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ersscliitl Krelsblitt.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeitage „Mustrirtes Anterhattungsölatt".
Nr. 26.
Dienstag den 1. März
1887.
Aöonnemmts-Kinkadung,
Bestellungen auf das
HersfeLder Kreisdtalt mit der wöchentlichen Gratis - Beilage „Illustrirtes Unterhaltungsblatt" für den Monat März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Die Zugehörigkeit nachbenannter Ortschaften zu den Control-Versammlungs-Plätzen wird in folgender Weise abgeändert. Es haben sich von jetzt an zu gestellen:
In Hersfeld statt in Unterhaun:
Die Mannschaften aus den Gemeinden Kathus, Sorga, Oberrode, Petersberg, Wilhelmshof und Blügarkes.
InHersfeld statt in Obergeis:
Die Mannschaften aus den Gemeinden Heenes, Rohrbach und Tann.
In Niederaula statt m Unterhaun:
Die Mannschaften aus den Gemeinden Kruspis und Stärklos.
Hersfeld, den 13. Februar 1887.
Königliches Landwehr-Bezirks-Commando.
* * *
Die Herren Ortsvorstände der betreffenden Gemeinden rc. werden hierdurch angewiesen, die vorgenommene Veränderung in dieser Beziehung den Betheiligten innerhalb ihres Gememdebezrrkes mitzutheilen. ,
Hersfeld, den 14. Februar, 1887.
1589. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz.
Gefunden: Eine Peitsche. Meldung des ®igen- thümers bet dem Ortsvorstand zu Courode.
# Das Ansehen Deutschlands.
Vielleicht haben noch niemals die Wahlen zu einem Parlament den Gegenstand so gespannter Aufmerksamkeit für ganz Europa gebildet, wie die eben vollzogenen Wahlen zum deutschen Reichstage. Der Grund hierfür liegt auf der Hand: nicht etwä, daß das Ausland an und für sich ein besonderes Interesse an der inneren Entwicklung Deutschlands hätte; ein jedes Land hat in dieser Beziehung genug mit den eigenen Angelegenheiten zu thun. Der Antheil, welchen die Länder rings um Deutschland herum an seinen Wahlen nahmen, erklärt sich vielmehr aus der Bedeutung, welche dieselben in der gegenwärtigen Weltlage für den europäischen Frieden hatten. Was hätte denn auch sonst die anderen Länder zu so aufmerksamen Beobachtern deutscher mrichert könn»n 9 , _
d^wn der-Dherüdo-°wle an der Donau, an der Newa -wie an der Seine Aller Augen auf Deutschland gerichtet waren, das hatte das Verhalten der Opposition im verflossenen Reichstage gegenüber der Septennatsvorlage zu Wege gebracht. Dieselbe war im Interesse der Sicherheit Deutschlands und der Erhaltung des Friedens eingebracht worden, und Niemand in Europa erblickte darin etwas Auffälliges oder Bedenkliches. Als aber die Vertretung des deutschen Volkes selbst daran ging, Einspruch gegen die geforderte Verstärkung der Wehrkraft zu erheben, als sie es trotz der bedrohlichen Weltlage darauf ankommen ließ, mit der Regierung einen Conflict vom Zaune zu brechen und von der zur Sicherheit des eigenen Landes erforderlichen Rüstung unter den kläglichsten I Vorwänden abzuhandeln, so viel sie irgend
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Schulmeisters Marie.
Erzählung von I. Jsenbeck.
(Fortsetzung.)
So lebte Müller wie einEmsiedlerhm, mit keinem Menschen ein sreundliches Wort wechselnd, ohne zu sehen, daß sein Kind der todten Mutter immer ähnlicher wurde. Marie, nun schon zu Verstände gekommen, liebte den armen Vater doppelt, seit sie von Luisen ersahren, was ihn so traurig, so verschlossen ge- macht habe. Immer wieder ließ sie sich von der Alten erzählen, daß er früher auch habe scherzen und lachen können. Oft genug schlich sie sich Abends spät noch wieder aus ihrem Bette bis an die Thür, hinter der sie den Vater wußte, und horchte mit verhaltenem Athem auf jedes Geräusch. Ein Kuß aus den kalten, sühllosen Thürriegel, den seine Hand berührt hatte, schien dem liebevollen Kindesherzen, das sich nach Gegenliebe sehnte, schon eine Erleichterung und ein Genuß. Einmal faßte die Kleine allen Muth zusammen, den sie besaß, und trat in das Zimmer ein, wo der Vater über ein Buch gebeugt am Tische saß. Schüchtern ergriff sie seine Hand, um dieselbe zu küssen. Er sah sie erstaunt, wie verwirrt am
„Vater, sprich doch zu mir! Ich bin's ia, ich — die Marie - Dein Kind — und —■ bat die Kleine mit von Thränen erstickter Stimme.
