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Itrsfrliitr Kreisblatt.

Mit wöchentlicher Kraiis-AeitageIllustrirtes AnterhaltungsötaiL".

Nr. 30. Donnerstag den 10. März 1887.

Amtliches.

Kassel, den 7. März 1887.

Im Laufe dieses Sommers soll im hiesigen pomologischen Garten ein dreigliedriger Cursus zur Unterweisung von Volksschullehrern im Obst­bau abgehalten werden. Der erste, etwa 14 Tage umfassende Theil des Jahrescursus wird voraus­sichtlich am 13. April d. I. beginnen, der zweite Theil in die zweite Hälfte des Monats August (etwa 8 Tage) und der dritte Theil (4 bis 5 Tage) in den Anfang October d. I. fallen. Es ist da­bei in Aussicht gestellt, daß für die theilnehmenden Lehrer Beihülfen aus Staatsmitteln etwa 3 Mark für dle Person und den Tag gewährt werden.

Ew.Hochwohlgeboren wollen uns so schleunig als möglich, spätestens bis zum 21. d. Mts., diejenigen Lehrer des dortigen Kreises bezeichnen, welche an dem fraglichen Cursus theilzunehmen geeignet und bereit sind. Im klebrigen verweisen wir auf unsere Circular-Verfügung vom 17. Juni v. I. B. 7520.

Königliche Regierung....._ --Ableitung für Kirchen- tnd Schulsachm.

Opitz.

An die Herrn Landräthe des Regierungs-Bezirks. J. B. Nr. 2107.

* *

Hersfeld, den 8. März 1887.

Wird unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 22. Juni v. J. Nr. 7176, (Kreisblalt Nr. 73) veröffentlicht und weise ich zugleich die Herren Bürgermeister des Kreises an, den Herren Lehrern Ihrer Gemeinden sofort hiervon Mittheilung zu machen, damit dieselben mir spätestens bis zum 15. d. M. bezügliche Anzeige machen können. Auch haben die Herren Bürgermeister wegen Bewilligung einer Beihülfe zu den in Rede stehenden Kosten die Gemeinde-Behörden alsbald zur Beschlußfassung

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Schulmeisters Marie.

Erzählung von I. Jsenbeck. (Fortsetzung.)

Marie hätte in hastigem Ton wohl noch weiter gesprochen, nur um Ihre Gedanken zu verbergen, wenn nicht die schlurfenden Schritte im Flur des VaterS Rückkehr angezeigt hätten. Als dieser dann in das Zimmer eintrat, war sie durch eine zweite Thür schon hinausgeschlüpft. Edwin hatte nun gleich Gelegenheit, um zu erproben, ob er Mariens Bitte erfüllen und den tollen Schul­meister erheitern und zerstreuen könne.

Marie saß noch lange sinnend und träumend in ihrer halbdunklen Kammer; sie verwunderte sich selbst darüber, daß trotz der bitteren Enttäuschung, die ihr heute wieder geworden, ihre Gedanken nicht trüber, ihre Gefühle nicht schmerzlicher waren. Hoffnungen nährte sie nicht, aber ein stiller Friede erfüllte sie. Ob das nur die Folge davon war, weil sie von ihrem Vater nun wieder anders denken konnte, weil mit der Gewißheit neuer frischer Muth in ihre Brust eingezogen, darnach wagte sie sich nicht zu fragen. Eine innere Stimme hätte ja die Antwort geben können, daß auch das Bewußtsein, der Himmel habe ihr einen Menschen gesandt, der in der Zeit der Noth ihr wie ein Bruder werden könne, ihre Stimmung beeinflusse und ihr Herz freudiger schlagen ließ.

6.

Im Laufe bet- Zeit bewährte sich Edwin König

zu veranlassen und von deren Ergebniß die Herren I Lehrer ungesäumt zu benachrichtigen.

2626. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 8. März 1887.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Klassensteuer- Zu- und Abgangslisten pro II. Semester unfehl­bar bis zum 12. März d. I. bei den König­lichen Steuerkassen eingereicht sein müssen.

Gegen etwaige Säumige müßte ich meiner Verfügung vom 24. Januar 1885 Nr. 914, Kreis­blatt Nr. 13, entsprechend sofort strafend einschreiten.

2803. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Bekanntmachung.

Die diesjährigen Frühjahrs-Control-Versamm- lungen für die Mannschaften des Beurlaubten­standes im Kreise Hersseld finden wie folgt statt:

1. Zu Gersfeld

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für die Mannschaften aus der Stadt Hersfeld. Controlplatz:Turnplatz am Hain."

2. Zu Unterhaun

Freitag den 1. April d. J. Nachmittags 3 Uhr

für die Mannschaften aus den Gemeinden Eitra, Hilperhausen, Holzheim, Kohlhausen, Oberhaun, Roßbach, Rotensee, Sieglos, Unterhaun und Wippershain.

