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Htrsftl-tt Krcishilitt.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeitage „Illustrirtes Nnterhattungsökatt".
Nr. 65. Sonnabend den 4. Juni 1887.
ASonnements-Ginladung. ।
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Hersfewer Kreisvlatt mit der wöchentlichen Gratis - Beilage ,,Illustrirtes Unterhattungsblatt" für den Monat Juni werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 81. Mai 1887.
Das diesjährige Ober-Ersatz-Geschäft finden hiesigen Kreis findet am
Sonnabend den 9. Juli d. J. und
Montag den 11. Juli d. I.
jedesmal von Morgens präcis 7 Uhr an im hiesigen stä dtifch en Rath- tz a u f e st a t t, und zwar gelangen zur Vorstellung:
a. am 9. Juli d. J.
1) die beim diesjährigen Ersatzgeschäft wegen häuslicher V e r h ä l t n i s s e zur Ersatz- Referve II. Classe in Vorschlag gebrachten Militairpflichtigen,
2) sämmtliche daselbst zur Ersatz-Reserve I. Classe designirten Militairpflichtigen,
3) die zur Disposition der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften, über welche endgültig zu entscheiden ist,
4) die zur Zeit des Aushebungsgeschäfts noch vorläufig beurlaubten Rekruten,
5) die von den Truppentheilen abgewiesenen Einjährig-Freiwilligen,
6) die gemäß §. 14 pos. 5 der Landwehr-Ord
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Der Wunderdoctor.
Von Gustav Höcker.
(Fortsetzung.)
Henriette war anwesend, und bald fand sich für Denkhausen auch eine Gelegenheit, sie einige Augenblicke allein zu sprechen. Seine verzweifelte Lage gab ihm den Muth, ihr zu sagen, wie unendlich er unter ihrer auffallenden Zurückhaltung leide, und einmal so weit, schilderte er ihr die Hoffnungen, mit denen er sich noch bis vor Kurzem getragen hatte und gestand ihr endlich seine Liebe.
Ach! sie hatte diesen Augenblick schon längst gefürchtet, wie sie mit verhülltem Antlitz erklärte, — und um das Gefürchtete zu vermeiden, hatte sie sich von ihm zurückgezogen, war ihm ausgewichen, denn — sie konnten einander nicht angehören — niemals!
Sie sprach dieses verhängnißvolle Wort mit einer Festigkeit aus, daß Denkhausen fast erstarrt stand über die Selbsttäuschung, der er sich von Anfang an hingegeben hatte. Er überhäulte sich im stillen mit den bittersten Selbstvorwürfen, daß ihn seine Eitelkeit so mit Blindheit geschlagen und ihn aus hingeworsenen Worten, Blicken und Geberden den voreiligen Schluß hatte ziehen lassen, er sei ihr nicht ganz gleichgültig. Er konnte jetzt nichts thun, als diesen Selbstanklagen auch Henrietten gegenüber lauten Ausdruck zu verleihen und sie für seine Kühnheit um Verzeihung zu bitten.
Aber sie schüttelte mit abgewandtem Gesicht zu
nung zu berücksichtigenden Reservisten rc.,
7) diejenigen beim Ersatzgeschäft für tauglich befundenen Militairpflichtigen, von deren Seite reklamirt worden ist,
8) sämmtliche Zugänge und
9) die in den Vorstellungslisten A. 13. und C. a. b. d. geführten Individuen; diese jedoch nur insoweit, ars dieselben mit specieller Vorladung versehen werden.
b. am 11. Juli d. J. sämmtliche beim diesjährigen Ersatz-Geschäft für tauglich befundene Militairpflichtige, soweit sie nach Vorstehendem (a. Nr. 7) nicht schon am ersten Tage zur Vorstellung gelangen.
Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Landgemeinden des hiesigen Kreises werden angewiesen, die ihnen später zugehenden Vorladungen alsbald den betreffenden Militairpflichtigen auszuhändigen und mit den Letzteren pünktlich in dem besagten Termine zu erscheinen, auch ihnen zu eröffnen, daß Diejenigen, welche bei Ausrufung ihrer Namen im Musterungslokale nicht anwesend sind, oder überhaupt ohne genügende Entschuldigung fehlen, neben einer Geldstrafe bis zu 30 Mark oder Haft bis zu 3 Tagen die im §. 24 bezw. 65 der Ersatz-Ordnung bezeichneten Verluste sowie nach Lage der Sache die sofortige Einstellung als unsichere Heerespflichtige zu gewärtigen haben.
