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Htlsstliltr Kreisbliitt
_________Mit wöchentlicher Kratis-Weilage „Illustrirtes Ilnterhaktungsökatl"_________
Nr. 43. Sonnabend den 9. April 1887.
Ostern 1887.
Amtliche».
/Milde haucht des Zephyrs Wesen Und die Fluren und die Au'n Rüsten sich zum Auferstehen, — Welch ein wonnig Leben traun! Frühlingsgrün und Frühlingsdüfte Laben jede Creatur.
Lobgesang tönt durch die Lüfte Und auf jedes Pfades Spur.
Alles kommt und muß vergehen Nach der Sitte weisem Lauf, Denn mit jedem Auferstehen Treiben schön're Blüthen auf. Und Du willst in bangem Grauen Schauern an der Todesgruft, Wähnest nie den Tag zu schauen Den des Ew'gen Stimme ruft?
Leuchtend wird der Tag sich Hellen, Jener große Siegestag, Finsterniß muß rings zerschellen, Wie sie sich auch stemmen mag.
Sieh' Dein Meister in dem Grabe, Scheucht des Todes Schrecken fort, Führt mit sanftem Hirtenstabe Dich verklärt zum Friedensport!
Hör' die Osterglocken klingen! Fei're Ostern freudig heut! Laß Dir ernst zu Ohren dringen, Was Dir kündet ihr Geläut: „Auferste'hn, ja, auferstehen Wirst Du einst zu klarem Licht, Was Du dunkel hier gesehen, Ewig schau'n von Angesicht."
C. L ö w e.
Cassel, den 21. März 1887.
Der Herr Minister für Handel und Gewerbe hat durch Erlaß vom 5. d. Mts., E. 243, darauf aufmerksam gemacht, daß an denjenigen ländlichen Fortbildungsschulen, an welchen wöchentlich nur 4 Stunden ertheilt werden, der Unterricht auf Deutsch im Anschluß an das Lesebuch und Rechnen bezw. Raumlehre künftig zu beschränken, in der Geographie und Geschichte aber ein besonderer Unterricht und Zeichenunterricht überhaupt nicht zu ertheilen sei.
Zugleich hat derselbe aber auch dahin Anordnung getroffen, daß in Zukunft von der Eröffnung der einzelnen Schulen bei Beginn des Winters an denjenigen Orten abzusehen ist, an welchen sich nicht wenigstens 8 Schüler, von welchen mit Bestimmtheit anzunehmen ist, daß sie den -betreffenden Unterricht „dauernd" während 5 Monaten besuchen werden, bei Beginn desselben finden»
Ew. Hochwohlgeboren setze ich hiervon mit dem Ersuchen ergebenst in Kenntniß, den Schulvor- ständen der ländlichen Fortbildungsschulen im dortigen Kreise von vorstehenden Bestimmungen alsbald entsprechende Nachricht geben und mir künftig bis spätestens 1. Rovember eines jeden Jahres die Anträge auf Bewilligung von Remuneration für die Lehrer der ländlichen Fortbildungsschulen in der vorgeschriebenen Weise einzureichen.
Der Regierungs-Präsident.
In Vertretung: gez. Schwarzenberg.
An die sämmtlichen Herren Landräthe des diesseitigen Regierungsbezirks. J. A. II. 3606 II.
* * *
Hersfeld, den 1. April 1887.
Vorstehende Verfügung theile ich den König
lichen Herren Lokalschulinspectoren des hiesig^, Kreises zur gefälligen Kenntnißnahme und m^ dem ergebensten Ersuchen mit, mir bis zu^ 10. October eines jeden Jahre'-,i» unter entsprechender Ausfüllung des im Krei um blakt Nr. 87 de 1885 abgedruckten Formula.^ 5 entsprechenden Antrag auf Bewilligung von h0(h munerationen für die Lehrer der ländlichen F^« bildungsschulen gefälligst zukommen zu lassend—.
Diejenigen Herren Lokalschulinspectoren, deren Bezirk Fortbildungsschulen überha.251 nicht bestehen, wollen mir bis zum genann^d. I Tage eine Negativanzeige erstatten. Aa. I 3541. Der Königliche Landrath'„^,' |
Freiherr von Schleinij?0'' Hersfeld, den 7. April 188^ise I Diejenigen Herren Ortsvorstände des IjiefSöööt Kreises, welche noch mit Erledigung meiner ^1. ' fügung vom 24. September 1886 Nr. A. l^rtö* im Kreisblatt Nr. 114, die Einreichung ‘ speziellen Verzeichnissen über die in ihren Gemeinden befindlichen Hand- und spanndienstpflichtigen Personen betreffend, im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 20. d. Mts. erinnert.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 25. Februar 1887.
Zur Vornahme des diesjährigen Ersatz-Geschäftes für den Kreis Hersfeld sind folgende Termine bestimmt worden:
Montag den 18. April d. J.
von Morgens präcis H,8 Uhr ab Musterung der Militairpflichtigen aus der Stadt Hersfeld und den Landgemeinden Allmershausen mit Hählgans, Aua, Biedebach, Bingartes, Eich- Hof, Eitra, Friedlos, Gittersdorf, Heenes, Hil- Perhausen, Kalkobes, Kathus, Kohlhausen, Meck- bach, Mecklar und Meisebach.
