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Htlsselder Krcisdliitt.

Mit wöchentlicher Kratis-AeitageIllustrirtes UnterhallungsölatL".

Nr. 67. Donnerstag den 9. Juni 1887.

Aus dem Reichstag.

Berlin, 7. Juni. Der Reichstag nahm heute seine Arbeiten wieder auf und erledigte zunächst ohne Debatte in zweiter Lesung den Gesetzentwurf, betreffend Ab­änderungen des NahrungSmittelgesktzeS, sowie in dritter Lesung den Gesetzentwurf, betreffend die Unfallversicherung der bei Bauten beschäftigten Personen. Den Hauptgegen- stond bildete die erste Lesung deS Gesetzentwurfs, betreffend Abänderung des Postdampsersubventionsgesetzes. Der Herr Staatssekretär des Innern, StaatSminister v. Boetticher, legte eingehend die Gründe dar, welche die verbündeten Regierungen zum Einbringen der Vorlage veranlaßt hätten. Als Hauptgrund hierfür bezeichnete er, abgesehen von den durch die Cholera verursachten Verkehrsstörungen, den mi» mmalen Verkehr namentlich auf der Zweiglinie Trieft« Brindist. Die übrigen Redner, selbst die deutschfreisinnigen, diese jedoch unter Wahrung ihres principiellen Stand- Punktes zu der Frage der StaatSjubvention überhaupt, erkannten im Allgemeinen die Zweckmäßigkeit deS in der Vorlage gemachten Vorschlages an, nur die CentrumSredner machten mehrfache Bedenken gegen die Vorlage geltend und hielten namentlich dafür, daß die Erfahrungen noch zu kurz seien, um schon jetzt eine solche Aenderung geboten er- scheinen zu lassen. Die zweite Lesung des Entwurfs wird ohne kommissarische Berathung sofort im Plenum vor­genommen werden. Morgen zweite Berathung der An­träge bezüglich der Arbeiterschutzgesetzgebung und Petitionen.

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) DerReichsanzeiger" mel­det : Se. Majestät der Kaiser und König haben Allerhöchstsich auf der Reise nach Kiel einen Erkältungszustand zugezogen, welcher zwar nicht von ernsteren Erscheinungen begleitet ist, jedoch Se. Majestät nöthigt, das Zimmer zu hüten.

Als Se. Majestät der Kaiser bei der Flotten- revue in der Kieler Bucht das schwedische Ka- nonenbootEdda" passirte und die auf den Raaen ausgestellten Matrosen ihr heimathliches Hurrah dem Monarchen zuriefen, stand der Prinz Oskar von Schweden als Kommandant dieses Kriegs­schiffes salutirend neben Sr. Majestät. Der

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Der Wunderdoctor.

Von Gustav Höcker.

(Fortsetzung.)

Es ist doch nichts vorgefallen?* rief der Ge­heimrath erbleichend.

Ich kann Ihnen nicht verhehlen, daß der Zu­stand Ihres Sohnes bedenklich ist, doch stand es, als ich ihn verlies, noch nicht so schlimm um ihn, daß es unbedingt nöthig erschienen wäre, Sie zu beunruhigen Meine Gegenwart hat einen anderen Grund, den ich Ihnen wohl am besten unterwegs mitthelle, damit wir keine Zeit verlieren.

Einen anderen Grunds" fragte der Geheimrath, plötzlich wieder in seinen früheren Ton zurück- fallend.Wollen Sie mich nicht vor allen Dingen mit diesem Grunde bekannt machen?"

Ich habe," entgegnete Denkhausen, um das Schlimmste abzuwenden, gethan, was ich nach meinem besten Können und Wissen thun mußte, das heißt: ich habe sogleich eine Medicin verordnet, die einzige, von der sich in dem angegebenen Fall eine günstige Wirkung erwarten läßt. Der Kranke ist aber weder durch die Bitten seiner Schwester, noch durch meine dringenden Vorstellungen zu be­wegen gewesen, sie zu nehmen."

Und warum nicht?" fragte der Geheimrath hastig und besorgt.

