Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal am Dienstag, Donnerstag und Sonnabend

BbonnementspreiS: vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl. Postausschlag.

Die JnsertionSgebühre« betragen sür den Raum einer Spaltzeil« 10 Pfg., im amtlichen Theile 16 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.

Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt,

Htrsstliler Krtlsblitt.

Mit wöchentlicher Kratis-AeitageIssustrirtes NnterhaktungsötaLL".

SSegg'^""l.1 ! .........". . , ,.I..I ...u !!mj!».i.i.iii.. ... ', I. ~-^b^.._ ..... Ill^,... ----1 .....|........ L.BBBHM

Nr. 47. Donnerstag den 21. April 1887.

Amtliches.

Hersfeld, den 16. April 1887.

Am 16. Mai d. I. wird bei Herrn Gutsbe­sitzer B i p p a r t in Hermannshof ein Lehrkursus in Drainage und Wiesenbau beginnen. Bauern­söhne aus dem Kreise, welche an demselben theilzunehmen wünschen, wollen sich rechtzeitig bei Herrn Bippart melden.

4058. Der Königliche Landrath _________________Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 15. April 1887.

Im Anschluß an meine Verfügung vom 21. Dezember v. I. Nr. 13430, Kreisblatt Nr. 153, wird hierdurch veröffentlicht, daß auch zu Rans- bach und auf dem Hofe Thalhausen (Gemeinde Wehrshausen) der Ausbruch der Schafräude con- statirt worden ist.

3981. Der Königliche Landrath __Freiherr von Schleinitz.

Rett ; M m u tt a e N, welche zur Förderung der Obstbaumzucht in den Gemeinden und bei Privaten, Seitens der Ver­waltung des Bezirksverbandes des Regierungsbe­zirks Cassel getroffen sind.

1. Dem Obergärtner des Bezirksverbandes C. Heinrich zu Breitenau bei Guxhagen, ist der gesammte technische Betrieb und die Verwerthung der Producte der zur dortigen Correctionsanstalt gehörenden gröberen Baumschule übertragen und sind Gesuche um Ueberlaffung von Obststämmen oder Reisern, von Gemeinden und Privaten, welche größere Pflanzungen rc. auszusühren beabsichtigen, unter Angabe etwaiger besonderer Verhältnisse, zeitig an den genannten Obergärtner nach Brei- tenau zu richten.

Eine Abgabe einzelner oder einer geringeren

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Lenz im Kerbst.

Novelle von Moritz von Neicheubach.

(Fortsetzung.)

VIII.

Wieder war eS ©erbst geworden. Wieder standen die großen, glänzend weißen Schwämme im Schatten der Fichten und die Sonne durchleuchtete das Laub der Buchen so golden, daß die einzelnen gelben Blätter darin wie Blüthen und nicht wie welkes Laub aussahen.

Lebrecht Heidolf hatte auf der Rückkehr von einer seiner Forstwanderungen den Baumstumpf am Wiesenrande ausgesucht und saß nun dort mit zu­friedenem Lächeln, dem Spiel der Sonnenlichter im Buchengrün zusehend. Ja, nun ist es doch auch in meinem Herbst noch einmal Lenz geworden," dachte er. »Die kleine Frau hat mir den Sonnen­schein wieder iu's Haus gebracht. Gut war es nur, daß ich mich damals nicht an den Widerspruch der Verwandten kehrte. Ja, mau muß nur selbst wissen, was man will. Die anderen geben sich dann. »Freilich etwas kühl ist die Maria gegen uns ge­blieben und das wurmt mich manchmal, aber" er streichelte den braunen Jagdhund, der seinen Kopf aus die Kniee seines Herrn gelegt hatte.

Nicht wahr, wir sind doch so zufrieden, wie ein paar alte Burschen, wie wir, es nur werden konnten," sagte er und der Hund sah ihn schweif- wedelnd an, als stimmte er ihm zu.

Da kam ein eiliger Schritt über das raschelnde

Laub daher, ein helles Kleid schimmerte durch die Büsche. Lebrecht blickte auf.

»Wahrhaftig, es ist die kleine Frau Kind, wo kommst Du her? Und so erhitzt."

»Mein Gott, Lebrecht, hier sitzest Du nun ganz ruhig," rief Karola, »und Du hattest doch ver­sprochen, bald nach Hause zu kommen, und ich er­warte Dich und ängstige mich."

»Aengstigst Dich s Aber Du Kind Du, was ist denn da zu ängstigen s"

»Man lieft doch so viel Geschichten von Wild­dieben."

»Bei uns giebt es kaum welche l"

»Gleichviel, aber ich sehnte mich so nach Dir, ich hielt es nicht mehr aus in dem einsamen Hause und kam Dir entgegen. Und da fitzest Du nun und denkst wahrscheinlich an Deine Herbst­pflanzungen und nicht an mich."

»Siehst Du, wie Du mir Unrecht thust. Jetzt gerade habe ich an Dich gedacht könnte der Nimrod reden, er müßte bezeugen, daß ich sogar laut gedacht habe."

»Ja, der Nimrod, der ist immer bei Dir, den hast Du eigentlich doch lieber als mich!"

»Kleine, unruhige Thörin Du, es fehlt nicht viel, so wird sie auf den Hund eifersüchtig sein."

»Nun sage, daß Du mich mehr liebst als den Nimrod und mehr als alles, alles andere!" rief sie, die Arme um seinen Hals schlingend. Er machte sich sauft los.

»Aber Kind, was find das sür.sThorheiten."

Zahl von Obststämmchen als 10 Stück, findet nur bei unmittelbarer Abhoiung in der Baumschule und gegen Baarzahlung statt.

