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Mit Wöchentlicher Kratis-Weilage „Illustrirtes Zlnterhattungsölatt".
Nr. 45. Sonnabend den 16. April 1887.
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auf das „Hersfelder Kreisblatt" mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrirtes UnterhaltungsBlatt" pro zweites Quartal 1887 werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
In Ausführung eines von dem Bundesrathe am 5. November 1885 gefaßten Beschlusses wird von den unterzeichneten Ministern für Handel und Gewerbe und des Innern aus Grund des §. 136 al. 3 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung Dom 30. Juli 1883 für die Provinz Hessen-Nassau die nachstehende
P o l i z e i v e r o r d u u u g, betreffend die Verhütung der Gefährdung militärischer Pulvertransporte, erlassen:
Wagenführer, Schiffsführer, Reiter und andere Personen haben den an sie von den Begleitcom- mandos militärischer Pulvertransporte behufs Verhütung der Gefährdung der Transporte gerichteten Aufforderungen zu Handlungen oder Unterlassungen insbesondere zu langsamen Vorbel- passiren, zum Ausweichen, zum Unterlassen von Tabackrauchen, zum Auslöschen von Feuer — ungesäumt Folge zu leisten.
Zuwiderhandlungen werden — unbeschadet des nöthigensalls von den Begleitcommandos zur Anwendung zu bringenden unmittelbaren Zwanges — nach §. 367 Nr. 5 des Strafgesetzbuchs bestraft. Die den gleichen Gegenstand betreffenden Polizeiverordnungen der Königlichen Regierung zu Cassel vom 8. April 1886 und der Königlichen Regierung
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Lenz im Kerbst.
Novelle von Moritz von Reichenbach. (Fortsetzung.)
Frau Marias Blick flog prüfend über sie hin, dann reichte sie ihr die Hand und sprach ein paar Worte, während ihr Mann sich stumm verbeugte und im Uebrigen keine Notiz von Karola nahm.
Als Karola am Abend dieses Tages allein in ihrem Zimmer war, dachte sie, daß die Gäste lieber hätten fortbleiben können, und eS war ihr, als ob mit denselben etwas ihr Feindliches in das Haus gezogen wäre. Frau Maria war zwar nicht unfreundlich gewesen, und auch ihr Gatte hatte nichts gesagt oder gethan, wodurch Karola sich hätte zurückgesetzt fühlen können. Dennoch war ihr zu Muthe, als sei sie gescholten worden, und sie dachte zum ersten Mal ernsthaft darüber nach, welche Stellung sie doch eigentlich in dem Forsthause einnehme. Was war sie denn, und wie kam sie hierher? Der Oberförster hatte sich ihrer angenommen, er war es, der sie hierher gebracht, und der sie zu dem gemacht hatte, was sie war. Ihm verdankte sie alles, und wenn er heute seine Hand von ihr zurückzog, konnte sie auf der Straße verhungern, oder mußte fremden Leuten dienen, um ihr Brod zu erwerben. Ja, sie war ganz etwas anderes, als z. B. eine Dame, wie Frau Maria, oder als ihre Freundinnen aus der Pension, die ihre Eltern und ihre Häuslichkeit hatten, in -er sie als Kinder vollberechtigt weilten. Freilich,
zu Wiesbaden vom 5. April 1886 treten außer Kraft.
Berlin, den 19. März 1887.
Der Minister für Handel Der Minister des Innern, und Gewerbe. Im Auftrage:
J. Vertr.: M agdeburg. vonZastrow.
Bekanntmachung.
Die Interessenten der Hessischen Brandver- sicherungs-Anstalt werden auf die Vorschriften in den §§. 33 und 34 des Reglements vom 19. März 1880 aufmerksam gemacht, nach welchen die Versicherten verpflichtet sind, von jeder Aenderung eines versicherten Gebäudes in seiner Bauart oder Benutzungsweise, welche auf die Klassifikation von Einfluß ist, binnen 4 Wochen Anzeige zu erstatten.
Die Versicherten werden ersucht, diese Anzeigen künftig direct an die Hessische BrandversicherungsAnstalt zu Cassel, welche in diesem Falle auch die etwaigen Kosten der Revision zu tragen hat, einzusenden. . Cassel, den 24. März 1887.
Der Landes-Direktor.
’ Hersfeld, den 13. April 1887.
Die Herren Bürgermeister zu:
Kleinensee, Widdershausen, Leimbach, Heringen, Lengers und Philippsthal mache ich, unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 25. April 1884 - abgedruckt im Kreisblatt Nr. 51 — darauf aufmerksam, daß am 1. Mai c. die Begehung der Landesgrenze stattzufinden hat.
