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neu Geschosse erwiesen sich bei der Prüfung durch Sachverständige als mit Dynamit und mit Blei­kugeln geladen, die mit Strychnin gefüllt waren. Auf indirectemWege erhielten dann verschiedene Blätter folgende Mittheilung aus Petersburg unterm 15.: Als der Zar vorgestern, 13. März, aus der Festungskirche von der Todtenmesse ins Palais zurückfuhr, schleuderte um halb 2 Uhr Nachmittags auf der Petersburger Seite ein jaros- lawscher Bauer, Namens Generalow, eine Bombe auf den Kaiser. Die Bombe, welche auf den Schnee fiel, expiodirte nicht. Der Mordgeselle wurde sofort ergriffen. Unter seinen Oberkleidern fand man mehrere Flaschen mit Sprengstoffen. Außerdem wurden zwei mitverschworene Studmten ergriffen. Der Zar reiste wider seine frühere Ab- ficht sofort nach Gatschina. Ein weiteres officiöses Telegramm besagt: Die 6 verhafteten Studenten waren, als ihre Verhaftung erfolgte, in 3 Gruppen die Straße entlang vertheilt. Bei jeder Gruppe fand man eine Bombe. Anzeichen für größere Verbreitung des Complots liegen bis­her nicht vor. Wie ein zweifellos gut unterrich­teter Petersburger Correspondent verschiedener Blätter mittheilt, wären bis jetzt 48 Nihilisten verhaftet, darunter 9, welche Bomben bei sich trugen. Die Aufregung über den Anschlag auf den Zaren sei in Petersburg selbst ungeheuer groß. Der Zar und die Zarewna kamen am 15. d. M. Vor­mittags aus Gatschina nach Petersburg und nah­men an dem beim Großfürsten Wladimir stattfin- denden Rout Theil. Dieser Besuch der Majestäten, welche am Abend nach Gatschina zurückkehrten, wird ohne Frage zur Beruhigung der Gemüther erheblich beigetragen haben.

Aus Hessen-Nassaus

Hersfeld, 18. März. In Betreff der Jusan' terie-Ausrüstung lautet die Allerhöchste Kabincts- Ordre folgendermaßen:

Auf den Mir gehaltenen Vortrag genehmige Ich für künftige Neubeschaffungen die beifolgenden Proben von Ausrüstungsstücken für die Infanterie:

1) des Helms, unbeschadet der bezüglich der Be- schlüge und der Helmzier zur Zeit bestehenden Ver­schiedenheiten und mit der Maßgabe, daß die Garde-Infanterie und die Grenadier-Regimenter Nr. 112 bei Einführung der neuen Helmprobe den Metallbeschlag am Vorderschirm sowohl als die Schuppenketten beibehalten; letztere sind bei einer Mobilmachung gegen einen schwarzen Lederriemen umzutauschen. Alle Oificiere der ganzen Armee behalten den bisherigen Helm bei;

2) des Kochgeschirrs,

3) der Patrontaschen.

Die Proben zu 2 und 3 gelten auch für die Jäger und Schützen, diejenigen zu 1 und 2 für die Pioniere und das Eisenbahn-Regiment; auf letzteres sowie das Garde-Pionier-Bataillon findet bezüglich des Metallbeschlags am Helm die Sonder- Bestimmung zu 1 Anwendung.

Zugleich bestimme ich:

4) Die gesammte Infanterie sowie die vorbe­zeichneten Truppen führen als zweite Fußbekleidung ein Paar Schnürschuhe aus wasserdichtem Stoff mit Lederbesatz mit ins Feld. Der Brotbeutel besteht bet ihnen aus wasserdichtem Stoff, ist zwei- theilig und mit einer Vorrichtung zur Befestigung am Leibriemen sowie einem Ring zum Anhängen der Feldflasche versehen. Das Brotbeutelbanb ist verstellbar.

