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Hersstliler Kreislillitt.
Mit wöchentlicher Kratis-Meilage „Illustrirtes IlnterhaltungsKlatt".
Nr. 41. Dienstag den 5. April 1887.
Bestellungen
auf das „Hersfelder Kreisblatt" mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrirtes UnterhaltungsBlatt" pro zweites Quartal 1887 werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
AmMchrs.
Verzeichnis
über das am 1. April 1887 bei Stürzung der dem Waisenhause zu Hersfeld gehörigen, in den hiesigen Gasthäusern 2c. befindlichen zum Ein- sammeln von Almosen bestimmten Armenbüchsen vorgefundene Aufkommen: 'Om^-Gasthaus zum Deutschen Haus 0,88 Mk. Im Gasthaus zum Löwen . . . 0,32 „ Im Vorsaal des hiesigen Amtsgerichts 1,81 „ zusammen 3,01 „
Der Waisenhausverwalter: Adams.
* * *
Hersfeld, den 2. April 1887. Wird veröffentlicht.
Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz.
Hersfeld, den 1. April 1887.
Die Nummerliste der verlooften Schuldverschreibungen der Staatsanleihen von 1850, 1852 und 1853, sowie diejenige der verlooften 3'/rProzen- tigen Staatsschuldscheine von 1842 liegen im Geschäftslocal des hiesigen Landrathsamtes sowie auch in den Geschäftslocalen der Königlichen
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Lenz im Keröst.
Novelle von Moritz von Reichenbach. (Fortsetzung.)
Jenseits der Waldblöße blitzten Lebrecht Heidolf die Lichter der Oberförsterei entgegen. Hundegebell klang von dorther und ein polnisches Lied, das der Stallbursche in abgebrochenen Sätzen sang.
Im Hotthor begegnete Lebrecht dem Schulzen und dem Schullehrer. Beide blieben grüßend stehen und entschuldigten sich, daß ste noch so spät den Herrn Oberförster stören müßten; aber es handelte sich um einen besonderen Fall.
.Der Herr Obersörster erinnern sich vielleicht noch der Wittwe Pander," begann der Schulze in polnischer Sprache und der Schullehrer fügte in seinem harten Deutsch erklärend hinzu:
.Das heißt, eigentlich hieß sie Fandrich und war auch nicht Wittwe." ■
Lebrecht nickte. Er erinnerte sich in der That. Seine Frau hatte vor Jahren einmal eine Person, welche von den Leuten mit diesem Doppelnamen genannt wurde, unterstützt. Grade des Doppelnamens wegen erinnerte er sich. Und nun fuhren Schulze und Schulmeister in polnisch-deutschem Durcheinander fort, ihm eine Armengeschichte zu erzählen, die ziemlich verworren war, aber doch das klare Ende hatte, daß man von irgendwoher, wohin es eigentlich nicht gehörte, das Kind der Pander alias Fandrich an die hiesige Gemeinde zur Erziehung überweisen wollte, weil die Mutter
Steuerkassen des Kreises den Inhabern zur Einsicht während der Dienststunden offen.
Zugleich mache ich auf die diese Nummerlisten betreffenden Bekanntmachungen der Hauptverwaltung der Staatsschulden vom 1. resp. 2. v. Mts. abgedruckt auf Seite 71 des Amtsblattes vom 23. v. Mts. aufmerksam.
3577. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Motttische Nachrichten.
(Deutschland.) Am Sonnabend Vormittag erledigte Se. Majestät der Kaiser Regierungs- angelegenheiten, nahm den Vortrag des Grafen Perponcher entgegen und empfing den kommandiren- den General des 9. Armeekorps, General Tresckow, welcher demnächst Berlin zu verlassen gedenkt. Mittags arbeitete Allerhöchstderselbe längere Zeit mit dem Chef des Militärcabinets v. Albedyll. — Die Genesung Sr. Majestät des Kaisers macht erfreuliche Fortschritte.
Se. K. K. Hoheit der Kronprinz wird gleich nach Ostern zum Kurgebrauch in Ems eintreffen.
Die Rückkehr Sr. K. Hoheit des Prinzen Leopold von seiner Reise nach Indien rc. wird für Ende nächsten Monats erwartet.
Der Cultusminister von Goßt er ist von der Königlichen Academie der Künste zum Ehrenmitglied ernannt worden.
Der Geburtstag des Fürsten Bismarck ist in größeren Städten, u. a. In Hamburg, festlich begangen worden.
Das Gesetz über die Verstaatlichung mehrerer P r i v a t b a h n e n ist veröffentlicht worden. Es betrifft dies die Berlin-Dresdener Eisenbahn (bis zur sächsischen Landesgrenze), die Nordhausen- Erfurter, die Oberlausitzer, die Aachen-Jülichcr und die Angermünder-Schwedter Eisenbahn.
Zu dem im Bundesrathe verhandelten Entwurf
nicht in Kattowitz, wie irrtümlich angenommen war, sondern am hiesigen Ort zuletzt zwei Jahre lang gelebt, mithin hier ihren Unterstützungswohn- sitz gehabt hatte.
