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Beilage zur Nr. 65 des Kreisblatts.

Hersfeld, den 4. Juni 1887.

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Hersfeld, 3. Juni. Der .Hessische Verein für wirthschaMiche Interessen" wird seine dies» jährige Hauptversammlung am 19. d. Mts., Nach­mittags 1 Uhr in Bebra abhalten. Aus der Tagesordnung stehen u. A.: der Hausierhandel in Hessen, die Kunstbutterfrage und die Branntwein­steuer.

Hersfeld, 3. Juni. (Astronomischer Monats­kalender für Juni 1887). Die Sonne hebt sich im Juni so weit, daß sie am 21., 7 Uhr Abends, den Wendekreis des Krebses berührt und den astronomischen Sommeranfang bezeichnet. An diesem Tage erreicht sie ihren höchsten Stand und sinkt von da an langsam wieder. Ihre nördliche Deklination hat folgende Werthe:

am 1. + 22 Grad 3 Minuten,

15. + 23 19

30. + 23 12

Oberaula, 2. Juni. Gestern ereignete sich ein sehr betrübender Unglücksfall. Der Land­wirth Joh. Jost Bernhardt aus Friedigerode fuhr mit einem Mutterpserd, welches ein Fohlen säugte, nach der 5 Stunden von hier gelegenen Stadt Hersfeld. Auf dem Rückwege zwischen Kirchheim und Heddersdorf bekam das Pferd Milchfieber, dadurch wurde es unruhig, ging durch und schleuderte Bernhardt so unglücklich gegen einen Baum, daß er den rechten Arm so­wie drei Rippen brach, der Wagen wurde zer­trümmert. Der Unglückliche mußte nach Hause gefahren werden. Möchte dieser Unfall den Fohlenzüchtern zur Warnung dienen, die Pferde nicht so lange von den Fohlen weg zu lassen. (A.Z.)

Hofgeismar, 1. Juni. Da es dem Pächter vom Bad Gesundbrunnen bei Hofgeismar durch Reinigung der Röhren, Canäle und Quellen geglückt ist, wieder wie früher die so berühmten Sauerwasser- Bäder herzustellen, so kann jeder Rheumatismus- leidende dort seine Gesundheit wieder erlangen. Die Badestuben sind jetzt sehr schön hergerichtet und auch für Wohnung und gute Pension ist ge­sorgt, so daß das Bad jetzt nur empfohlen werden kann. Es ist deshalb zu hoffen, daß das früher so berühmt gewesene Bad, welches von einem schönen Park umgeben ist, künftig wie früher besucht wird.

Sooden, 31. Mai. Am 2, Pfingstlage wurde unser Städtchen in große Aufregung versetzt. Die 24jährige Tochter des Valentin Wolf war während deS Morgengottesdienstes förmlich hingeschlachtet worden. Sie war zur Besorgung des Hauswesens zu Hause geblieben, während ihr Vater und ihre Brüder zum Gottesdienste gegangen waren. Voll Entsetzen wichen letztere zurück, als sie in das Haus eingetreten waren und den entseelten Leichnam ihrer Schwester mit abgeschnittenem Halse erblickten. Der Verdacht der Uedelthat fiel alsbald auf den 2öjährigen Sohn des Jgnaz Null, der schon seit einigen Wochen Zeichen einer krankhaften Gemüths­verfassung von sich gegeben hatte. Man land den­selben nachher mitten im Felde in der Nähe eines Brunnens mit durchschnittener Kehle. Das geschärfte Taschenmesser hielt er noch krampfhaft in der Hand. Eifersucht scheint die Ursache dieser doppelten Schandthat gewesen zu sein.

Aus dem alten deutschen Ordensbande von Fedor von Köppen. lFortfetzung.)

Aber was bei dem Grasen Heinrich von Planen in der einsamen Verbannung ein Spiel seiner finsteren Gedanken war, das legte die Gewissensangst seiner Gegner ihm gleich einem begangenen Verbrechen aus. Sie beschuldigten ihn ohne irgendwelche Beweismittel, daß er geheime Verbindung mit den Ordensseinden unterhalte, um mit ihrer Hilfe wieder zur Hochmeisterwurde zu gelangen. Er wurde seines Komthuramtes entsetzt und in strenge Haft nach der Brandenburg gebracht, die aus einer Höhe zwischen Königs­berg und Balga am frischen Hass lag. Hier wies man ihm ein hochgelegenes Gemach im festesten Thurme an. Von seinem kleinen Fenster aus schaute der Gesangene über den breiten Wasserspiegel nach der waldreichen Küste SamlandS.