5) Bet der Infanterie und den Jägern (Schützen) tritt in Stelle des bisherigen Tornisters ein solcher von kleiner Form mit eingehängtem Tornisterbeu- tel zur Aufnahme der eisernen Lebensmittel- Portionen und mit Tragegerüst. Letzteres be­steht aus den Tragriemen mit Schnallvorrichtung,

Hülfstragriemen und dem Rückenstück. Mit Aus­nahme der Grenadier-Bataillone der Garde-In­fanterie und der Grenadier-Regimenter Nr. 112 erhält die ganze Infanterie schwarzes Lederzeug. Ferner gestatte Ich:

6) Daß die zu 5 gedachten Truppen das Schanz- zeug und die Feldflasche unter Fortfall der bis­herigen Tragriemen am Leibriemen bezw. am Brot­beutel tragen und daß die Säbeltasche nach der Mir vorgelegten Probe verschmälert wird.

Die Aenderungen in der Ausrüstung der Fuß- truppen gelangen zur Ausführung, sobald und so­weit die Mittel hierzu verfügbar sind und ohne zu irgend einer Zeit die gewahrte Kriegsbereit­schaft zu beeinträchtigen. Auch sind die Aende­rungen derart durchzuführen, daß die Infanterie- Bataillone für die Kriegsstärke jederzeit in sich gleichmäßig ausgerüstet sind.

gez. Wilhelm.

Bronsart v. Schellendorff.

Hersfeld, 18. März. Bei der Enteignung des an den Grundstücken einer Straße belegenen, durch den Orts-Bebauungsplan von der Bebauung aus­geschlossenen Vorgartenlandes, behufs Verbreiterung der Straße, welches nebst den dazu gehörigen Grundstücken vor dem Erlaß des Orts-Bebauungs- Plans überhaupt keine Baustellengualität gehabt und ohne den Bebauungsplan voraussichtlich nicht erhalten haben würde, ist dieses Vorgartenland nach einem Urtheil des Reichsgerichts, V. Civilse- nats, vom 27. November 1886, in Preußen für die Berechnung der Höhe der Entschädigung nicht als Bauterrain, sondern als zur Zeit der Ab­tretung zu einem bebauungsfähigen Grundstück ge­höriges Vorland (also höher als bloßes Ackerland) zu schätzen.

Hersfeld, 18. März. Scharf, Haupt, und Battr. Chef vom Hess. Feld-Art.-Regt. Nr. 11. unter Beförderung zum Major ist als etatsmäß. StabsMfic. in das 1. Westfäl. Feld-Art.-Regt. Nr. 7, Kuhlmay, Hauptm. vom Nassau. Feld-Art. Regt. Nr. 27 unter Entbindung von dem Kommando ist als Adjut. bei der 2. Feld-Art.-Jnsp., als Battr. Chef in das Hess.Feld-Art.-Regt.-Nr. 11 versetzt. Osterroth, Divisionspfarrer der 21. Div. ist als erster Divisionspfarrer zur 22. Div. versetzt und ihm gleichzeitig Titel und Geschäfte des Militär- Oberpfarrers des XI. Armee-Corps verliehen. Boit, bisher Pfarrer zu Konitz in Westpreußen ist zum Divisionspfarrer der 21. Division ernannt.

II Niederaula, 17. März. In der am 10. März stattgefundenen Schöffengerichtssitzung kamen folgende Fälle zur Verhandlung: Der Landwirth Friedrich Ludwig zu Holzheim wurde, weil er seinen Hund ohne Aufsicht in der Gemarkung Krus- pis hatte frei umher laufen lassen, mit 3 Mark be­straft. Wegen Entwendung eines Baumpfahls von der Landstraße erhielt die Ehefrau des Johs. Merz zu Kirchheim 1 Tag Gefängniß. Wegen Sachbeschädigung erhielt der Drechsler Caspar Schienbein von hier 4 Wochen Gefängniß ; derselbe hatte dem Bauer Köllner zu Mengshausen, bei welchem er zur Miethe wohnte, eine Stubenthür mit einem Beil in böswilliger Absicht zerschlagen. Mit 14 Tagen Gefängniß wurde der Schäfer Friedrich Stiebingzu Reimboldshausen wegen Be­leidigung des Bürgermeisters Schornstein daselbst belegt. Der Schäfer Georg Allendorf zu Beters« graben wurde wegen unbefugten Hutens mit 3 M. bestraft. Gegen den Müller Adam Krön zu Kleba wurde wegen Straßenversperrung eine Geldstrafe von 3 Mark erkannt.

