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Waldersee, der Vertreter Moltkes, wird in Begleitung von acht höheren Generalstabsofficieren zur neuerlichen Besichtigung im Reichslande ein« treffen und vornehmlich den Zustand der Festungen S r a ß b u r g und M e tz, sowie die strategischen Eisenbahnlinien prüfen.

Unter den Spiritusbrennern ist eine lebhafte Bewegung im Gange, um eine große Verbindung der Spiritusbrenner ins Leben zu rufen. Es handelt sich darum, unter Verdrängung der jetzigen Großhändler und Exporteurs die Ver­werthung der in Deutschland erzeugten Menge Spiritus, sowohl durch Verkauf an die Wirthe 2c. zum Consum im Jnlande, wie durch Export nach dem Auslande, in einer großen Actiengesellschaft zu vereinigen. Dadurch soll erreicht werden, daß diese, als das Organ der Brenner, für die Ver­werthung ihres Produkts die Preise diktirt, dem­gemäß den Brennern mindestens für das zum Verbrauch in Deutschland erforderliche Quantum hohe Preise, insbesondere den vollen Genuß der 20 Mk. Steuerdifferenz pro Hectoliter sichert, welche denselben für einen Theil der Production durch das neue Branntweinsteuergesetz gewährt ist.

Der deutsche Handwerkertag in Dortmund nahm nach langer und zeitweise recht stürmischer Debatte eine Resolution an, wonach die Hand­werksmeister in allen Orten Deutschlands aufge­fordert werden, Fach-Innungen zu gründen und dem allgemeinen deutschen Handwerkerbunde bei- zutreten. Weiter wurde beschlossen, eine Denk­schrift an den Fürsten Bismarck um Einführung des Befähigungsnachweises für alle Gewerbe zu richten.

Bei dem diesjährigen bayerischen Ma­növer erhält jede Division ein Feldtele - g r a p h e n - Detachement zugewiesen zur Her­stellung von telegraphischen und telephonischen Verbindungen. Die Stationen werden in den Stabsquartieren der höheren Stäbe angelegt. Jnsbesonders sollen mit dem T e l e p h o n aus­gedehnte Versuche vorgenommen werden.

(Frankreich.)La France" beklagt sich über die fieberhaften Rüstungen, welche die italienische Regierung seit einiger Zeit an der französischen Grenze betreibt. Fast alle strategisch wichtigen Positionen werden italienischerseits mit Sperrforts versichert, so daß eine Ueberraschung im Kriegsfall zur Unmöglichkeit werden dürfte. DieFrance" erblickt in solchen Rüstungen natürlich eine Herausforderung, auf welche die Republik die Antwort nicht schuldig bleiben dürfte. Sie vergißt freilich ganz, daß die Re­publik schon seit Jahr und Tag an der Südost­grenze Festungen gebaut hat. Von den 18 neuen Infanterie-Regimentern sollen nach Meldungen desPetit Journal" zwei nach Toul, drei nach Verdun, zwei nach Epinal und je eins nach Commercy, Lerouville und Bel- fort, also sämmtlich in die Nähe der deutschen Grenze, verlegt werden.

(Rußland.) An den Reichsrath soll dem­nächst ein Gesetzentwurf zur Beschränkung der Juden im Königreich Polen zur Ausarbeitung gelangen. Die Juden sollen betreffs des Besitzes von Immobilien, der Ausübung eines Handwerks, sowie des Handels ausschließlich auf die Städte und Marktflecken Polens beschränkt werden. In

von seiner Bewerbung um Mariannens Hand hiermit zurücktrete.

Sie haben da ein Wort sehr zur rechten Zeit gesprochen," versetzte Frau Dombrowsky kalt. Ich will Sie nicht an die auf Ihrer Familie lastende Schande erinnern, welche die vor mir liegenden Blätter enthüllen; Sie tragen daran keine Schuld. Aber ehrenhaft kann ich es nicht nennen, daß Sie als der Sohn eines Zuchthaus- sträflings, die Kühnheit besaßen, sich in eine Familie von fleckenlosem Rufe eindrängen zu wollen und uns eine Thatsache verborgen hielten, die Ihr erstes Ge- ständniß hätte bilden müssen. Höchstwahrscheinlich haben Sie durch irgend einen indiscreten Gehilfen meines Rechtsbeistandes Kenntniß davon erhalten, daß ich inzwischen alles erfahren habe, und wollen nun durch Ihre großmüthige Entsagung der un­ausbleiblichen Beschämung noch rasch zuvorkommen."

