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36 des Kreisblatts.

Hersfeld, den 24. März 1887.

Vermischtes.

Blankenburg(Thüring.) ImSchwarza- thale, zwischen Katzhütte und Schwarzmühle, kam am vorigen Sonnabend der Postwagen auf dem noch vorhandenen Eise iq§ Rollen und stürzte mit denJnsassen den dort turmhohen Abhang hinab der angeschwollenen Schwarza zu. Am meisten wurde der Führer beschädigt, während die Reisenden bloß durch die Splitter der Fensterscheiben verletzt wurden, der Postillon blieb unbeschädigt. Pferde und der vordere Wagen blieben an einem Baum hängen.

Altona, 16.März. Vor 20Jahren ging der einzige Sohn eines hiesigen Goldschmiedes, der sich mit seinen Eltern gänzlich überworfen hatte, nach Amerika. Die Mutter starb vor 10, der Vater vor anderthalb Jahren. Den Sohn hatten sie für todt gehalten. Nach einem Testament sollte das etwa 25000 M. betragende Vermögen an eine entfernte Verwandte, einer Frau in Frei- burg i. B., fallen, wenn sich der verschollene Sohn auf ein erlassenes Proklam in der gestellten Prä- klusivfrist nicht melden würde. Diele Frist ist nun nächsten Freitag abgelauken. Zur Verwunderung des Testamentsvollstreckers meldete sich indessen gestern Morgen der legitime Erbe, der von Ame­rika, wo ihm das Glück nicht gelächelt hatte, zu­rückgekehrt war, um die Verzeihung der Eltern zu erlangen.

Leipzig, 18. März. Eine von etwa 1000 Personen besuchte Versammlung von Maurer- und Zimmergesellen beschloß, während der bevorstehen­den Saison an der Forderung eines Mündigen Arbeitstages und eines Minimallohnes von 40 Pf. pro Stunde festzuhalten. Da die Meister diese Forderungen kaum erfüllen dürfen, so ist es wahr­scheinlich, daß es abermals zur Jnscenirung eines Strikes kommt.

In Getthain (Kreis Leipzig) ist ein 10 Jahre altes Mädchen bei dem Gebrauch von Petroleum zur schnelleren Entwickelung des Feuers in Flam- men gesetzt und so schrecklich verbrannt worden, daß es am andern Tage gestorben ist.

Ruhrort, 16. März. Ein Duisburger Gerichtsvollzieher macht in den Lokalblättern Fol­gendes bekannt: «Im Austrage des Verwalters der Konkursmasse des Steinhauers Tubbesing in Ruhr- ort werde ich den auf der Ruhestätte der Familie Müller-Jäger auf dem neuen Friedhofe hier rechts des Haupteingangs stehenden zur genannten Con- kursmasse gehörigen Grabstein am Freitag den 18. d. M-, Vorm. 11 Uhr, an Ort und Stelle aus dem Friedhofe hier öffentlich und meistbietend gegen Baarzahlung versteigern."

Düsseldorf, 17. März. Eine allgemeine Ausstellung für Kochkunst, Conditorei-, Volkser­nährung und Gastwirthschaftsbedarts-Artikel wird vom 3. bis incl. 7. November d. I. in sämmt­lichen Sälen und überbauten Garten der städtischen Tonhalle stattfinden und in acht Gruppen einge­theilt werden. Jeden Tag wird eine Masienspeisung von 8001000 Personen stattfinden.

Augsbu rg. Ein frecher Uhrenraub fand in der Nacht zum Sonntag bei dem hiesigen Uhr­macher Segele statt. Die Diebe stahlen durchweg neue Uhren im Werthe von 10 800 Mk. und 225 Mk. Baargeld. Auch fehlen die Geschäftsbücher. Von den Thätern hat man keine Spur.

Chemnitz, 21. März. Seit heute Morgen ist in Folge Schneeverwehungen der Betrieb auf den Erzgebirgsbahnen Marienberg-Reitzenhain und Annaberg-Weigert eingestellt.

Beku m, 18, März. Die hiesige Muste- rung der Militärpflichtigen wurde durch ein schweres Verbrechen unterbrochen; zwischen einigen der Militärpflichtigen kam es zu einem Streite, in welchem der Bahnwärterssohn Grolegut durch einen Dolchstich ins Herz gelödtet wurde.

Saalfeld, 17. März. Eine schaurige That hat sich vorgestern hier zugetragen. Frau Vater hat ihr einjähriges Söhnchen in einer soge- nannten Butte ertränkt. Sie hielt dasselbe so lange unter Wasser, bis es eine Leiche war. Da­rauf ging sie hin und erhängte sich an einem Haken in ihrer Küche.

K r o s s e n, 18. März. Die eiserne Hochzeit begingen am 16. d. M. die Wittwer'schen Eheleute auf Patziger Hammer bet Krossen. Im Jahre 1822 gingen dieselben die Ehe mit einander ein; 65 Jahre, also ein ganzes Lebensalter, haben die Alten in zufriedener und bescheidener Ehe alle Freuden und Leiden des Lebens mit einander getragen.' Der Jubilar, zugleich auch Veteran aus

den Freiheitskriegen, hat bereits das Alter von 90 Jahren, seine Ehefrau das 87. Lebensjahr zurück­gelegt, trotzdem aber erfreuen sich dieselben noch immer der vollsten Rüstigkeit.

