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Nr. 104.

Sonnabend den 3. September

1887.

^Zum 3. September.^L.

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Das waren Thaten allgewaltig, ruhmesreich, Schier unbegreiflich, unerklärbar, Wundern gleich, Wie sie zuvor die Weltgeschichte nicht gekannt Und ihnen gleich noch keine Phantasie erfand.

Die Thaten, die mit unsern Augen wir gesehn, Vor denen wir mit Staunen u. Bewunderung stehn, Durch die das deutsche Volk bewiesen hat der Welt, Wie Großes es vermag, wenn es zusammenhält.

Es hat gezeigt, daß der vereinten deutschen Kraft Nichts widersteht; es hat durch Einigkeit verschaff't Dem deutschen Namen Ansehn, Achtung, weit und breit.

Und Ehrfurcht deutschem Muthe, deutscher Tapferkeit.

Des deutschen Volkes Einigkeit, das ist die Macht, Die mit Erfolg der Völker Frieden überwacht, Verkehr und Wohlfahrt fördert, gute Sitten mehrt, Der Wissenschaft, dem Recht der Freiheit Schutz gewährt.

Gott schütze Deutschlands edlen Kaiser, dessen Haupt Des Sieges Glanz umstrahlt, des Lorbeers Kranz umlaubt, Dich, deutsches Volk, das stets zu seinen Fürsten stand, Dich Deutschland, dich, geliebtes theures Vaterland!

I. Schochow.

Amtliches.

Hersfeld, den 1. September 1887.

Für den am24. August 1868zu Motzfeld geborenen und jetzt zu Heringen wohnhaften Schneider Johann Heinrich R i e b o l d ist um Entlassung aus dem

: Das ist aus der Geschichte, die du hast gesehn, Die Lehre; Halt' sie fest, lass sie dir nicht entgehn, Bewahre sie im Herzen treu dein Leben lang Und bringe Gott dem Herrn, Lob, Ehre, Preis und Dank!

Und wie dein eignes Herz der großen Thaten denkt, So sorge, daß sich in das Herz der Jugend senkt, Begeistertes Gedächtniß dieser großen Zeit, Auf daß es fort sich pflanze bis in Ewigkeit!

' Und aller Derer denke, die ihr Herzensblut Für unsers Volkes Ehre, .unser höchstes Gut, I Geopfert; sorge, daß der Jugend Herz durch- weht Der Dank dafür so innig, wie ein heiß Gebet!

Und all der Helden denke, die zurückgekehrt Aus jenem heil'gen Kampf für Ehre, Hof undHeerd ! Mit ihnen, allen Deutschen auf dem Erdenrund Stimm' ein aus treuen deutschen Herzens tiefstem Grund:

diesseitigen Staatsverbande behufs Auswande­rung nach Amerika nachgesucht worden.

8797. Der Königliche Landrath.

J. V.:

_________________Braun, Kreisdeputirter.

Hersfeld, den 1. September 1887.

Der Schäfer Heinrich Riebold zu Motzfeld,

29 Jahre alt, hat für sich und seine Familie um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht. 8798. Der Königliche Landrath.

I. V.:

Braun, Kreisdeputirter.

Politische Nachrichten.

(D e u t s ch l a nd.) Se. Majestät der K a i s er war am Mittwoch Nachmittag unter dem unend­lichen Jubel des Publikums, welches vom Pots­damer Bahnhof bis zum Königlichen Palais in dichtgedrängten Reihen Spalier bildete, von Schloß Babelsberg in Berlin eingetroffen, während Ihre Majestät die K a i s e r i n erst eine Stunde später von dort in Berlin anlangte. Am Donnerstag Vormittag nahm Se. Majestät der K a i s e r zu­nächst mehrere Vorträge entgegen und begab sich sodann in Begleitung des Flügeladjutanten vom Dienst Major von Bülow, kurz vor 10 Uhr, in 4spänniger Equipage nebst Spitzreitern nach dem Tempelhofer Felde, wo Allerhochstderselbe über die Regimenter der Berliner und Potsdamer Garnison die große Herbstparade abhielt. Ihre Majestät die Kaiserin war von I. K. H. der Frau Prinzessin Wilhelm zur gemeinsamen Fahrt nach dem Paradefelde kurz zuvor aus dem Konigl. Palais abgeholt worden. Bei der Ankunft der Kaiserlichen Majestäten auf dem Paradefelde waren daselbst bereits die Königlichen Prinzen und Prinzessinnen zur Begrüßung Aller- Höchstderselben anwesend. Nach dem Erscheinen Sr. Majestät des Kaisers nahm die Parade sofort ihren Anfang. Nach Beendigung derselben kehrte seine Majestät der Kaiser durch das Hallesche Thor und die Friedrichstraße entlang nach dem König­lichen Palais zurück und nahm daselbst am Nach­mittage noch einige Vorträge entgegen.

