bährlich gewesen fei, indessen könne darin nicht ein Erbieten, den Dienst sofort ohne Entschädigung verlassen zu wollen, gefunden werden, sondern nur die Bereitwilligkeit, das Dienstverhältniß zu lösen, wenn es seitens der Herrschaft gewünscht werde und zwar gegen Jnnehaltung der Kündigungsfrist. Es mußte daher, wenn der Vorschlag des Dienstmädchens angenommen werden sollte, eine sechswöchige Kündigungsfrist erfolgen, nicht aber die Aufforderung, das Haus sofort zu verlassen. Denn dieser mußte unbedingt und ungesäumt Folge geleistet werden, wenn sich das Mädchen nicht der Gefahr auSsetzen wollte, wegen Hausfriedensbruch angezeigt und bestraft zu werden.
* Dem ordentlichen Professor in der philosophischen Facultät der Universität Marburg Dr. Fischer, ist die Erlaubniß zur Anlegung des ihm verliehenen Ritterkreuzes des Ordens der Königlich italienischen Krone ertheilt worden.
t Allendorf, 2. Mai. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich am 27. v. Mts. in hiesigem Orte. Der Maurer Val. Pickert aus Gersdorf, welcher mit der Restaurirung eines Hauses beschäftigt war, stürzte, da der obere Theil des an dem Hause angebrachten Gerüstes, auf welchem Pickert gerade arbeitete, plötzlich zusammen- brach, aus beträchtlicher Höhe von demselben auf die Straße herab, in Folge dessen er das linke Schulterblatt sowie eine Nippe zerbrach. Wie man hört, war das Gerüst aus schlechtem Material hergestellt.
Cassel, 29. April. In der heutigen Schwur- gerichtsverhandlung wurde der Metzgermeister Friedrich Carl G ö t t e von hier, welcher beschuldigt war, am 14. Januar d. I. den Althändler Ph. Steinbach vorsätzlich getödtet, diese Tödtung aber nicht mit Ueberlegung ausgesührt zu haben, kostenlos freigesprochen.
Cassel, 2. Mai. Ein in vergangener Nacht nach seiner Wohnung im Sack heimkehrender Schreinermeister that in der Dunkelheit auf der Treppe einen Fall und schlug vermuthlich hinterrücks die Treppe hinunter, so daß er sofort todt war»
Fulda, 30. April. Gestern Abend gegen 10 Uhr schlug bei einem Gewitter in dem nahen Horas der Blitz in ein Haus ein und zündete. Es gelang jedoch alsbald des Feuers Herr zu werden.
Bockenheim, 28. April. Ein gräßlicher Um glückssall ereignete sich, wie der .Taunusb.* berichtet, am Samstag in der Papierfabrik der Herren Dr. Piroth auf der Hohen Mark bei Ober-^ Ursel. T^r-ve-h-t'-atl^.t- HlrhHfpr AL guinhpr hatte mit einem anderen Arbeiter das Innere eines Dampfkessels mit Leinöl zu bestreichen. Zu diesem Behufe hatten die Arbeiter ein Licht angezündet, und eS sollte der Eine leuchten während der Andere anstrich. Der Raum war aber hierzu zu klein, weshalb der eine Arbeiter herausstieg. Kaum war dies geschehen, so vernahm der Herausgestiegene furchtbare Hülferufe seitens Sünders. Derselbe war jedenfalls mit dem Licht der Oelmaße zu nahe gekommen, die sich entzündete, wodurch dem Sünder solche Brandwunden zugefügt wurden, daß er alsbald, nachdem er aus dem Kessel gezogen war, seinen Geist aufgab. Der Verunglückte hinterläßt eine Frau mit 3 Kindern.__
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Aus dem alten deutschen Ordenslande
von Fedor von Koppen.
(Fortsetzung.)
Plündernd und verwüstend brachen diese Massen in daS Ordensgebiet ein und verübten an den Bewohnern alle Greuel und Frevel, die man sonst nur von den Heiden gehört hatte. AlS die Kunde davon in das Lager des Ordensheeres kam, verlangte dieses mit Ungestüm, an den Feind geführt zu werden. Der Hochmeister hob daS Lager aus und zog den Feinden entgegen.
