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Htrsftl-cr frrisblatt
________ Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Illustrirtes Unterhattungsötatt".__________
Nr. 105. Dienstag den 6. September 1887.
Amtliches.
Bekanntmachung.
Der Königliche Rentmeister Schenk zu Friedewald hat unter seiner vollen persönlichen Verantwortlichkeit mit unserer Genehmigung seinen Privatgehülfen Ludwig Theune zur Erthei- lung von Quittungen über Zahlungen an die Steuer- und Forstkasse dortselbst bevollmächtigt. Die Vollmacht des Gehülfen Auspurg ist zurück-
gezogen.
Cassel, den 30. August 1887.
Königliche Regierung, Abtheilung für directe Steuern, Domänen und Forsten:
I. V.: B l o b e l.
C. I. 7061. __
Hersfeld, den 1. September 1887.
ADie Witwe des. Gastwirths Peter Wend, Elisabeth geb. Fernau von Friedewald, 62 Jahre alt, hat um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.
8854. Der Königliche Landrath.
J. V.:
Braun, Kreisdeputirter.
Hersfeld, den 5. September 1887.
Die Herren Ortsvorstände zu:
Schenksolz, Motzfeld,Hillartshausen, Hilmes, Ausbach, Wippershain, Wüstfeld, Conrode, Schenklengsfeld, Oberlengsfeld, Ransbach, Landershausen, Unterweisenborn und Wehrshausen weise ich unter Bezugnahme auf die diesseitige Verfügung vom 18. August d. Js. Nr. 7637 im Kreisblatt Nr. 98 hierdurch an, dafür Sorge zu tragen, daß für die Zeit der Brigade-Manöver im laufenden Jahre auf den zu schonenden Kul-
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Sol.
Novelle^von Eusemia Gräfin Ballestrem (Frau von Adtersseld).
(Fortsetzung.)
Ich Hab's halt in der Fremde nicht ausgehalten," erklärte Gräfin Sol lachend, „denn fremd ist's nun doch einmal, wo man nicht zu Haus ist. Und nun gar ohne mein Herzensmutterl — und Heimweh hatte ich nach Kirchberg, und wenn ich mich nicht mindestens zweimal täglich mit Fred zanken oder herumjagen kann, dann bin ich krank!"
Alles lachte über die originelle Art dieses
Sonnenkindes und Weiher fragte amüsirt:
„Ja, was soll denn aber aus Ihnen werden, wenn Fürst Fred einmal ganz fehlen wird in Ihrem Leben?" —
„Ganz fehlen? Wieso?"
„Nun, wenn Sie sich vermählen." —
„Ich heirathen?" rief sie lachend. „Das sollte mir gerade noch fehlen! Nein, ich freue mich ja so sehr darauf, eine alte Jungfer zu werden, keine so ziwpierliche, übelnehmische, verdrehte Schraube mit Möpsen und Strickstrümpsen für Negerkinder, sondern ein furchtbar nettes altes Haus, wie ich manches kenne, so eine Märchentante für Freds
Kinder!"
„Nun ich danke bestens! Die armen Jöhren würdest Du schön ungezogen machen!" rief der Fürst mit komischem Entsetzen.
„So? Bersuchen wtr's erst mal! Du sollst sehen,
turländereien sofort Warnungszeichen (Wiepen) aufgestellt werden.
8912. Der Königliche Landrath.
J. V.:
Braun, Kreisdeputirter.
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Der „Reichsanzeiger" vom Freitag meldet: Se. Majestät der K a i s e r fiel gestern während des Umganges nach dem Paradediner in Folge der Unebenheit des Fußbodens auf die linke Hüfte und den linken Ellenbogen und zog sich eine mäßige Quetschung der genannten Theile zu. Nichtsdestoweniger setzte Allerhöchstderselbe die Unterhaltung mit den verschiedenen Gästen im Umgehen fort. Der Schlaf in der letzten Nacht war befriedigend, das Allgemeinbefinden ist ungestört. Der Kaiser ist kurz nach 9 Uhr aufgestanden.
Das „Deutsche Tageblatt" meldet unterm 3. September: Se. Majestät der Kaiser hat in der vergangenen Nacht befriedigend geschlafen, fühlt sich jedoch noch infolge örtlicher Schmerzen nach dem Falle angegriffen, und hat daher beschlossen, die Reise nach Königsberg aufzugeben.
Der S e d a n t a g ist aller Orten in Deutschland, wie die zahlreichen Festberichte ergeben, in der hergebrachten, patriotischen Weise festlich begangen worden.
Die geplante große Spiritusgesellschaft ist nunmehr definitiv gescheitert. Die Zeitschrift für „Spiritusindustrie" enthält folgende Erklärung: „Mit dem heutigen Tage ist durch die Erklärung des Bankkonsortiums die Gründung der Gesellschaft für Spiritusverwerthung als gescheitert zu erachten. Die in ungenügender Zahl eingesandten und mit den verschiedenartigsten erschwerenden Bedingungen belasteten Verträge geben dem Consortium nicht die genügende
welch' würdige Exemplare der Menschheit ich aus Deinen Kindern, die natürlich Jöhren sind, machen werde, i ch!"
