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Hersselilkl firrisblitt
_________Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „IllustrirLes Nnterhaktungsvlatt".
Nr. 106. Donnerstag den 8. September 1887.
Amtliches.
Bekanntmachung wegen Ausreichung der Zinsscheine Reihe XIII zu den Neumärkischen Schuldverschreibungen.
Die Zinsscheine zu den Neumärkischen Schuldverschreibungen Reihe XIII Nr. 1 bis 8 über die Zinsen für die Zeit vom 1. Juli 1887 bis 30. Juni 1891 werden vom 13. Juni d. J. ab von der Kontrolle der Staatspapiere hierselbst — Oranienstraße 92 — Vormittags von 9 bis 1 Uhr, mit Ausnahme der Sonn- und Festtage und der letzten drei Geschäftstage jeden Monats, ausgereicht werden.
Die Zinsscheine können bei der Kontrolle selbst in Empfang genommen oder durch die Regie- rungs - Hauptkassen, sowie in Frankfurt a/M. durch die Kreiskasse bezogen werden. Wer die Empfangnahme bei der Kontrolle selbst wünscht, chCt derselben persönlich oder durch einen Beauftragten die zur Abhebung der neuen Reihe berechtigenden Zinsscheinanweisungen mit einem Verzeichnisse zu übergeben, zu welchem Formulare ebenda und in Hamburg bei dem Kaiserlichen Postamte Nr. 2 unentgeltlich zu haben sind. Genügt dem Einreicher eine numerirte Marke als Empfangsbescheinigung, so ist das Verzeichniß einfach, wünscht er eine ausdrückliche Bescheinigung, so ist es doppelt vorzulegen. Im letzteren Falle erhalten die Einreicher das eine Exemplar mit einer Empfangsbescheinigung versehen sofort zurück. Die Marke oder Empfangsbescheinigung ist bei der Ausreichung der neuen Zinsscheine zurückzu- geben. In Schriftwechsel kann die Kontrolle der Staatspapiere sich mit den innerhalb der Monarchie wohnenden Inhabern der Zinsscheinanweisungen nicht einlassen.
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Kot.
Novelle von Eusemia Gräfin Ballestrem (Frau von AdlerSfeld).
(Fortsetzung.)
„Ich war nämlich viel früher draußen, wie Sie," erklärte Sol nach einem cordialen Guten Morgen, „und plötzlich jah ich Sie dahinreiten in einem Zustand unglaublicher Gedankenabwesenheit. — Sie hätten mich sonst sehen müssen. Woran haben Sie nur gedacht?*
Weiher antwortete nicht — er sah nur die ret« zende Gestalt so fest, so sicher, so leicht im Sattel sitzend neben sich auf der prächtigsten Vollblutstute des Kirchberg'schen Marstalls, und ein wunderbar wehes Gefühl überkam ihn, daß er nicht sprechen konnte.
„'s ist famos, daß Sie so früh auf sind — wir können dann noch einen hübschen Ritt zusammen haben", plauderte sie harmlos weiter. „Fred ist früh immer so faul — wenn ich ihm nicht Wasser über den Kopf gieße, steht er nicht auf, und seitdem ich das ein paar Mal gemacht habe, schließt er sich ein und stellt sich taub. Mama reitet auch lieber gegen Abend aus, — da muß ich halt allein reiten, ohne Stallmeister wie Sie sehen, aber das dürfen Sie Mama nicht verrathen !*
„Eigentlich müßte ich's", erwiderte Weiher ernst. „Ich ließe meine Schwester auch nicht allein reiten."
Wer die Zinsscheine durch eine der oben genannten Provinzialkassen beziehen will, hat derselben die Anweisungen mit einem doppelten Verzeichnisse einzureichen.
Das eine Verzeichniß wird mit einer Empfangsbescheinigung versehen sogleich zurückgegeben und ist bei Aushändigung der Zinsscheine wieder ab- zuliefern.
Formulare zu diesen Verzeichnissen sind bei den gedachten Provinzialkassen und den von den Königlichen Regierungen in den Amtsblättern zu bezeichnenden besonderen Kassen unentgeltlich zu haben.
Der Einreichung der Schuldverschreibungen bedarf es zur Erlangung der neuen Zinsscheine nur dann, wenn die Zinsscheinanweisungen abhanden gekommen sind; in diesem Falle sind die Schuldverschreibungen an die Kontrolle der Staatspapiere oder an eine der genannten Provinzalkassen mittels besonderer Eingabe einzureichen.
Berlin, den 11. Mai 1887.
Hauptverwaltung der Staatsschulden.
I. 547. gez. SYdow.
Cassel, den 18. Mai 1887.
Die vorstehende Bekanntmachung wird hierdurch mit dem Bemerken veröffentlicht, daß die Formulare zu den in derselben gedachten Verzeichnissen bei der Regierungshauptkasse hier und den sämmtlichen Steuerkassen des Regierungsbezirks unentgeltlich zu haben sind.
Königliche Regierung.
S ch w a r z e n b e r g, i. V.
