Erscheint wöchentlich dreigMal «m Dienstag, Donnerstag unb Sonnabend
AbonnementSpreii: vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exel.
Postausschlag.
Die Jnsertionigebührm betragen für den Raum einer Spaltteil« 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
lersfdiitr frcisbintt
Mit wöchentlicher Kratis-ZLeitage „Illustrirtes Anterhatlungsölalt".
Nr. 107. Sonnabend den 10. September 1887.
Amtliches.
Hersfeld, den 6. September 1887.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche mit der Erledigung meiner Ver- fügung vom 20. August er. Nr. 8414, die aus den Correclions-Austalten Entlassenen betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 15. d. Mts. bei Meldung von je 3 Mk. Strafe erinnert.
8414. Der Königliche Landrath.
J. V.: __Braun, Kreisdeputirter.
Hersfeld, den 8. September 1887.
Die Königlichen Gendarmen, sowie sämmtliche Ortspolizeibehörden des Kreises werden angewiesen, darüber zu wachen, daß die Jagd von solchen Personen, die nicht im Besitze eines Jagdscheins sich befinden, nicht ausgeübt wird.
9013. Der Königliche Landrath.
J. V.:
Braun, Kreisdeputirter.
Hersfeld, den 5. September 1887.
Der Postassistent Jaster in Essen (Ruhr) ist nach Unterschlagung von Postanweisungsbeträgen seit dem 30. August flüchtig. Die Höhe der unterschlagenen Gelder steht noch nicht fest.
Das Königliche Landrathsamt wird hiervon mit dem Ersuchen ergebenst in Kenntniß gesetzt, gefälligst auf den Postassistenten Jaster, dessen Personbeschreibung unten folgt, zu fahnden, denselben im Betretungsfalle zu verhaften, das in seinem Besitze befindliche Geld zu beschlagnahmen und die Kaiserliche Ober-Postdirection in Düsseldorf, sowie die Königliche Staatsanwaltschaft in Essen (Ruhr) vom Geschehenen sofort in Kenntniß zu setzen.
P e r s o n b e s ch r e i b u n g des I a st e r. «Ssssse—»»»»—— > >».,»—! । . _«■■
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Sol.
Novelle von Eufemia Gräfin Balle st rem (Frau von Adlersfeld).
(Fortsetzung.)
,3a, wenn Weiher nicht ein gar so netter Kerl wäre!* rief der Fürst mit freundlichem Schlag auf die Schulter des also Apostrophirten.
„'S ist wahr! Ich kann mir gar nicht denken, wie's ohne ihn sein könnte, 's ist nur schade, daß Du mein Stiefvater wirst, alte Seele — als Bruder hätte ich Dich lieber gehabt*, tuschelte er Weiher in'S Ohr.
Wenn auch der Fürstin das leise Wort entgangen war, Sol hatte es verstanden und er- röthete so tief, daß ihr schönes Gesicht wie mit Blut übergossen schien.
„Was hat Fred da gesagt fragte die Fürstin lachend. , .
„Wahrscheinlich wieder eine große Dummheit!* entgegnete Sol verwirrt, wofür der Bruder ihr neckend mit der Peitschenspitze aus der Nase kitzelte — Weiher ignorirte die Frage.
Am selben Tage, kurz vor der Theestunde, be- schied die Fürstin ihre Tochter zu sich.
„Höre, liebes Kind, ich habe Dir eine wichtige Mittheilung zu machen", sagte sie, als Sol ihren gewohnten Platz auf dem Schemel zu Füßen ihrer Mutter eingenommen.
„Hat Fred sich verlobt oder willst Du mir die beiden mausgrauen Jucker vom Grasen Stein-
Vorname: Martin. Alter: 31 Jahre. Geburtsort: Zippnow. Größe: 1,75 m. Augen: grau. Haare: voll und dunkelbraun. Bart: starker, brauner Schnurrbart. Gesichtsfarbe: gesund. Nase und Mund: gewöhnlich. Kleidung: schwarzer, steifer Filzhut, Gehrock, Hose und Weste von dunkelblauem Kammgarnstoff.
Besondere Kennzeichen: Auf der linken Backe zwei behaarte Warzen, die eine erbsengroß, die andere größer. Jaster führt einen kleinen grauen Handkoffer und einen schwarzscidenen Schirm mit gelber Krücke bei sich.
Kaiserliches Postamt. V i g e l i u s.
* * *
Hersfeld, den 6. September 1887.
Wird den Ortspolizeiverwaltungen und der Königlichen Gendarmerie des Kreises zur Kenntnißnahme und Fahndung nach dem Flüchtigen mitgetheilt.
8929. Der Königliche Landrath.
J. V.:
____________Braun, Kreisdeputirter.
Wegen Veränderung eines Kanals an dem Wege von Beiershausen nach Kerspenhausen wird hiermit das Befahren desselben mit schwerem Fuhrwerk für die Zeit vom 10. bis 17. d. Mts. unter- sagt. Eine Nothbrücke für leichtes Fuhrwerk ist angelegt.
Beiershausen, den 8. September 1887.
_____________Der Bürgermeister: Gömpel.
Gefunden: ein schwarzer Filzhut. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Beiershausen.
