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Herchlher SrHsblntt

__________Wit wöchentlicher Kratis-ZLeilageIllustrirtes AnLerhattungsötaLL".__________

Nr. 97. Donnerstag den 18. August 1887.

Amtliches.

Bekanntmachung.

Auf Grund des §. 2 des Gesetzes über die Schonzeiten des Wildes vom 26. Februar 1870 und auf Grund des §. 107 des Zuständigkeits­gesetzes vom 1. August 1883 wird hierdurch be­stimmt, daß die Jagd auf Hasen und Fasanen- Hennen am 15. September d. I., die Jagd auf Dachse am 17. September d. J. ihren Anfang nimmt.

Cassel, den 16. August 1887.

Namens des Bezirks-Ausschusses: Der Vorsitzende.

Hersfeld, den 15. August 1887.

Am Sonnabend den 10. September d. I. Vormittags 9 Uhr findet in dem Saale des hiesigen Rathhauses eine Sitzung des Kreis­tages statt.

Tagesordnung:

1) Begutachtung des Landwegebau - Etats pro 1888.

2) Begutachtung des landespolizeilich genehmig­ten Projektes über die Correction der Wege­strecke Friedlos-Tann im Orte Reilos, zugleich hinsichtlich der Höhe der Unterstützung, welche der baupflichtigen Gemeinde Reilos aus Communalfonds zu gewähren ist.

3) Begutachtung des Antrages der Gemeinde Oberhaun auf Ausscheidung des von der Lasigen Gemeinde über den Hof Wendebach nach Unterbaun führenden Verbindungsweges aus dem Landwegebauverband.

4) Beschlußfassung über Ankauf der Wasen- melsterei-Gerechtsame in Hersfeld.

5) Beschlußfassung über die Feststellung des Maßstabes für die Vertheilung der Kreisab­gaben. (§. 12 der Kreisordnung).

6) Beschlußfassung über die Verwendung des

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Das Geständnis.

Criminal-NovellevonGustavHöcker. (Fortsetzung.)

Er hatte ihn nur betäuben wollen, da aber Hardt- selber das Geräusch des Eintretenden gehört und sich nach ihm umgesehen hatte, so brächte Mar- quardt ihm noch mehrere Schläge bet, um ihn für immer stumm zu machen.

Seine Enttäuschung war furchtbar, als er statt der im Kassenschranke vermutheten Tausende nur eine unbedeutende Summe fand, die er unberührt ließ. Aber er glaubte wenigstens vor Entdeckung sicher zu sein, da ihn Niemand gesehen, Niemand von seiner Anwesenheit eine Ahnung hatte. Er drehte das Gas ab, schloß die Thür zu, den Schlüssel mit stch nehmend, und zeigte sich unmittelbar nach vollbrachter That in einem öffentlichen Lokale, wo er gut bekannt war. So entging der Mörder der Gerechtigkeit und an seiner Stelle traf deinem armen Vater die Strafe."

Entsetzlich!" rief Eugen, tief erschüttert von dem grausamen Geschick des unschuldig Verurtheilten und wagte zum erstenmale dessen Hand zu ergreifen. Aber nun kann ja noch alles gut werden, Vater da deine Schuldlosigkeit erwiesen ist."

Der alte Mann schüttelte den Kopf.

Wer wird mir glauben?" fragte er mit einem bitteren Lächeln. AIs ich am Morgen nach jener Nacht, in welcher Marquardt mir dieses Geständ- « abgelegt hatte, auswachte, war er verschwun­

dem Kreise - aus den landwirthschaftlichen Zöllen überwiesenen Betrages.

7) Wahl von Sachverständigen behufs even­tueller Erhöhung der durch den Bundesrath festgestellten Vergütungssätze für den bei Truppenübungen zu leistenden Vorspann. (§. 4 des Gesetzes vom 21. Juni 1887 R. G. S. S. 245).

8) Ergänzungswahl der Einkommensteuer-Ein- schätzungs'Commission pro 1888/89 bezüglich des inzwischen verstorbenen Tuchfabrikanten | Herrn Adam Rechberg dahier.

9) Wahl eines Mitgliedes in den Kreisvorstand der Wittwen- und Waisenkasse für Elemen­tarlehrer an Stelle des verstorbenen Herrn Rechberg.

10) Wahl von zwei Beisitzern, zwei ersten und zwei zweiten Stellvertretern aus dem Ar- beiterstande zum Schiedsgerichte auf Grund des §. 51 Absatz 4 des Reichsgesetzes be­treffend die Unfallversicherung der im land- und forstwirthschaftlichen Betriebe beschäftig­ten Personen vom 5. Mai 1886.

A. 544. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 17. August 1887.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche noch mit der Erledigung meiner Verfügung vom 4. August d. J. Nr. 7822, Kreisblatt Nr. 93, die Aushändigung der Be­scheide an die Klassensteuer-Reklamanten resp, die Benachrichtigung der Letzteren betreffend, im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis z u m 2 6. d. M t s. bei Meidung von 3 Mark Strafe erinnert.