Weil er sein ganzes Vertrauen aus das Muncksche Zauberelixier setzt, gab der Arzt zur Antwort.

I Kaiser grüßte dankend und nahm gleichzeitig den eigenen Stern des hohen Ordens vom Schwarzen Adler von der Brust und überreichte denselben dem Prinzen mit gnädigen Worten.

Dem Vernehmen nach wird die Kronprinz» liche Familie am 12. d. Mts. sich von Berlin zum Besuch an den Hof nach London begeben. Für später ist dann ein mehrwöchentlicher Aufenthalt auf der Insel Whigt in Aussicht ge­nommen. Nähere Reisedispositionen sind jedoch noch nicht getroffen worden.

Bei dem Feste in Liegnitz verlas der General­adjutant des Kaisers, von Steinäcker, eine Ka» binetsordre, welche den Wunsch des Kaisers aus- drückt, daß das Regiment seiner jederzeit gedenke, auch wenn er nicht mehr sei, wie er stets des Regiments gedenken werde bis zu seiner letzten Stunde.

Aus Leipzig wird derP." mitgetheilt, daß die Grundsteinlegung zum Bau des neuen Reichs­gerichtsgebäudes für den Monat September in Aussicht genommen sei. Auch solle es der per­sönliche Wunsch des Kaisers sein, diesen hoch­wichtigen nationalen Akt in eigener Person zu vollziehen.

Der L a n d e s e i s e n b a h n r a t h ist zu einer Sitzung für den 17. d. Mts. berufen.

Fürst Hohenlohe soll nach einer Mittheilung, die dieTimes" über Paris erhalten, im Be­griffe stehen, seinen Posten als Statthalter in Straßburg zu verlassen. Nähere Nachrichten darüber werden abzuwarten sein.

Nach der Rückkehr der Bundesrathsmitglieder von den Kieler Festlichkeiten wird der Bundes­rath seine Thätigkeit wieder aufnehmen und in dieser Woche wieder eine Plenarsitzung abhalten. Die Hauptarbeit betrifft jetzt die Gesetze für Elsaß-Lothringen Soweit dieselben im Bundes­rathe noch zu bearbeiten sind, wird sich an den

Aber tzerr Doctor, warum sollte dieses Zauber- elixier, welches meine Tochter vom sicheren Tod errettete, nicht die gleiche Wirkung, bei meinem schwer erkrankten Sohne thun," entgegnete Marlow.

Herr Geheimrath, die heutige öffentliche Mei­nung über jenes fchwindelhaUe Elixier scheint Ihnen noch nicht bekannt zu sein, denn sonst wür­den sie jetzt anders darüber reden. In zahlreichen Fällen hat sich dieses Elixier als ein wirkungsloses Mittel erwiesen, das auf d-e Gesundheit eines Menschen zwar nicht nachtheilig, jedoch auch nicht im mindesten Vortheilhast wirken kann. Was nun die damalige Krankheit Ihrer Tochter betrifft, so kann ich Ihnen nur bestätigen, daß man Sie, um jenes Attest von Ihnen zu erlangen, nur zum Opfer eines schändlichen Betruges ausersehen hatte. Denn ein Arzt mit Namen Doctor Baldamus, welchen Sie zum Hausarzt Ihrer Familie erwählt hatten, hat, wie ich nachträglich noch erfahren habe, während jener Zeit in unserer Stadt nicht existirt. Es ist daher sehr wahrscheinlich, daß Doctor Munck, um zur besseren Verbreitung seiner schwindelhaften Erfindung u. A. auch ein Attest von einer her geachtelten Persönlichkeiten unserer Stadt zu erhalten, selbst die Rolle als Hausarzt Ihrer Familie übernommen hatte."

Geheimrath Marlow, welcher jedoch über das betrügerische Treiben Doctor Muncks seither noch nichts erfahren hatte, konnte dieser Erklärung Denkhausens anfangs keinen rechten Glauben schenken; erst nachdem dieser ihm noch verschiedene Beweise zur Bestätigung seiner Mittheilung aus»

erforderlichen Berathungen der Unterstaatssecre- tär von Puttkamer betheiligen.