Der Schulze schimpfte polnisch und der Schul- lehrer deutsch über diese Zumuthung, deren gesetzliche Berechtigung sie zwar kannten, der nachzu- kommen sie sich aber moralisch in keiner Weise verpflichtet fühlten, und die sie hofften, durch irgend einen Kniff von sich und ihrer Gemeinde abwälzen zu können.
»Weil wir die Person aus reiner Barmherzigkeit zwei Jahre lang gefüttert haben, sollen wir nun, nachdem sie sich wieder Jahre lang Gott weiß wo? Herumgetrteben hat, auch noch für das Kind sorgen — na das wäre schön," schrie der Schulmeister, der sich immer mehr in Elfer geredet hatte, .sind wir hier eine Colonie für Landstreicher ?"
Lebrecht Heidols sah die großen, thränenfeuchten Augen, die ihn auf dem Bahnhof so seltsam ange- blickt hatten, wieder vor sich und er wußte jetzt plötzlich, was es war, was jene Augen ihm zu sagen schienen und welche Erinnerung sich dabei in ihm geregt hatte. Wie hatte er das nur ver- gessen können l Es war ja sein Weib gewesen, das ihn auf jene Augen zuerst aufmerksam machte. Der Christbaum brannte damals, sein Weib hielt das kleine Mädchen an der Hand, strich ihm die wirren Haare aus der Stirn und sagte: «Sieh, Lebrecht, was sie für Augen hat, und wie sie sich freuen kann — ein liebes Kind ist das!"
beir. eine Anweisung zur Gewinnung, Aufbewahrung, Transport und Versendung von Thierlymphe, wurde beschlossen, die Bundesregierungen zu ersuchen, dieselben mögen veranlassen, daß über die Thätigkeit der Angestellten zur Gewinnung von Thierlymphe regelmäßige Jahresberichte erstattet und diese dem Kaiserlichen Gesundheitsamte behufs einheitlicher Bearbeitung und zweckentsprechender Veröffentlichung mitgetheilt werden; ferner daß der in den Apotheken stattfindende Handel mit Thierlymphe einer sorgfältigen Ueberwachung unterstellt werde.
Es verlautet laut der „Cöln. Ztg.", daß der erste Spatenstich für den Nord-Ostseekanal am 18. Juni bei Holtenau gemacht werde. ES werden zu der Feierlichkeit erwartet der deutsche Kronprinz, der Staatssccretär v. B o e t t i ch er als Vertreter des Kundesraths, außerdem eine Anzahl Mitglieder des Reichstags und des Landtags. Die Provinz Schleswig-Holstein wird die Erscheinenden als ihre Gäste betrachten.
Der Thierarzt A n t o i n e, Reichstagsabgeordneter für Metz, ist auf Grund des Dictatur-Para- graphen aus Elsaß-Lothringen ausgewiesen worden.
Dem Vernehmen nach ist in dem Stadium, bis zu welchem die Verhandlungen in den legislatorischen und sonstigen Verhältnissen Elsaß-LothringenS gegenwärtig gediehen sind, die Beibehaltung des Stadthalterpostens bereits ziemlich entschieden. Dagegen dürfte der Staatssecretärposten jedenfalls in Wegfall kommen.
In Lübeck fanden am 1. April bei gegen 30 Socialisten Haussuchungen nach verbotenen Schriften statt und zwar auf Requisition des Altonaer Staatsanwalts. Es wurden eine Anzahl von Briefschaften, Schriftstücken 2c. beschlagnahmt.
Von den nach Petersburg gesandten Officieren, welche dort Unterofficiere und Mannschaften des Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiments Nr. 1 in der neuen Ausrüstung dem hohen Chef dieses
Er erinnerte sich auch der blassen Mutter de^ Kindes, die damals an der Thür stand, und dere" scheue Blicke wie suchend durch das Zimmer flogen — alles sah er wieder so deutlich vor sich, als sei eS gestern geschehen, und wundersam ergreifend klangen die Worte seines WeibeS in ihm nach und über- tönten das Schelten des Schullehrers.
.Das ist ein liebes Kind," murmelte er unwillkürlich, und: «Lassen Sie das Kind nur kommen," setzte er laut hinzu.
Die Wirthschafterin, die einst mit der jungen Frau nach der Obersörsterei gekommen und seither dort geblieben war, schüttelte gewaltig den Kopf, als ihr Herr das fremde Kind in das Haus brächte. Freilich auch sie erinnerte sich, daß die gnädige Frau das Mädchen einst besonders gern gehabt und reich beschenkt hatte — aber darum blieb eS doch nicht weniger das Kind einer Landstreicherin und paßte darum nicht besser in ihr wohlgeordnetes Hauswesen.
.Das Kind soll hier bleiben, es mag die Dorfschule besuchen und in den Freistunden müssen Sie es nützlich beschäftigen, Frau Zender," hatte der Oberförster gesagt und Frau Zender war mit dem fremden Kinde allein geblieben. Und während Lebrecht Heidolf das befriedigte Gefühl mit sich nahm, als habe er der Todten etwas zu Liebe gethan, schlug Frau Zender die Hände über dem Kopf zusammen über die Unwissenheit und Verwahrlosung der Karola, wie das fremde Kind sich nannte oder der «Wildkatze" wie sie es bezeichnete,