mittag gegen 3Vi Uhr brach in der Wohnstube der Witwe S ch w a l m hierselbst dadurch Feuer aus, daß dieselbe aus Unvorsichtigkeit Flachs um den Ofen zum Dörren gestellt hatte. Weil das Feuer rechtzeitig bemerkt wurde, und rasch die nöthige Hülfe sowie das erforderliche Wasser zur Stelle war, konnte dasselbe im Entstehen gelöscht werden. Dieser Falle ist wieder eine ernste Mahnung an alle die, welche leicht entzündbare Stoffe in die Nähe der Oefcn und Schornsteine bringen und dabei denken: ach, es wird ja bei mir kein Feuer geben. —Wohlthätig istdes Feuers Macht, wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht; doch furchtbar wird die Himmelskraft, wenn sie der Fessel sich entrafft und einhertritt auf der eignen Spur. — Habe daher jeder an Heerd, Ofen, Schornstein und in Stall und Scheune stets ein wachsames Auge und er kommt dann zu seinem Nutzen der ihm obliegenden Pflicht getreu nach, daß er dem alltäglich im Hause befindlichen Feind, der gern zerstören möchte, was Menschenhand zum Schutz und Obdach gebildet — das Feuer — bezähmt und bewacht und dadurch sich und seine Nachbarn vor Schrecken, Schaden und Armuth bewahren hilft.
Cassel, 9. 2HaL Ein schrecklicher Unglücksfall hat sich am Samstag Abend auf der nach der »Neuen Mühle* führenden Chaussee bei dem Bahnübergang zugetragen. Ein Blaun, welcher wie man hört, sich in stark angetrunkenem Zustande befand, wurde in Folge eigener Unvorsichtigkeit von der Maschine eines vorbeisahrenden Zuges erfaßt, gerieth unter die Räder und wurde sofort getödtet. Zwecks Feststellung des Thatbestandes soll die gräßlich verstümmelte Leiche des Unglücklichen noch gestern Morgen am Thatorte gelegen haben. (C.J.)
Caffel, 9. Mai. Der heute zusammentreiende Landesausschuß wird u. A. den Normaletat berathen, sodann einen Entwurf über den Geschäftsgang des Landesausschusses, verschiedene Anträge aus Unterstützungen zu Wegebaukosten, Brückenbauten (bei Hasselbach, Wannfried, Schrecksbach, Rosenthal, Haarhausen) u. A.
Bevra, 6. Mai. Ein arger Schabernack ist in der verflossenen Nacht dem Landwirth H. hierselbst insofern gespielt worden, als ihm von ruchloser Hand ungefähr vier Steige Leinen, das in H.'s Garten zum Bleichen auslag, total zerschnitten wurden. Bis jetzt hat man den Thäter noch nicht ermittelt, doch gelingt es vielleicht durch die hinter- >-->Wenen Fußspuren.
Ausmarsch des Bataillons erschoß sich in der Caserne der Jäger S. von der 3. Compagnie. An den vorhergegangenen Tagen soll derselbe Spuren von Trübsinn gezeigt haben. _
(Unbefugter Nachdruck verboten.!
Aus dem oltenjißiiijd^^
_____——-vviNFedor Don Köpp en.
(Fortsetzung.)
Die Noth des Augenblickes erforderte Maßnahmen, deren Anordnung dem Herzen des Statthalters schwer wurde. Die Stadt, welche am Fuße des Berges srieblich angebaut lag, vermochte Plauen mit seinen geringen Kräften nicht zu vertheidigen ; dem Feinde würde sie Schutz und Deckung gewährt und die Eroberung der Burg erleichtert haben. Darum gebot Plauen, daß alles, was in der Stadt, in Höfen und Speichern, an Vieh, Vorräthen, Speisen und Getränken geborgen war, auf die Burg gebracht würde und daß alle Einwohner die Stadt verlassen sollten.
Mit schwerem Herzen trennten sich die Menschen von ihren Hütten und Häusern und suchten mit ihrer beweglichen Habe Zuflucht auf der Burg. Von den Zinnen der Marienburg sahen sie wie die Flammen ihre Häuser verzehrten und ihre Vaterstadt in Asche sank. Nur die Jo- Yanneskirche und das Rathhaus, die aus Backsteinen fest erbaut waren, trotzten der Gluth und ragten nach dem Brande als einsame Trümmer über dem Schutthaufen.
