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Htlsftlilkl Krcislsiett.

Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIllustrirtes Anterhaltungsölatt".

Nr. 71. Sonnabend den 18. Juni 1887.

Amtliches.

Mit Bezug auf die Vorschriften in den §§. 4 und 6 der Allerhöchsten Verordnung Dom 25. Mai c,, betreffend die Errichtung einer ärztlichen Standes­vertretung (Ges. S. S. 169), mache ich hierdurch bekannt, daß eine Liste der nach dieser Verordnung wahlberechtigten Aerzte des hiesigen Regierungsbe­zirks vom 17ten bis 30. Juni c. in dem Büreau der Königlichen Landrathsämter und der König­lichen Polizeidirection dahter während der üblichen Geschäftsstunden an den Wochentagen zur Einsicht öffentlich ausgelegt werden wird.

Einwendungen gegen die Liste sind unter Bei­fügung der erforderlichen Bescheinigungen bis zum 14. Juli d. I. bet mir anzubringen.

Cassel, den 11. Juni 1887.

___ Der Regierungs-Prästdent. Rothe.

Der Serr Minister des Innern hat dem Komitö für die Veranstaltung einer Lotterie zur Gründung eines Unterstützungsfonds für Militär-Musiker die Erlaubniß ertheilt, in diesem Jahre eine Aus- spielung von Musikinstrumenten und anderen Gegen­ständen, zu welcher 12000 Loose ä 1 Mark ausge- geben werden dürfen, zu veranstalten und die betreffenden Loose im ganzen Bereiche der Monarchie zu vertreiben.

Cassel, den 9. Juni 1887.

Der Regierungs-Prästdent.

In Vertretung: Schwarzenberg.

Hersfeld, den 13. Juni 1887.

Der Postverwalter P r o f e in Cainsdorf ist nach Unterschlagung von 1100 Mark Kassengel- dern seit dem 9. Juni 8 Uhr früh flüchtig. Der­selbe ist an diesem Tage zuletzt in Hermersdorf bei Weißbach (Post Wiesenburg [Sa.]) gesehen worden.

Das Königliche Landrathsamt wird hiervon

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Die WolfskUppe.

Erzählung aus dem Seeleben von Reinhold Werner.

(Fortsetzung.)

Natürlich blieben alle Mann an Deck, für den Fall, daß etwas besonderes passiren sollte, und mich litt es ebenso wenig in der Koje. Es war der erste Sturm auf dem Meere, den ich erlebte und seine dämonenhafte Gewalt übte einen so wunderbaren Eindruck auf mich, wie ich im Leben nie zuvor empfunden. An den ernsten Mienen der Besatzung sah ich, daß Gefahr vorhanden sei, aber ich selbst dachte gar nicht daran. Mich fesselte nur mit ganzer Seele die Großartigkeit des maje­stätischen Schauspiels, das bet aller Furchtbarkeit doch so erhaben war und ich vermochte mich nicht von dem Anblicke der wild empörten Wogen los- zureißen, deren Kämme mit dumpfem Brüllen überbrachen und in grünlichem Schimmer unheim­lich durch die Nacht leuchteten.

Gegen Mitternacht schien die größte Wuth des Sturmes gebrochen. Die Böen ließen nach, die Pausen wurden länger und handlicher und es war offenbar, daß wir das Schlimmste überstanden hatten. Da sahen wir in einer der Pausen es plötzlich auf dem Wasser aufleuchten und unmittel­bar darnach vernahmen wir den Schall eines Ka­nonenschusses. Es war das Nothsignal eines Schiffes, dessen Umrisse stch einen Augenblick bei

mit dem Ersuchen ergebenst in Kenntniß gesetzt, gefälligst auf Profe, desfen Personalbeschreibung hierunter folgt, fahnden, ihn im Betretungsfalle verhaften zu lassen und der Kais. Ober-Postdi- rection in Cassel schleunigst Mittheilung zu machen.

Personalbeschreibung des Profe. Namen: Julius Hermann Profe, Religion: evangelisch, Alter: 35 Jahre, Figur: mittlere Größe, Haare: blond, an der Stirn gelockt, Augen: blau, Nase: gewöhnlich, Bart: röthlicher Schnurrbart, Gesichtsfarbe: gesund, Statur: kräftig, stramme Haltung. Besondere Kennzeichen: trägt hin und wieder Stahlbrille oder Stahlklemmer. Beklei­dung: bräunlicher langer Rock, dunkle Hose, schwarzer Shlips, schwarzer runder Filzhut, Schaftstiefeln, weiße Wäsche.

Kaiserliches Postamt. I. V.: Schönknecht. An das Königliche Landrathsamt hier. Nr. 766.

* * *

Hersfeld, den 14. Juni 1887.

Wird den Ortspolizeiverwaltungen und der Königlichen Gendarmerie des Kreises zur Kennt­nißnahme und Fahndung nach dem 20. Profe mitgetheilt.

6250. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 31. Mai 1887.

Das diesjährige Ober-Ersatz-Geschäft für den hiesigen Kreis findet am

Sonnabend den 9. Juli d. I. und

Montag den 11. Juli d. I. jedesmal von Morgens präcis 7 Uhr an im hiesigen st ädtischenRath- H a u s e st a t t, und zwar gelangen zur Vor­stellung:

a. am 9. Juli d. J.