Beim Ober-Ersatz-Geschäft werden die Reklamationen, auf Grund deren taugliche Militair- Pflichtige zur Ersatz-Reserve in Vorschlag gebracht worden, sowie die Reklamations-Anträge, auf welche eine abweisende Entscheidung durch die Ersatz-Commission erfolgt ist, der Ober-Ersatz- Commission zur Entscheidung vorgelegt, weshalb alle Familienglieder, auf deren Arbeits- oder Nichtarbeits- fähigkeit es bei Beurtheilung der
seiner Rede den Kopf. Er sei ungerecht gegen sich wie gegen sie, war ihre mit zitternder Stimme gegebene Antwort. Sie sei nicht Herrin ihrer Entschlüsse, ihre Hand sei bereits vergeben; ihr Vater habe sie dem Baron o. W. zugesagt und sie werde dem väterlichen Willen Gehorsam leisten.
„Lieben Sie den Baron v. W. ?" fragte Denkhausen in beschwörendem Tone.
Henriette schwieg.
Sie konnte ihn unmöglich lieben. Selbst wenn Denkhausen von der äußeren Persönlichkeit seines begünstigten Nebenbuhlers absah, wenn er den kahlen, von einem spärlichen Halbkreise dünner schwarzer Haare umschlossenen Kops, die abstoßenden Züge seines Gesichts, in denen sich der Ausdruck der Anmaßung unauslöschlich festgesetzt hatte, das häßliche, stets Verachtung ausdrückende Lächeln um den breiten Mund — selbst wenn er dies alles als Aeußerlichketten hinstellen wollte, die für den innern Werth des schon in ziemlicher Altersreife stehenden Lebemannes nicht maßgebend sein konnten, so blieb doch immer noch sein ganzes Wesen und Auftreten übrig, welches alle jene üblen Kennzeichen zur That machte und eine so zarte Natur, wie die Henriettens, eher zurückschrecken als anziehen konnte.
„Lieben Sie den Baron?" wiederholte Denkhausen seine Frage.
„Fordern Sie hierauf keine Antwort von mir,* bat das junge Mädchen.
„Dann lasten Sie mich anders fragen, Henriette. Haben Sie sich dem Willen Ihres Vaters ohne
Reklamation a n k o m m t, (also auch die etwaigen jüngeren oder älteren Brüder desReklamirten) im Termine mit zu erscheinen haben, widrigenfalls eine Berücksichtigung der betreffenden Reklamationen nicht stattfinden kann.
Die Herren Ortsvorstände haben das Vorstehende in ihren Bezirken wiederholt veröffentlichen und namentlich zur Kenntniß der betreffenden Militairpflichtigen und deren Angehörigen bringen zu lassen, auch haben sie den Militairpflichtigen noch besonders einzuschärfen, daß sie mit v o l l st ä n d i g reinem Körper und reiner Wäschezu erscheinen haben.
Bis zum 30. Juni er. ist mir von dem Geschehenen Bericht zu erstatten.
5779. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Gefunden: ein Regenschirm. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Röhrigshof.
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser hörte am Donnerstag Vormittag den Vortrag des Grafen Perponcher, erledigte Regierungsangelegenheiten und arbeitete Mittags längere Zeit mit dem Chef des Militär-Cabinets v. Albeoyll und hatte darauf auch noch eine kurze Conferenz mit dem Kriegs - Minister Generallieutenant Bronsart v. Schellendorff. — Um 3 Uhr Nachmittags ist der Kaiser mit den Prinzen Wilhelm und Friedrich Leopold von Preußen, mittels Extrazuges vom Lehrter Bahnhöfe aus, zur Feier der Grundsteinlegung nach Kiel abgereist.
Der Kaiser wird auf der Durchreise nach
jeden Widerspruch gefügt? War Ihnen sein ein- tach geäußerter Wunsch von allem Anfang an genug?"
Sie zauderte eine Weile und verneinte dann durch stummes Kopfschütteln.
„Glauben Sie, daß eine persönliche Abneigung Ihres Vaters gegen mich mit im Spiele ist?" forschte Denkhausen weiter.
„Vielleicht ist es das," antwortete sie leise, „vielleicht ist es auch etwas anderes."
„Lasten Sie das unsern Abschied sein," unterbrach Henriette eine längere Stille, „machen Sie es sich und mir nicht noch schwerer, das Unvermeidliche zu tragen."
„Sie haben recht," entgegnete Denkhausen traurig, „aber nicht ich, Henriette, — Sie sollen das letzte Wort sprechen. Es kann mich nicht unglücklicher machen, als ich bin, es kann mich nur trösten, falle es auch aus, wie es wolle. Sagen Sie mir also, Henriette, was würden Sie, wenn jenes unüberwindliche Hinderniß sich nicht zwischen uns gedrängt hätte, — was würden Sie mir auf meine erste Frage geantwortet haben?"
Er war ihr währenddem näher getreten und sah sie mit einem innigen, aber unsäglich wehmüthigen Blick an. Sie schlug das blaue Auge mit schmerzvollem Ausdrucke zu ihm empor und sank plötzlich stumm an seine Brust.
O, es war bitter für ihn, sein höchstes Glück an seinem Herzen zu halten, um es für immer zu verlieren. Es war mehr, als er zu ertragen sich getraut hatte.