3. Zu Hersfeld

Sonnabend den 2. April d. I. Vormittags 9 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Kathus, Gutsbezirk Oberrode, Petersberg, Gutsbezirk Wilhelmshof, Sorga, Gutsbezirk Bingartes, i Meisebach, Friedlos, Kalkobes, Reilos, Mecklar, Meckbach, Gutsbezirk Eichhof, Heenes, Rohrbach,

immer mehr als der treue Freund. Die tägliche Unterhaltung mit dem jungen Manne schien dem Schulmeister bald unentbehrlich. Kam die Abend­stunde heran, so ließ der Alte seine Feder ruhen, warf auch sein Buch bei Seite und sah ungeduldig durch das Fenster, ob er den Erwarteten nicht er­spähe. Wenn dieser sich dann auf der Straße zeigte, so eilte er ihm bis in den kleinen Vorgarten entgegen und begrüßte ihn mit kindlicher Freude. Mit triumphirendem Lächeln führte er ihn in seine Stube und legte das zur Ansicht vor, was er den Tag über geschrieben hatte.

Edwin König ging stets auf die fixe Idee des allen Herrn ein; er prüfte sorgfältig die zierlich beschriebenen Blätter und hörte geduldig auf die langathmigen Abhandlungen, bei denen in wirrem Durcheinander Alles ausgekramt wurde, was die Lectüre des Tages gebracht hatte. Er vergaß oft genug, daß er einen Geisteskranken vor sich hatte; des Schulmeisters Gedächtniß erschien ihm, so weit es sich um die Wiedergabe des Gelesenen handelte, bewundernswerth. Auch eigene Gedanken des Alten wurden zu Zeiten laut, aber sie erhellten nur blitz­artig den umnachteten Geist, dessen Oede und Leere dadurch nur um so erschreckender hervortrat. Eine Heilung des Schulmeisters schien darnach doch nicht ganz ausgeschlossen; Edwin sprach dar­über auch mit einem ihm befreundeten Arzt und brächte denselben eines Abends, nachdem er Mariens Einwilligung erhalten, mit in das kleine Haus. Der Mediciner wurde dem alten Müller als ein Gelehrter vorgestellt, der seine Bekanntschaft

Tann und Hermannshof. Controlplatz:Turn­platz am Hain."

4. Zu Obergeis

Montag den 4. April d. I. Vormittags 10 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden All- mershausen mit Hof Hählgans, Aua, Biedebach, Gittersdorf, Goßmannsrode, Obergeis, Reckerode, Rotterterode und Untergeis.

5. Zu Niederaula

Dienstag den 5. April d. J. Vormittags 10 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Allen- dorf, Asbach, Beiershausen, Frielingen, Gersdorf, Gershausen, Hattenbach,Heddersdorf, Kemmerode, Kerspenhausen, Kirchheim, Kleba, Kruspis, Mengs- Hausen, Niederaula, Niederjossa, Reimboldshausen, Solms, Stärklos, Willingshain und Gutsbezirk Engelbach mit dem Hof Sternberg.

6. Zu Oberlengsfeld

Mittwoch den 6. April d. I. Vormittags 9 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Aus­bach, Conrode, Dünkelrode, Hillartshausen, Mal-

Lampertsfeld, Landershausen, Schenklengsfeldl Schenksolz, Unterweisenborn, Wehrshausen und Wüstfeld.

7. Zu Heimdoldshausen

Mittwoch den 6. April d. I. Nachmittags 2 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Ben- gendorf, Friedewald, Gethsemane, Harnrode, Heimboldshausen, Herfa, Heringen, Kleinensee, Lautenhausen, Leimbach, Lengers, Röhrigshofmit Nippe, Philippsthal, Widdershausen, Wölfers- Hausen und Unterneurode.

Zur strengen Nachachtung für die betheiligten Mannschaften fügt das Bezirks - Commando folgende Bemerkungen hinzu:

1. Zu den Frühjahrs-Control-Versammlungen haben sich sämmtliche gediente Mannschaften

zu machen wünsche; dadurch kam man jedem Miß­trauen, jeder Frage des Geisteskranken zuvor.

Der Arzt bestätigte dann auch Edwins Ansicht: er rieth, den Alten vorläufig in seinem Glauben, daß seine Arbeit von großem wissenschaftlichen Werth sei, nicht zu stören. Vortheilhaft würde es aber sein, wenn er wenigstens zeitweise von seinen Büchern abgelenkt werde, sich auch an eine andere Beschäftigung gewöhne.

Auch das erreichte Edwin. Er machte eS dem Schulmeister zur Bedingung, daß der Vorgarten wieder in Stand gesetzt werde, wenn dieser ihn ferner in seinem Hause sehen wolle. Der alte Müller sah den jungen Mann zuerst verwundert an und schüttelte seufzend den grauen Kopf. Als aber der Frühling ins Land kam, da machte er sich zum Erstaunen der ganzen Nachbarschaft doch daran, das Unkraut auszujäten, die Beete umzu- graben und mit Blumen zu besetzen.

Marie gab ihrem Dank nicht durch Worte Aus­druck, aber ihre leuchtenden Augen sprachen beredt genug zu Edwin, der mit freudiger Theilnahme sah, daß neuer Lebensmuth und Hoffnung in des jungen Mädchens Herz einzog und die zarten Wangen wieder rosig färbte. Daß er Mariens volles Vertrauen besaß, wußte er; es hätte dazu gar nicht der Beweise bedurft, die fie ihm gab. Bon ihrem früheren einsamen, sorgenvollen Leben erzählte sie ihm mit einer rührenden Offenheit, sie verschwieg auch nicht, daß der Vater ihr nicht nur Geld, sondern sogar die kleinen Schmucksachen, die Erinnerungen an die Mutter, genommen habe,