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Hersselim furislilitt

_________Mit wöchentlicher Kratis-AeitageIllustrirtes AnterhaktungsökatL".

Nr. 58. Dienstag den 17. Mai 1887.

Amtliches.

Caffel, den 5. Mai 1887.

Zufolge eines Erlasses des Herrn Ober-Präsi- deuten Dom 13. v. Mts. ersuche ich Ew. Hoch- wohlgeboren rc. unter Hinweis auf die Verfügung der Königlichen Regierung, Abtheilung des Innern dahier vom 27. December 1883, A. 11. Nr. 17470, ergebenst, sämmtliche Ortsvorstände wiederholt darauf aufmerksam zu machen, daß in der mit der Königlichen Hebammenlehr- und Entbindungs- Anstalt verbundenen Klinik für Frauenkrankheiten zu Marburg unterleibsleidende Frauen jederzeit bereitwilligst Aufnahme, Pflege und angemessene ärztliche Behandlung finden.

Da die Anstalt in der Lage ist und sich bereit erklärt, unbemittelten Patientinnen bei vollstän­dig freier Pflege und Behandlung auch das Reisegeld für Hin- und Rückfahrt zu erstatten, so ist den geeigneten Kranken dringend zu em­pfehlen, von der durch die Anstalt dargebotenen Wohlthat sachgemäßer und kostenloser Behand­lung zu ihrem eigenen Vortheile Gebrauch zu machen.

Der Regierungs-Präsident. Rothe. An die sämmtlichen Königlichen Landräthe 2C.

J. A. 11. Nr. 5725.

* *

*

Hersfetb, den 14. Mai 1887.

Vorstehende Verfügung theile ich den Herren Ortsvorständen des hiesigen Kreises im Anschlüsse an die diesseitige Verfügung vom 2. Januar 1884 Nr. 16358 im Kreisblatt Nr. 3 zur Kenntniß­nahme und weiteren Veranlassung mit.

4941. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 12. Mai 1887.

Seitens der Königlichen Regierung ist eine

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Der Wunderdoctor.

Von Gustav Höcker.

(Fortsetzung.)

Doctor Denhausen ließ sich, als er gelesen, in seinen Stuhl zurücksinken und schüttelte ernst den Kopf.

IV.

Nach jenem aufsehenerregenden Falle stieg der Glücksstern des Doctor Munck rasch und leuchtend empor, und die Zeitungen füllten sich mit Zeug­nissen, welche von der wunderwirkenden Kraft seines Zauberelixters erzählten. Keine Krankheit, die Bißwunde von tollen Hunden nicht ausgenom­men, gab es, die durch das Elixier nicht gründ­lich und meist in überraschend kurzer Zeit geheilt worden wäre, und an den Bericht von der Heilung des Geheimrathstöchterchens schlössen sich noch viel wunderbarere Kurgeschichten.

Im Laufe weniger Jahre war Doctor Munck, welcher kurze Zeit nach genanntem Vorfall in der Familie des Geheimraths seine Rolle als Haus­arzt wieder aufgegeben hatte, zu einem rei en Manne geworden. Er hatte seinen Wohnsitz nach einer anderen entfernteren Großstadt verlegt und den Betrieb seines betrügerischen Geschältes in un­gestörter Weise wettergesührt. Auch Güldenberg, sein stiller Compagnon, bereute die Opfer nicht, die er für die Erfindung gebracht hatte, und sah, ohne daß er nur die Hand auszustrecken brauchte,

allgemeine Neuregelung sämmtlicher Kompetenzen der Lehrerstellen an den öffentlichen Volksschulen beabsichtigt. Zwecks Vorbereitung der damit verknüpften Arbeiten richte ich an die Königlichen Herren Localschulinspectoren des Kreises das er« gebenste Ersuchen, mir thunlichst bald

1. alle diejenigen Schulstellen Ihrer Jnspection bezeichnen zu wollen, mit welchen Kirchen- dienst organisch verbunden ist. Wenn in einzelnen wenigen Fällen der betreffende In­haber einer Schul- und Kirchendienerstelle thatsächlich den Kirchendienst nicht versieht, letzterer vielmehr einem anderen Lehrer vorübergehend übertragen ist, so würde da­rüber eine Anmerkung zu machen sein.

2. Diejenigen Schulstellen angeben zu wollen, bei welchen die Verhandlungen über Ablösung von Natural Leistungen zum Abschluß ge­kommen sind, so daß mit den Verhandlungen wegen Neuaufstellung der Competenzen be­gonnen werden kann; und

3. nach Benehmung mit den betreffenden Herren Lehrern darüber geeignete Vorschläge machen zu wollen, ob und welche Aenderungen an dem seither gültigen Formular für die Schul- kompetenzen in Folge der durch die stattge- habten Ablösungen von Natural-Leistungen, Grundstückszusammenlegungen u. s. w. ein­getretenen Veränderungen der Lehrer-Ein­künfte vorgenommen werden können.

11622/86. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 14. Mai 1887.

Die Herren Bürgermeister des Kreises in deren Gemeinden sich Schulstellen befinden, beauftrage Hd), den betreffenden Herren Lehrern bekannt zu machen, daß sie die am 1. April c. fälligen Zinsen von den bei hiesiger Sparkasse verzinslich ange­legten Ablösungskapitalien, soweit solches bis seine Vicrtelm llion mit rüstigen Schritten ihrer Verdoppelung entgegeneilen.