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Hot.

Novelle von Eusemia Gräfin Ballestrem (Frau von Adlersfeld).

(Fortsetzung.)

Sie gingen eine kleine Weile nebeneinander schweigend her, dann begann sie von Neuem:

»Ist die Fürstin wohl ist sie heiter?* »Gewiß beides,* erwiderte Weiher.

»Und* sie zögerte sichtlich, »und ist dieser dieser Freiherr von Weiher auch schon da ?-

»Sie sagen das mit soviel Betonung von »auch* und »schon*, meinte er, indem der Schalk in seinen Augen aufleuchtete. »Ja, er ist »auch schon* da!*

Doch wenn er sich nun auf ein lustiges Wort­feuerwerk gefreut, so sah er sich enttäuscht seine Begleiterin antwortete garnicht. Schon war das Schloß nahe in Sicht, als sie sich in ihrer abrup- ten Weise an ihn wendete:

»Sagen Sie mir, was ist das für ein Mensch dieser Baron Weiher? Ist er hübsch oder häßlich, gut oder böse?*

»Er wird die Ehre haben, Ihnen vorgestellt zu werden 1"

»Ja natürlich, und dabei wird eins von uns sich sehr albern benehmen!*

»Ist daS unbedingt nothwendig?*

»Aber so sicher! Schade, daß Sie's nicht mit ansehen können!*

Das werde ich ganz bestimmt thun!*

»Das werden Sie nicht.* i

»Doch! Wären wir einander vorgestellt, ich

proponntrte Ihnen eine Wette.*

»Die können wir auch als zwei edle Unbekannte machen. Was gilts?*

»Alle Schätze des Orients und des Occidents.*

»Nun, das ist stark! Was sich doch diese soge­nannten Herren der Schöpfung nicht einbilden immer wollen sie Recht haben. Da* und mit glühenden Wangen und leuchtendem Blick tippte sie mit dem Zeigefinger auf ein goldenes Herz mit Brillanten und einem prachtvollen Rubin be­setzt, das an seinem goldenen Kettchen um ihren Hals hing, »da, dieses Herz schenk ich Ihnen, wenn Sie bet meiner Vorstellung mit diesem gräß­lichen Baron Weiher zugegen sind. Also werden Sie's nicht sein, denn dieses Herz hab ich von meinem armen Papa geschenkt bekommen und werde mich nie davon trennen, nie! Verstanden?*

Er verbeugte sich tief.

»Es ist ein schönes Bijou,* sagte er mit müh­sam verhaltenem Lachen, »mehr noch; es gehört Ihnen und ist nicht größer als ein Einmarkstück folglich werde ich es an der Uhrkette tragen können. Aber hätte es auch die Größe eines Fünsmarkstückes'

»So würde es Ihnen noch lange nicht auf dem Magen baumeln, denn Sie werden es nicht be­kommen,* fiel sie ihm mit einem tiefen Complt- ment a la cour ins Wort, lachte hell und lustig auf und flog dann schnell wie ein verscheuchtes

Reh auf das Schloß zu, in welchem sie alsbald verschwand.

Ihm aber wollte das fröhliche Kinderlachen nicht aus dem Kopf, und da stand er unter den Bäumen, die Reisetasche seiner Unbekannten in der Hand und sah ihr nach, als sie längst, längst verschwunden war. Endlich erwachte er wie auS einem schweren Traum und seufzte, wohl unbe­wußt, tief auf und ging hinein ins Schloß, wo er in der großen Eintrittshalle die Reisetasche depo« nirte und dann sein Zimmer aussuchte. Die Lust, Hinauszugehen, war ihm ganz vergangen-- »die Sonne ist ja auch untergegangen,* sagte er träumerisch, als er von seinem Fenster aus nach Westen blickte, wo die Abendröthe zu verblüffen begann und seltsam, wo der glühende Sonnen- ball untergetaucht war, da erschien vor seinem Blick ein wunderschöner Kopf mit goldrothem Haar und übermüthig blitzenden, grauen Augen. Nach einer halben Stunde beschied ihn ein Diener zu der Fürstin in deren Auftrag ins gelbe Boudoir.

Nicht so rasch als sonst kam er dem lieben Be­fehl nach er hatte noch das und jenes zu ordnen, wegzuschließen und thun, ehe er durch die langen, langen Corridore bis in den andern Schloßflügel gelangte, den die Fürstin bewohnte. Als er deren Apartements betrat, hörte er im gelben Boudoir sprechen, und vom türkischen Salon aus sah er durch die zurückgeschlagene Portiere die Fürstin aus einem niederen Fauteuil fitzen, und I ihr zu Füßen, das goldige Haupt gegen die Brust