß jedes überstürzte Vorgehen auf diesem Gebiete auf vereinen Seite allerdings einen scheinbaren „Schutz" des Arbeiters, auf der anderen jedoch auch eine bedenkliche Verschlechterung seiner materiellen Lage zur unabweislichen Folge haben würde."
Der Reichstag wird sich in seiner nächsten Session in umfangreicher Weise mit elsaß - lothringischen G e s e tz e n zu beschäftigen haben, in erster Reihe mit der Einführung der Gewerbe-Ordnung.
Der Reichskanzler und Ministerpräsident F ü r st von Bismarck begab sich am Sonnabend Mittag 12 Uhr 30 Minuten zum Vortrag bei Sr. Majestät dem Kaiser nach Schloß Babelsberg und kehrte um 5 Uhr 40 Minuten nach Berlin wieder zurück. Vorgestern empfing der Reichskanzler mehrere Personen, welche aus den Colonien und anderen überseeischen Ländern in Berlin angekommen sind.
Die Gesammtzahl aller m Deutschland anhängig gewordenen Civil Processe (mit Ausnahme von Ehe- und Entmündigungssachen) betrug 1881 3,325,652, 1882 3,279,705, 1883 3,247,245, 1834 3,177,610, 1885 3,162,202. Es macht sich hiernach ein langsamer Rückgang bemerkbar.
Wie schon im englischen Unterhause zur Sprache gekommen ist, hat das d e u t s ch e Geschwader auf den S a m o a - I n s e l n Truppen landen lassen. „Reuters Büreau" (das allerdings nicht sehr zuverlässig ist) meldet dazu, die Deutschen hätten dem König Malietoa wegen verschiedener Ränke gegen deutsche Plantagen auf Samoa eine schwere Geldbuße auferlegt, die Flagge seines Nebenbuhlers Tamasese aufgehißt und diesen zum König ausgerufen. — Die „Nordd. Allg. Ztg." sagt hierzu an hervorragender Stelle, daß das deutsche Geschwader allerdings den Auftrag hatte, für verschiedene Uebergriffe vom König Malietoa
stand Sol urplötzlich neben ihm, blaß, schwerathmend, nur mit Ueberwindung sprechend.
„Da — nehmen Sie endlich Ihr Eigenthum", sagte sie mühsam, nestelte das Brillantenherz von seiner Kette von ihrem Halse los und legte es in seine widerstrebende Hand.
„Nein, nein," bat er, „heben Sie mir's aus, so lange Sie wollen —"
„Aber ich mags nicht mehr, weil es Ihnen gehört, weil ich's an Sie verwirkt habe, mein Herz", stieß sie rapid hervor.
„Sol--"
„Nehmen Sie's, oder zertreten Sie's, oder werfen Sie's ins Wasser — was geht das mich an?" rief sie schluchzend, warf das Herzchen auf den Boden und entfloh so schnell, als sie gekommen war.
Weiher hob das im Mondenlicht wundersam funkelnde und gleißende Bijou auf und küßte es.
„Wer weiß, ob ich's nicht schon zertreten habe", sagte er traurig und dabei fiel ihm ein Vers aus dem Liede ein, das die Fürstin Xenta vorhin citirt:
„WennS irgend auf dem Erdenrund
Ein unentweihtes Plätzchen giebt,
So ifi'ä ein junges Menschenherz,
Das fromm zum ersten Male liebt."
Der folgende Tag brächte, trotzdem es September war, noch einmal Sommersonnengluth, begleitet von drohender Gewitterschwüle und obwohl
Genugthuung zu fordern. Wenn letzterer die Genugthuung verweigert hat, so ist es sehr wahrscheinlich, daß ein militärisches Einschreiten statt- fand. Deutsche Nachrichten über diesen Vorgang liegen bis jetzt nicht vor.
Dem Kammerausschuß in Württemberg ist der Entwurf eines Gesetzes betr. den Eintritt Württembergs in die Branntweinsteuergemeinschaft zur weiteren Behandlung zugegangen. Der Entwurf enthält nur einen einzigen Artikel und empfiehlt aus volkswirthschaftlichen, steuertech- nischen und finanziellen Gründen, unter besonderer Betonung der den kleineren Brennereien zu gute kommenden Steuerermäßigungen, den Eintritt in die Branntweinsteuergemeinschaft zum 1. October.
Für Schwarzburg-Rudolstadt wird mit Genehmigung des Bundesraths eine besondere land- und forstwirthschaftliche Berufsgenossenschaft für Unfallversicherung gebildet werden.
(England.) Der bekannte irische Agitator O'Brien war zum Freitag vor den Friedensrichter der Stadt Mitchelstown (Grasschaft Cork) geladen, weil er die Pächter zum Widerstände ®das Landgesetz aufgereizt hatte. Er
e der Vorladung keine.Folge und so wurde gegen ihn ein Haftbefehl erlassen. Darüber entstand in der Stadt große Erregung, es kam zu blutigen Zusammenstößen zwischen Polizei und Einwohnerschaft, wobei von der letzteren zwei Personen getödtet wurden.
(Balkan staaten.) Ueber die Lage in Bulgarien kommen ungünstige Berichte, welche von Zerwürfnissen der jetzigen Regierung mit den Anhängern des Battenbergers zu melden wissen. Sowohl in Sofia als in der Provinz wurden unter den Anhängern Radoslawows Verhaftungen vorgenommen. Es wird sogar behauptet, daß man in Varna den früheren Ministerpräsidenten Radoslawow verhaftet habe, nachdem ein ihn belastender Schriftwechsel in die
rings am Horizont sich dunkles, bleifarbenes Gewölk aufthürmte und die letzten Schwalben ängstlich zwitschernd fast über dem Boden dahin- strichen, so ging die Fürstin doch nach dem Diner, und vertrauend auf die optimistischen Prophezeiungen eines Wetterpropheten, mit Sol und Weiher hinaus in den Park zu einer kleinen Promenade. Wie sie aber schon sehr, sehr weit vom Schlosse entfernt waren, im Gespräch dessen nicht achtend, daß es dunkler und dunkler wurde, fuhr urplötz- lich ein Windstoß durch die Bäume, ein Blitz flammte auf und ein Donnerschlag krachte, und schwere, noch vereinzelte Regentropfen schlugen den Ueberraschten ins Antlitz.
„Mein Gott, wie schrecklich!" rief die Fürstin, „wir sind total durchnäßt, bis wir zurück im Schlosse sind." —
„Nicht doch, uns bleibt die Solitüde", rief Sol.
„Also schnell dahin, damit wir sie noch heil erreichen", entschied Weiher.
Die Solitüde war ein kleiner, persect eingerichteter Pavillon, der am Ende des Parkes inmitten hoher Eichen stand, — ein rundes, im Roccocostil aufgeführtes und ebenso möblirtes Gebäude, das die Fürstin gern als ihr bouon retiro benutzte und manchen Sommernachmittag darin verlebte — schreibend, lesend, oder auch musicirend.
Sie erreichten den Pavillon glücklich noch vor Ausbruch des Wetters, aber kaum waren sie geborgen, als auch der Regen in Strömen her- niederrauschte, Blitz aus Blitz, Schlag aus Schlag mit sich bringend, als sei die ganze Hölle losgelassen,