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Am Dienstag Vormittag hörte Se. Majestät der Kaiser zunächst die Vorträge des Grafen Perponcher und des Poli
„Ja, aber ich bitte Sie, das ist ja schrecklich, solch' einen indifferenten Menschen hinter sich drein- ziehen zu sehen, dem der Gedanke: „verdrehte Person, ist's nicht schöner zu Hause?" deutlich vom Gesichte abzulesen ist. „Was kann mir denn mit „Queen" passiren? Wir sprechen ja förmlich miteinander, so gut kennen wir uns."
Und sie klopfte zärtlich den schlanken Hals des edlen Thieres, das ihr die Liebkosung mit leisem Wiehern dankte.
„Tausend Dinge können Ihnen passiren, wo Sie der Hülfe bedürfen", erwiderte Weiher.
„Nein, doctren und schelten dürfen Sie nicht, sonst kehre ich sofort um", rief Sol halb lachend, halb ärgerlich.
„Gut, daß Sie mich zu etwaiger Hülse haben, so will ich still sein", gelobte er.
„Na, dann avanti I" rief sie vergnügt, und vorwärts ritten sie im schritt dem Fahrwege zu, der ihnen ein verstärktes Tempo gestattete.
„Da die Gelegenheit so günstig ist", begann Weiher nach einer Weile, „so möchte ich Sie an etwas erinnern, Gräfin Sol, das Sie vergessen zu haben scheinen. Eine kleine Wette, die wir miteinander gestern gemacht---"
„Die gilt nichts", fiel sie lachend ein, „die haben Sie mir unter Vorspiegelung falscher Thatsachen abgewonnen."
„Pardon — Sie haben daraus bestanden."
„Ja, aber, Sie wußten doch, daß Sie selbst —*
„Dieser gräßliche Baron Weiher waren" — vollendete er lächelnd.
zeipräsidenten v. Richthofen und nahm darauf persönliche Meldungen entgegen. — Mittags arbeitete der Kaiser längere Zeit mit dem Chef des Militärcabinets v. Albedyll, welcher am Vormittag von Potsdam nach Berlin gekommen war, und empfing hierauf auch noch den aus England in Berlin eingetroffenen Leibarzt des Kronprinzen, General-Arzt Dr. Wegener, welcher auch die Ehre hatte, von Ihrer Majestät der Kaiserin empfangen zu werden.
Folgende Cabinetsordre hat Se. Majestät der Kaiser nach Königsberg gerichtet: „Berlin, den 4. Septbr. 1887. Unter wiederholtem tiefen Bedauern, die Beweise treuer Liebe und Anhänglichkeit der Provinz Ostpreußen und der alten Königs- und Krönungsstadt Königsberg nicht Selbst entgegennehmen zu können, genehmige Ich, daß meinem Stellvertreter dem Prinzen Albrecht, diese Beweise der Provinz und der Vaterstadt Seines in Gott ruhenden Vaters dargebracht werden, gez. Wilhelm.
Am Montag überreichten die neuernannten Gesandten von Griechenland, Mexiko und Chile dem Kaiser ihre Beglaubigungsschreiben.
Am Montag ist der Ausschuß des Bundesraths für das Justizwesen zusammengetreten. Die Plenarsitzungen des Bundesraths werden erst Mitte October wieder beginnen.
Ein neuer SpiritusverwerthungsPlan ist in Sicht. Es soll eine Actiengesell- schaft mit 10 Mill. Mark Grundcapital gegründet werden und die Brenner sollen sich verpflichten, ihren Spiritus nicht unter 102 Mk. zu verkaufen. Gelingt ihnen das nicht, so haben sie den Spiritus mit 100 Mark an die Actiengesellschaft abzulassen.
Die Grundzüge für die Alters- und Invaliden- Versorgung waren den einzelnen Bundesregierungen zur Begutachtung zugesandt worden. Diese Gutachten sind nunmehr sämmtlich eingegangen und werden gegenwärtig im Reichsamt des Innern
„Eben darum", meinte sie tief erröthend.
„Wetten geht man aber doch nur ein, wenn man seiner Sache sicher zu sein glaubt," replicirte Weiher.
„Glaubt — darin liegts! Sie wußten aber bestimmt, daß Sie gewinnen würden."
„Gleichviel, ich bestehe, wie Shylock auf meinen Schein."
„Und ich bin natürlich viel zu nobel, um gegen diesen alten Wucherer zu kämpfen," erwiderte sie heftig, so heftig, daß das Pferd unter ihr stieg. Als sie eS wieder beruhigt hatte, sagte sie halb weinend: „Gut also, das Herz gehört Ihnen. Ist es Ihnen gleich, ob es dieses oder ein anderer Gegenstand ist, m't dem ich meine Wette aus- lösen kann?"
„Hat Shylock sich ein Aequivalent für sein Pfund Fletsch bieten lassen?" fragte Weiher neckend zurück.
„Gut also, das Herz gehört Ihnen!" wiederholte sie mit halb erstickter Stimme.
„Wer hat es als Preis eingesetzt, Sie oder ich?" fragte er und wie sie ihn mit überquellenden Augen ansah, traf sie aus den seinen ein Blick, daß sie verwirrt den Kopf abwendete, dann, nach einer kleinen Pause sagte sie leise und bittend, fast demüthig:
„Wollen Sie mir das Herz noch für ein paar Tage lassen? Nur bis ich seinen Verlust überwunden haben werde---l l"
Mit einer schnellen Bewegung ergriff Weiher
die kleine, starke Hand neben ihm, welche die