2. Nach Anordnung des Landes-Directors werden zur weiteren'Ausbildung des ständischen Landstraßen- bau-Personals, von dem Odergärtner:

a. besondere Lehrkurse in den verschiedenen Veredelungsmethoden bezw. zur Förderung des Verständnisses und Interesses für Obstbaumzucht, in der Baumschule zu Breitenau, mit 4 bis 6tägiger Dauer und

b. gelegentlich der Revisionen der ständischen Straßenpflanzungen und kleineren Baumschulen, zu einer jedesmal vorher bekannt gemacht werden­den Zeit, an verschiedenen Orten der zur Bereifung bestimmten Kreise, practische Unterweisungen, ver­bunden mit theoretischen Belehrungen, über Pflan­zung, Behandlung und Pflege, sowie Schnitt der Obstbäume alljährlich abgehalten werden.

Ortswege- und Baumwärtern der Gemeinden, sowie auch Privatpersonen ist die unentgeltliche Theilnahme an diesen Kursen und Unterweisungen gestattet und sind desfallsige Anträge zu a. an den Obergärtner zu Breitenau und zu b. an den Wege­bau-Aufseher des betreffenden Bezirks zu richten.

3. Anträge zur Besichtigung bereits angelegter Pflanzungen und Baumschulen oder zur Ertheilung von Rathschlägen und örtlicher Besichtigung des Terrains behufs Anlage von solchen, durch den Obergärtner gelegentlich dessen Dienstreisen, werden bereitwilligst Gewährung finden, wenn dieselben bei dem betreffenden Landesvau-Jnspector so zeitig gestellt werden, daß eine Berück ichtigung bei Auf­stellung der Reiseroute möglich ist und der ständi­schen Verwaltung dadurch keine besonderen Kosten erwachsen.

4. Wünsche von Vereinen und Gemeinden, welche das Halten von Vorträgen:über Obstbaumzucht, sowie Gewinnung und Verwerthung des Obstes" I zu bestimmten, mit dem Aufenthalte des Obergärt­

ners in der betreffenden Gegend nicht zusammen- fallenden Zeiten oder aber eine gründliche, längere Zeit erfordernde Ausbildung von Baumwärtern in der Baumschule zu Breitenau bezwecken, sind zu­nächst an den Obergärtner zu Breitenau zu richten, welcher die Entscheidung des Landes-Directors, ob dieselben nach den obwaltenden Verhältniffen ge­nehmigt werden können, einzuholen hat.

5. Für Dienstleistungen, welche der Obergärtner im Interesse von Gemeinden, Vereinen oder Priva­ten ausführt und für welche ihm aus ständischen Fonds keine Tagegelder und Reisekosten gewährt werden, ist ihm gestattet, dergleichen bis zum Maximalbetrage der ihm von der ständischen Ver­waltung zugebilligten Sätze beanspruchen zu können, ohne daß hierdurch eine etwa anderweite Verein­barung bezw. freiwillige Honorirung ausgeschlossen sein soll.

Cassel, den 6. April 1887.

Der Landes-Director von Hundels hausen.

Hersfeld, den 19. April 1887.

Wird veröffentlicht.

4069. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Aus den Parlamenten.

Berlin, 19. April. Der Reichstag erledigte in feiner heutigen ersten Sitzung nach den Osterferien zunächst die Berathung der Darlegung der Anordnungen, welche von der Königlich preußischen und der grobherzoglich heflischen Regierung auf Grund des Socialistengesetzes über Stettin und Umgegend bezw. Offenbach und Umgegend getroffen worden. Nur die Abgg. Sabor und Singer (Soc.-Dem.) bemängelten die getroffenen Maßnahmen, und der Letztere namentlich gab dem heflischen BundeSbevoll« mächtigten Veranlassung, die Behauptung zurückzuweisen, daß die Maßregel betreffend OffenbachS nur ein politische» Manöver zwecks Herbeiführung besserer Wahlen gewesen sei. Im Uebrigen wurde die Darlegung sür erledigt er klärt, ohn« daß namentlich der preußische Minister de« Innern v. Puttlamer sich veranlaßt gesehen hätte, in die

»Ich bin kein Kind mehr! Sage mir, daß DU mich liebst!"

Lebrecht schüttelte lächelnd den Kopf. »Da steh Dir einmal deine Frau Oberförsterin an, Nimrod, ist sie wohl eine vernünftige Frau? Seit sechs Wochen verheirathet und verlangt noch, daß ihr alter Mann ihr eine Liebeserklärung machen soll. Komm, Schatz, gieb mir den Arm und laß uns nach Hause gehen."

Karola legte den Arm in den seinen. In ihren Augen flimmerte es wie von aussteigenden Thränen, doch sie biß die kleinen weißen Zähne fest auf die Unterlippe und drängte die Thränen zurück.

»Sieh', da blüht wahrhaftig eine Kastanie zum zweiten Mal," rief Lebrecht plötzlich, auf einen Baum weisend, zwischen dessen dunklem Laube sich einige weiße Blütheustengel emporhoben, »Lenz im Herbst siehst Du, Kleine, daran dachte ich gerade, als Du kamst?"

»Daran? Oh mir thut der Baum leid, weil er sich so in der Jahreszeit täuscht. Aus all seinen Blüthen wird ja doch nichts mehr. Ich finde das gar nicht lustig."

»Nicht? Aber in was für einer sonderbaren Stimmung bist Du denn, Kleine?"

Er bog einen der blühenden Zweige Herab. »Da, ich will ihn festhalten, nimm Du die Blüthen, Du wirst schon sehen, daß sie recht lustig aus­schauen, wenn wir sie zu Hause in eine Vase stecken." Karola Pflückte schweigend die weißen Blüthen.

»Arme Dinger!" murmelte sie dabei.