Vergebens verwandten sich mehrere deutsche Fürsten für ihn, vergebens drangen seine Vettern im Vogtlande aus ein gerechtes mildes Urtheil. Seine Gegner fürchteten auch den gefangenen Löwen und ließen ihn unter strenge Wacht halten.

Erst nach dem Tode Küchmeisters von Sternberg ward seine Hast gemildert und ihm die einsame Burg Lochstädt am frischen Haff als Wohnsitz angewiesen, wo der gebrochene Mann, der Retter der Marienburg und des deutschen Ordensstaates, acht Jahre später in stiller Zurückgezogen- heit sein Leben beschloß.

In der hochmeistcrlichen Gruft des Ordenshaupthauses aus der Marienburg ward die irdische Hülle des unglück­lichen Helden beigesetzt, an der Veite Ulrichs von Jungingen, der bei Tanneberg den Heldentod fand. Auf seinem

Grabstein entziffert der Besucher mühsam die halb erloschenen Worte:

In der Jarzal X ti MCCCCXXIX da starb der erwir- dige bruder Heinrich von Plauen."

Die letzten Kämpfe um Marienburg.

Vier Jahrzehnte waren seit der Regierung des Hoch­meisters Heinrich Grafen von Planen vergangen. Der Krieg, welchen die Gebietiger durch seine Amtsentsetzung verhüten wollten, war trotzdem hereingebrochen und hatte vieles Unglück über das Land gebracht. Nur für kurze Zwischenzeiten wurden die Streitigleiten zwischen dem Ordensstaate und Polen beigelegt; jeder neue Hochmeister griff von neuem zu den Waffen.

Darüber war das Ordensland verarmt und verödet. In vielen Burgen hausten fremde Kriegshaufen, und die Städte, in denen ehedem unter dem Schutze der Ordens­ritter deutscher Fleiß und deutsche Arbeit sich eingebürgert hatten, lebten in offener Feindschaft mit der Ordensherr» schast. Die reichsten unter ihnen jDanzig, Thorn, Kulm, Elbing u. a.) hatten mit den Rittern der Eidechsengesell- schast und anderen Unzufriedenen vom landsässigen Adel zum Schutze ihrer Freiheit einen gemeinschaftlichen Bund geschlossen, welchen sie denpreußischen Bund" nannten (1440). Sie hätten ihn richtiger den polnischen Bund ge­nannt, denn sie hatten sich unter den Schutz des Polenkönigs gestelltund erwarteten von ihm Beistand gegen den Orden.

Zu den wenigen Städten, welche dem Orden treu blieben, gehörte Marienburg. Seit der tapferen Verthcidi- gung des Haupthauses unter Heinrich von Plauen war die Stadt von Neuem ausgebaut und befestigt worden. Auch die Burg war verstärkt worden und mit Geschütz wohl versehen; aber in den Räumen, wo ehedem die Ge­bietiger Rath pflogen, wo der Meister edle Kriegsgäste am Ehrentische bewirthete, und Trompeienschall den Aulbruch des Ordensheeres zum Kriegszuge wider die Heiden ver­kündete, war es öde und still. Zwar der Hochmeister seit 1450 Herr Ludwig von Erlichshausen wohnte noch im Haupthause, aber er schien dort mehr als Gefangener gehalten zu sein, denn als Landesherr zu gebieten, und alle Eingänge der Burg waren von fremden Kriegsknechten bewacht.