Frau Dombrowsky hatte von dem Gelöbniß, welches Eugen seiner sterbenden Mutter hatte ab­legen müssen, schon vor längerer Zeit Kenntniß erhalten, da dieser nie ein Hehl daraus gemacht. Man vermuthete jedoch damals nichts ernsteres dahinter, als etwa eine Verbitterung der Verstor­benen gegen ihre Heimathsstadt, aus der sie irgend welche schmerzliche Erfahrungen vertrieben haben mochten.

Als Frau Dombrowsky sich aber veranlaßt fühlte, gegen die Verbindung ihrer Tochter mit Eugen alle Hebel in Bewegung zu setzen, beschloß sie, jener heftigen Abneigung der Verstorbenen gegen ihren früheren Ausenthaltsort doch tiefer

den Dörfern sind alle diese Beschäftigungen den Juden verboten. Die in den Dörfern lebenden Juden müssen ihren Besitzthum an Christen bäuerlicher Abkunft verkaufen; ausgenommen sind nur diejenigen Juden, welche mindestens 600 Morgen Land besitzen, ferner die Eigenthümer einiger Specialfabriken, Holzhändler, Actionäre und Theilhaber gewisser Fabriken und Gewerks- zweige. Der Verfasser der famosen Broschüre Das französisch-russische Bündniß," General Vogdanowitsch, dem ebendiese Autor­schaft vor zwei Monaten seine Entlassung aus dem Dienst und Verbannung auf sein im Tulaschen Gouvernement gelegenes Gut eintrug, liegt dort jetzt schwer krank darnieder. Von dem Ableben seines langjährigen Freundes und Verbündeten Katkow weiß er noch nichts. Bei dem besorgniß- erregenden Zustande des Kranken wagte die Um­gebung es nicht, ihm Mittheilung davon zu machen. Vogdanowitsch ist einer der enragirtesten Panslawisten, Deutschenhasser und Franzosen- freunde.

(Balkanstaaten.) Fürst Ferdinand von Bulgarien hat am Sonntag in T i r- nowa den Verfassungseid geleistet. Die Regen­ten sowie die Minister haben demissionirt und dürfte das neue Ministerium mit Stambulow an der Spitze bereits ernannt sein. Die bul­garische Armee und die Beamten haben am Mon­tag den Eid geleistet. Das vom Fürsten er­lassene Manifest hat im Lande einen sehr gün­stigen Eindruck gemacht und auch in militärischen Kreisen wird der Fürst sympathisch begrüßt. DasNeue Wiener Tagblatt" erfährt aus London, ein an dem Ausbau der bulgarischen Bahnen interessirtes Consortium, an dessen Spitze ein französischer Finanzmann stehe, habe den Prinzen Ferdinand von Coburg ein Anlehen von 25 Millionen Frank bestimmt zugesichert; auf Grund dieses Anlehens seien bereits bei zwei amerikanischen Fabriken 100000 Repetierge- wehre für die bulgarische Armee bestellt. Die Sobranje will die Hälfte der Civilliste, welche Für st Alexander im Betrage von 500 000 Frank bezog, also 250 000 Frank, dem Fürsten Alexander als Jahresrente auf Lebens­zeit votieren.

(England.) In Cowes auf der Insel Wight wurde am Sonnabend unter dem Berdacht, daß sie gegen die Residenz der Königin, Osborne, ein Attentat beabsichtigt habe, eine Französin ver­haftet, die sich im Besitz von Stoffen befand, welche man für Sprengstoffe hält. Die Verhaftete war von Favre aus nach England gekommen, will eine Putzmacherin aus Paris sein und nennt sich Dupoint.