3926. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Uslitische Nachrichten
(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser ziehen, wonach die Regierung gezwungen ist, die nahm am Donnerstag Vormittag den Vortrag des j Bürgermeister aus der Mitte der Gemeinderaths- Grafen Perponcher entgegen und arbeitete darauf1 Mitglieder zu ernennen.
das alles war ja nichts Neues, sie hatte das doch längst gewußt — aber sie hatte sich in den letzten Jahren daran gewöhnt, den Herrn Oberförster als einen Menschen anzusehen, der für sie sorgen würde und sorgen müßte; sie hatte ihn verehrt wie eine Art von Schutzgeist, so lange sie ihn nicht sah. Und seit sie in seinem Hause war, fühlte sie sich so sicher geschützt von seiner starken Mannes- Hand, und empfand sie so deutlich, daß auch sie ihm etwas sein konnte, daß sie über nichts weiter nachgedacht hatte. Heute aber fühlte sie sich bedrückt und beschämt, es kam ihr vor, als fragten sie die Verwandten des Oberförsters .was willst, was suchst Du hier?" und als könnte sie ihnen keine Antwort darauf geben. Sie saß zusammengekauert in ihrem Zimmer und dachte und dachte — und konnte doch keinen Ausweg aus all den traurigen Gedanken finden, die auf sie einstürmten.
Nur eins wußte sie plötzlich: daß sie sehr, sehr unglücklich war. Diese Empfindung überkam sie mit solcher Gewalt, daß sie in Thränen ausbrach.
Sie weinte sich an diesem Abend in den Schlaf, wie ein Kind, dem man sein Lieblingssptelzeug zerbrochen hat.
Inzwischen saß Lebrecht noch mit Schwester und Schwager in seinem Zimmer, und die tiefe Falte zwischen seinen Augenbrauen zeigte an, daß das angeregte Gesprächsthema durchaus nicht nach seinem Geschmack war.
.Du mußt Dir doch klar machen, daß dieses Verhältniß aus die Dauer unmöglich ist,* sagte
längere Zeit mit dem Chef des Militär-CabinetS v. Albedyll. Am Nachmittage unternahm Aller- Höchstderselbe wieder eine Spazierfahrt. Nach der Rückkehr hatte Se. Majestät eine längere Con- ferenz mit dem Staatssecretär des Auswärtigen Grafen Herbert Bismarck.
Die Kronprinzliche Familie ist am Donnerstag von Berlin zu längerem Aufenthalt nach Ems übergestedelt.
Minister v. Puttk am er, der gegenwärtig zur Erholung in Italien weilt, ist am Mittwoch vom Papst empfangen worden.
Der Bundesrath hat seine Thätigkeit wieder ausgenommen, am Donnerstag aber noch keine Plenarsitzung abgehalten, um erst den Ausschüssen Zeit zu Berathungen zu laffen.
Die Zustimmung des Bundesraths zu der neuen Branntweinsteuervorlage soll durch vorherige Verständigung unter den Regierungen bereits so weit gesichert sein, daß die Erledigung der Angelegenheit dort in ganz kurzer Frist zu erwarten ist. Es ist Aussicht vorhanden, daß die Vorlage noch in der nächsten Woche an den Reichstag kommt. Zur Wiedereröffnung der Reichstagssitzungen wird die Rückkehr des Reichskanzlers aus Friedrichsruh erwartet.
Ueber dieKonzessionen für Gast- und Schankwirt h s ch a f t e n sind in den Einzelstaaten durch die Reichsregierung Erhebungen angeordnet worden. In den letzten Tagen des März hat der Kanzler Bericht über die Ergebnisse dieser Erhebungen eingefordert.
Eine Novelle zur elsässischen Gemeindeordnung soll nach der .Cöln. Ztg." dem Reichstag möglichst bald vorgelegt werden. Die wichtigste Neuerung wird sich auf die Beseitigung des Artikels 1 des französischen Gesetzes vom 22, Juli 1870 be
ziehen, wonach die Regierung gezwungen ist, die
Frau Maria mit erregter Stimme, .was sollen die Leute davon denken I*
»Was die Leute denken oder sagen könnten, ist mir mein Lebenlang ganz gleichgültig gewesen/ erwiderte Lebrecht. .Ich selbst denke, daß ich ein gutes Recht dazu habe, ein Kind, das ich aus dem Elend gerissen und an mein Herz genommen habe, auch wirklich als mein Kind zu betrachten!"
.Die Karola ist aber kein Kind mehr, sondern ein erwachsenes und, was die Sache noch verschlimmert, ein auffallend hübsches Mädchen!"
.Ja, wahrhaftig, eine schöne Person geradezu," schaltete der Schwager ein.
.Ist es etwa ein Unrecht, daß sie hübsch ist, oder kann ich dafür?" brauste Lebrecht auf. .Und wenn sie häßlich wie der Teufel geworden wäre, nachdem ich einmal beschlossen .hatte für sie zu sorgen, würde ich es gethan haben. Ich habe sie wie meine Tochter erziehen lassen und meine Tochter soll sie sein!"
.Aber liebster Bruder, stelle Dich doch einmal mit der Karola vor einen Spiegel und sage dann selbst, ob Ihr wie Vater und Tochter aussehet!"
.Ja, wahrhaftig, Schwager, Maria hat Recht!" .Ein hübsches Paar," muß jeder sagen, der Euch sieht, wenn man aber die Vorgeschichte der Karola kennt, wie wir, so muß man es doch natürlich finden, daß wir sie uns nicht gerade zur Schwägerin wünschen." Unter den zusammengezogenen Brauen blitzten Lebrechts Augen den Schwager an. Frau Maria schnitt die Entgegnung, die sie auf des Bruders Gesicht zu sehen glaubte, ab, indem sie sagte;