Aber ehe noch dieses Ziel erreicht war, trat ein Ereigniß ein, welches ihn nöthigte, aus der so blühende» Compagnieschatt mit Doctor Munk aus- zuscheiden und auch seine übrige Wirkung zu be­schließen. Eines Tages nämlich fiel Güldenberg plötz­lich auf der Straße um und mußte in einer Droschke nach Hause gebracht werden. Der herbeigerufene Arzt erklärte es für einen Schlaganiall, gab aber, nachdem er den Zustand des Kranken genau unter­sucht hatte, der jungen Gattin die Beruhigung, daß der sonst noch rüstige alte Herr wiederherge- stellt werden und, bei strenger Diät, noch e-n Dutzend Jahre leben könne. Wenn auch Arabella volles Vertrauen in diese Versicherungen setzte, so kam sie doch den Anordnungen des Arztes nicht nach und der Kranke entdeckte zu seinem größten Entsetzen, daß sie die verordneten Arzneien bei Seite stellte und ihm statt deren von dem Zauber- elixier zu trinken gab.

»Es ist Betrug!« stöhnte Güldenberg,eS ist Gift und Tod für mich! Du willst mich morden 1 Hilfe! Hilfe!«

»Ich verlache alle Medicin,« widersprach Ara­bella,seit das Zauberelixier erfunden ist. Unter den Attesten finden sich Dutzende von Fällen, wo sich seine Heilkraft gegen Schlaganfälle bewährt hat. Doctor Munck ist der Wohlthäter unseres Jahrhunderts.«

Munck ist ein Schurke, ein Schutt, ein Satan!« stammelte der Kranke und suchte Arabella abzu-

jetzt nicht geschehen, noch alsbald tm Büreau des Königlichen Landrathsamts in Empfang zu nehmen bezw. durch einen Bevollmächtigten ab­holen zu lassen haben.

5013. Der Königliche Landrath _______Freiherr von Schleinitz.__

Die Herren Localschulinspectoren und Lehrer des Oberschulinspectionsbezirks Hersfeld II. wer­den hierdurch zur

Conferen;

auf Montag den 23. d. Mts. nach Weiden- hain ergebenst eingeladen.

Philippsthal, den 13. Mai 1887.

Die Oberschulinspection.

Aus den Parlamenten.

Berlin, 13. Mai. Der R e i ch s t a g erledigte den MilitärreUkten-Gefetzentwurs in zweiter Berathung. ES wurde mit Befriedigung anerkannt, daß die verbündeten Regierungen mit der gegenwärtigen Vorlage die früheren Wünsche deS Reichstages in vielen Beziehungen berücksich­tigt haben und namentlich, daß im Princip die Gleichbe- rechtigung der Ofiiciere anerkannt sei, wenn auch zunächst eine UebergangSbestimmung betreffs der Officiere vom Hauptmann ic. abwärts Platz greife. Betreffs einer Re- foluiion, welche eine den Bestimmungen gegenwärtiger Borlage entsprechende Entlastung in Bezug aus die Relik- tenbeiträge .auch für die Re'chscivilbeamten herbeisühren will, gab der Herr Staatssecretär des Innern v. Bötticher eine sehr entgegenkommende Erklärung. Die von der Commission eingefügte Bestimmung der rückwirkenden Kraft des Gesetzes bis zum 1 April 1882 wurde ohne Wider­spruch genehmigt und der Termin für das Inkrafttreten des Gesetzes auf den 1. Juli 1887 festgesetzt. Dem­nächst wurden Wahlprüsungeu erledigt. Nächste Sitzung Dienstag, 17. Mai, Nachmittags 1 Uhr.

Das Herrenhaus genehmigte den Gesetzentwurf, be­treffend die Cantongeiängnisse in der Rheinprovinz, er­ledigte mehrere Petitionen wegen gänzlicher Beseitigung der Grund- und Gebäudesteuer durch M Hergang zur Tagesordnung; überwies dagegen einige Petitionen wegen

wehren, die eben unedel das Glas mit dem Zauber« elixier in der Hand hielt, um es nach des Gatten Munde zu führen. Vergebens waren seine ver­zweifelten Anstrengungen; er konnte sich nur müh­sam bewegen und sein schwacher Widerstand hätte nicht einmal hingereicht, sich gegen ein Kind zu vertheidigen. Mit unerschütterlicher Beharrlichkeit flößte Arabella ihm von dem Zauberelixier ein, und vergebens waren seine angstvollen Rufe nach dem Arzte, vergebens waren seine Betheuerungen und Schwüre, daß Munck selbst ihm den ganzen Schwindel entdeckt habe und ein Mörder sei und sie eine Mörderin.

DaS schöne junge Weib schüttelte nur lächelnd den Kops und verhieß dem verzweifelnden Gatten fiebere Genesung. Die massenhaften Zeugnisse, die alle schwarz auf weiß gedruckt, könnten un­möglich trügen, und alle Einwendungen der Doctoren seien vergebens.

Das Vorhaben Güldenbergs, seine Gattin beim Arzte zu verklagen, kam nicht zur Ausführung, denn als der letztere wiederkam, war bei dem Kranken bereitsgeine Zungeulähmung eingetreten. Trotz rasender Anstrengungen gelang es Gülden­berg nicht, sich verständlich zu Machen. Er mußte anhören, wie Arabella, die das Elixier vorher ver­steckt hatte, dem Mediciner vorlog, sie sei allen seinen Vorschriften getreulichst nachgekommen; er mußte sehen, wie der Arzt über die eingetretene Verschlimmerung rathlos den Kopf schüttelte.

Er vernahm seine neuen Verordnungen, aber Arabellas Glaube an Doctor Muncks unfehlbare