Zehn Tage nach der Schlacht bei Tannenberg langte der Feind vor der Marienburg an. Der Polenlönig halte gehofft, daß das Haupthaus ihm ebenso schnell seine Thore öffnen würde, wie die übrigen Burgen des Landes; aber der donnernde Gruß, mit dem seine Heerhausen von der oberen Burg empfangen wurden, belehrte ihn eines anderen. Da erließ der König durch seine Sendboten eine seierliche Aufforderung zur Uebergabe an den Besehlshaber der Burg und sandte ihm gleichzeitig einen Sarg mit der Leiche des bei Tannenberg gefallenen Hochmeisters.
Da die Sendung keinen Erfolg hatte, so gab König Jagiello sogleich nach der Rückkehr seiner Boten den Befehl zum Angriff aus die Marienburg. Tag und Nacht dröhnten die Burgmauern von den geschleuderten schweren Wurssteinen, und das Herz des Helden, der ihre Vertheidigung leitete, blieb unerschüttert. Tag und Nacht lagen in der Kirche die Priesterbrüder vor den Altären aus den Knieen und flehten die Schutzpatronin des Ordens um Beistand in der Noth an. Aber auch sie schien zu zürnen oder noch schwerere Prüfungen verhängen zu wollen. Auf Entsatz der Burg war nicht zu hoffen, Heinrich von Plauen stand ganz aus sich allein.
Heinrich hatte mit dem Löwen im Wappen auch des Löwen Muth von feinen Vorfahren geerbt, und fern edles Vorbild beseelte mit gleichem Geiste, die Ritter der Marienburg. Wenn er jedoch von den Zinnen der Burg das Land rund umher überblickte, wenn er sah, wie die Horden der Littauer und Tataren jetzt die Felder überschwemmten, aus denen sonst um diese Jahreszeit friedliche Landleute den goldenen Erntesegen in Garben banden, und wie am
Himmelssaume die Dörfer und Wälder rauchten, dann war es ihm, als stiegen die Seufzer des schwergedrückten Volkes zu ihm empor und als hörte er das Flehen der Wittwen und Kinder, deren Gatten und Väter erschlagen waren oder in der Gefangenschaft der wilden Völker schmachteten. Gieb Frieden, Herr! gieb Frieden I"
Da bekämpfte der stolze Mann den Löwentrieb in seiner Brust; er begab sich in das Lager der Feinde und ver. langte, vor den König geführt zu werden. Jagiello empfing ihn in seinem prächtigen Kriegszelte. Er saß auf einem vergoldeten Sessel und hatte das blanke Reichsschwert aus seinen Knieen liegen. Hinter ihm stand sein Vetter Witold, Führer des littauischen Heeres. Den Hintergrund des Zeltes nahmen vornehme Geistliche und die obersten Befehlshaber ein.
Ein stolzes Lächeln flog über die Züge des Königs, als der Statthalter eintrat, sich vor ihm beugte und in demüthigen Worten um Frieden bat.
„Ihr würdet nicht so demüthig vor uns erscheinen," antwortete der König, wenn Ihr Euch nicht überzeugt hättet, daß all' Eure Hoffnungen auf Hülse eitel sind. Wir haben keinen Grund, das Ende des Kampfes vorschnell herbeizusehnen; jeder Tag mehrt unsere Macht und schwächt Euren Widerstand. Verlangt Ihr nach der Wohlthat des Friedens, so sagt, was Ihr uns bietet. Wir wollen uns darüber erklären, wie wir's für gut befinden."
„Wohlan," rief Plauen sich selbst bezwingend, mit unterdrücktem Schmerz, „ich biete die Lande Kulm und Pom- merellen als Geschenke für den Frieden.«
Jagiellos häßliches Gesicht verzog sich zu einem Grinsen. „Wie kann ich zum Geschenke nehmen, was ich durch Kriegs, recht bereits mein eigen nenne!" rief er höhnisch, „Gebt mir die Marienburg, dazu ganz Preußenland bis an die Ostsee, alsdann mögt Ihr wiederkommen und um Frieden bitten."