7822. Der Königliche Landrath.

J. V.;

Braun, Kreisdeputirter.

den. Er mochte die Offenherzigkeit, zu der er sich im Rausche hatte hinreiben lassen, bereut haben. Ich sah und hörte nichts mehr von ihm. Er schwimmt wohl längst auf dem Ocean und würde zum zweiten Male ein solches Bekenntniß gewiß nicht ablegen. So bin ich also vor dem Gesetze nicht anders als der entsprungene Verbrecher, den man wieder ins Zuchthaus stecken würde."

Das ist furchtbar!" stöhnte Eugen.

Die Sehnsucht nach Weib und Kind trieb mich nach der tzeimath, wo ich sicher war, von Nie­mand mehr erkannt zu werden," fuhr Eugens Vater fort.Dort erfuhr ich, daß die Mutter mit dir nach jenem unglücklichen Ereigniß hierher gezogen war. So habe ich denn nun auch noch die weite Wanderung hierher gemacht, meist zu Fuß und mein tägliches Stückchen Brot erbettelnd und du stehst deinen armen, von einem unverdienten Fluche getroffenen Vater als Hilfesuchenden bei dir, Eugen. Ich will dich nicht durch meine Gegenwart ängstigen. Ich bitte dich nur um eine Summe Geldes, mit der ich nach Amerika ent­kommen und mir dort eine Existenz gründen kann."

Eugen versprach seinem Vater, ihm nach besten- Kräften hierzu behilflich sein zu wollen, beauf­tragte seine Wirthin mit der Verpflegung des Gastes und begab sich wieder nach dem Contor. Sein Name war gebrandmarkt, durch fremde Schuld zwar, aber es gab kein menschliches Mittel, diese Schuld wegzuwaschen.

Unerschütterlich stand in ihm der schmerzliche

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser ließ im Laufe des Dienstag Vormittags vom Grafen Perponcher sich Äortrag halten, nahm einige militärische Meldungen entgegen und ar­beitete mit dem Chef des Militär-Cabinets von Albedyll. Ebenso wurde der General v. Winter­feld von dem Kaiser empfangen und auch mit einer Einladung zur Kaiserlichen Tafel nach Schloß Babelsberg beehrt.

Wie bereits bekannt, wird am 18. d. Mts. im Stadtschlosse zu Potsdam die feierliche Nagelung und Einweihung der neuen Fahnen stattfinden. Die Feierlichkeit beginnt am Vormittage mit der Nagelung der Fahnen im Marmorsaale des Königlichen Stadt­schlosses, im Beisein des Kaisers und der Aller­höchsten und Höchsten Herrschaften rc. Hieran schließt sich sodann die Fahnenweihe und nach derselben der Vorbeimarsch der neuen Fahnen im Lustgarten zu Potsdam. Später folgt im Stadtschlosse zu Potsdam, anläßlich dieser Feierlichkeit, ein größeres Dejeuner.

Zur Feier des Geburtstages des Kaisers Franz Josef von Oesterreich wird auch in diesem Jahre bei den Kaiserlichen Majestäten am 18. d. auf Schloß Babelsberg bei Potsdam ein größeres Gala-Diner stattfinden, an welchem die sämmtlichen zur Zeit in Berlin anwesenden Mit­glieder der österreichisch-ungarischenBotschaftTheil nehmen werden.

F ü r st B i s m a r ck ist in Kiffingen eingetroffen, woselbst er einen etwa dreiwöchigen Aufenthalt zu nehmen gedenkt. Eine Zusammenkunft des Reichskanzlers mit Kalnoky ist bestimmt zu er­warten, ob dieselbe jedoch in Kiffingen erfolgt, steht noch nicht fest.

Der auf einer Generalstabsreise in der Rhein­pfalz befindliche General-Quartiermeister Graf

Entschluß fest, Mariannen ihr Wort zurückzu- geben. Anfangs hatte er die Absicht, Herrn Dom- browsky in das ganze Geheimniß einzuweihen. Aber um die Schuldlosigkeit seines Vaters darzu- thun, hätte er dem Principal die lästige Mit­wisserschaft aufbürden müssen, daß er einen ent­sprungenen Zuchthaussträfling bei sich beherberge. Er konnte und durfte feinen Wohlthäter jedoch nicht auch noch zum Hehler machen, nach dem er ihm bereits seinen Familtenfrieden geraubt hatte. Wohl aber wollte er ihm den letzteren wieder zu- rückgeben, indem er freiwillig aus Mariannens Hand verzichtete.

Ob ihm auch das Herz zu zerspringen drohte, so hörte er doch nur auf die Stimme seines Ge­wissens, welches ihm klar und deutlich den Weg zeigte, den er zu wandeln hatte.

Herr Dombrowsky befand sich nicht mehr im Contor und Eugen ging daher in die Wohnung hinauf, wo er die ganze Familie beisammen traf. Er sah auf den ersten Blick, daß Marianne heftig geweint hatte und ihr Vater sich in offenbarer Bestürzung befand. Frau Dombrowsky hatte ver­schiedene Papiere vor sich liegen; um ihren Mund spielte ein Etwas, wie ein schlecht verhehlter Triumph.

Wahrscheinlich hatte es wieder eine Familienscene gegeben; um so passender erschien dem jungen Manne der Augenblick. Mit schmerzlich bewegter Stimme erklärte er, daß er dem Frieden des Hauses nicht länger im Wege stehen wolle, sondern sich dem Willen Frau Dombrowskys beuge und