(Italien.) Aus Massauah läuft die Nach- richt ein, daß jener Savoiroux, der als letzte Geißel der Salimbeni'schen Expedition in der Ge­fangenschaft des Herrschers von Abessinten zurück­geblieben war, demnächst endlich in Freiheit gesetzt werden soll; allerdings verlangt der König die Kleinigkeit von 60000 Frank für die Freilassung dieses Märtyrers der italienischen Sache in Abesstnien.

Aus Heffen-Naffau.

Hersfeld, 17. August. Unter den Regimentern bezw. Bataillonen, welchen neue Fahnen ver­

auf den Grund zu gehen und wandte sich an einen ihr befreundeten Rechtsanwalt.

Dieser zog in Eugens Heimathstadt Erkundig, ungen ein, und nachdem er von dem Verbrechen, wegen dessen Eugens Vater verurtheilt worden war, Kunde erhalten, ließ er sich einen Auszug aus den Akten kommen.

Erst als sich Frau Dombrowsky im Besitze dieser Papiere befand, ließ sie ihre wohlvorbereitete Mine springen, und Eugen kam gerade dazu, als sie den Ihrigen das furchtbare Familiengeheim- niß entschleierte.

Eugen stand eine Zeit wie erstarrt. Seinen Betheuerungen, daß er von dem Verbrechen seines Vaters erst heute, und zwar aus einem ganz an­deren Wege, Kenntniß erhalten habe, schenkte Frau Dombrowsky, und im Stillen selbst ihr Gatte, keinen Glauben. Und für feine Versiche­rung, daß er von der Unschuld seines Vaters über­zeugt sei, hatte sie nur ein mitleidiges Lächeln.

Nur Mariannens Glaube an Eugens Wahrhaf­tigkeit stand unerschütterlich fest, wenn sie auch das Glück ihrer Zukunft als unrettbar verloren ansehen mußte.

Als Eugen wieder nach Hause kam, verrieth er seinem Vater mit keiner Silbe, welches schwer­wiegende Opfer seinerseits die Blutthat nach sich gezogen hatte, deren Verdacht auf dessen unschul­digem Haupte ruhte.

Es bietet sich für dich eine Gelegenheit zur Ueberfahrt nach Amerika dar," eröffnete er dem alten Manne,wie sie so günstig vielleicht nicht

wiederkehrt. Morgen in aller Frühe segelt ein Schiff meines Principals nach Philadelphia. Ich bin mit dem Capitän nahe befreundet und auf meine Bitte wird er dich bereitwillig an Bord nehmen. Wir werden den Mitternachtszug be­nutzen, um vor Abgang des Schiffes den See­hafen zu erreichen, wo ich ohnehin ein Geschäst mit dem Capitän abmachen muß. Ich habe mir viertausend Thaler erspart und diese gehören dir, Vater."

Als Eugen bei diesen Worten eine Brieftasche öffnete, sah er den Blick seines Vaters mit der Gier eines Verschmachtenden auf den hohen Betrag der darin befindlichen amerikanischen Dollarnoten gerichtet.

Diese Gelder," fügte Eugen hinzu,habe ich dem Capitän zu überbringen; er muß davon die Löhnung der Schiffsmannschaft und sonstige Aus­gaben während der weiten Reise bestreiten. Ich selbst verfüge augenblicklich nur über diese unbe­deutende Summe," fuhr Eugen fort, dem Vater zweihundert Dollar einhändigend.Da dich aber die Ueberfahrt nichts kostet, so wird es vorläufig für deinen Unterhalt in Philadelphia ausreichen. Mein Capital ist im Geschäfte angelegt und wenn ich plötzlich die Auszahlung desselben verlangt hätte, so würde man nach dem Grunde forschen und dann wäre zu fürchten, daß man dir auf die Spur käme. Du kannst dich aber darauf ver­lassen, daß ich dir das Geld nachschicken werde,".