1) die beim diesjährigen Ersatzgeschäft wegen

dem Pulverblitz gezeigt und das sich uns ziemlich nahe unter dem Winde befand.

Ihm zu Hilfe zu kommen, war unmöglich; es stand noch so schwere See, daß ein Boot nicht hätte in ihr leben können; dagegen lag die Gefahr vor, daß wir mit ihm zusammentrieben und dies für beide Fahrzeuge nur verhängnißvoll werden würde. Glücklicherweise war es so flau geworden, daß wir eine Strecke abfallen und segeln konnten, ehe wieder eine neue einsetzte und wir dann abermals beidrehen mußten. Damit wurde die Gefahr des Zusammenstoßes vermieden, aber auch der unglückliche Fremde seinem Schicksal über­lassen, obwohl er noch immer Schüsse abgab, die seine große Noth bekundeten.

Gegen Morgen mäßigte sich der Sturm immer mehr, die Freiwache konnte um 4 Uhr unter Deck zur Koje geschickt werden und auch der Capi- tän übergab dem Steuermann die Wache, um sich ebenfalls niederzulegen. Ich war jedoch von alle dem Erlebten, das auf mich etnstürmte, so aufge­regt, daß ich nicht schlafen konnte und auf dem Deck blieb. Mit Tagesanbruch war der Orkan so ziemlich übergeweht, die See bedeutend gefallen und das Aussehen des Himmels versprach bald segelbares Wetter. Als es etwas Heller wurde, sahen wir durch den Morgennebel die Formen eines Schiffes schimmern. Es war ein kleines Fahrzeug, das seine Masten verloren hatte und jetzt steuerlos auf den Wellen trieb. Nach seiner Lage zu uns mußte es dasselbe sein, welches wir in der Nacht passirt und das die Nothschüsse ge­

häuslicher Verhältnisse zur Ersatz- Reserve II. Classe in Vorschlag gebrachten Militairpflichtigen,

2) sämmtliche daselbst zur Ersatz-Reserve I. Classe designirten Militairpflichtigen,

3) die zur Disposition der Ersatz-Behörden ent­lassenen Mannschaften, über welche endgül­tig zu entscheiden ist,

4) die zur Zeit des Aushebungsgeschäfts noch vorläufig beurlaubten Rekruten,

5) die von den Truppentheilen abgewiesenen Einjährig-Freiwilligen,

6) die gemäß §. 14 pos. 5 der Landwehr-Ord­nung zu berücksichtigenden Reservisten rc.,

7) diejenigen beim Ersatzgeschäft für tauglich befundenen Militairpflichtigen, von deren Seite reklamirt worden ist,

8) sämmtliche Zugänge und

9) die in den Vorstellungslisten A. B. und C. a. b. d. geführten Individuen; diese jedoch nur insoweit, als dieselben mit specieller Vorladung versehen werden.

b. am 11. Juli d. J. sämmtliche beim diesjährigen Ersatz-Geschäft für tauglich befundene Militairpflichtige, soweit sie nach Vorstehendem (a. Nr. 7) nicht schon am ersten Tage zur Vorstellung gelangen.

Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Landgemeinden des hiesigen Kreises werden an­gewiesen, die ihnen später zugehenden Vorladun­gen alsbald den betreffenden Militairpflich­tigen auszuhändigen und mit den Letzteren pünktlich in dem besagten Termine zu erscheinen, auch ihnen zu eröffnen, daß Diejenigen, welche bei Ausrufung ihrer Namen im Musterungslo­kale nicht anwesend sind, oder überhaupt ohne genügende Entschuldigung fehlen, neben einer Geldstrafe bis zu 30 Mark oder Haft bis zu 3 Tagen die im §. 24 bezw. 65 der Ersatz-Ordnung

than hatte. Mit dem Fernrohre konnten wir Menschen darauf entdecken und die an einer Stange verkehrt aufgeheißte spanische Flagge zeigte, daß man dringende Hülfe von uns erbat.

Der Steuermann war unschlüssig, was er thun sollte. Durch Wecken des Capitäns, der in der Nacht wieder stark getrunken, fürchtete er nur, wieder eine brutale Scene herbeizuführen. Ging er dagegen selbstständig zu Werke und kam dem Wrack zu Hilfe, so fehlte er gegen die Vorschrift, daß an Bord eines Schiffes ohne Zustimmung des Capitäns der Curs nicht geändert werden darf, wenn es sich nicht gerade um ein augenblick­liches Ausweichen handelt. Hier fiel dies um so mehr in das Gewicht, da der Fremde sich unge­fähr eine Meile unter dem Winde befand, der Blitz" um diese Strecke hätte zurücksegeln und sie mit dem ungünstigeren Winde mit größerem Zeitverlust wieder aufbringen müssen. Um eine Zahl Menschen zu retten, durste das alles ja nicht in das Gewicht fallen, aber Moorson hatte immer davon gesprochen, daß die Reise so viel wie möglich beschleunigt werden müsse, um die Ladung so viel besser zu verwerthen, und waS galt einem Menschen von seinem Charakter Hu­manität, wenn es sich um Geldgewinn handelte.

Ich selbst enthielt mich unter diesen Umständen jeden Rathes, um den Steuermann dem Capitän gegenüber nicht möglicherweise in eine schlimme Lage zu bringen und so schwankte der junge See­mann eine Zeit lang zwischen den Forderungen der Pflicht und des nur zu sehr gerechtfertigten