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Se. Majestät der K a i s e r nahm am Donnerstag Vormittag auf Schloß Babelsberg den Vortrag des Grafen Perponcher entgegen, arbeitete später längere Zeit mit dem
Hausen als eigene Wagenpferde schenken? Ach! Eins wäre so schön wie das Andere", rief Sol mit ihrer alten Lebhaftigkeit. „Das heißt", setzte sie lachend hinzu, „das heißt, die Jucker wären mir unter Umständen lieber.*
Unwillkürlich lächelnd strich die Fürstin über das krause Goldhaar ihrer Tochter.
„Die Jucker wollte ich Dir nicht kauten*, sagte sie, „aber Du kannst sie sogar umsonst bekommen."
„Ein Cadeau des Grafen? Ich danke schön, da taugen sie nichts;" meinte Sol verächtlich.
„So war es nicht gemeint", erwiderte die Fürstin.
„Graf Steinhaufen versteht höchstens, einen Schimmel von einem Rappen zu unterscheiden, hat aber sonst keine Ahnung vom Training der Pferde l* fiel Sol sehr bestimmt ein.
„Graf Steinhausen hat mich um die Erlaubniß gebeten, um Deine Hand werben zu dürfen", vollendete die Fürstin, ohne auf den Einwurf zu achten.
„Gott, was für ein exemplarischer Jüngling," lachte Sol laut auf. „Weiter, hast Du mir nichts zu sagen, Mama?*
„Ich dächte, es wäre wichtig genug.*
„Ja, Mama, hast Du's denn wirklich ernsthast genommen? Ich soll das kleine fade Kerlchen hei- rathen? Ich bin ja einen Kopf größer wie er!"
„Sol, besinne Dich,* sagte die Fürstin ernst. Graf Steinhausen ist ein tadelloser Ehrenmann, in dessen Hände ich meines Kindes Zukunft mit vollem Vertrauen legen würde.*
Chef des Militärcabinets von Albedyll und ertheilte Audienz.
Die Reise des K a i s e r s, der K a i s e r i n, desPrinzen und der Prinzessin Wilhelm nach Stettin, ist der „Äagdb. Ztg." zufolge ge- sichert; die Pferde und Wagen für den Kaiser* lichen Hofhalt gehen am Sonnabend dorthin ab.
Se. Majestät der Kaiser hat durch Erlaß vom 8. Juli d. I. bestimmt, daß der anläßlich eines Krieges am weißen Bande mit schwarzer Einfassung verliehene Orden im Falle der im Frieden erfolgenden Verleihung einer höheren Klaffe desselben Ordens am statutenmäßigen Bande nicht abzulegen ist.
Der Kronprinz ist am Mittwoch Abends 9 Uhr mit Separatzua in Begleitung der Kronprinzessin, der Prinzessinnen Viktoria, Sophie, Marga* r e t h e und Gefolge bei wundervollem Wetter in Toblach angekommen.
Der preuß. Minister für Landwirtschaft hat den Vorständen der landwirthschaftlichen Hauptvereine ein Exemplar der von dem Verein für Socialpolitik herausgegebenen Berichte und Gut* achten über den Wucher auf dem Lande und einen Beschluß des Landes-Oeconomiecollegtums zugehen lassen, der sämmtlichen landwirthschaftlichen Vereinen empfiehlt, die gegen den Wucher zu ergreifenden Maßregeln zu berathen.
Ueber die Grundzüge zu einer Arbeiter- Altersund Jnvaliden-Versorgung liegt, wie man der I „Nat. Ztg." berichtet, ein Gutachten des preußischen Staatsministeriums noch nicht vor, sondern nur die Aeußerungen der einzelnen Minister. „Ferner verlautet, es lasse sich aus den jetzt vorliegenden Gutachten erkennen, daß Bedenken gegen die Grundzüge geäußert worden. Es soll dies namentlich seitens der Königlich sächsischen Re* gierung geschehen sein."
Wie man der „Voss. Ztg." aus Leipzig
„Ich kann ihn aber dennoch nicht acceptiren, Mama — zum Hetrathen gehören eben zwei*, erwiderte Sol jetzt ebenfalls ernst und sehr fest.
„Und Deine Gründe?*
„Erlasse wir die, Mama,* bat sie leise.
Mit erschrockenem Antlitz richtete die Fürstin das gesenkte Haupt ihre Tochter zu sich empor.
„Ist — ist Dein Herz nicht mehr frei —?* fragte sie fast angstvoll. Statt aller Antwort brach Sol in einen Strom von Thränen aus.
„Du weinst, mein armes Kind ? Und der Name — sein Name?"
„Er wird nie über meine Lippen kommen, nie*, sagte Sol und richtete sich auf, die Thränen trocknend. „Bitte, frage mich nicht, ich werde, ich kann Dir nicht antworten."
„Also ist der Mann, den Du liebst, für Dich nicht erreichbar?*
„Nein. Ich habe ja schon verzichtet, Mama — laß mich's versuchen, ob man das überwinden kann, ohne sterben zu müssen. Sag' dem Grafen Steinhaufen, was Du magst — aber laß mich jetzt gehen. Ich kann so nicht zum Thee er- scheinen!" —
„So geh', mein Kind — und Gott stärke Dich in Deinem Kampf," erwiderte die Fürstin liebevoll — noch ein Grüßen, und Sol ging.
Lenia Kirchberg blieb tief bekümmert zurück — sie also sollte eingehen zu dem höchsten Glück, während ihr Kind, ihr Sonnenstrahl, mit seinem brechenden Herzen rang —1 O welch' schneidender Gegensatz! Noch am selben Abend erzählte sie