Unweit der Dorfes Tannenberg — zwischen Osterode und Neidenburg — lagerten in der Nacht vom 14, zum 15. Juli 1410 beide Heere einander gegenüber.
Eine furchtbare Nacht ging dem unheilvollen Tage voran. In den Lüsten erhob sich ein Sausen und Brausen, die Wälder rauschten, uralte Eichen stürzten entwurzelt zu Boden. Das grelle Licht der ringsum zuckenden Blitze durchbrach das grausige Dunkel der Nacht; unaufhörlich strömte der Regen herab. Die Lagerzelte, wurden vom Sturm hoch aufgehoben und weit über die Haide fortgeführt, so daß niemand im Lager der Ruhe sich freute.
Auch am anderen Morgen tobte der Sturm noch fort; er rauschte und klatschte in den Heerbannern und wühlte in den Wolken, die zu Häupten des HeereS dahinzogen wie zerrissene Fahnen. Unter Sturm und Wetter ordnete der Hochmeister seine Heerschaaren zur Schlacht. Der linke Flügel stand bei dem Dorfe Tannenberg, der rechte an Wald und Bruchland gelehnt, das ganze Heer in drei Treffen hintereinander.
Im feindlichen Lager war noch alles still. Die Polen lagen versteckt in Büschen und Wäldern. Ihr König weilte in seinem Kriegszelte hinter dem Heere. Boten kamen und meldeten ihm die drohende Ausstellung des Ordensheeres; Witold, Fürst der Littauer. trat in sein Zelt und forderte ihn auf, das Heer zur Schlacht zu ordnen und den Kamps zu beginnen, — vergebens! aller Muth schien in der entscheidenden Stunde den König verlassen zu haben. Da nahten zwei Herolde und boten ihm zwei blanke Schwerter dar. „Dieses lassen Euch der Meister und die Ritter des Ordens entbieten," sprachen sie; „das eine Schwert ist für Dich, den König, das andere für Dich, Fürst Witold, auf daß Ihr den Kampfplatz wählet und nicht zaudert! Wozu versteckt Ihr Euch in die Wälder und suchet dem Kampfe zu entfliehen, den Ihr gewollt habt und nicht mehr vermeiden werdet! Auf und säumet nicht länger !
Da ermannte sich der König und sprach: „In Gottes Namen empfangen wir die Schwerter und werden die Schlacht annehmen, wo Ihr sie uns anbietet.«
Alsbald ordnete sich das feindliche Heer in drei Schlachtreihen. Auf dem rechten Flügel gegenüber Tannenberg stand Fürst Witold mit seinen Littauern, Russen und Tataren, die äußerste Rechte an die sumpfigen Ufer eines kleinen Flusses, der Maranse gelehnt; auf dem linken Flügel schaarten sich die polnischen Kriegsvölker. Der König, allein auf seine eigene Sicherheit bedacht, überließ die Führung der Polen völlig seinem Feldherrn Z i n d r a m, dem Schwertträger von Krakau. Dieser war ein kleiner KriegSmann von häßlichem Aussehen, aber ein muthiger Geist wohnte in dem mißgestalteten Körper.
Mittag war herangekommen; der Sturm hatte sich gelegt und die Sonne sandte von Hellem Himmel heiße Strahlen aus die gepanzerten Ritter herab.
Den Kampf begann Fürst Witold. Unter gewaltigem Kriegsgeschrei stürmten die littauischen Kriegshausen gegen die Ordensschaaren des linken Flügels. Diese aber wollten nicht stehenden Fußes den Angriff erwarten und warfen sich ihnen entgegen. Waffengetöse und Kriegsgeschrei er. füllten die Lust, unter dem Donner der Stücke dröhnte der Boden. Hin und her wälzten sich die Wogen der Streiter. Endlich begann die Streitmacht der Littauer zu wanken! ihre erste Schlachtreihe ward durchbrochen, die zweite zu- lückaemnrlen—^"""-^ ”"'*'■'■ - ""” ^'- N-.m>.^n »»»-<- ihnen um sich. Viele erlagen kämpfend den Schwertern der stürmisch nachdringenden Ordensritter, andere flohen in die Sümpfe der Maranse. Mit einem kleinen Theile suchte Fürst Witold das Schlachtseld bis zur Ankunft von Hilfstruppen zu behaupten.