Auch auf dem Kirchhofe, der von der oberen Burg nur durch den Hauptgraben getrennt war, lagerten Haufen heimathloser Knechte mit Spießen und Hellebarden oder mit langen Schwertern. Es waren Söldner, welche dem Orden im Kriege gegen Polen und dem preußischen Bund tüchtige Dienste geleistet hatten. Ein Theil derselben hatte die Marienburg gegen die Polen und Danziger*) tapfer vertheidigt und den Feind nach langer vergeblicher Be­lagerung zum Abzüge genöthigt; ein anderer Theil unter Führung des tapferen Heinrich Reuß von Plauen, genannt der Jüngere**), hatte vor Kurzem in der Schlacht bei Konitz das weit überlegene Polenheer in die Flucht ge­schlagen (19. Sept. 1454). Jetzt forderten die Hauptleute den Kriegslohn, um ihre Fähnlein auszuzahlen, aber der Ordensschatz war wieder leer und das verarmte Land ver­mochte keine neue Steuern auszubringen. In feiner Geld­noth hatte der Hochmeister mit Beirath der Ordensherren den Söldnern eine Psandverschreibung auf das Haupthaus zu Marienburg sammt allen Burgen und Gütern des Ordens ausgestellt, daß sie sich daran schadlos halten dürsten, wenn der Sold binnen einer bestimmten Frist nicht zur Auszahlung käme. Diese Frist war schon zwei­mal verlängert und die Zahlung nicht bewerkstelligt worden.

Soeben es war am Johannistage 1456 hatten die Hauptleute beim Hochmeister wegen des rückständigen Soldes Beschwerde geführt, und er hatte ihnen wieder nur die leeren Hände gezeigt und Vertröstungen aus die Zukunft gegeben. Darüber war die Erbitterung der Landsknechte groß. Sie stießen Verwünschungen und Drohungen wider den Orden aus, ja einige von ihnen sprachen offen, man möge doch die Burg dem Polenkönige übergeben, da würden sie bald zu ihrem Gelde komme». Die Hauptleute aber forderten entschieden, daß die Bürger von Marienburg ihnen als den Herren den Huldigungseid leisten sollten.

Da begaben sich die sämmtlichen Bürger aus der Stadt in langem Zuge nach dem Kirchhose, wo die Söldlinge lagerten, An der Spitze schritt ein alter Mann ehrwürdigen Aussehens; er trug das Haupt gebeugt, aber von seiner Stirne leuchtete ein heller, kühner Geist und aus feinen Augen blickte die Treue des deutschen Mannes. Es war der Burgemeister Bartholomäus Blume. Tief ge­beugt trat er aus der Gemeinde vor und redete die Haupt­leute mit ernsten Worten an:

Edle und gestrenge Herren 1 Fordert nicht von uns, waS wider unsere Pflicht und unser Gewiffen ist. Wir sind dem Orden als unserer rechtmäßigen Obrigkeit die Treue schuldig und dürfen keinem anderen Herrn den Eid schwören."

Ihr seid ja nur dem Meister durch Eid und Huldi­

*) Das reiche Danzig war diejenige unter den Städten des preußischen Bundes, welche am feindseligsten gegen den Orden auftrat und die Verbindung mit Polen aus das eifrigste betrieb.

*) Das alte vogtländische Geschlecht der Plauen ging seit Alters in zwei Linien auseinander. Der älteren Linie, den Graten von Plauen, gehörte jener un­glückliche Hochmeister, der Held des vorigen Kapitels, an. Die jüngere Linie nannte sich Reuß von Plauen; alle ihre Glieder führten den Vornamen Heinrich und fügten ihrem Namen je nach dem Alter eine nähere Be­stimmung (der Nettere, Mittlere und Jüngere) oder eine Ordnungszahl bei. Der ältere Bruder des obengenannten Siegers von Konitz war zu derselben Zeit Ordensspittler und wird uns im Fortgange dieser Darstellung gleichfalls bekannt «erben,

gung verpflichtet," riefen einige von den Hauptleuten,und dieser hat Euch Eures Eides ledig gesprochen."

Mit Nichten/' erwiderte Blume," wir sind es dem ganzen Orden, denn auch diesem haben wir geschworen, und als fromme Leute wollen wir solche Schwüre treu und redlich halten."

Hier handelt es sich aber nicht darum, waS ihr wollt, ihr Bürger," riefen die Hauptleute,sondern ihr sollt, ihr müßt schwören oder sehet zu, wie es Euch er­gehen wird. (F. f.)

Vermischtes.

Herford, 28. Mai. Gestern Nachmittag stießen auf dem Herforder Bahnhof zwei Güter­züge, welche im Rangiren begriffen waren, an­einander. Ein Bremser wurde dabei leicht ver­wundet.

