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Hnsseidkl Kreislillitt.
Wit wöchentlicher Kratis-Aeitage „Issustrirtes AnterhakLungsökatt".
Nr. 62. Donnerstag den 26. Mai 1887.
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Kersfetder Kreisülatt
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Amtliches.
Cassel, den 12. Mai 1887.
Durch die Polizei-Verordnung vom 25. Januar pr. (Amtsblatt S. 31) sind die Steinbrüche und Gruben auf denen die unterirdische Gewinnung von nicht unter das Berggesetz fallenden Mineralien betrieben wird, der Aufsicht der zu- Jitobiflen Bergrevierbeamten unterstellt. Hur Ausübung dieser Aufsicht erscheint es erforderlich, daß die Bergrevierbeamten Kenntniß davon erhalten, wenn eine solche Grube oder ein solcher Steinbruch in Betrieb gesetzt und wenn er außer Betrieb gesetzt wird. Ebenso erscheint es wünschenswerth, daß den Bergrevierbeamten eine Benachrichtigung zugeht, sobald auf einer solchen Anlage sich ein Unglücksfall ereignet.
Ew. Hochwohlgeboren 2c. ersuche ich ergebenst, dafür Sorge zu tragen, daß den zuständigen Bergrevierbeamten die gedachten Benachrichtigungen rechtzeitig zugehen.
Der Regierungs-Präsident Rothe. An die sämmtlichen Herren Landräthe 20.
J. A. II. Nr. 5049.
* * *
Hersfeld, den 23. Mai 1887.
Wird den Ortspolizeiverwaltungen des Kreises
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Der Wunderdoktor.
Von Gustav Höcker.
(Fortsetzung.)
Arabella spielte, aber sie schien ohne Leidenschaft zu spielen, ja, sie war offenbar zerstreut. Ihre Blicke streiften suchend umher und achteten kaum des Einsatzes, den sie in Goldstücken hinwarf. Sie gewann und ließ den Gewinn stehen, der sich verdoppelte und endlich verzehnfachte, während sie, vom spiel abgewendet, ihr Auge durch den Saal schweifen ließ. Ihr wiederkehrender Blick entdeckte den angehäusten Gewinn, aber nur um die kaum unterbrochenen Forschungen wieder fortzusetzen und, abermals dem grünen Tuche sich zuwendend, die gleichgültige Entdeckung zu machen, daß die angehäuften Goldstücke im Wechselfalle des Glücks spurlos verschwunden waren, und daß es jetzt eines neuen Einsatzes bedürfe, um den Platz an dem dicht umdrängten Roulettettsch zu behaupten.
Plötzlich sah Denkhausen, der sie von sicherem Standpunkt aus beobachtete, ein Lächeln über ihr Antlitz fliegen, so süß und beglückt, als habe sie endlich gefunden, was sie so lange vergebens gesucht.
Unmittelbar darauf wandle sie dem Spiele den Rücken und verschwand hinter anderen, die rasch ihre Stelle einnahmen. Der Richtung nachgehend, in welcher er sie verloren hatte, fand Denhausen sie wieder an der Seite eines jungen Mannes.
mit Bezug auf die oben erwähnte, im Kreisblatt Nr. 20 pro 1886 veröffentlichte Polizei-Verordnung mit der Weisung mitgetheilt, von der Inbetriebnahme der in Rede stehenden Gruben und Steinbrüche, sowie von vorkommenden Unglücksfällen in solchen dem zuständigen Bergrevierbeamten, Herrn Bergrath Richter inSchmal- kalden, alsbald Mittheilung zu machen.
5513. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 23. Mai 1887.
Für den am 12. Februar 1871 zu Siegen geborenen und z. Zt. dahier wohnhaften Heinrich Peter Wilhelm H a r t m a n n ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Nordamerika nachgesucht worden.
5563. Der Königliche Landrath _________________Freiherr von Schleinitz.
Gefunden: Ein altes Tuch, enthaltend Geld und eine Anzahl Eier. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Heenes.
Aus dem Reichstag.
Berlin, 23. Mai. Der Reichstag erledigte heute die mit einigen Staaten abgeschlossene internationale Literarconvention in dritter Berathung durch definitive Annahme, sowie die Deklaration zum internationalen Vertrage, betreffend den Schutz der unterseeischen Telegraphenkabel, in Verbindung mit dem dazu gehörigen Aussührungsgesetz für das Reich in erster und zweiter Lesung und genehmigte den Gesetzentwurf, betreffend Abänderung bezw. Ergänzung der Gesetze über die Quartier- und Naturalleistungen der bewaffneten Macht im Frieden, in zweiter Berathung nach den Beschlüssen der Commission, welche nur geringfügige Aenderungen an der Vorlage beschlossen hat. Die Novelle zum Nahrungsmittelgesetz passirte debattelos die erste Lesung. Schließlich kamen Wahlprüfungen zur Erledigung. Nur die Wahl des Abg. Dr. Reinhold wurde dem Anträge der Commission gemäß debattelos beanstandet, alle übrigen zur Verhandlung stehenden Wahlen aber für gültig erklärt,
Beide gingen in dem weniger hell erleuchteten Hintergründe des Saales auf und ab.
Arabellas Begleiter war von gewinnender Schönheit und gewandten Bewegungen. Er hatte schwarzes krauses Haar, ein feines schwarzes Schnurrbärtchen und dunkel blitzende Augen. In seiner Erscheinung lag etwas von einem Künstler, aber mit einem gewissen abenteuerlichen Anstrich vermischt, und man fand leicht heraus, daß die Kunst, die er etwa betrieb, zumeist nur in seiner Persönlichkeit beruhte.
