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lersftlfttr Kreisdliltt.

Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIllustrirtes Interhattungsötatt".

Nr. 46.

Dienstag den 19. April

1887.

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Amtliches.

Der Herr Ober-Präsident hat unterm 27sten V. Mts. zu der von dem Vorstände des Hes­sischen Diakonissenhauses bei Cassel beabsichtigten Verloosung der zu diesem Zwecke geschenkten Bilder, Holz- und Glasmalereien, Schnitzereien, Handarbeiten u. s. W. im Gesammtwerthe von 600 bis 800 Mark die Genehmigung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 4000 Loose ä 50 Pfg. ausgegeben werden und daß deren Vertrieb auf den Umfang des Regierungs­bezirks Cassel beschränkt bleibt.

Cassel, den 2. April 1887.

Der Rcgierungs-Präsident. Rothe.

Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachun­gen vom 9. September und 15. November v. I. (Amtsblatt de 1886, Nr. 42, Seite 210, bezw. Nr. 51, Seite 253) bringe ich hiermit zur öffent­lichen Kenntniß, daß der Herr Oberpräsident die Frist zum Vertriebe von Loosen zu der von dem Herrn Oberpräsidenten der Provinz Pommern dem Komitee zur Erbauung einer Lutherkirche in Stettin gestatteten Ausspielung von Gold- und Silbersachen bezüglich der Provinz Hessen-Nassau bis zum 12. Mai d. I., als dem anderweit fest­gesetzten Ziehungstermin, verlängert hat.

Cassel, den 4. April 1887.

Der Regierungs-Präsident.

I. V.: S ch w ar z e n b e r g.

Der hinter dem Dienstknecht oder Schäfer Hein­rich Roll aus Fischbach am 30. März 1887 diesseits erlassene Steckbrief ist durch Ergreifung erledigt und wird zurückgezogen.

Cassel, den 15. April 1887.

Der Königliche Erste Staatsanwalt.

I. A.: Chuchul.

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Lenz im Kervst.

Novelle von Moritz von Reichenbach. (Fortsetzung.)

»Du armer Kerl hast es gestern entgelten müssen, daß sie deinen Herrn quälten,* sagte er,du trägst mir's aber nicht nach, nicht wahr? Und ich will's ihnen auch nicht nachtragen. Komm, wir gehen jetzt in den Wald, da gehören wir beide hin und da thut uns keiner was zu Leid.

Der Hund, der ihn mit seinen klugen Augen angesehen hatte, als ob er ihn verstände, sprang an ihm in die Höhe und bellte mit einem eigen­thümlichen kurzen, vergnügt klingenden Ton. Beide verließen das Haus und verschwanden bald daraus im Walde.

So sehr Lebrecht auch den Wunsch hatte, das, was ihn quälte, in dieser Morgenstunde zu ver­gessen seine Gedanken blieben hartnäckig daran hängen, es schien ihm aber, als obste klarere und bestimmtere Formen hier draußen annähmen als im dumpfen Zimmer und am Ende sagte er laut vor sich hin:

»Nein es bleibt doch dabei.' Ich behalte die Karola, die Leute haben keine Ursache zu reden und das, was sie ohne Grund thun, soll mich nicht kümmern. Er athmete erleichtert auf, als habe er eine schwere Last, die er bisher geschleppt hatte, abgeworfen.

Da machte der Hund plötzlich ein paar Sätze und schlug kurz an. Lebrecht blickte auf. »Ka-

NEtische Nachrichten.

(Deutschland.) Im Laufe des Sonnabend Vormittags nahm Se. Majestät der Kaiser zu­nächst den Vortrag des Grafen Perponcher ent­gegen, hatte eine Conferenz mit dem Grafen Otto zu Stolberg-Wernigerode, welcher nach dem Oster­feste aus Wernigerode mit seiner Familie nach Berlin zurückgekehrt ist, und empfing den Gene- ral-Quartiermeister der Armee Graf v. Wälder- see. Mittags arbeitete Allerhöchstderselbe längere Zeit mit dem Chef des Militär Cabinets, von Albedyll, und unternahm darauf eine Spazierfahrt.

Die Verlobunz der Erzherzogin Margarethe Sophie mit dem Prinzen Friedrich August von Dachsen, Sohn des Prinzen Georg, soll in nächster Zeit bevorstehen.

Ob der Prinz-Regent von Bayern den Königs­titel annehmen oder die Regierung in jetziger Form, die von der bayrischen Verfassung aller­dings nur für Fälle vorübergehender Regie­rungsunfähigkeit des Königs in Aussicht genommen ist, fortführen wird. Hängt lediglich von dem Aus­falle der bevorstehenden basischen Landtagswahlen ab. Die ultramontane Partei soll für Fortbestand der Regentschaft sein; dazu müßten aber einige Verfassungsänderungen vorgenommen werden, nach welchen sich die Befugnisse des Regenten mehren. Eine solche Aenderung, zu der im Landtage eine Zweidrittel-Mehrheit erforderlich ist, ist aber wieder nach der Verfassung während der Dauer einer Regentschaft unzulässig.

Der B u n d e s r a t h hat in seiner Freitags­sitzung den Gesetzentwurf betr. Feststellung eines Nachtrags zum Reichshaushallsetat für 1887/88 und betr. den Entwurf eines Gesetzes wegen Aus­nahme einer Anleihe für Zwecke der Verwaltungen des Reichsheeres genehmigt.

