Erscheint wöchentlich drei Mal am Dienstag, Donnerstag und Sonnabend
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vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exel.
Postausschlag.
Die JnsertionSgebühren betragen für den Raum liner SpaltzeUe
10 Psg., im amtlichen Theile 15 Pfg.
Reklamen die Zeile 20 Psg.
Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt,
Herssti-tr Kreisblitt.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeitage „Mustrirtes Anterhaktungsblatt"__________
Nr. 56. Donnerstag den 12. Mai 1887.
Amtliches.
Bekanntmachung.
Für die Zeit vom 15. Mai bis Ende September wird in Bad W i l d u n g e n wieder eine Post- anstatt mit Telegraphenbetrieb als Zweigstelle des-Kaiserlichen Postamts in Wildungen Stadt unterhalten werden.
Cassel, den 3. Mai 1887.
Der Kaiserliche Oberpostdirector
__zur Linde.____________
Mittwoch den 22. Juni d. I., von 9 Uhr Vormittags ab, sollen hierselbst ungefähr 100 Gestütpferde, bestehend aus Mutterstuten, 4jährigen Hengsten. Wallachen und Stuten und jüngeren Fohlen meistbietend gegen Baarzahlung verkauft werden.
Sämmtliche vierjährigen und älteren Pferde sind mehr oder weniger geritten. Die zum Verkauf kommenden gerittenen Pferde werden am 55^^22-^
unter dem Reiter, sowie sämmtliche von 4 bis 6 Uhr Nachmittags auf Wunsch an der Hand ge« geigt*
Listen über die zum Verkauf kommenden Pferde werden am 1. Juni zum Versand 2c. fertig gestellt sein und auf Wunsch zugeschickt werden.
Für Personalbeförderung zu den bezügliche» Zügen vom unbjuiuJM^"^^ wird nm-uo.. "Mt."Tnn> 22. Juni gesorgt sein.
Trakehnen, den 4. April 1887.
Der Landstallmeister von D a ß e l.
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Se. Majestät der K a i s e r hörte am Dienstag Vormittag die Vorträge des Grafen Perponcher und des Polizeipräsidenten
Frhrn. von Richthofen und begab sich darauf, begleitet vom Flügeladjutanten vom Dienst, Major von Bülow, in einer vierspännigen offenen Hofequipage nach dem Exercierplatz östlich der Tempelhofer Chaussee. Dort besichtigte Aller- Höchstderselbe im Beisein Sr. K. H. des Prinzen Wilhelm, sowie einer zahlreichen Generalität und vieler anderer hoher Militärs, der Militär- Bevollmächtigten 20. und der resp. VoMsetzten, das Kais er - Franz - Garde - Grenadier - Regiment Nr. 2, unter dem Commando Sr. Hoheit des Erbprinzen von Sachsen-Meiningen, und demnächst das 3. Garde Regiment z. F. unter dem Commando des Regimentscommandeurs Oberst v. Loßberg. Nach dem Schluß der Exercitien nahm Se Majestät der Kaiser sofort auf dem Exercierplatz zahlreiche militärische Meldungen entgegen und kehrte darauf in der Begleitung seines dienstthuenden Flügeladjutanten vom Tem- pclhofcr Felde auf demselben Wege zur Stadt und nach dem Königlichen Palais zurück.
N,M .foiebtiA&PlialX*?^ Sohn
des Prinzen Friedrich Carl? kehrt nunmehr von seiner Weltreise in die Heimath zurück. Gestern langte der Prinz in New Iork an, um in einigen Tagen auf dem Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Eider" die Rückreise nach Deutschland anzutretem^-——
—Fllrst'Nsmarck wird sich in einigen Tagen nach Friedrichsruhe oder Varzin begeben. In Abgcordnetenkreisen verlautet, der Reichskanzler werde auch in diesem Sommer das Bad Kissin- gen besuchen.
Dem Reichstag ist ein für die Industrie wichtiger Gesetzentwurf, betreffend die Verwendung g sundheitsschädlicher Farben bei Herstellung von Nahrungsmitteln und Gebrauchsgegenständen, zugegangen.
Dem Reichstage ist die zu Bern am 9. Sep
tember 1886 unterzeichnete Uebereinkunft wegen Bildung eines internationalen Verbandes zum Schutz von Werken der Litteratur und Kunst zugegangen. Der Uebereinkunft sind außer Deutschland beigetreten: Frankreich, Großbritannien, Italien, Belgien, Spanien, die Schweiz, Tunis und die Republik Liberia.
Wie die „Forbacher Zeitung" mittheilt, ist der Musikverein Concordia in Saaralben durch Beschluß des Bezirkspräsidenten aufgelöst worden. — Wegen französischer Demonstrationen verur- theilte die Straßburger Strafkammer acht Personen zu Gefängnißstrafen von 4 Wochen bis zu 9 Monaten. — Der Mühlhauser „Expreß" meldet: Das Reichsgericht zu Leipzig hat soeben einer jeden der im Gefängniß zu Mühlhausen unter Anklage auf Theilnahme an der Patriotenliga gefangenen Personen die Anklageacte zugestellt. — Von der Metzer Strafkammer wurden drei Krämer aus Dieuze wegen Verkaufs französischer Soldatenbilder ohne Genehmigung des Bezirkspräsidenten mit je 40 Mk. Geldbuße event. 4 Tage Gefängniß bestraft.