(Schluß folgt.)

liehen werden, befinden sich auch zwei hessische Regimenter, das 83. und das 80. Regiment, bet welchen bekanntlich im Frühjahr vierte Bataillone neu errichtet sind. Die feierliche Nagelung und Weihung der Fahuen findet auf Allerhöchsten Befehl morgen, den 18. d., am Gedenktage der Schlacht von Gravelotte, in Potsdam statt.

Hersfeld, 17. August. Die Nachtheile, welche den Adjacenten an einer öffentlichen Verkehrs« straße infolge von Reparaturen und Neubauten zum Zweck der Erhaltung dieser Straße in einem für den Verkehr erforderlichen ordnungsmäßigen Zustande treffen, geben nach einem Urtheil deS Reichsgerichts, V. Civil-Senats, vom 14. Mai d. I., keine Grundlage für Entschädigungsansprüche deS Adjacenten ab.

Hersfeld, 17, August. Die Kgl. Preußische Lotteriedirection warnt vor Ankauf der verloren gegangenen Loose Nr. 68 716, 68 722, 68 726 ä V4 A und 169061 «/, a - 4. Klasse 176. Lotterie. */8 Loos Nr. 145 308 b.

Hersfeld, 17. August. Die Auswanderung nach überseeischen Ländern ist im gegenwärtigen Jahre auch in unserer Provinz wieder erheblich gestiegen. Es wanderten aus Hessen-Nassau im diesjährigen ersten Halbjahre 1750 gegen 1286 im ersten Halbjahre des Borjahres aus.

Hersfeld, 17. August. Im Interesse des Publikums sei daraus aufmerksam gemacht, daß nach amtlicher Bekanntmachung die Anrufung der deutschen Consuln seitens der Reichsangehörigen nicht etwa der Vermittelung des Auswärtigen Amtes bedarf, sondern direct geschehen kann. Für die dazu nöthigen Nachweise dient das im Auswärtigen Amte bearbeiteteVerzeichniß der Kaiserlich deutschen Consulate". .

Hersfeld, 17. August. Bei dem Herannaheu der militärischen Herbstübungen dürften die An­gehörigen von Militärpersonen darauf aufmerksam zu machen sein, daß alljährlich in vielen Fällen die Bestellung der Manöverpostsendungen durch unvollständige Aufschriften erschwert und verzögert wird. Zum Nutzen der Absender, wie der Em­pfänger sei bemerkt, daß zur genauen Aufschrift gehört:Familienname (wenn möglich auch Vor­name) Dienstgrad und Truppentheil Regiment, Bataillon und Compagnie oder Regiment und Escadron, oder Regiment, Abtheilung und Batterie) und der gewöhnliche Garnisonsort mit dem Zu- satze:oder nachsenden." Die Angabe eines Marschquartieres empfiehlt sich in der Regel nicht. Zweckmäßig ist es, den Absender aus der Rück­seite anzugeben."

HerSfelb, 17. August. (Erledigte Stellen für Militär­anwärter im Bezirk des 11. Armee-Corps.) Station Altmorschen, Eisenbahn-BetriebSamt Cassel (Directionsbezirk Ersurt) Weichenstelleraspirant, 8101050 Mk. JahreSge« Halt, nebst 60 bis 180 Mk. Wohnungsgeldzuschuß, auch ist bei guter Befähigung und entsprechender Dienstführung die spatere Beförderung zum Weichensteller 1. Klasse mit einem Gehalt von 990 bis 1200 Mk. nicht ausgeschlossen. Arolsen, Garnisonverwaltung, etatsmäßiger Kasernenwärter, 600 Mk. jährlich nebst freier Wohnung, FeuerungS- und ErleuchtungSmaterialien, steigt bis 840 Mk. jährlich, nebst den nebenbezeichneten Dienstbezügen. Bettenhausen, Ver­waltung des Landkrankenhauses, Maschinenheizer, monatlich 36 Mk. baar, volle Verpflegung und Wohnung für seine Person, alle 2 Jahre Dienstkleidung. Cassel, Postamt, Postschaffner, 800 Mk. Gehalt und 180 Mk. WohnungS- geldzuschuß. Bahnhof Goldstein, Strecke Bischossheim,