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Mit wöchentlicher Kratis-JeLlage „Jssustrirtes Unterhaktungsölatt".
Nr. 40.
Sonnabend den 2. April
1887.
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auf das „Hersfelder Kreisblatt" mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrirtes Unterhaltungs- Blatt" pro zweites Quartal 1887 werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 31. März 1887.
Die Herren Bürgermeister des hiesigen Kreises, in deren Gemeinden sich Schulstellen befinden, werden hierdurch beauftragt, den betreffenden Herren Lehrern, oder wo die Stelle vakant sein sollte, dem betreffenden Vikar alsbald zu eröffnen, daß sie die Zinsen von den bei der hiesigen Sparkasse verzinslich angelegten Ablösungskapi- talien bei ihm nächsten Anwesenheit dahier im Büreau des Königlichen'^Landrathsamts in Empfang nehmen können.
3591. Der Königliche Landrath
__Freiherr von Schleini^._
Hersfeld, den 30. März 1887.
Der Schneidermeister Johann Heinrich Gottfried Kemmler zu Friedewald hat für sich und seine Familie um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.
3501. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
# Fürst Bismarcks Geburtstag.
Das deutsche Volk, schon seit längerer Zeit gewöhnt, seinem großen Kanzler 'zum Geburts-
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Lenz im Keröst.
Novelle von Moritz von Neichenbach.
(Fortsetzung.)
„Nun, verstehst Du nicht deutsch?* fragte der Oberförster wieder.
Das blasse Gesicht röthete sich. Das Mädchen senkte den Kopf tiefer.
„Ja, ich verstehe", murmelte es, aber ich kann nicht fortgehen, ich muß reisen."
„Warum sitzest Du dann hier und nicht auf dem Perron."
„E r hat mir gesagt, ich solle hier warten."
„Er 1 Wer ist das?*
„Ich kenne ihn nicht!"
„Wohin willst Du denn reisen?"
„Das weiß ich nicht."
„Aber zu wem gehörst Du denn?"
„Zu keinem!"
„Sieh mich einmal an, Du sonderbares Ding Du!"
Sie schüttelte den Kopf und drückte die Hände vor das Gesicht,
„Heda, vorwärts", rief einer der Schaffner vom Perron her, um die Ecke des Bahnhofgebäudes blickend.
Das Mädchen erhob sich, nahm ein kleines neben ihm liegendes Päckchen auf und folgte dem Ruf.
Heidolf winkte dem Schaffner.
„Was ist's mit der Kleinen?"
„Ach ich weiß nicht, mein College vom Bres- lauer Schnellzug hat sie mir übergeben, sie soll
tage Huldigungen darzubringen, wird in der Wiederkehr dieses Tages einen ganz besonderen Anlaß zur Dankbarkeit empfinden, wenn es die Ereignisse des letzten Jahres und das Wirken des Fürsten Bismarck in demselben zum Wohle des deutschen Reichs überschaut. Vor einem Jahre konnte es nur Wünschen und Hoffnungen Ausdruck geben, daß die Hindernisse schwinden mögen, welche sich den unablässigen Bemühungen des Kanzlers um des Reiches Wohl entgegenstellen, daß der nationale Gedanke wieder kräftiger zur Unterstützung seiner großen Ziele sich entfalte und daß der Fürst nicht den Muth und die Spannkraft bei der rastlosen und unfruchtbaren Danaidenarbeit verliere, der er sich im Dienste seines Königs und aus Liebe zu seinem Vaterlande gewidmet. Heute bescheint die Sonne sein Werk freundlicher, heute sehen die inneren Verhältnisse aussichtsvoller aus, heute dürfen wir mit ihm voll Genugthuung auf den Wandel im Reiche Hinblicken, der sich in den letzten Wochen vollzogen. Dieser Wandel war sein Werk. Er hatte den Boden des Volkes, welcher von Unkraut zu überwuchern drohte, emsig beackert, er war es, der mit fester und kühner Hand an das Gewissen des Volkes pochte, als die Volksbeglücker die Wehrkraft zu einem Spielball zu machen suchten, er war es, der ihm die Gefahren zeigte und es auf der schiefen Ebene auf- zuhalten wußte, auf der es immer weiter Herabzugleiten drohte.
Aber unser Dank beschränkt sich hierauf nicht allein. Auf der hohen Warte des Reichs stehend, beobachtete er genau Wind und Wetter, die Gefahren erkennend, welche für unser Vaterland am politischen Horizonte heraufzogen. Nur e i n Gedanke leitete ihn, den Gefahren rechtzeitig abwehrend zu begegnen, den Frieden zu erhalten und zu stärken und das Reich sicherzustellen gegen alle Versuchungen, die es treffen könnten. Seine
mit dem Zuge nach den Bergwerken weiterfahren, da —" er wies auf einen Zettel, den er in der Hand hielt, und las: „Vater ausgewandert nach Amerika, Mutter seit acht Tagen verschwunden, wahrscheinlich auch ausgewandert, im letzten Jahre vagabundirend umhergezogen, letzter Unterstützungs- wohnsitz soll Kattowitz sein — vorwärts, vorwärts, einsteigen!"
