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Das socialistische Element hat z. V. unter den Arbeitern Chicagos dermaßen die Oberhand gewonnen, daß der Großmeister des Ordens über Nichtbefolgung seiner Anordnungen schwer zu klagen hatte. Ein ruhiges gesetzliches Verfahren ist in einer Vereinigung überhaupt kaum denkbar, in welcher außer den besonneneren Mitgliedern in überwiegender Zahl die zu Gewaltmaßregeln geneigten socialistischen, communistischen und anarchistischen Elemente vorhanden sind. Wahr­scheinlich wird der gegenwärtige Großmeister, weil zu gemäßigt, entfernt werden und aus dem Orden eine socialistische Arbeiterpartei herans- wachsen. Der die Abschaffung des Grundeigen- . thums vertretende und von den Arbeitern auf den Schild erhobene Schriftsteller Henry George hat bei der letzten Majorswahl in New-Uork 60,000 Stimmen erhalten, mit denen er wenig hinter den Stimmen des gewählten Gegencandi- daten zurückblieb. Seitdem ist vielfach davon die Rede, daß George von den vereinigten Gewerk­schaftlern und Arbeitsrittern als Candidat bei der nächsten Präsidentenwahl aufgestellt werden soll.

Da die amerikanischen Einrichtungen der rück­sichtslosesten Agitation freien Spielraum lassen und außerdem die werthlosesten und unruhigsten Elemente aller anderen Nationen fortwährend ohne jede Controle in die Union eintreten, so nimmt die Arbeiterfrage eine bedenklichere Form an als irgendwo sonst, zumal der Bundesregierung wie den Regierungen der Einzelstaaten verfassungs­rechtlich so gut wie gar keine Befugnisse gegeben sind, um den Gesetzlosigkeiten Schranken zu ziehen.

UoMische Nachrichten.

(Deutschland.) Se.Majestät der Kaiser nahm am Donnerstag Vormittag den Vortrag des Ober-Hof- und Hausmarschalls Grafen Per- poncher entgegen, hatte eine Conferenz mit dem Kriegsminister General - Lieutenant Bronsart v. Schellendorff und arbeitete von 12 Uhr ab längere Zeit mit dem Chef des Militärcabinets, General der Cavallerie und General-Adjutant v. Albedyll. Gegen 3/4.1 Uhr erschien Allerhöchst- derselbe, als um diese Zeit die neuaufziehende Stadtwache beim Königlichen Palais vorüber- marschirte, am Fenster seines Arbeitszimmers und wurde von dem vor dem Palais überaus zahl­reich versammelten Publikum mit enthusiastischen Hochrufen begrüßt.

Dr.Mackenzie nahm am Mittwoch mit Erfolg eine Operation bei Sr. K. u. K. Hoheit dem Kronprinzen vor; die Wucherung ist nunmehr soweit beseitigt, daß für eine weitere Operation kaum ein Anlaß vorliegt. Nach der Operation ging sofort ein Expreßbote nach Ber­lin mit dem von Dr. Mackenzie aus dem Kehl- köpfe entfernten Stücke, welches Professor Virchow mikroskopisch untersuchen wird. Der Kronprinz hat sich seit seiner Ankunft in England eine un­bedeutende Erkältung zugezogen, welche eine ge­ringe Kongestion der Kehle veranlaßte. Im übrigen ist das Befinden Sr. K. u. K. Hoheit ausgezeichnet. Die Aerzte des Kronprinzen wohnten der Operation bei, welche in der Woh­nung Dr. Mackenzies stattfand.

