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jnsftUn Kreisbllitt.

Mit wöchentlicher Kratis-AeilageMustrirtes Anterhaktungsölatt".

Nr. 44.

Donnerstag den 14. April

1887.

Besteümtgen

auf dasHersfelder Kreisblatt" mit der wöchentlichen BeilageJllustrirtes Uuterhaltuugs- Blatt" pro zweites Quartal 1887 werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriesträgern und von der Expedition ange­nommen.

N-titische Nachrichten.

(Deutschland.) Die Allerhöchsten und die Höchsten Herrschaften waren am ersten Osterfeier- tage Vormittags 11 Uhr zum Gottesdienste im Königlichen Palais vereint. Am Mittag desselben Tages empfing Se. Majestät der Kaiser die neuernannten Gesandten der amerikanischen Re­publiken Ecuador und Guatemala in Antritts­audienz.

Se. Kaiser!. und König!. Hoheit der Kron­prinz, welcher sich mit seiner Familie zur Kur nach Ems begiebt, wird daselbst auf den dringen­den Rath der Aerzte sehr zurückgezogen leben und weder Audienzen ertheilen, noch Besuche empfangen. Für die Dauer des Aufenthalts des Kronprinzen in Bad Ems sind zunächst 4 Wochen in Aussicht genommen worden.

Der Herzog von Edinburgh, der präsumtive Thronfolger von Sachsen-Coburg-Gotha, soll auf diese Thronfolge zu Gunsten seines Sohnes, des Prinzen Alfred, der eine deutsche Erziehung ge­nossen hat, verzichtet haben.

Die durch die Militäroorlage angeordneten Neu- sormationen im deutschen Heere sind jetzt überall vollendet und sind dem Kaiser die bezüglichen Mel­dungen der Commandobehörden über deren Fertig­stellung in diesen Tagen zugegangen.

Die Novelle zu dem Gesetzentwurf betreffend

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Lenz im Kerbst.

Novelle von Moritz von Reichenbach.

(Fortsetzung.)

Jetzt, am späten Abend?'

Sie wies lächelnd hinaus:

Sehen Sie doch nur wie herrlich dieser Abend ist, und wie hell. Wirklich einen solchen Vollmond wie heut', habe ich noch nie gesehen mir ist überhaupt, als schiene der Mond in der Stadt nicht so hell als hier.'

Dabei waren sie beide vor die Thür getreten.

Nicht wahr, wir gehen 2" schmeichelte Karola, denken Sie nur, wie entzückend es sein muß, jetzt über das Feld zu gehen. Alles sieht wie versilbert aus o, wie Ichön, wie schön ist es doch hier!'

Und sie gingen. , u

Ja, es war wirklich schön draußen, zwischen den stillen, mondlichtübergossenen Feldern. Weiße Nebelstreisen zogen geheimnißvoll am Waldrande hin, und aus der Wiese war es so licht, daß man die Blumen am Wegrande unterscheiden konnte. Jetzt hatten sie die Kirchhossmauer erreicht.

Wollen wir denn wirklich hineingehen fragte Lebrecht.

Bitte, bitte!' erwiderte sie. , r

Er öffnete die Pforte so leise und behutsam, als gelte es den Schlaf derer, die dort unter dem Rasen ruhten nicht zu stören, und trat mit Ka- rola ein.

,Wo ist es 8* fragte sie und dampfte unwill­

die Unfall- und Krankenversicherung landwirth- schaftlicher Personen, welche seitens der badischen Regierung im Bundesrath eingebracht worden ist, umfaßt einige Zusatzbestimmungen technischer Art, durch welche es erleichtert wird, die Kosten der landwirthschaftlichen Unfallversicherung nach Maß­gabe der Grundsteuerbeträge auf die versicherungs- pflichtigen Personen umzulegen.

In den Bestimmungen über die Fremdenpolizei für Elsaß-Lothringen ist eine weitgehende Aen­derung getroffen worden. Nach einer früheren Verfügung hatte ein jeder, welcher der französischen Armee angehörte, oder zu derselben in Beziehungen stand, sobald er in Elsaß-Lothringen längeren oder kürzeren Aufenthalt nahm, hierzu von der Polizeibehörde eine Aufenthaltsgenehmigung einzu- holen. Jetzt soll hierzu jeder Franzose verpflichtet sein. Diese Bestimmung, die auf die im Lande sich zur Zeit aufhaltenden Franzosen keine An- Wendung finden soll, trat mit dem 10. d. in Kraft.

(Oesterreich-Ungarn.) Eine Letheill- gung an der Pariser Ausstellung ist auch von Oesterreich-Ungarn abgelehnt worden.

(Frankreich.) Der französische Consul in Massauah, dem die Italiener nie recht trauten, ist nun von seiner Regierung abberufen worden. Die italienischen Vorposten hatten nämlich Briefschaften abgefangen, aus denen Hervorging, daß der Consul mit dem König von Abessinien Verhandlungen wegen eines französischen Protektorats geführt hatte. Das soll gegen den Willen der französischen Regierung gewesen sein, wahrscheinlicher ist aber, daß der Consul bloß als Sündenbock vorgeschoben ist.

(England.) Unweit Castlets-Land ist es der Polizei gelungen, eine 23 Köpfe starke Mondschein- lerbande dingfest zu machen. Mehrere der Verhaf­teten waren mit Revolvern und Gewehren be­waffnet.