Berlin. Gegen das Urtheil im Günzelschen Proceß, durch welches der Angeklagte des Todlschlags und Raubes für schuldig befunden und zu lebens­länglicher Zuchthausstrafe verurtheilt wurde, hat der Vertheidiger, Rechtsanwalt Wronker, im Namen seines Klienten die Revision angemeldet, über deren Begründung bekanntlich das Reichsgericht zu ent­scheiden hat. Von dem Erfolg der Einlegung dieses Rechtsmittels hängt es ab, ob der Günzel-Proceß noch einezweite Auflage" erleben wird.

B e n s h e i m, 25. Mai. In Betreff des mitgetheilten Todesfalles (eine hiesige Frau war während der Chloroformirung gestorben) hat die durch Herrn Staatsanwalt Dr. Rüster und Geh. Medicinalrath Dr. Neidhardt geführte Unter­suchung die vollständige Schuldlosigkeit des be­handelnden Arztes ergeben. Ein Herzschlag hatte dem Leben der Frau ein plötzliches Ende gemacht.

Bremen, 31. Mai. Die Rettungsstation Heisternest der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphirt: Am 31. Mai von der deutschen KuffMarianne", Capitän Bischoff, ge­strandet auf der Halbinsel Hela, 4 Personen gerettet durch den Raketenapparat.

B i n g e n, 30. Mai. Ein einfacher Schuh­machergeselle unserer Stadt hat ein Velociped für Wasserfahrt erbaut und dasselbe am letzten Frei­tag zum ersten Mal auf der Nahe in Thätigkeit gesetzt. Dasselbe ist aus Brettern und Balken erbaut und hat im Innern ein Schaufelrad, welches durch ein Trittwerk bewegt wird, während der Fährmann das Steuer an Seilsträngen handhabt. Das Fahrzeug ging zu Berg und Thal leicht, rasch und stet, wie auch die Drehungen vermittelst des an Stricken geleiteten Steuers sicher gelangen.

Stegen, 30. Mai. Am vergangenen Sonnabend Morgen wurden auf der Grube Grauebach" in Eiserfeld durch herabfallendes Gestein fünf Bergleute verschüttet; vier davon fand man nach mehrstündiger Arbeit todt vor, während der fünfte gegen Abend aus den Gesteins- maffen noch lebend und ohne besondere Ver­letzungen hervorgezogen werden konnte.

Hamburg, 1. Juni. Gestern Abend 9 Uhr brach an dem Strand Quai und dem Huebener Quai Feuer aus, durch welches 6 Schuppen in Asche gelegt und der Inhalt der englischen Schiffe City of Dortmund" undGladiator" zerstört wurden. Viele andere in der Nähe befindliche Schiffe büßten die Takelage und die Masten ein. Um 1 Uhr Nachts hatte das Feuer eine Aus­dehnung von 300 bis 400 Metern, doch ist ein weiteres Umsichgreifen des Feuers nicht zu be­fürchten. Ob Menschen dabei ums Leben gekommen sind, ließ sich bis jetzt nicht seststellen. Der Schaden wird auf mehrere Millionen geschätzt.

In B r e s l a u wurde am zweiten Pfingst- seiertag Abends der Buchdrucker Haberland vor seinem Hause erstochen. Er war erst gegen 9 Uhr mit seiner Frau von einem Ausflug zurückgekehrt und ging nach dem Abendbrot auf die Straße, um seinen Schlafburschen zu erwarten; nach wenigen Minuten wurde er mit einer Stichwunde in der Brust todt ausgefunden. Der Thäter ist noch nicht ergriffen; muthmaßlich ist es ein junger 17jähriger Mensch, der sich mit einer ganzen Schaar betrunkener Krakehler auf der Straße herumgetrieben hatte.

Cöln, 28. Mai. In einem Droguenge- schüste an der Severinstraße brach gestern Abend 9'/, Uhr Feuer aus, dessen Löschung mit Hilfe der Dampfspritze erst nach einer Stunde gelang. Das Lager brannte aus und da sich dicht daneben die Treppe befand, so stand diese sofort bis zum Speicher in Flammen. Mehreren Personen gelang es, über die brennende Treppe das Freie zu er­reichen, andere wurden mit Leitern gerettet. Auf