„Ich habe Dich so lieb, Vater l" fuhr sie dann ängstlich fort, um doch einen Grund für die Sto- rung anzugeben.
konnte, da war Europa auf dem Posten: denn ein solches Schauspiel hatte sich ihm bisher noch nie geboten. In der ganzen Welt, nur in dem von Windthorst, Richter, Grillenberger geführten Reichstage nicht, begriff man, daß eine Herabminderung der deutschen Wehrkraft unter der von den höchsten Sachverständigen geforderten Stärke in einer Weltlage wie der gegenwärtigen ein Spiel mit dem Feuer ist. In England und Oesterreich erhoben sich mahnende Stimmen, in der französischen und russischen Presse trat schlecht verhehlte Schadenfreude zu Tage, überall aber fing man an, an der inneren Kraft und Einigkeit Deutschlands zu zweifeln.
Das deutsche Volk hat durch die Wahlen diese Zweifel gehoben. Die englische und österreichische Presse hat ihrer Genugthuung über den Wahlsieg der nationalen Parteien Ausdruck gegeben, weil derselbe das Septennat sichert und die entschlossene Thatkraft der deutschen Nation zur Erhaltung des Friedens,, und der MMstelWg MÄDW Presse sühtt sich durch denselben Umstand ' enttäuscht und würde sicherlich in Jubel ausgebrochen sein, wenn die Windthorst, Richter, Grillenberger gesiegt hätten. Wäre dies geschehen, dann hätte das deutsche Volk Ursache zu klagen. Aber es Hat in dieser ernsten Zeit trotz aller Verdunkelungsversuche volles Verständniß für das, was bei den Wahlen auf dem Spiele stand, bewiesen. Dadurch hat es das Ansehen Deutschlands wieder gehoben, dort das Vertrauen in den Frieden gestärkt, hier die Rechnung auf seine innere Schwäche vernichtet. An dem neuen Reichstag ist es jetzt, schnell und ohne Umschweife die Scharte auszu- wetzen, welche sein Vorgänger dem Ansehen der Nation zugefügt hatte.
Aus dem Landtage.
Berlin, 25. Februar. Das Abgeordnetenhaus beschäs-
man Heinrich Müller schon nannte, wurde zum Gerede der ganzen Nachbarschaft. Die Klatschbasen hatten genug uud übergenug Stoff zu stundenlangen Unterhaltungen über den Rabenvater, der eines solchen Schatzes von Tochter, wie das Mariechen, ihrer Ansicht nach gar nicht werth war. Die alte Luise erzählte genug; ebenso rührig wie mit den Händen, war sie auch mit dem Munde. Bet den Lobpreisungen über ihren Pflegling, dessen Fleiß und Geschick, Schönheit und Lieblichkeit sie zu rühmen gar nicht müde wurde, hatte sie Gelegenheit ihr Erziehungstalent in das beste Licht zu setzen; wenn sie -über ihren Herrn sprach, so entschuldigte sie sich vor sich selbst damit, daß es ihre Pflicht sei, durch wahrheitsgetreue Darstellung die umlausenden falschen Gerüchte zu widerlegen. Es waren ja doch schändliche Lügen, wenn es hieß, ihr Brotherr schlage und quäle sein Kind; das war nie vorgekommen, einer solchen Unthat war der menschenscheue Mann ihrer Ueberzeugung nach auch gar nicht fähig. Er kümmerte sich nur nicht um seine Tochter, bet deren Anblick der Schmerz um die so früh gestorbene Frau immer wieder mit erneuter Heftigkeit in ihm tobte. Deshalb sprach sie mit ihrem Herrn auch lieber gar nicht über das Kind.
So wurde es in dem kleinen Häuschen immer trüber und kälter. Zwischen dem Schulmeister und seiner Tochter stand der Schatten der Todten, die beide so sehr liebten, und schien sie für immer zu trennen. Mariechen's Kindheit verfloß traurig und einsam; Gespielinnen hatte sie nicht, die Räch-
Der Mann entzog dem Kinde seine Hand; der Blick, den er jetzt aus seine Tochter richtete, war unruhig; es war ein beinahe verstohlener, zweifelnder Blick. „Geh' zu Luisen!" sagte er. „Ich habe keine Zeit!"
Das kleine Mädchen zögerte noch, als wenn es sich fester an ihn schmiegen wolle, oder gar hoffe, er könne es doch noch auf den Schoß nehmen und küssen, wie andere Vater ihre Kinder. Wie in nie geahnter Seligkeit schauerte Mariechen zusammen, als sie jetzt die Hand ihres Vaters fühlte, die wie unbewußt leise über das goldblonde Haar fuhr. Wieder blickte sie zu seinem Gesicht auf, aber die Züge waren kalt und theilnahmlos. Trotzdem wagte sie noch eine Bitte.
„Hab' mich doch ein wenig lieb, Vaters flüsterte sie. „Ich habe ja kein Mütterchen, nur Dich, Vater!"
Der Mann zuckte zusammen.
„Geh' — geh' fort, Kind!" herrschte er die Kleine an und als diese nun zurückwich. um das Stübchen zu verlassen, da war das große blaue Ktnderauge thränenleer, aber wie erstarrt in namenlosem Schmerz. _
Lange noch saß der Schulmeister sinnend und grübelnd da, in schweren Seufzern machte sich seine bedrückte Brust Lust, bis der eintönige Schlag der altmodischen Wanduhr ihn an die Erfüllung seiner Amtspflicht mahntt.
In dem Verhältniß zwischen Vater und Tochter änderte sich nichts; der tolle Schulmelster, wie