Die Uebersicht über die Ergebnisse der Hee r e s- ergänzung im Jahre 1886 weist folgende Zahlen auf. Es wurden ausgehoben im Bezirk des 1. Armeekorps 9585 Mann, 2. Armeekorps 9 765, 3. Armeekorps 11107, 4. Armeekorps 10 200, 5. Armeekorps 7 801, 6. Armeekorps 10 492, 7. Armeekorps 11583, 8. Armeekorps 10 002, 9. Armeekorps 9 570, 10. Armeekorps 8 625, 11. Armeekorps 9757, grobherzoglich hessische (25.) Division 3344, 12. Armeekorps (Königl. sächs.) 11 080,13. Armeekorps (Königl. württembergisches) 7052, 14. Armeekorps 5901, 15. Armeekorps 5732 Mann. Im Bezirk des 1. Königl. bayerischen Armeekorps wurden ausgehoben 10011, 2. Königl. bayerischen Armeekorps 9919 Mann. Insgesammt wurden somit 1886 ausgehoben 161526 Mann, von denen 154 565 zum Dienst mit der Waffe, 4527 zum Dienst ohne Waffe und 2434 für die Flotte bestimmt wurden. Wegen unerlaubter Auswanderung wurden 18 888 verurtheilt, in Untersuchung befinden sich noch 15 796.

(Oesterreich-Ungarn.) Die Hoffnung, daß es gelingen könnte im überschwemmten Theiß- thale durch Nothschutzbauten das Schlimmste von den bedrohten Ortschaften abzuwenden, scheint sich nicht zu erfüllen. Schon beginnen die Folgen der Wassersnoth Zucht und Ordnung in der Be­völkerung zu lockern. Ein Ort erblickt in dem Bestreben des anderen, sich durch Aufwerfen von Dämmen der Gefahr zu entziehen, die Absicht, das Unglück auf den Nachbar abwälzen zu wollen, so daß es schon zu schweren Ausschreitungen im Ueber- schwemmungsgebiet gekommen ist. Zwischen den Lauern von Mako und Tape kam es wegen auf- geivhr'er Nothdämme zu blutigen Excessen, welchem Militär Einhalt thun mußte. Der Regierungs- kommissär erklärte unumwunden, die Rettungs»

einandergesetzt hatte, sah er gar bald den schänd­lichen Betrug ein. Er erkannte auch jetzt, daß der verstorbene Rentier Güldenberg, welcher seiner Zeit, als der Geheimrath einen anderen Hausarzt suchte, für einen angeblichen Verwandten um jene Stelle gebeten hatte, an dem Betrug betheiligt gewesen war.

Diese Erklärung Denkhausens hatte ihn tief er­schüttert, er wankte und mußte sich auf seinen Stock stützen Aber der Gedanke an Bruno gab ihm bald seine Kraft zurück. Er winkte dem Arzte stumm mit der Hand, vorauszugehen und folgte ihm dann . . .

Endlich war die Villa erreicht.

Im Krankenzimmer stand noch unberührt Denk­hausens Medicin; am Bette beugte sich eben tzen- riette über den Bruder und gab ihm von dem Zauberelexier.

Denkhausen hielt sich im Hintergründe des Zim­mers. Er verbarg mit Mühe seine Erschütterung, denn e n Blick auf den Kranken sagte ihm, daß es zu spät sei und er den «ohn nicht retten konnte, wie er die Mutter nicht hatte retten können.

Nimm nicht von dem Elixier, mein theurer Bruno," flüsterte der Geheimrath dem Sohne zu, nimm von dem, was dir der Arzt verordnet hat, denn Doctor Muncks Erfindung ist nichts als ein Betrug.

In kurzen Worten schilderte nun Marlow seinem Sohne das, was Doctor Denkhausen ihm soeben mitgetheilt hatte, Bruno stöhnte schmerzlich auf, als er dies vernommen hatte und der Geheimrath