Der Bundesrath wird sich, wie verlautet, am 10. Juli vertagen und Anfang September

sondern südlich von Jamaika vorbeiführe. Dies war so auffällig und verdächtig, daß es uns nur um so besorgter machte, obwohl wir noch nicht zu durchschauen mochten, wo hinaus das alles sollte und wir unsere Aufmerksamkeit nur verdoppeln f0Smen hielt sich während des Tages unten in ihrer Kammer oder in Gesellschaft des Priesters in der Cajüte auf und kam nur gegen Abend ein Stündchen auf das Oberdeck. Ich wagte sie unten nicht zu stören und sah sie nur beim Mittagsmahle auf kurze Zeit, da sie sich sehr bald wieder zurück- zog. Wenn ste jedoch mit dem Geistlichen an Deck kam, gesellte ich mich zu ihnen und merkte auch, daß ich gern gesehen war. Ich selbst blieb sehr zurückhaltend, aber es beglückte mich ungemein, daß das junge Mädchen mir Vertrauen bezeugte und meine Unterhaltung suchte. Ihr Schmerz war milder geworden, sie sprach über vielerlei und ich hatte Gelegenheit, ihren scharfen Verstand, ihre Urtheilskraft und ihren weiten Horizont zu lewun- dern, was natürlich nur dazu beitrug, mein In­teresse für das schöne Geschöpf noch so viel mehr ^ A? vierten Abend nach ihres Vaters Begräb- niß ging ich wiederum mit ihr auf dem Hinterdeck auf und ab, doch heute wollte das Gespräch nicht ordentlich in Fluß kommen. Es lag an mir selbst, denn ein Druck lastete aus mir, den ich vergebens zu bannen suchte. Nach des Steuermanns Rech­nung hätte bereits am gestrigen Tage Jamaika in Sicht kommen müssen und es war bis jetzt noch

behufs Ausführung des Branntweinsteuergesetzes wieder zusammentreten.

Die n e u e R e i ch s a n l e i h e soll im Betrage von 100 Mill. Mark am 5. Juli zur Subscription aufgelegt werden und zwar wahrscheinlich zum Cursevon99pCt. Auch alle Reichsbankstellen sollen Zeichnungen annehmen. Die Dauer der Sub­scription ist auf einen Tag beschränkt worden.

In der letzten Zeit sind dem Bundesrathe mancherlei Gesuche bezüglich einer verschärften Sonntagsfeier zugegangen; namentlich wünschten mehrere Antragsteller das Verbot der Tanzver­gnügungen an Sonntagen. Der Bundesrath hat diese Anträge abgelehnt. Denselben Erfolg hatte auch eine Eingabe von Studenten der deutschen Hochschule in Prag, welche die Anrechnung der von Studirenden deutscher Nationalität auf der Universität Prag verwendeten Zeit wünschten.

Die bayerischen Landtagswahlen sind ganz so ausgefallen, wie es die Urwahlen in vergangener Woche vermuthen ließen; es sind gewählt worden: 77 Centrumsmitglieder, 72 Liberale, 5 katholische Conservative, 4 protestantische Conservative.

In den süddeutschen Staaten beeilt man sich, die Einleitungen zur Einführung des Brannt­wein st e u e r g e f e tz e s zu treffen. Für Baden hat bereits Finanzminister Elstätter einen Gesetz­entwurf über die Aufgabe des Branntwein-Reser­vatrechts eingebracht und dabei ausgeführt, daß die Bestimmungen des neuen Gesetzes die kleinen Brennereien nicht schädigen und der finanzielle Erfolg gegenüber der bisherigen Landessteuer ein sehr erheblicher sei. Die bisherige Steuer brächte etwa 700,000 Mk. ein, das neue Gesetz stellt eine Einnahme von 3 Millionen Mk. in Aussicht. An der nahezu einstimmigen Annahme des Gesetzes im badischen Landtag ist nicht zu zweifeln.