Da regte sich in Heinrich von Planen der stolze Löwentrieb seines Geschlechts, die Zornader schwoll auf feiner Stirne und er schüttelte unwillig das Haupt. Wie dumpfes Gewitterrollen Hang seine Frage: „Herr König ist das Euer letztes Wort?" — Und als der König unbewegt blieb, rief er hochausgerichtet:
„Wohlan, so gehe ich in die Burg zurück. Gott und die heilige Junsrau wird uns retten. Der Plauen aber wird nimmer aus der Marienburg weichen!" —
„Die Jungfrau soll sie nicht retten," sprach mit stillem Ingrimm für sich des Königs Büchsenmeister, der im Zelte des Königs anwesend war, ein gewaltthätiger und abergläubischer Mensch, den es lange schon kränkte, daß feine Schießkunst vor der Marienburg so wenig Ersolg hatte. Er ging an eine Donnerbüchse, lud sie mit doppelter oder dreifacher Ladung und richtete die Mündung gerade auf das hehre Marienbild am Gotteshause. Der Schuß krachte los, aber siehe, das Marienbild blickte ernst und rührig wie vorher, das Rohr aber war zersprungen und der frevelhafte Schütze erblindete auf der Stelle vor aller Augen. Lies Zeichen wirkte übel auf die Belagerer. (F. f.)
Vermischtes.
— Würzburg, 5. Mai. Ein gewiß seltener Fall hat gestern an unserer tzÄchfchule sich ereignet und Diel von sich reden gemacht. Der 55 Jahre alte Postdirektor a. D. Louis Dassel, der als preußischer aktiver Hauptmann an den Feldzügen von 1866 und 1870/71 mit Auszeichnung theilge- nommen, hat noch »in höhern Semestern" den LjMk-des-Mars mit jenem der Minerva vertauscht und nachdem er zuerst juristischen Studien obgelegen, sodann in Erlangen sich der Medicin zugewendel und dort die ärztliche Vorprüfung absolvirt, nunmehr gestern an hiesiger Universität nach nur sünssemestrischem medicinischen Studium die Würde eines Dr. med. et chir. erlangt.
— München. Ein Soldat des 13. Infanterieregiments, Ferstl, hatte vor seiner Einrethung zum Militär ein Anwesen käuflich erworben und zum Verwalter desselben seinen Schwager, einen abgehausten Lauern, bestellt. Die Bewirthschaftung des Anwesens durch den letzteren riefen in ihm den lebhaften Wunsch wach, vom Militär wegzu- kommen und er sann aus Mittel, dies durchzusetzen. Auf Weihnachtsurlaud in seine Heimath entlassen, hieb er sich mit einem Beile absichtlich zwei Glieder seines rechten Zeigefingers ab, um so dienstuntauglich zu werden. Er wurde zu einem Jahr Gefängnis und Versetzung in die zweite Soldatenklasse verurtheilt.
— Münster. Zu Coesfeld verunglückte auf eigenthümliche Weise ein Läuteküster der katholischen St. Jacobigemeinde. Während des Läutens schlang sich dem Manne das Glockenseil um den Leib, so daß er mit in die Höhe gerissen wurde und zurück- stürzend das Genick brach.
— Herbesthal, 7. Mai. Ein gestern Morgen mit dem Schnellzuge aus Belgien kommender Fahrgast, der es angeblich aus Vergeßlichkeit unterlassen hatte, zollpflichtige Edelsteine dem hiesigen Zollamt anzumelden, büßte diese Gedächtnißschwäche mit 800 Mk. Strafe.
— Glogau, 9. Mai. Am Dienstag Nachmittag wurden bet dem großen, von Hagel begleiteten Gewitter auf dem Dominium Wiesau 3 Kinder, welche sich im Gesindehause aushtelten, vom Blitz erschlagen.
— Brieg, 7. Mai. In dem eine Meile von hier entfernten Dorfe Tschöplowitz hat ein junger Mensch seinen Vater erschlagen. Die unglaubliche That soll in angetrunkenem Zustande verübt worden sein. Der Vatermörder wurde sofort verhaftet.
— Frankfurt a. M., 10 Mai. Heute Mittag
wurde der von Gustav Manskops der Stadt gestiftete renovirte Justitiabrunnen auf dem Römerberge den Stadtbehörden vom Stifter feierlich übergeben. Se. Majestät der Kaiser richtete ein Glückwunschtelegramm an Manskopf, welches der Freude über das die alten Merkwürdigkeiten der Stadt vermehrende hochherzige Geschenk Ausdruck giebt.
