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nsstl-tl Kltisbliltt.
Mit wöchentlicher Krütis-Weilage „IssustrirLes NnterhatLungsölatL".
Nr. 48.
Sonnabend den 23. April
1887.
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Hrrsfelder Kreisblatt mit der wöchentlichen Gratis - Beilage „Jllustrirtes Unterl-altungsvlatt" für die Monate Mai und Juni werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Zandbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 19. April 1887.
Unter Hinweis auf den Erlaß des Herrn Ober- Präsidenten vom 28. Februar 1878 (etr. die land- rathsamtliche Verfügung vom 9. März 18/8 Nr. 2443, Kreisblatt Nr. 20), wonach die Abhaltung von Hauseollecten wegen Beschädigungen durch H a g e l s ch l a g nicht genehmigt wird, veranlasse ich die Herren Ortsvorstäude des Kreises, die Landwirthe in Ihren Gemeindebezirken hierauf speciell aufmerksam zu machen, und dieselben bei jeder sich darbietenden Gelegenheit auf die Nothwendigkeit und Nützlichkeit der Versicherung ihrer Feldfrüchte gegen Hagelschlag hinzuweisen.
Auch wird es sich empfehlen, gleichzeitig darauf aufmerksam zu machen, daß nach der bestehenden Grundsteuerberfassung im Falle des Hagelschadens ein Erlaß an der Grundsteuer nicht stattfindet. 2914. Der Königliche Landrath ________________Freiherr von Schleinitz.
.Hersfeld, den 1(5. April 1887.
Der Bäcker Heinrich W a l p e r zu Obergeis ist als commissarischer Bürgermeister dieser Gemeinde bestellt und eidlich verpflichtet worden.
4034. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Lenz im Kerbst.
Novelle von Moritz von Reichend ach. (Fortsetzung.)
„Meine beiden Kinder," sagte Lebrecht, wenn er heimkehrend, Mutter und Kind an er Bank unter dem Birnbaum aufsuchte. Die K.eine lachte ihm dann entgegen, aber Karola blickte mit ernsten Augen zu ihm aus. Sie lachte überha.R nicht mehr so gern und oft wie früher und wen., d Jteöe vom Winter war, flog eine Wolke über ihre Stirn. Sie fürchtete sich vor den grauen Tagen und langen, langen Abenden.
Da flog mit den ersten welken Blättern ein Brief in das Haus, der Lebrecht nachdenklich und Karola erwartungsvoll stimmte. Es wurde ein Gast für den Winter angemeldet. Lebrecht hatte mit seiner ersten Frau eine Saison in einem ungarischen Bade mitgemacht und von dorther stammte seine Bekanntschaft mit dem Obergespan Stephan Uesterhegyi, der ein jovialer alter Herr und voller Aufmerksamkeiten für Lebrechts junge Frau gewesen war.
Jetzt bat der Obergespan auf Grund dieser früheren Bekanntschaft, seinen Sohn für einige Mo- uate aufzunehmen, damit derselbe einen Begriff von rationeller Forstwirthschaft bekommen sollte.
„Mein BÄa bekommt einmal das Familiengut," schrieb der alte Herr, „und bet Euch in Deutschland kann er halt mehr Ordnung lernen als bei
# Wie fieht's in Europa aus ?
In den Blättern werden seit Wochen alle Vorkommnisse, auch die kleinsten, aus Frankreich und aus Rußland sehr genau gebucht und aus denselben meist Schlüsse auf die Gestaltung der politischen Lage gezogen. Wenn Boulanger von einem Pariser Blatte angegriffen wird und De- roulöde die Leitung der Patriotenliga niederlegt, dann steigen gewissermaßen die politischen Course, dann wird eins gegen zehn gewettet, daß alle Befürchtungen wegen etwaiger Störung des Friedens eitel Hirngespinnste sind. Und wenn Kattkoff, trotz der lebhaftesten Angriffe auf russische Regierungskundgebungen einen Verweis und Herr von Giers eine Auszeichnung erhält, dann kann sich Deutschland nach den Urtheilen eines gewissen Theils der Presse ruhig schlafen legen. Auf der anderen Seite fehlt es auch nicht bei den unbedeutendsten Gelegenheiten, die sich anders deuten lassen, an gegentheiligen Auffassungen. Die meisten Blätter urtheilen nach augenblicklichen Eindrücken oder nach dem Maßstab besonderer Bedürfnisse und Interessen und verleiten so das Publikum zu irrigen Auffassungen über die Weltlage.
Für den aufmerksamen und besonnenen Beobachter der Vorgänge in der Politik kann es aber keinem Zweifel unterliegen, daß die Beziehungen großer etaaten nicht von verhältnißmäßig unter« geordneten Kleinigkeiten abhängen und daß dieselben, je nach dem Hervortreten dieser oder jener Momente, nicht sprungweise und kaleidoskopartig wechseln können. Wenn einem Pariser Blatte gemeldet wird, daß „die beabsichtigte Ordensverleihung an Herrn von Giers keineswegs eine Aenderung der specifisch russischen Politik an« zeige", "so ist das gewiß richtig. Die Politik des Kaisers Alexander hat ihre Grundsätze und wird nicht bald hierhin, bald dorthin schwanken, wie es der Fall sein müßte, wenn man die Betrach- uns zu Lande. Ich bitte also, nehmen Sie den BÄa auf, jede Bedingung ist mir recht, nur daß er lernt, wie man einen großen Wald, wie ich ihn aus meinem Gute habe, ordentlich bewirthschaftet, denn meine Förster, das sein Hundsfötter, bei denen alles darunter und darüber geht und ich hab' kein' Zeit, mich darum zu kümmern.