Professor Falb hat als nächsten kritischen Tag den 24. März bezeichnet; in Berlin kündete er für den 22. d. M. Niederschläge, vielleicht Ge­witter an. In dem in Berlin gehaltenen Vortrag berührte er auch die Sündfluthfrage. Nach seiner Forschung äußert der Mond seinen Einfluß am stärksten alle 10500 Jahre, wenn zwei der Falb- schen Fluthkactoren : nächste Nähe im Stand der Sonne zur Erde und Stellung der Sonne im Aequator, Zusammentreffen. Da das letzte Fluth- maximum 4100 Jahre vor Christus stattfand, so wäre das nächste Maximum in 6400 Jahren zu erwarten.

Breslau. Dieser Tage wurde hier ein Student der Mathematik, der schon längere Zeit im Verdachte stand, mit Führern der Socialdemo- craten in Verbindung zu stehen, in Haft genom­men. Kurz vor der Verhaftung war bei dem Studenten eine Haussuchung vorgenommen wor­den, bei welcher einige Briefe mit Beschlag be­legt wurden. Haussuchungen hatten schon wieder­holt stattgefunden.

Wien, 19. März, Ein in Pisa von dem Administrator der Güter des Erzherzogs Franz Ferdinand aufgegebenes, an die hiesige Vermögens­verwaltung des Erzherzogs adressirtes Geldpacket mit 77,000 Lire Inhalt, langte beraubt hier ein. Statt des declarirten Geldbetrages enthielt das Paquet Papierstreifen. Die Veruntreuung soll auf italienischen Boden erfolgt sein.

B e r n, 15. März. Der «Str. P." schreibt ihr Berner Correspondent, ein ernsthafter Mann, folgende Geschichte: Vor einigen Jahren sollte die Regierung von Uri eine Compagnie nach Luzern in den Dienst schicken, aber es fehlte an den nöthigen Bekleidungsgegenständen, namentlich an Hosen, weil eine andere Compagnie bereits in Dienst war, der Kanton aber nie mehr als eine Garnitur für eine Compagnie in Borrath hatte. Glücklicherweise wurde aber die eine Compagnie an dem Tag ent­lassen, an welchem die andere einrücken sollte, und da verfiel die Militärbehörde von Uri auf ein sehr practisches Auskunftsmittel; sie richtete es so ein, daß beide Abtheilungen unterwegs an einem be­stimmten Ort Zusammentreffen mußten, und dort tauschten die Mannschaften ihre Hosen aus, Civil gegen Militär. Die Ehre des Kantons war gerettet.

Auch Amerika ift_ von starken Schneefällen heimgesucht worden. So steht u. a. der letzte Schneefall in Canada ohne Gleichen da. Ueberall sind die Eisenbahnzüge etngeschneit, und Schnee­schuh-Läufer sind mit Lebensmitteln für die hungernden Passagiere beständig unterwegs. In den Wald-Districten liegt der Schnee von zwölf bis zwanzig Fuß tief. Im Norden von New- Brunswick ist der Verkehr infolge außerordentlich starken SchneefallS gänzlich gehemmt. In den Städten Newcastle und Chatam reicht der Schnee bis zu den Fenstern der zweiten Stockwerke der Häuser. Das Geleise der Northern- undWestern- Eisenbahn ist seit 14 Tagen vollständig eingeschneit.

Wie aus Brüssel vom 18. März gemeldet wird, geriet!) im Antwerpener Hafen der große Seedampfer «Louisiana' in Brand. Das Schiff und die Ladung sind verbrannt. Der Schaden be­trägt sechs Millionen.

(In einer Orchesterprope.) Capellmeister zum Oboisten, der falsch spielt, wüthend: «Aber was machen Sie denn Oboist (im reinsten Sächsisch): «Danke fier kiedige Nachfrage, Herr Capellmeester; mir geht's so weit kanz schecne nur meine Frau pimpelt ä bische."

Landwirthschaftliches.

Ueber die Düngung mit Thomasschlackenmehl.

(Fortsetzung statt Schluß.)

Für die Düngung der Getreidearten und Äüben sind schon oben die geeigneten Mengen von Thomasschlacke und Superphosphat bezeichnet. Zur Düngung der klceartigen Gewächse und Hülsenfrüchte verwende man, je nach dem Gehalte der Thomasschlacke, 10 bis 12 Centner pr. ha und etwa 80 Kilo Kali, entweder in Form von SOprozen- tigem Chlorkalium bei schweren Böden oder in Focm von Kainit (mit ca. 13 Prozent Kali, bei leichteren Böden. Bei Rothklee muß man, um den Dünger möglichst gut und tief mit dem Boden mischen zu können, schon die Deckfracht düngen und zwar, damit das Kalisalz keinen nachtheiligen Einfluß aus die Keimung des Samens und auf die jungen Pflanzen übt. recht frühzeitig. Zur Kräf­tigung der Deckfrucht kann eine Gabe von rasch wirkendem ©tidfioff (Chilisalpeter, resp, auch Ammoniaksalz bei Win-

tergetreide) und rasch wirkender Phosphorssure (Super­phosphat) nicht entbehrt werden. Auf Wiesen sie dürfen weder an übermäßiger Nässe, noch an Wassermangel leiden verwende man etwa 12 bis 16 Centner Thomasschlacken­mehl und 10 bis 12 Centner Kainit pr. ha.