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Lenz im Keröst.
Novelle von Moritz von Reichenbach. (Fortsetzung.)
An einem Frühlingsabend aber, als das junge Grün duftete und die Nachtigallen in den Büschen am Wiesenrand lockten, da dachte Lebrecht Heidolf plötzlich:
»Wenn mein Pflegetöchterchen zurückkehren wird, dann werde ich mit ihr diesen Weg machen, und sie wird sich an der stillen Schönheit des Waldes mit mir freuen."
Und je weiter die Zeit vorschritt, je öfter begann er seine einsamen Gedankengänge mit: »wenn mein Pflegetöchterchen heimkehren wird," so daß die Träumereien: »als meine Frau noch lebte" — darüber ganz in den Hintergrund gedrängt wurden.
Im Herbst sprach er auch mit Frau Zender über die Aenderungen, die er in Haus und Garten vornehmen wollte: »wenn die Karola heimkäme."
Frau Zender, die sehr schwerhörig geworden war, verstand ihn zuerst nicht. Als sie aber begriff, daß das Eckzimmer zum Frühjahr neu tape- zirt und mit frischen Gardinen und neuen Bezügen geschmückt werden sollte: »alles recht frisch und licht, wie es für so ein junges Mädchen paßt," da schüttelte sie wieder gewaltig den Kops und sah »ihren Oberförster" ganz eigen von der Seite an. Der lächelte aber in Gedanken vor sich hin, als sähe er schon das neue Zimmer und seine junge Bewohnerin vor sich, und merkte so wenig von
Frau Zenders Kopsschütteln — als wie er hörte, daß sie murmelte:
»Pflegetochter — Unsinn! Menn man ein so schöner, stattlicher Mensch ist, wie mein Oberförster, nimmt mamsich wohl eine junge Frau in'stzaus, wenn man's schon über's Herz bringen kann, die Verstorbene zu vergessen, aber eine Pflegetochter — Unsinn, sag' ich und nochmals Unsinn."
Sie hatte aber nicht mehr viel Zeit, den Kopf zu schütteln. Im Winter legte sie sich ein und als die Märzstürme über den Wald hin brausten, trug man sie auf den kleinen Kirchhof des Dörfchens hinaus und Lebrecht Heidolf stand an ihrem Grabe und murmelte: »wieder ein treues Herz weniger auf der Welt für mich I ja, ja, der Herbst ist da."
Einige Wochen später kam Karola zurück in das Forsthaus.
Lebrecht hatte sie nicht wiedergesehen in diesen drei Jahren; aber alle vier Wochen war ein Brief von ihr gekommen. Er hatte sich darüber gefreut, wie ihre Handschrift und ihre Ausdrucksweise Fortschritte gemacht hatten von Mal zu Mal und er wußte, daß sie ein verständiges Mädchen geworden war, mit dem er auch vernünftig würde sprechen können. Auch daß sie Flügelspielen und singen könne wußte er, und hatte das Piano, das seit dem Tode seiner Frau stumm geblieben war, für Karola stimmen und auipoliren lassen, daß es nun glänzend und wie nagelneu in dem Eckzimmer zwischen den frischen, bunten Vorhängen und Möbeln stand. In den Briefen hatte sie ihn
»Hochverehrter Herr Oberförster" angeredet und sich als »Ihre gehorsame und dankbare Karola" unterschrieben.
Als Lebrecht Heidolf zur Bahn fuhr, um ste abzuholen, überlegte er, ob er ihr gleich auf dem Heimwege sagen wollte, daß sie ihn »Papa" zu nennen habe, und ob er »Du* oder »Sie" für sie sein wollte. Darüber konnte er aber nicht recht mit sich einig werden. Für ihn war sie natürlich »Du" und »mein liebes Kind," denn so hatte er sie in allen Briefen angeredet; auf der Fahrt aber überkam ihn zum ersten Mal die deutliche Vorstellung davon, daß er mit dieser Anrede einem großen, erwachsenen Mädchen gegenüber treten würde, und dieser Gedanke hatte etwas Unheimliches für ihn.
„Ich denke, sie ist klein und schmächtig geblieben und wird noch recht kindlich aussehen," tröstete er sich. »Sie ist ja doch auch erst im Herbst 16 Jahre alt geworden, und mit 16Jahren ist ein Mädchen doch noch ein halbes Kind." Er trat auf den Perron hinaus und dachte daran, wie er Karola vor Jahren hier getroffen hatte. »Wohin reisest Du?" »Ich weiß es nicht." »Zu wem gehörst Du?' »Zu keinem," wiederholte er sich die Worte, die damals zwischen ihnen gewechselt worden waren, und das tiefe, innige Mitleid, das er damals empfunden hatte, war wieder ganz in seinem Herzen aufgelebt, als der Zug heranbrauste, der sie bringen sollte. Er hätte sich nicht gewundert, wenn das zarte Kindergesicht mit den großen, traurigen Augen, das damals unter