„Wirst Du ihn kommen lassen, diesen B^la?" fragte Karola.
Lebrecht war es durchaus nicht lieb, den wildfremden Menschen in's Haus zu bekommen, und er sagte, daß er noch nicht wisse, was er thun würde. Im Grunde seines Herzens aber empfand er es doch sofort als Unmöglichkeit, die Bitte des alten Herrn, an den er sich gern erinnerte, ohne triftigen Grund abzuschlagen. Und mit dem ersten Schnee kam LÄa Uesterhegyi im Forsthause an.
„Kind, warum bist Du so scheu und läufst förmlich vor dem armen Uesterhegyi davon?" fragte Lebrecht einige Tage nach Ankunft des Gastes seine Frau. Sie wurde roth und antwortete nicht.
„Sieh, nachdem wir ihn einmal angenommen haben, müssen wir auch freundlich mit ihm verkehren," fuhr Lebrecht fort, „und er ist ein netter, frischer Mensch, mit dem es gar nicht schwer ist umzugchen."
Am Abend dieses Tages blieb Karola bei den Herren. Böla Uesterhegyi erzählte lustige Geschichten von Wettfahrten und Jagdabenteuern und fang zuletzt ein paar ungarische Lieder und Karola
tungen der Blätter über die Bedeutung dieses oder jenes Vorganges in der russischen Politik jedesmal für zutreffend halten wollte. Es fragt sich nur, wie überhaupt diese Politik aufzufassen ist, und darüber herrschen offenbar in Paris und in Berlin ganz verschiedene Ansichten. Jedenfalls aber wird hier wie dort in völlig zutreffender Weise angenommen, daß sie dieselbe bleibe, da keinerlei Ereignisse vorliegen, welche mit Sicherheit auf einen Wandel derselben schließen lassen. Auch in den französischen Verhältnissen hat sich nichts vollzogen, was das Urtheil begründete, daß Deutschland die Hände in den Schooß legen könne.
Wägt man genau Alles ab, was auf die Beziehungen der großen Staaten zu einander schließen läßt, so scheint uns kein Grund vor- zuliegen, dieselben als besser und hoffnungsvoller aber auch nicht als schlechter und aussichtsloser aufzufassen, wie sie in den letzten Monaten waren und wie sie von berufenster Seite im Januar dieses Jahres im Reichstage dargestellt worden sind. Fürst Bismarck und Graf Moltke haben zwar die große Friedensliebe Deutschlands nachdrücklich betont, aber aus den Gefahren kein Hehl gemacht, die unter Umständen und sogar ganz unvorhergesehenerweise über Deutschland und Europa hereinbrechen können. Nichts von Bedeutung ist im Auslande seitdem geschehen, was die Verhältnisse so von Grund aus umgestaltet hätte, daß die damalige Darstellung der politischen Lage nicht mehr auf die Gegenwart paßt. Besonderer Grund zu Beunruhigungen und Befürchtungen vor unmittelbar bevorstehenden Gefahren ist heute wie damals nicht vorhanden, aber auch kein Grund, um völlig über die Gestaltung der Zukunft beruhigt zu sein. Heute wie damals rönnen wir nichts besseres thun, als ohne Rücksicht auf diese oder jene, wer weiß von wem und tn welchem Interesse in die Welt gesetzte und bald in diesem bald in jenem Sinne ausgebeutete Nachricht, mit vollem Vertrauen zu den Männern
hörte ihm mit leuchtenden Augen und gerötheten Wangen zu.
„Sie haben eine prächtige Stimme", sagte Lebrecht, als er geendet hatte, „meine kleine Frau da singt auch, sie hat aber die Musik jetzt arg vernachlässigt --des Kindes wegen."
„O, das ist aber sehr Unrecht, gnädige Frau/ rief L61a, „bitte, wollen wir ein Duett versuchen? Hier, zum Beispiel: o sah' ich auf der Heide dort im Sturm Dich — im Sturm Dich wiederholte er halb singend.
Karola war erschrocken aufgesprungen. „O nein, ich kann nicht singen, ich habe alles vergessen!"
Dabei wußte sie plötzlich, daß sie nicht deS Kindes wegen die Musik hatte liegen lassen, sondern weil Lebrecht ein Mal eingeschlafen war, während sie sang und weil es ihr an andern Zuhörern fehlte. Sie wußte auch, daß sie glücklich sein würde, einmal wieder aus voller Brust singen, ihre Stimme mit der Betas mischen zu können — aber sie erschrak zugleich davor und wäre am liebsten davon gelaufen.
B^la ließ indeß nicht nach mit Bitten und Zureden, und am Ende versuchte sie es, zuerst zaghaft und schüchtern, dann durch seinen Gesang mit fortgerissen, immer selbstvergessener, bis ihre Stimme sich zu vollem Klänge, ganzer Kraft entfaltete. Ihr war, als schwämme sie, getra en und gehoben von dieser fremden schönen Stimme auf einem unbekannten Meer — wohin? Sie wußte es nicht und fragte auch nicht danach. Sie hörte nur