(Frankreich.) Wie die „Agence Havas" meldet, unterzeichnete Grevy ein Decret, betreffend die Einbringung eines Gesetzentwurfs über einen Mobilistrungsversuch, welcher im Oktober stattfinden soll. Nach der „Liberty" wird Bou- langer hierzu einen Credit von 8 Millionen fordern. Das betreffende Armeekorps soll erst im letzten Augenblick bestimmt und unter denjenigen im Westen oder Süden gewählt werden; an der Mobilisation soll eine Abtheilung Feldeisenbahnarbeiter theilnehmen. — In Bestätigung der Nachricht, daß Melinit für den Kriegsgebrauch nicht verwendbar sei, meldet jetzt der „Temps" aus Toulon, daß die Schießübungen mit den Melinitbomben ergeben hätten, daß diese Bomben I eine größere Gefahr für die Personen als für
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Der Wunderdoctor.
Bon Gustav Höcker.
(Fortsetzung.)
„3e6t kommt seine Hauptaufgabe," entgegnete der Wunderdoctor weiter, „wenn einer seiner Patienten eine Krisis glücklich überstanden hat, so darf unser Arzt ja nicht die Angehörigen von dieser günstige» Wendung jubelnd in Kenntniß setzcu — im Gegentheil, er muß bedenklich den Kops schütteln, die Hoffnung ausgeben und als letzte Zuflucht unter Achselzucken einen Versuch mit meinem Wundermittel vorschlagen. Der bereits aufgegebene Patient gebraucht mein Mittel, gesundet natürlich und — beschwört Darauf, daß er demselben seine
Wiederherstellung verdankt."
„Meisterlich ausgedacht, sürwahrl" rief Gülden- berg, „und ein solcher Arzt müßte natürlich durch Bestechung gewonnen werden?"
„Drücken wir es zarter aus und sagen: er erhält einen Antheil am Gewinn oder ein bestimmtes
Gehalt." ,
„Das natürlich glänzend ausfallen mußte, be- merkte Güldenberg. „Jetzt erlauben Sie mir aber eine Frage. Werden die ganz enormen Geldopfer, die nicht nur für den Anfang, sondern zum Theil auch auf die Dauer gebracht werden müssen, unsern zu erhoffenden Gewinn nicht arg beschneiden? Was läßt sich am Ende an einer Schachtel Pillen, oder an einem Pulver, oder an einem Balsam verdienen? Verdammt wenig l"
„Pillen, Pulver, Balsam!" lachte der Wunder- Docior. „Das ist ein überwundener Standpunkt und würde allerdings schlecht rentiren. Mein Mittel ist flüssig und muß gleich in ganzen Flaschen verkauft werden. Die Herstellungskosten sind so gering, daß sie kaum in Betracht kommen. Wenn uns hier und da auch schon nach Der ersten Flasche der Naturheitungsproceß entgegenkommt, so werden die meisten Patienten noch mindestens das halbe Dutzend voll machen, ehe sie das Vertrauen dazu eindüßen. seien Sie also unbesorgt, vielleicht hat sich noch nie eine Erfindung so rentiert wie die meinige."
„Und welchen Namen werden Sie ihr geben," fragte Güldenberg.
„DoctorMuncks Zauberelixier," gab der Wunderdoctor mit erhobener Stimme zur Antwort.
„Docior Muncks Zauberelexier l" wiederholte Güldenberg, „das läßt sich hören, das ist ein volltönender Name. Ich gratuliere. Jetzt bleibt weiter Nichts zu thun, als daß Sie einen Compagnievertrag aussetzen; ich bin der Ihrige."
„Arm in Arm mit dir," rief Doctor Munck mit komischen Pathos, „so sordere ich mein Jahrhundert in die Schranken l"
Gleichzeitig kündigte das Rücken der Stühle der lauschenden Arabella an, daß der originelle Ge- schästssreund im Begriff sei, sich zu empfehlen, daher die junge Frau sich rasch und geräuschlos in ihre Zimmer zurückzog, denn ohwohl sie gern den Wunderdoctor von Angesicht zu Angesicht gesehen hatte, wollte sie in demselben doch um keinen PreiS
auch nur den leisesten Verdacht erwecken, daß sie das Geheimniß belauscht haben könne.
III.
Geheimrath Marlow nahm eine einflußreiche Stellung ein und gehörte zu den angesehensten Leuten der Stadt. Er war Wittwer und besaß außer dem Sohne, dessen flüchtige Bekanntschaft wir im vorigen Capitel machten, noch eine zwölfjährige Tochter.
Wenn der Geheimrath etwas mehr Eigenliebe gehabt hätte, so würde er vielleicht vorzugsweise dieser Tochter sein Vaterherz zugewendet haben, denn sie war ihm nicht nur äußerlich ähnlich, sondern zeigte, bei aller Milde ihres Wesens, auch frühzeitig schon den ernsten Charakter des Vaters. Trotzdem nahm sie in seinem Herzen nur den zweiten Platz ein, denn den ersten behauptete ihr Bruder Bruno, der das vollendete Ebenbild seiner schönen Mutter war, und auf ihn hatte der Geheimrath all' die unendliche Liebe übertragen, mit welcher er an der Verstorbenen gehangen. Aber wie er gegen die Fehler der Gattin blind gewesen war, wie er ihr in allem nachgegeben hatte, so sah er auch die Fehler seines Sohnes nur mit dem Auge eines schwachen Vaters und besaß weder die Kraft noch den ernsten Willen, seinen Wünschen und Bitten zu widerstehen.
Die verstorbene Geheimrälhin war eine schlechte Wirtschafterin gewesen, und ihr Gemahl hatte nie einen Versuch gemacht, ihrem verderblichen Hange zu Verschwendung und Luxus Zügel anzu- legen. Wie Bruno die Erbschaft ihrer Schönheit