Der lärmende Hausen der Landleute umringte den Schaffner, der geschäftig die Thüren des ankommenden Zuges öffnete und in dem Gedränge verschwand die Kleine, die „nicht wußte, wohin sie fuhr" und die „zu keinem gehörte."
Wie grüngoldig die Buchen im Licht der schräg einfallenden Sonnenstrahlen leuchteten, wie würzig die Fichten dufteten! Lebrecht Heidolf athmete tief auf, während er über den moosigen Waldboten hinschritt. „Gerade wie im Frühling, dachte er, und wir haben doch schon September. Freilich, draußen auf den Feldern merkt man es auch, daß der Herbst kommt, aber im Wald — ja das ist nun einmal so eine Welt für sich."
Ein einsamer Vogel ließ seine Stimme über ihm hören, die Sonnenstrahlen spannen goldene Netze über dem Wege und im Schatten zwischen den Fichten standen große weiße Schwämme und wucherte Farrenkraut in hohen Wedeln. Lebrecht Heidolf blickte über das alles hin, es war ihm so vertraut, es gehörte zu seiner eigensten Welt. Und doch erschien der Wald ihm immer wieder neu und schön. Er trat auf die Waldwiese hin
Friedenspolitik hat gerade in den unruhigen Zeiten der letzten Vergangenheit sich auf das glänzendste bewährt. Dabei hat der Kanzler nichts unterlassen, die innere Einheit der Nation, zu festigen und dem Volke immer wieder von Neuem die Pflicht der Einigkeit an's Herz zu legen, damit es in Zeiten der Noth gewappnet sei, zu vertheidigen, was es besitzt.
Der Kanzler darf an seinem Geburtstage mit Dank gegen Gott und innerer Genugthuung zurückblicken auf die Erfolge, mit denen seine Ar- beit für König und Vaterland gesegnet ist. Er darf nach so manchen trüben Zeiten mit Zufriedenheit auf die Gegenwart schauen, gestärkt und getragen von dem Vertrauen des Volkes und in dem Vollbesitz seiner körperlichen und geistigen Kraft. Er darf aber auch mit dem ruhigen Gewissen, in der hohen Stellung, zu der er berufen, seine ganze und volle Schuldigkeit gethan zu haben, getrost in die Zukunft blicken: die Früchte seiner Saat werden und können nicht ausbleiben, das wünschen wir ihm und zugleich dem deutschen Volke.
„Liegt Dir Gestern klar und offen, Wirkst Du Heute kräitig frei,
Kannst auch aus ein Morgen hoffen, Das nicht minder glücklich sei."
Aus dem Abgeordnetenhaus-,
Berlin, 31. März. Das Abgeordnetenhaus hielt heute feine letzte Sitzung vor dem Osterfeste. Nachdem der Gesetzentwurf, betreffend die Feststellung der Leistungen für die Vollsschule von der Tagesordnung abgefetzt war, wurden die übrigen Gegenstände derselben in rascher Aufein- andersolge erledigt. Der Gesetzentwurf, betreffend die Heranziehung der Fabriken u. s. w. mit Präzupualleistun- gen in der Provinz Sachsen wurde in erster und zweiter Lesung durch unveränderte Annahme erledigt. Der Gesetzentwurf, betreffend die Vertheilung der öffentlichen Lasten bei Grundstückstheilungen in der Provinz Hannover, sowie j der Entwurf einer Haubergordnung für den Dillkreis und i den Oberwesterwaldkreis wurden in zweiter Berathung en
aus, leise, vorsichtig, um die Rehe nicht zu verscheuchen, die dort „ästen." Da standen sie richtig auf dem kurzen Wiesengrase, das nach der Grummeternte frisch und grün aussah; rosiges Abendgewölk schwamm über den lichtblauen Himmel und die Wipfel der Bäume badeten sich in dem warmen, goldenen Licht der sinkenden Sonne.
„Lenz im Herbst", murmelte der Oberförster, über die grüne Wiese und auf die leuchtenden Baumwipfel hinblickend, und ein Gefühl von Kraft und Jugend überkam ihn, wie er es lange nicht empfunden hatte. Er nahm seinen Hut ab und bot seine heiße Stirn dem kühlen Hauch, der vom Walde herüber kam. Mit glänzenden Augen sah er um sich — plötzlich senkte er den Kops und schritt langsam am Waldrand entlang.
„Lenz im Herbst," murmelte er, ja so etwas giebt es wohl für den Wald, oder es sieht doch wenigstens so aus, als ob es so etwas gäbe — aber wenn es im Menschenleben einmal Herbst geworden ist"---
Er setzte sich auf einen Baumstumpf am Wege. Er hatte diefen Platz oft ausgesucht in den letzten zwei Jahren — aber die Erinnerungen, die sich an ihn knüpften, hatten ihn nicht froher gemacht.
Hierher hatte er einst sein junges Weib geführt am Tage nach der Hochzeit. Der Wald prangte damals in jungem Grün, Vergißmeinnicht und rothe Federnelken blühten auf der Wiese und Lebrecht Heidolf war 25 Jahre alt und meinte, daß das „Heute" noch schöner als has .Gestern" und