— Komische Testamentsbestimmungen. Unter den zahllosen Testamenten, die alljährlich zur Erledigung im Wiener Justizpalast gelangen, befinden sich mitunter recht kuriose Exemplare. Vor Kurzem starb eine in der Maria Theresien- straße wohnhafte Wittwe, Frau Johanna G., die nur eine einzige Verwandte hinterließ, eine neunzehnjährige Nichte. Diese setzte sie auch im Testamente zur Universalerbin ihres fl. 30000 betragenden Vermögens ein. Aber eine recht unangenehme Klausel war da am Schlüsse zu lesen: »Meine Nichte tritt jedoch nur dann in den Genuß des Vermögens, wenn sie sich verpflichtet, alle Kleider von mir zu tragen und so lange ste lebt, sich stets mit Röcken, Jacken und Hüten nach dem gleichen Schnitte zu bekleiden." Die Nichte erklärte auf diese Bedingungen etnzugehen. Vorläufig sind die Kleider der Tante ja noch modern. Unangenehm dürfte die sonderbare Klausel erst in zehn bis zwanzig Jahren werden. — Ein heiteres Gegenstück bildet folgendes Geschichtchen: Der Schuhmacher Bohuslav Hernek war im allgemeinen Krankenhause gestorben. Er hatte in der Theresien- gasse in Hernals eine kleine Junggesellenwohnung tnne gehabt, und in einem ärmlichen Tische fand man ein großes Couvert mit der Aufschrift: »Mein Testament!" In demselben bestimmt er, daß nach seinem Leichenbegängnisse zwanzig Schustergesellen vier Liter Bier und zwei Liter Wein auf sein »Andenken" leeren sollten. Leider mußte aber die Verlassenschaftsabhandlung armuthshalber eingestellt werden. Der wackere Lohuslao hatte jene respectablen Quantitäten von Bier und Wein schon bei Lebzeiten selbst ausgetrunken, so daß für die von ihm so großmüthig bedachten Schuster nichts übrig blieb.
— Pest. Ein furchtbares Gewitter ging am Sonntag über Pest nieder. Das massenhaft niederströmende Wasser drang in viele Kellerwohnungen ein. In einzelnen Vorstädten standen ganze Gaffen unter Wasser. Ein Arbeiter, der sich unter eine Eisenbahnbrücke geflüchtet hatte, wurde vom Blitz getödtet.
— Der Menschenverlust durch wilde Thterein Bengalen war im letzten Jahre sehr bedeutend; nicht weniger als 11823 Personen wurden durch wilde Thiere und giftige Schlangen getödtet. Es ist dies die höchste Zahl in den letzten fünf Jahren. Wie gewöhnlich, wurden Neunzehntel dieser Todesfälle durch Schlangen verursacht. Ferner wurden getödtet: 548 Personen durch Schakale, 221 durch Krokodile und Alligatoren, 22 durch Elephanten, 12 durch Büffelochsen und 2 durch Bisamratten, deren Biß Starrkrampf erzeugt. An Belohnungen für die Vernichtung wilder Thiere und giftiger Schlangen wurden im erwähnten Jahre Rupien 29884 gezahlt.
— Förster: »Hab ich Dich einmal erwischt, — was thust Du mit dem Gewehr hier im Wald s" Wilddieb: „O mei' Herr Förster, mir geht's gar so schlecht und da hab ich mich jetzt grad' — erschießen wollen!"
— (Auch e i n e E r k l ä r u n g.) Lieutenant: »Das vorsätzliche Zerstören, Beschädigen oder Preisgeben eines Dienstgegenstandes wird mit Freiheitsstrafe bis zu 2 Jahren bestraft. — Was versteht man denn unter Preisgeben eines Dienstgegenstandes s" — Rekrut: »Wenn der Soldat seinem Schatz untreu wird!"
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Kurhesstsche40Thaler-Loose. Die nächste Ziehung findet am 1. Juni statt. Gegen den Coursverlust von ca. 45 Mark pro Stück bet der Ausloosung übernimmt das Bankhaus Carl Neuburger, Berlin, Französische Straße 13, die Versicherung für eine Prämie von Mark 3,20 pro Stück.
Frachtpreise.
Waizen (ä 100 Kilogr.) 16 M. 92 Pf. bis 17 M. 30 Ps. Roggen (ä 100 Kilogr.) 13 M. 54 Pf. bis 14 Mk. Hafer (a 100 Kilogr.) 10 M. 67 Pf. bis 11 M. 35 Pf.