Auch auf dem anderen Flügel, wo die Hauptmacht der Polen unter Zindram focht, begünstigte das Glück die Waffen des Ordens. Bei jedem neuen Angriff der Ritter wichen die Polen weiter zurück. Schon war das große polnische Reichspanier in der Schlacht nicht mehr zu blicken, schon ertönte aus der ganzen Linie des Ordensheeres der SiegeSgesang: „Christ ist erstanden!" — (F. f.)
Vermischtes.
— (Mahnu njj Bon ärztlicher Seite wird folgende beherzigenswerthe Mahnung für Heranwachsende Mädchen veröffentlicht: „Die jetzt beliebten hochschnürenden Korsetts sind eine wahre Folterkammer für Heranwachsende Mädchen. Von den Hüften bis unter die Achseln fest anschließend, pressen sie die Gedärme, Leber, Magen, Herz und Lunge in einer Weise, daß die ihnen von der Natur angewiesenen Verrichtungen unterdrückt werden. Der Magen ist gehindert, seine zur Verdauung erforderlichen Vor- und Rückbewegungen zu machen, die Lunge wird beim Athmen gehemmt,
sich vollständig auszudehnen rc. Die ersten Folgen davon: gestörter Blutumlauf, mangelhafte Verdauung, verdorbene Säfte, Blutandrang nach dem Kopfe, Angstgefühl, oft nur die Vorboten ernster Krankheiten und Gebrechen, unter denen die Schwindsucht nicht am seltensten ist. Wer seine Töchter lieb hat, sollte sie veranlassen, der Modethorheit der hochschnürenden Korsetts zu entsagen und zu den früheren niedrigen Korsetts zurückzugreifen, welche dem Körper eine freie Haltung gewähren, vor Druck der Rockbänder schützen, ohne die Organe ungebührlich einzuengen.*
— Aus Sachsen, 28. April. Aus Eifersucht schoß in Leisntg am Montag Abend ein Braubursche seiner Braut eine Kugel durch das Auge und sich selbst dann zwei Kugeln in die Schläfe. Einige Stunden nach der That trat bei Beiden der Tod ein.
— Strausberg, 28. April. Die Genickstarre ist in dem Dorfe Ringenwalde bei Wriezen ausgetreten. Ein Schulknabe von 12 Jahren ist derselben innerhalb zwei Tagen erlegen. Auch aus Babben im Luckauer Kreise wird ein Todesfall infolge der Genickstarre gemeldet.
— In Amberg in Bayern wollte dieser Tage eine irrsinnig gewordene Frau ihr jüngstes, dritt- halb Monate altes Kind in der Ofenröhre braten, wurde aber glücklicher Weise noch rechtzeitig daran verhindert.
— London, 28. April. Ein Telegramm aus Perth Western (Australien) meldet von einem großen Orkan, der am 22. d. die Nordostküste heimgesucht und namentlich die Schiffe der Perlenfischer schwer betroffen habe. Es würden gegen 40 Perlenfischer-Schiffe vermißt, die Mehrzahl derselben solle gescheitert, der übrige Theil ins offene Meer hinausgetrieben sein. Die Zahl der um's Leben gekommenen Personen werde auf mehrere Hunderte geschätzt.
Schnäbele.
Was kraucht da an der Grenz' herum Und fuchtelt mit dem Säbele?
Das ist doch nicht Napolium —, Nein, das ist bloß der Schnäbele.
Er schnäbelt hin und schnäbelt her, Jedoch das Schnäbeln bringt Malheur. Der stramme Kutsche merkt das doch Und steckt den Schnäbele ins Loch.
Nun in Paris ein groß' Geschrei, Man raffelt mit dem Säbele: Auf, Boulanger, und komm' herbei, Schaff, uns zurück das Schnäbele.
Und die Moral von der Geschtcht:
An deutscher Grenze schnäb'le nicht!
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