(Rußlan d.) Am Mittwoch vergangener Bereinigungen Deutschlands. Die Tagesordnung Woche soll abermals in Petersburg ein Attentats-! dieses Verbandstages weist außer der Vorlage neu

kürlich ihre Stimme. Er zeigte ihr das Grab und beide stauben einige Augenblicke schweigend am Rande desselben. Die Fliederbusche auf den Gräbern dufteten fast betäubend. Leuchtkäfer zogen zwischen den blauen und weißen Dolden ihre Kreise, wie losgelöste Sternchen schimmerten sie bald hier bald dort, und eine Nachtigall lockte und klagte im dunklen Laube über den Gräbern. Karola wies auf die leuchtenden Käfer und flüsterte:

Das sind die Seelen der Todten!'

Lebrecht schüttelte den Kops.Was hat sie doch für phantastische Gedanken,' dachte er. Aber es gefiel ihm, daß sie etwas sagte, was ihm nie ein­gefallen wäre. Plötzlich begann die Glocke der Dorskirche zu läuten und zugleich fiel aus einer Kapelle ein breiter Lichtstrahl über den Friedhof.

Wie schade,' flüsterte Karola.

Sie kommen zur Maiandacht,' sagte Lebrecht und wies auf eine Schaar von Landmädchen, die jetzt durch die Kirchhofspsorte schritten und vor der Kapelle, gerade dort, wohin der breite Licht­strahl fiel, niederknieten. Dicht vor das Heiligen­bild, vor dem die Lampe brannte, trat jetzt ein Mann und begann ein Marienlied, in das die Mädchen- schaar sogleich einfiel. Karola begann leise mttzu- summen, Lebrecht unterbrach sie, ihm war, als dürfe man sie hier nicht sehen.

Komm nun,' sagte er und schritt Karola voran über den dunklen Theil des Kirchhofes. Sie folgte ihm schweigend; draußen aber aus dem Felde sagte sie r

versuch vereitelt worden sein. Ein Student und eine Frauensperson wurden auf offener Straße ver- haftet, die beide an dem Wege standen, den wenige Minuten später die Equipage mit dem Katserpaar passirte. Bei den Verhafteten sollen Sprengbomben vorgefunden worden sein. DemBerl. Tagebl." bleibt die Verantwortung für diese von ihm ge­brachte Sensationsnachricht.

(B a l k a n st a a t e n.) Die bulgarischen, aus Anlaß des Attentats auf den Rustschuker Prä- fetten Mantoff in Bukarest erhobenen Reclamatio- nen sind nicht fruchtlos geblieben. Wie berichtet wird, wird gegen die bulgarischen Flüchtlinge mit erhöhter Strenge vorgegangen und, sofern dieselben nicht zum Aufenthalte in Rumänien berechtigt sind, zu Ausweisungen geschritten.

Aus Hessen-Naffau.

Hersfeld, 13. April. Die soeben veröffent­lichten Mittheilungen über den gegenwärtiger Stand der Saaten in der preußischen Monarchj besagen über den Reg.-Bez. Cassel: Die Witter^ war den jungen Saaten nicht günstig; RogA undWaizen scheinen stark beschädigt und derRap^ fast völlig vernichtet zu sein. Die Saaten haben einen wenig versprechenden Stand, eine schlechte Farbe, die Pflanzen stehen locker im Boden und werden sich kaum wieder genügend bewurzeln. An der Frühjahrsbestellung hat nicht viel geschehen können, da der Boden eine Bearbeitung meist nicht zuließ.

Hersfeld, 13. April. In den Tagen vom 14. bis 15. Juni findet in Braunschweig der Elfte Deutsche Fletscher-Verbandstag statt. Der Deutsche Fleischer-Verband', der jetzt eine große Zahl von Fleischer-Innungen in allen Theilen Deutschlands vereinigt, gehört unstreitig zu den am weitesten verbreiteten und größten gewerblichen

Ich kenne auch ein deutsches Lied, in dem das Ave Maria vorkommt,' und als er schweigend wetterschritt, begann sie erst leise, dann mit immer vollerer Stimme zu singen:

Nun ist der laute Tag verhallt Und Frieden dämmert nieder, Der Abend fingt durch Flur und Wald Die leisen Schlummerlieder,

Die Luft durchzieht ein weicher Klang, Wie der Natur Gutnachtgesang

Ave Maria."

Das ist schön,' sagte Lebrecht als sie schwieg. Was hast Du für eine prächtige Stimme.'

Darf ich denn noch etwas singen, wenn wir nach Hause kommen 8' fragte sie schnell.

Freilich, gewiß darfst Du, wenn Du willst." O, ich will immer.'

Sie lief ihm voran in das Haus. Und sie sang, während Lebrecht am Fenster saß, seine Cigarre rauchte und in das Mondlicht hinaus- blickte. Er dachte, wie sonderbar es sei, daß die Karola, die dort sitze, so zu singen verstehe, und so wie eine richtige Dame auskähe, daß das die­selbe Karola sei, die er einst gefragt hatte, zu wem sie gehöre. Ein warmes, glückliches Gefühl überkam ihn bet dem Gedanken, daß er auf diese Frage nun selbst antworten konnte:Zu mir gehört sie und mein ist sie mein liebes Kind, mein Töchterchen,' setzte er unwillkürlich halblaut hinzu, als.habe Jemand einen Zweifel geäußert und er müsse diesemJemand' eine bestimmte unzweifelhafte Antwort geben.