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Nr. 49. Dienstag den 26. April 1887.
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Amtliches.
Chef des General- Berlin, den 25. März 1887. Stabes der Armee.
Das Königliche Ober-Präsidium benachrichtige ich ganz ergebenst, daß im Anschlüsse an die vorjährigen Arbeiten im Laufe dieses Sommers — etwa vom 1. Mai ab —trigonometrische Vermessungen unter Leitung des Chefs der trigonometrischen Abtheilung der Landes - Aufnahme, Oberst Schreiber ä la suite des Generalstabes der Armee, in den Regierungsbezirken Kassel und Wiesbaden stattfinden werden.
Die Arbeiten werden in Recognoscirungen und in Signalbauten für Punkte I. Ordnung bestehen.
Das Königliche Ober-Präsidium ersuche ich hiernach ebenmäßig, sehr gefälligst veranlassen zu wollen, daß die betreffenden Ortsbehörden mit entsprechender Anweisung versehen werden.
Von den Seitens der Königlichen Ministerien des Innern und für Landwirthschaft, Domainen und Forsten ausgefertigten bezüglichen offenen Ordres gestatte ich mir 3 metallographische Abzüge mit der Bitte um sehr gefällige Kenntniß- gäbe an die gedachten Königlichen Regierungen ganz ergebenst anzuschließen.
Der General-Quartiermeister gez. Graf W a l d e r s e e.
An das Königliche Ober-Präsidium der Provinz HeffenNassau zu Cassel. V. Nr. 253/87.
* * *
Cassel, den 30. März 1887.
Abschrift übersende ich Ew. Hochwohlgeboren unter Beifügung von 1 Exemplar der Anlage zur gefälligen weiteren Veranlassung.
Der Ober-Präsident: gez. Graf Eulen bürg. An den Königlichen Regierungs-Präsidenten, Herrn Rothe, Hochwohlgeboren hierselbst. Nr. 1529.
* *
Cassel, den 7. April 1887.
Abschrift nebst Abschrift der bezüglichen Ordres
für die trigonometrischen Vermessungen übersende ich Euer Hochwohlgeboren mit dem ergebensten Ersuchen, hiernach die Veröffentlichung in den Kreis- bezw. Lokalblättern gefälligst bewirken und die Ortsvorstände mit Anweisung versehen zu wollen.
Der Regierungs-Präsident Rothe. An die Königlichen Herren Landräthe des Regierungsbezirks 2C. A. I. 3592.
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Hersfeld, den 22. April 1887.
Wird den Herren Ortsvorständen des Kreises zur Kenntnißnahme und Nachachtung mitgetheilt. Die »offene Ordre" ist hierunter abgedruckt.
4207. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz.
Die von Seiner Majestät dem Kaiser und Könige befohlene Triangulation der Provinzen des Staats wird in diesem Jahre unter oberer Leitung des Chefs der trigonometrischen Abtheilung der Landesaufnahme, Oberst Schreiber vom Neben-Etat des großen Generalstabes, ä la suite des Generalstabes der Armee, auch in dem Regierungsbezirk Cassel zur Ausführung gelangen und in trigonometrischen Feldarbeiten bestehen.
Da für das Gelingen dieses gemeinnützigen und mühevollen Unternehmens aber die Mitwirkung der Magistrate, Gulsherrschaften, derGrundeigenthü- mer und Einsassen, sowie der Prediger, auch der Landesverwaltungsbehörden und Offizianten gedachten Bezirks erforderlich ist, so werden die genannten Behörden und Personen hierdurch aufgefordert, diese Allerhöchste Absicht um so mehr kräftig zu unterstützen als die zu verlangenden überhaupt nicht lästigen Hülfsleistungen in der Regel nur ein bis zwei Mal für einen Ort erforderlich sein werden.
Diese dem Herrn Oberst Schreiber und den ihm untergebenen Dirigenten, Officieren, Trigonome- tern und Hülfstrigonometern zu gewährenden Hülfsleistungen bestehen vorzüglich in Folgendem:
1) Bei Besteigung der Kirchthürme und anderer
erhabener Orte, wenn es verlangt wird, einen oder zwei der umliegenden Gegend kundige Leute mitzugeben, welche die entfernten sichtbaren Ortschaften zuverlässig zu benennen wissen.
2) Die zur Besteigung der Thürme und zur Eröffnung von Aussichten etwa nöthigen Anstalten zu gestatten. Die Königlichen Forstbeamten werden angewiesen, bei den zur Gewinnung von Durchsichten unumgänglich nöthig werdenden Durchhauen förderliche Unterstützung zu leisten.
31 Bei Besichtigung der Gegenden auf Verlangen Führer, zum Transporte und zur Bewachung von Instrumenten, sowie zu anderweitig nothwendigen Arbeiten und zu Botengängen geeignete Leute gegen ortsübliche Zahlung zu gestellen.
4) Bei Quartierwechseln oder sonstigen dienstlichen Veranlassungen haben die Ortsobrigkeiten dem Herrn Oberst Schreiber und den ihm untergebenen Dirigenten, Officieren, Trigonometern und Hülfstrigonometern,guf Verlangen Miethsfuhrwerke gegeneine billiges die ortsüblichen Preise nicht überschreitende Vergütigung, die sofort baar bezahlt werden wird, zu beschaffen und überhaupt für ein schnelles und sicheres Fortkommen zu sorgen.