Die Düngung mit Thomasschlacke", sagt P. Wagner in seiner neuesten Schrift über Thomasschlacke", hat ganz besonders eine große Bedeutung, wo es vortheilhast ist, für eine auf mehrere Jahre hinaus dauernde Wirkung der Phosphorsäuredüngung zu sorgen. Bei der Anlage von Wiesen und Futterfeldern wird das Schlackenmehl, möglichst tief in den Boden gebracht, ganz vortreffliche Dienste leisten, indem dasselbe es ermöglicht, einen für den Bedarf einer Reihe von Jahren ausreichenden und nicht zu viel Zinsen kostenden Vorrath von Phosphorsäure in den Boden zu bringen, ohne daß wie es bei entsprechend reichlicher Superphosphatdüngung geschehen würde die Phosphorsäure im ersten Jahre eine zu starke Wirkung ausübt."

Man verwende also beispielsweise Thomasschlacke (mit Kalisalz) bei Anlage von Luzern- und Esparsettefeldern, bei Anlage von Futterweiden, bei Umbruch und frischer Besämung von Wiesen und Huten, auch bei Anlagen von Wein- und Obstgärten!

Am besten streut man die Thomasschlacke für sich allein aus, jedoch, um die Verstaubung und die Belästigung der Arbeiter (durch den Aetzkalk der Thomasschlacke) zu verhü­ten, vermengt mit mäßig feuchter feiner Erde.

Mit Chilisalpeter oder Kalisalz gemengte Thomasschlacke wird klumpig und erhärtet; ein solches Gemisch läßt sich also nicht gleichmäßig ausstreuen und vertheilen. (Schl. f.)

(D e r W u r z e l s p e i s e r.) Ein wichtiger Factor für das Gedeihen einer Obstbaumcultur ist bekanntlich die richtige Ernährung der Wurzeln des Baumes. Wer einen Obstbaum das ganze Jahr hindurch sich selber überläßt und gar nichts für seine Pflege verwendet, darf sich nicht über den meist geringfügigen und zweifelhaften Erfolg der Obsternte beklagen. Um nun ein Mittel zur verlässigen Pflege der Bäume zu verschaffen, ist in Deutschland ein Wurzelspeiser erfunden worden. Derselbe besteht nach der «Gartenb.-Ztg." aus kurzen irdenen Röhren, welche zwischen die Wurzeln der Bäume (aber nicht unter dieselben), in den Boden hweingedrückt werden und oben einen er­weiterten Kranz haben. Diese Vorrichtung ist be­stimmt, den Wurzeln der Bäume, Reben und'Ge- sträucher Jauche, flüssigen Dünger rc. zuzusühren. Der Gebrauch des Wurzelspeisers steigert den jährlichen Betrag an Obst in solch überraschender Weise, daß sich die Anlage mit demselben reichlich lohnt.

Theater.

Ein historisches Gemälde aus der Vergangenheit Hersfelds:Lingg von Linggenfeld, der Mann von Hersseld" geht morgen, Donnerstag, zum Benefize seines Verfassers, des Schauspielers Klein über unsere Bühne. Der Autor hat sich mit aller Ge­nauigkeit bemüht, ein möglichst getreues Bild jenes denkwürdigen Vorfalles zu geben, welcher sich vor 80 Jahren unter der Herrschaft der Franzosen hier in unserer Vaterstadt abspielte, er war aber auch bestrebt, neben dem Ernst dem Humor gerecht zu werden und hat deshalb für die Damen Frau Director Herrmann und Frau Axtmann, sowie für Herrn Director Herrmann, unseren vortreff­lichen Comiker, und sich selbst eine Reihe von comt- schen Scenen geschaffen, deren Hintergrund die Noth und Rettung Hersfelds vor Plünderung und Brandlegung durch den Oberstlieutenant Lingg bil­det. Der Darsteller desselben, Herr Hoffacker, wird im Verein mit Herrn Hendrich (Bürgermeister Morchutt) und dem Herrn Nelius (Rathsherr Melzer) und Richter (Lieutenant Schüßler) sowie last not least, Fräulein Feh, (Clara, Melzers Tochter) gewiß das Seinige thun, die Aufführung zu einer künstlerisch vollendeten zu gestalten. Möchte dem Benefiztanten und Verfasser ein recht volles Haus beweisen, daß man in Hersfeld die Erinnerung an die trübe Vergangenheit, sowie an eine so edle Handlung, wie die des Oberstlieutenant Lingg noch nicht verloren hat und künstlerisches Streben und patriotischen Sinn zu würdigen weiß.

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