Cassel, 15. März. Die Personen, welche den Ueberfall aus den Posten am Pulverhaus bei den Schießständen in der Dönche ausgeführt haben, sollen in fünf jungen Leuten aus Elgershausen ermittelt worden sein.

Cafsel, 15. März. Am 8. d. Mts., Abends nach 8 Uhr, stieß der von Helsa nach Kassel fahrende Personenzug der Cassel-Waldkappler Bah» etwa 800 Schritt hinter Helsa aus ein Hinderniß, welches jedoch von dem Schienenräumer der Maschine zur Seite geworfen wurde. Die alsbald ange­stellte Untersuchung ergab, daß von ruchloser Hand mehrere Steine auf das Geleise gelegt worden waren, insbesondere hatte auf der rechten Schiene ein Stein von mehr als Centnerschwere gelegen. Der Thäter ist noch unermittelt, jedoch ist auf seine Ergreifung eine Belohnung bis zu 50 Mark ausgesetzt.

Frankenberg, 9. März. Gestern waren in hiesiger Stadt zwei Regierungsbaumeister anwesend, um die Anlage des Bahnhofes festzustellen Vor­gestern wurde zwischen Somplar und Bromskirchen ein beinahe 80jähriger Samenhändler aus Züschen todt aufgefunden. Der alte Mann hatte sich jeden­falls zur Ruhe niedergesetzt und ermattet bei dem rauhkalten Wetter hier seinen Tod gefunden.

Rinteln, 14. März. Ein schrecklicher Unglücks­fall ereignete sich in Münder am 7. d. M. Abends in der Wohnung eines Arbeiters. Die 18jährige Tochter desselben entnahm dem Uhrkasten ein ge­ladenes Gewehr, welches sich durch irgend eine Schuld entlud, wobei die ganze Schrotladung dem armen Mädchen in den Unterleib drang. Nach einer Stunde der schmerzlichsten Qualen gab das- selbe seinen Geist auf._______________________________

Der Reichsanzeiger constatirt, daß durch die großen December-Schneestürme im deutschen Reiche gegen 90 Personen umgekommen sind.

Wie man aus München meldet, hat die italienische Regierung dem Kaufmann Christ. R. Schad daselbst die Lieferung von 520 Velozipeden übertragen.

Ueber die Melinit-Explosion in Belfort kommen jetzt aus Paris neuere Nachrichten, wo­nach die Folgen der Explosion viel größer und schrecklicher erscheinen, als bisher gemeldet wurde. Es heißt darin: Bis jetzt sind 93 Leichen aus den Trümmern hervorgezogen worden, darunter mehr als 20 junge Mädchen und 20 Kinder. 57 Arbeiter vermochten noch sich im letzten Moment zu retten.

- (Nur keine Politik.) Onkel:Nun will ich einmal sehen, ob du etwas in der Töchterschule gelernt hast. Wann wurde Carl der Große römischer Kaiser?" Selma:Ach, Onkel, laß mich nur mit der Politik in Ruhe."

(Werbung.)Guten Abend, Bas' Lies, kann ich vielleicht Euer Säg' krieche?"Gewiß Michel!"Und dann wollt ich noch was frage ?" Was denn, Michel?"Kann ich nit Euer Bärbel krieche?--Nee, Michel, die kannst Du niet krieche."Aoieus, Bas' Lies! Wann ich nit die Bärbel kriech, brauch ich ach die Säg' nit!__________________________________

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Kirchliche Nachrichten.

Gottesdienst Sonntag den 20. März.

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Grebenau, den 15. März 1887.

Georg Becker und Comp.

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