„Ich fürchte," hörte Denkhausen Arabella sagen, „er reist nicht ohne mich."
„Und du willst ihn begleiten?" fragte ihr Galan und hielt betroffen seine Schritte an.
„Was glaubst du von mir?' entgegnete Arabella mit zärtlichem Vorwurf; „wenn ich auch seine Abreise nicht durchzusetzen vermag, so kann er mich doch nicht am Hierbleiben hindern."
Diese wenigen, im Vorübergehen gesprochenen Worte, die Blicke, welche beide dabei auSlauschten, der wiederholte verstohlene Händedruck, den sie wechselten, verriethen unserem Arzte genug. Noch ehe er den Saal verließ, sollte er auch über Arabellas Courmacher Näheres erfahren. Zwei Herren in feiner Nähe unterhielten sich über das auffallend schöne Paar.
„Die Dame kenne ich nicht," sagte der Eine, daß es aber nicht seine Frau ist, weiß ich bestimmt, denn Monsieur Charles ist noch unverheirathet."
„Monsieur Charles?" entgegnete der andere, „der Name klingt ganz auffallend nach Trapez
zum Theil jedoch zu denselben Resolutionen zur näheren Feststellung gewisser behaupteter Unregelmäßigkeiten be- schioffen. Morgen: Zweite Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Unfallversicherung der bei Bauten beschäftigten Personen.
Berlin, 24. Mai. Der Reich st ag erledigte zunächst Rechnungssachen und dann in verhältnißmäßig kurzer Zeit die zweite Berathung des Gesetzentwurfs, betr. die Uniall« Versilberung der bei Bauten beschäftigten Personen. Der Referent Abg. Struckmann (nat.-lib.) betonte, daß im Ein- verständntß mit der Regierung die Commission bemüht gewesen sei, das Gesetz praktisch zu gestalten, und auch der Staatssekretär des Innern, Staatsminister v. Boetticher, sprach seinen Dank für die rasche und zweckmäßige Erledigung der Vorlage seitens der Commission aus. Nur die freisinnigen Abgeordneten hielten bei § 4 (Träger der Versicherung) ihre Gegnerschaft gegen die ganze Organisation der Unfallversicherung, wie bei früheren ähnlichen Vorlagen, aufrecht. Eine Debatte knüpfte sich dann nur noch an den § 10, in welchem die Commission statt des Umlagever« fahrens der Regierungsvorlage das Deckungsversahren vorschlägt. Der Staatssekretär des Innern, Staatsminister d. Boetticher, hielt zwar daran fest, daß durch die Vorschläge der Regierung der Zweck des Gesetzes sich auch hätte erreichen lasten, erkannte aber auch die Gründe an, welche für die Commistionsbeschlüste maßgebend gewesen, und erklärte sich bereit, eventuell die Anträge der Com» mistion im Bundesrathe zu besürworten. Er befürchte dabei den Vorwurf der Inkonsequenz nicht, denn es handele sich hier darum, praktische Gesetze zu schaffen. Es wurden im Uebrigen durchweg die Commistionsbeschlüste angenommen. Morgen: Erste Berathung der Zuckersteuervorlage. Nach Schluß der Sitzung wird morgen die Vertagung des Reichstages bis zum 7. Juni erfolgen.___
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser hörte am Dienstag Vormittag zunächst die Vor- träge des Grafen Perponcher und des Polizeipräsidenten Freiherrn v. Richthoien und ließ sich darauf durch den Kriegsminister Bronsart v. Schellen- dorff auf dem inneren Hofe des Königlichen Palais mehrere neu construirte Train-Wagen der Infanterie vorstellen. Gegen 11 Uhr begab sich der I Kaiser nach dem Kreuzberge. — Nach dem Schluß
oder Drahtseil oder auch nach dressirten Hunden."
„Sie haben's beinahe errathen," sagte der Erste. „Monsieur Charles ist Kunstreiter, die erste Kraft in dem bekannten . . . scheu Cirkus und der Magnet des Publikums, besonders der Damenwelt."
Um einen tiefen Blick reicher in die Abgründe des menschlichen Herzens trat Doctor Denkhausen aus dem Saal in die kühle Abendluft hinaus. Noch immer harrte in seinem Rollstuhl der schmählich Hintergangene Bruno und schüttelte zu den Worten der über ihn gebeugten Schwester, die ihn offenbar zum Nachhausegehen zu überreden schien, lebhaft den Kopf. Denkhausen trat entschlossen auf das Geschwisterpaar zu und wurde von Bruno sogleich erkannt. War er auch der Familie seit Jahren entfremdet, so hieß ihn Bruno doch wie einen alten Freund willkommen, wie ja ein gedrücktes Gemüth in der Fremde für eine unerwartete Erscheinung aus der Heimath doppelt empfänglich ist.
Auch über Henriettens Züge zuckte ein Strahl aufleuchtender Freude, als sie die Bekanntschaft des Doctors, des stets gern gesehenen Freundes ihrer Kindheit, erneuerte und nun auch ihrerseits das Räthsel gelöst sah, weshalb er ihr bei der gestrigen Begegnung so ausgefallen war.
„So sehen wir uns wieder, Doctor", sagte Bruno mit einem schmerzlichen Lächeln, indem er auf seinen Rollstuhl deutete, während Denkhausen durch ein ernstes Kopfnicken zu erkennen gab, daß ihm die traurige Veränderung bereits bekannt