(Frankreich.) Das Ministerium Rouvier ist glücklich an der Klippe vorbeigekommen, an welcher es nach dem Wunsche und der Erwartung der Radicalen scheitern sollte. Mit der sehr be­trächtlichen Mehrheit von 382 gegen 172 Stimmen hat die Kammer den Paragraphen des Heeres­gesetzes angenommen, welcher die Seminaristen und Priester der Wehrpflicht unterwirft. Die Regierung wurde gefragt, wie sie sich zu dieser Gesetzesbestimmung stelle, und sie erklärte, sie sei vollständig mit derselben einverstanden; sie stellte sich somit genau auf den Boden der radicalen Partei. Trotzdem fährt diese in ihren Angriffen auf das Ministerium fort. Einen neuen Grund zum Ansturm gegen das Ministerium Rouvier finden die Radicalen in dem Umstände, daß Boulanger zum Commandirenden des 13. Armeekorps (Clermont), wie sie sagen: gegen seinen Wunsch und Willen, ernannt worden ist. RochefortsJntransigeant" meint, man habe Boulanger vor dem Nationalfest und der großen Truppenschau (14. Juli) aus Paris entfernen wollen!

(Rußland.) Gutem Vernehmen nach soll das Pferdeausfuhrverbot in diesen Tagen aufge­hoben werden. Die in dem jüngsten Nihilisten- Proceß über 7 der Angeklagten verhängte Todes­strafe ist vom Zaren bei allen in lebenslängliche Zwangsarbeit umgewandelt worden.

(Schweiz.) Das vom Schweizer Volke in

nicht geschehen. Seine Vermuthung, daß wir süd­licher steuerten, war also richtig gewesen, aber was bedeutete das? Unmöglich etwas Gutes. Meiner selbst wegen war ich weniger besorgt, doch es be- schlichen mich böse Ahnungen wegen Carmen. Sie hatte mich Tags zuvor gefragt, wann wir in Kingston eintreffen würden und ich dies bald in Aussicht gestellt. Heute Abend wiederholte sie die Frage und ich erwiderte in meiner Verlegenheit, daß dies andern Morgens bestimmt geschehen müsse. Was sollte ich sagen, wenn es nicht ge­schah und womit ihre aufsteigenden Besorgnisse verscheuchen? Was würden überhaupt die nächsten 24 Stunden bringen?

Der Priester hatte sich aus einige Augenblicke in die Cajüte begeben und nur die schwarze Die­nerin war außer uns auf dem Deck geblieben, da erschien der große Neger auf dem Hinterdeck, dessen außerdienstliches Betreten den Mannschaften sonst streng verboten ist nud benahm sich dort in so unverschämter Weise, daß mir das Blut kochte. Ich sah eine unangenehme Scene voraus und bat Carmen, um ihr dieselbe zu ersparen, sich nach der Kajüte zurückzuziehen. Während ich sie zur Eingangsluke geleitete, sprang zugleich der Neger vor uns vorüber zu derselben, schloß den Deckel und setzte sich darauf, während er mit einem teuflischen Grinsen dem jungen Mädchen zurief: &ier ist Wegzoll, mein Schätzchen, ohne einen Kuß lasse ich Dich nicht hinunter!"

Verschiedene seiner Kameraden, welche mitschiffs standen, lachten ihm ermuthigend zu und machten

Urabstimmung angenommene Branntwein­monopol wird mit dem 1. Januar 1888 in Kraft treten.

(England.) Alle Versuche von englischer Seite, den Sultan zur Unterzeichnung der ägyp­tischen Uebereinkunft zu bewegen, dürfen als ge­scheitert betrachtet werden. England kann der Pforte im Fall eines Conflicts mit Rußland keine wirksame Hilfe leisten, es kann Rußland nicht daran hindern, daß dieses seine Heere von Asien aus gegen Constantinopel in Bewegung setzt. Was aber Oesterreich anlangt, so will der Sultan durchaus nicht an eine eventuelle kriegerische Action desselben gegen Rußland glauben, sondern hält eine Verständigung Oester­reichs mit Rußland auf Kosten der europäischen Türkei für viel wahrscheinlicher.

Aus Hessen-Nassau.