5) Das zur Errichtung der Signale erforderliche Holz, welches nur dann requirirt werden wird, wenn es unmittelbar zu dem gedachten Zwecke verwendet werden soll, ist von den Forstbeamten aus den Königlichen Forsten gegen Bezahlung nach der Forsttaxe zu verabfolgen. Die Nebenkosten, worunter die Hauerlöhne und die etwaigen Rückerlöhne bis zu den Abfuhrwegen verstanden werden, sind der Forstkasse ebenfalls zu erstatten. Sollten diese Forsten aber von dem Orte, wo die Hölzer verwendet werden sollen, so entfernt liegen, daß durch die Beschaffung der Hölzer ein Zeitverlust oder unverhält- nißmäßige Kosten entstehen würden, so ist die
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Lenz im Keröst.
Novelle von Moritz von Reichenbach. (Fortsetzung.)
Das lallende Kind verstand sie nicht und der Mann, dessen Leben durch Arbeit ausgefüllt war, hatte keine Zeit für sie. Draußen fern von ihr war die Welt, die bunte Welt, nach der sie sich sehnte und von der sie ausgeschlossen war. Und sie war doch so jung und schön und besaß einen Schatz in ihrer Stimme — das alles wußte sie jetzt und das alles sollte begraben sein im stillen Waide, in der Erfüllung einförmiger Pflichten! Und sie hatte Niemand, dem sie ihr Leid klagen konnte, denn der einzige, der sie verstanden hätte, war fern.
Sie dachte in diesem Augenblick, daß er vielleicht nie wiederkehren würde, und es erschien ihr, als verlohne es sich dann nicht weiter zu leben.
Zwei Tage später, als Karola alleine in ihrem Zimmer saß, wurde hastig an die Thür geklopft und als sie ausblickte, stand Bäla Uesterhegyi aus der Schwelle.
Am Abend dieses Tages, als Karola Büla wieder ruhelos in seinem Zimmer auf und abgehen hörte, während sie selbst schlaflos in dem ihren zag, dachte sie;
»Wir lieben uns — ja es ist so, und bisher habe ich nicht gewußt, was Liebe ist. Kann ich nun dafür, daß ich es weiß?’
Sie hörte Lebrecht Heidolfs ruhige Athemzüge und schauerte zusammen.
»O mein Gott, warum muß das, was ich empfinde, so schön und so schrecklich sein — und so traurig — so traurig!"
XII.
Lebrecht hatte seine L-chwester besucht. Er machte ihr Vorwürfe darüber, daß sie sich seit der Taufe der kleinen Lili nicht in der Oberförsterei habe sehen lassen und fragte sie am Ende gradezu, ob sie sich denn nicht wirklich und ganz und gar mit seiner kleinen Frau ausgesöhnt habe? Er hatte sich eigentlich vorgenommen gehabt, diese Frage nicht zu stellen. Aber er konnte es doch nicht lassen, als er nun seiner Schwester gegenüber saß, und er konnte es auch nicht hindern, daß er mit Spannung ihre Antwort erwartete.
Frau Maria beschäftigte sich einige Augenblicke sehr eifrig mit der Handarbeit, die sie gerade vor hatte; dann sah sie ihren Bruder an und sagte:
»Wenn sie Dich glücklich macht, Lebrecht, so bin ich auch vollkommen mit ihr ausgesöhnt; Du weißt ja, daß ich ihr nicht mehr entschieden entgegen getreten bin von dem Augenblick an, wo Du fest entschlossen warst, sie zu heirathen."
,3a, ich weiß und das war gut von Dir, Maria,
ich habe es Dir auch gedankt. Aber ich habe doch das Gefühl, als wäre zwischen uns und Dir nicht alles so, wie es sein sollte. Du liebst Karola
nicht."
Frau Maria zuckte die Achseln.
»Wenn ich aufrichtig sein soll, Lebrecht, so muß ich gestehen, daß ich nicht ohne eine gewisse Besorg- niß an Euch denken kann. Karola ist so sehr jung, sie ist lebhaft und hat viel Phantasie. Wenn ich sie so in Deinem stillen Hause sehe, denke ich unwillkürlich, an ihrem Platze ist sie da doch nicht, und eines Tages wird sie das empfinden. Was aber dann geschieht, weiß Gott!
»Was ihr Frauen doch für sonderbare Phantasien habt. Weshalb in aller Welt sollte sie nicht an ihrem Platze sein? Welchen anderen Platz sollte sie wünschen, als den bet Mann und Kind — und bei einem solchen Kinde! Wenn Du unsere Lili jetzt sähest» würdest Du begreifen, daß selbst eine Frau, die anspruchsvoller wäre, als meine kleine Karola, ganz zusrieden sein müßte. Lili ist ein Prachtkind. Schön und klug — ein ganz merkwürdiges Kind!"
»Ich kann mir nicht denken, daß Karola zu den Frauen gehören sollte, die ganz ihren Kindern leben. Dazu gehört eine Selbstlosigkeit, von der ich, ehrlich gesagt, bei Karola nie etwas gespürt habe."
»Du bist eben voreingenommen gegen meine Kleine, und das thut mir so leid."