Die Polizeidirection zu M e tz hat verordnet, daß Privatanzeigen, welche zur Anheftung als

rola,' rief er erstaunt, »was machst Du denn hier, zu dieser Stunde?"

Sie war von dem Baumstumpf, auf dem sie gesessen hatte, aufgesprungen, und obgleich sie die Augen niederschlug, sah Lebrecht doch, daß sie ge­weint hatte.

Ich, ich konnte nicht mehr schlafen I' stotterte sie,und mir war so bange im Hause und draußen war es so schön*

Bange war Dir, Karola? Aber weshalb denn?'

Sie antwortete nicht, bückte den Kopf noch tiefer und Lebrecht sah, daß eine Thräne auf ihre Hand herabfiel.

Ein plötzlicher Verdacht durchzuckte ihn und das Blut stieg ihm bei dem bloßen Gedanken heiß in die Schläfen.

Hat man Dir etwas gesagt? Hat man Dir etwas zu Leide gethan?"

Karola verlor die Fassung, die sie bisher müh­sam behauptet hatte. -Sie ließ sich auf den Baum­stumpf zurückfallen, preßte beide Hände vor ihr Gesicht und schluchzte. Unwillkürlich trat er näher heran und legte die Hand auf ihre Schulter.

Kind, Kind, beruhige Dich, antworte auf meine Frage! Hat man Dir etwas zu Leide gethan?"

Ach nein", schluchzte sie, aber ich weiß doch, daß ich nirgends hin gehöre, baß mich Niemand gern hat, und daß ich ganz, ganz allein in der Welt stehe. O, und das ist so traurig, zum Sterben traurig."

Lebrecht war erschreckt und gerührt über diesen

Plakate in den Straßen bestimmt sind, in Zukunft nur dann zur Anheftung werden zugelassen wer­den, wenn sie in deutscher Sprache abgefaßt sind. Es ist gestattet, dem deutschen Text eine franzö­sische Uebersetzung hinzuzufügen, doch muß das Deutsche stets die erste Stelle einnehmen.

Zur koburgischen Erbfolge bemerkt die Magd. Ztg.", daß alle Nachrichten, welche von irgend welcher Verzichtleistung des Herzog von Edinburg auf den Thron von Sachsen-Koburg zu Gunsten seines Sohnes wissen wollen, von bestunterrichteter Stelle als völlig unglaubhaft bezeichnet werden.

Aus den Reichslanden geht derKreuzztg." die Nachricht zu, daß Seitens Frankreichs Ansamm­lungen von Eisendahnmaterial auf der Ostbahn aufgegeben seien. Der Zusammentritt der franzö­sischen Kammern, welche im Anfang Mai zu er­warten ist, werde wohl endgültig über das Schick­sal Boulangers entscheiden, wenn nicht be­sondere und uneruirtete Ereignisse ibm noch zu Hilfe kommen.

Die Nachricht, daß die deutsch? Heeresverwaltung das Geheimniß und die Construction eines lenk­baren Luftballons, von der vierfachen Geschwindig­keit eines Courierzuges, für den Preis von einer Million Mark und unter Zusicherung der Zahlung der Zinsen dieser Million für eine Reihe von Jahren an den Erfinder, von einem rheinischen Ingenieur erworben habe, bestätigt sich, wie die B. Börs.-Ztg." hört, in keinem Punkte.

Eine Anzahl von Kellnern hat an den Reichstag eine Petition gerichtet, in welcher beantragt wird, es möge bestimmt werden, daß dieHotel- und Restaurant-Angestellten" Seitens der Behörden nicht mehr als Dienstboten, sondern als Gewerbe- gehilfen angesehen werden möchten.

(E n g l a n d.) Dem Parlament wurde eine Statistik der in den letzten Jahren in Irland ver­übten agrarischen Verbrechen vorgelegt. Im Jahre

leidenschaftlichen Ausbruch eines Gefühls, das er als berechtigt anerkennen mußte, das er aber bet Karola nie vermuthet hatte. Er war überzeugt, daß dasselbe in ihr durch seine Verwandten erregt worden war, und es war ihm, als habe er irgend ein Unrecht gut zu machen, das ihr wider­fahren sei. Er setzte sich neben sie auf den Baum­stumpf, und da er ihr nichts zu sagen wußte, strich er leise liebkosend über ihren Scheitel.

Sei ruhig, mein Kind, Du machst Dir un- nöthig schwere Gedanken!"

Sie schluchzte herzbrechend.

Er legte den Arm um ihre Schulter und ver­suchte eine ihrer Hände, die sie vor das Gesicht gedrückt hielt, herabzuziehen.

Sei ruhig, Karola, komm, sieh mich an, Du glaubst doch, daß ich es gut mit Dir meine?"

Sie ließ plötzlich ihre Hände herabsinken und wandle ihm ihr thränenfeuchtes Gesicht zu. Eine seltsame Bewegung bemächtigte sich seiner, als er ihre Augen mit einem so eigenen, tiefinnigen Blick aus sich gerichtet und ihren kleinen, rothen, von Schmerz zuckenden Mund so dicht vor sich sah, daß ihr Athem seine Wange berührte. Waren nun die Augen oder der Mund schuld daran oder war es die Waldeinsamkeit, die sie vereinte, Lebrecht zog sie dichter an sich und küßte sie.

Mein armes, liebes Kind, fühlst Du nicht, daß I ich Dich halten und schützen werde, fühlst Du nicht, daß Du nicht einsam bist?"

Ja, da waren sie wieder, die rothen Lippen und er berührte sie wieder, länger und inniger als das