Hersfeld, 1. Juli. Den Geldsendungen an die Kaiserlichen und Königlichen Kassen, namentlich an die Gerichtskassen, wird seitens des Publikums in den meisten Fällen ein Bestellgeld von 5 Pig. hinzugefügt. Dies ist überflüssig, da die Kassen ihre Gelder selbst von der Post abholen lassen. Eine Rücksendung des Mehrbetrages findet nicht statt, weil dem Absender sonst noch 20 Pfg. Rück­porto und 5 Pfg. Bestellgeld zur Last fallen würden; es werden deshalb diese 5 Pfg. einfach zur Staats­kasse vereinnahmt. Aber die dadurch erforderlich werdenden Buchungen und die Mehrarbeiten, die den Kassenbeamten dadurch erwachsen, stehen in keinem Verhältniß zu dem geringen Betrage. Es ist deshalb im allseitigen Interesse zu wünschen, daß die Beifügung des Bestellgeldes künftig unter­bleibt.

Hersfeld, 1. Juli. Die Herren Forstbeflissenen, welche die Forst-Referendariatsprüfung bet dem nächsten an der Akademie zu Münden abzuhalten- den Examen abzulegen beabsichtigen, haben die vorschriftsmäßige Meldung bis spätestens den 15, Juli d. J. an den Ober-Landforstmeister in Berlin einzureichen.

Hersfeld, 1. Juli. Am 27. und 28. Juni tagte in Saffel im Hotel Schirmer die -Berüfs- genossenschaft, Section 3 der Knappschaften und Bergwerke.

Hersfeld, 1. Juli. Die kombinirbaren Rund­reisebillets erfahren jetzt abermals eine Er­weiterung durch den Hinzutritt belgischer Eisenbahn­linien zu dem betreffenden Bahn-Uebereinkommen-

Hersfeld, 1 Juli. Die Gartenbesitzer erinnern wir daran, daß vom 1. Juli an die Hecken wieder geschnitten werden können und wird jeder Freund der gefiederten Sänger gebeten, die etwa noch vor­handenen Nester thunlichst in Schutz zu nehmen.

Caffel, '29. Juni. Heute Morgen stürzte vor dem Civiltodtenhof ein Königlicher Gestütshengst, überschlug sich und verendete nach wenigen Minuten. Derselbe sollte von der Station Hof- geismar nach dem Gestüt Dillenburg transportirt werden und hatte einen Werth von ca. 4000 M. (C.J.)

Hanau, 29. Juni. Soeben, lP/2 Uhr Vor­mittags, hat das erste Bataillon Jns.-Regt. Nr. 97 mit klingendem Spiele und zwar nach der Melodie:Muß i denn, muß i denn zum Städtle hinaus" und unter außergewöhnlich zahlreicher Begleitung, in welcher wir viele weinende Dienst­

gemeine Witze, welche glücklicher Weise nicht von ihr verstanden wurden, mich jedoch ebenso wie das Benehmen des frechen Schwarzen in solche Wuth versetzten, daß ich den Kerl am Kragen faßte und ihn mit solcher Gewalt mit dem Kopf nach unten auf das Deck niederschleuderte, daß jeder andere Schädel, als der eines Negers, zersplittert worden wäre._______________ (F. f.)

Der Rege nmangel in England, der nunmehr bei großer Hitze seit drei Wochen anhält, fängt an, sich in vielen Gegenden sehr fühlbar zu machen. In Swansea (Südwales) ist die Wassernoth so groß, daß Wasser in den Straßen zu einem Penny per Kanne verkauft wird. In anderen Bezirken sind die Einwohner schon zwei Tage ohne Wasser und selbst da, wo Wasser noch vorhanden ist, wird es trübe und ungenieß­bar. In Kent und Sussex herrscht eine ernste Dürre. Große Weideplätze sind gänzlich vertrocknet und ganze Erbsenselder verdorren.

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