„Wollt Ihr nicht den Streit über Freds Kinder aufheben, bis er welche hat?" meinte die Fürstin freundlich und fügte hinzu: „Sol vergiß nicht, daß Du heut Pflichten hast!" —
„Richtig, der Thee I Wer trinkt Thee?" rief Sol und flog nach dem Theetisch, wo sie bald mit dem silbernen Samovar und Meißner Porzellan eine rührige Thätigkeit entfaltete — bei aller Lebhaftigkeit. bei allem Ungestüm maßvoll, graziös und reizend.
„Was sagen Sie zu diesem Wirbelwind, zu dieser großen Tochter?" fragte die Fürstin Weiher, als sie dann zusammen einmal in das Boudoir traten, das als specielle Domaine der Hausfrau meist von den Gästen respectirt wurde. „Verdient sie nicht, ihren Sonnennamen zu tragen?"
„Sie ist sehr schön — und — wohl auch sehr verwöhnt," erwiderte er lächelnd.
„Sie wollen sagen, verzogen!" rief sie und fügte warm hinzu: „Nein, das ist sie nicht, wirklich nicht! Und wie ihr sonniger Charakter, so ist ihr junges, reines, unverdorbenes Herz —: pures Gold! Für Fremde mags ja noch Schlacken haben, aber wer wäre vollkommen in dieser Welt? Hätten Sies nur gesehen, wie die Sünderin heut zu mir kam, so lieb, so demüthig, so herzlich! Ich sage Ihnen, es ist eine Freude, solch' eine Tochter wieder zu gewinnen. Sie müssen? ihr nicht nachtragen, daß sie sich anfangs gegen Sie
Sicherheit, um das Geschäft abschließen zu können. Berlin, den 1. September 1887. Der Vorstand des Vereins der Spiritusfabrikanten in Deutschland.
Der Nachlaß des Königs Ludwig von Bayern ist jetzt geordnet. Mit Hilfe der Privatmittel des Königs Otto, durch die bei Hofe jetzt beobachtete Sparsamkeit, durch Verkauf verschiedener Hinterlassenschaften und durch den Ertrag des Entrees in den Schlössern u. s. w. wird in etwa fünf Jahren die Schuld der königlichen Civilliste getilgt sein. Die Einnahmen aus dem Verkauf des königlichen Nachlasses und aus dem Besuch der Schlösser erwiesen sich besser, als man gehofft hatte.
Die Neuwahlen für den braunschweigischen Landtag sind auf den 27. October und 3. November anberaumt worden.
Der Württembergische Landtag ist auf den 13. September einberufen worden.
Die „St. Petersburger deutsche Zeitung" schreibt: „Wir haben triftigen Grund, anzuneh« men, daß die in Berliner Börsenkreisen verbreitete Nachricht über eine in Danzig bevorstehende Kaiserzusammenkunft durchaus auf Irrthum beruht.
Es darf, wie man der „Nat.-Ztg." schreibt, mit Sicherheit angenommen werden, daß das Netz der Eisenbahnen untergeordneter Bedeutung (Sekundärbahnen) auch im nächsten Jahre eine nicht unerhebliche Erweiterung erfahren wird. Es sind bereits Berathungen darüber im Ministerium für öffentliche Arbeiten im Gange; die Festsetzungen, in welchem Umfange die Erweiterung erfolgen soll und für welche Landestheile, werden demnächst getroffen werden. Auch für anderweite Förderung des Verkehrs, Brückenbauten 2c., wird die Regierung Forderungen an den Landtag stellen.
Eine Ermahnung andie Elsässersoll
aufgelehnt, Hans! Sol hat Sie nicht gekannt l*
Weiher küßte gerührt die Hand der Fürstin — wie gut sie war, wie voll sie ihre schöne, starke, geklärte Liebe gab.
In diesem Augenblick stürmte Sol in das Boudoir.
„Sie sind doch ein ganz schlechter hinterlistiger Mensch!" sprudelte sie Weiher entgegen. „Sie haben drunten im Park gethan, als wüßten Sie nicht, wer ich wäre und haben doch mein Bild hier bet Mama gesehen — das nennt man Bauernfängerei, hören Sie?"
„Gewiß habe ich Sie sogleich wiedererkannt, Gräfin Sol, aber da ich nicht wußte, wen dies Bild hier darstelle--"
„Schwindel, alles Schwindel!" fiel sie ihm inS Wort. „Mama wird Ihnen doch gesagt haben, wer in Lebensgröße an ihren Wänden hängt! Nicht wahr, Mama? Ich kenne Dich ja, Du ren- nomirst ja immer mit diesem Meisterstück von Angelt, das er so hübsch mit Deinem gelben Damast abgetönt hat und Dir so gut kleidet zu Deiner dunklen Schönheit."
„Nein, Du enfant terrible, ich habe Dich dem Baron nicht einmal in effigie vorgestellt," lächelte die Fürstin, und als Sol ein verwundertes Gesicht machte, sagte Weiher mit Beziehung:
„Sie müssen nicht vergessen, Comtesse, daß Sie in Ungnade waren, wegen — w e g e n m i r." —
Ein heißes, brennendes Roth ergoß sich über ihr schönes Gesicht.
„Mama hat also geplaudert." sagte sie leise,