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Nr. 24 Donnerstag den 24 Februar 1887.

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# Was die socialdemokratischen Stimmzettel bedeuten.

Wenn sich auch noch nicht übersehen läßt, wie viel socialdemokratische Stimmzettel in Deutsch- and am 21. Februar abgegeben worden sind, so teht doch schon so viel fest, daß die Zahl der- elben sich erheblich vermehrt hat. Was diese Stimmen aber bedeuten darüber hat sich das Organ der Partei, der in Zürich erscheinende Socialdemokrat" vor den Wahlen mit einer Offenheit ausgesprochen, welche auch den verdien- delsten Leuten die Augen darüber öffnen muß, wie schwer Staat und Gesellschaft von der So­cialdemokratie bedroht sind.

Das genannte Blatt erklärt die Abgabe jedes öcialdemokratischen Stimmzettels als die Kund- ;ebung eines Protestes, sowohl gegen das ganze wlitische System wie gegen die bestehende Ge- ellschaftsordnung, eines Protestes, hinter welchem >as sociale und politische Programm der Partei teht. Dieses politische Programm ist selbstoer- ländlich ein demokratisches und deckt sich vollstän- ng mit dem, was wir von den freisinnigen De­mokraten in letzter Zeit zum Ueberdruß zu erfahren und zu hören bekommen haben, nur daß es diesem die Maske abreißt, mit der es vor­sichtiger Weise noch aufzutreten pflegt, und rück-

(Unbesugter Nachdruck verboten.)

Schulmeisters Marie.

Erzählung von I. Jsenbeck.

1.

In der äußersten Vorstadt lag ein kleines Haus, von Epheu und Weinlaub dicht umsponnen. Als wenn es an dem Schmuck der grünen Ranken noch nicht genug sei, um das Häuschen zu einem lauschigen Nest zu machen, breiteten zwei Linden- bäume ihre Aeste und Zweige über das niedrige Dach hin und überschütteten es mit duftenden Blüthen. Spiegelblank leuchteten die Fenster aus dem Blättergewirr hervor und die weißen Vor­hänge, die hinter denselben zugezogen waren, ließen erkennen, daß es da drinnen ebenso sauber war, wie draußen in dem kleinen Vorgarten, wo der gelbe Kies der schmalen Wege so hübsch von den Raseneinfassungen der Blumenrabatten abstach.

Aus einem der Fensterbretter saß ein zwitschern­des Spatzenpärchen und suchte vergeblich nach den Brotkrumen, die sonst an jedem Morgen hier zu finden waren. Endlich wurde den graubraunen Gesellen wohl die Zeit zu lang, wie scheltend flogen sie aus, aber nur bis zu einem der Linden- äste. Dort ließen sich die Beiden wieder nieder und sahen aufmerksam herüber nach dem Fenster, als wenn sie genau erforschen wollten, was hinter den Gardinen vor sich gehe.

Ein großes Glück war in dem Häuschen einge­kehrt, im Schatten der Linden hatte ein Menschen­kind sein Leben begonnen. Klein, winzig, rosenroth

sichtslos die Schminke entfernt, ohne welche die freisinnige Demokratie nicht wagt, sich sehen zu lassen. Da wird protestirt gegen die Herrschaft einerHandvoll Personen",für deren geistige Zurechnungsfähigkeit nicht die geringste Garantie gegeben ist", gegen dieOhnmacht der gewählten Volksvertreter" wie überhaupt dagegen,daß die Entscheidung über die Lebensinteressen des Volkes nicht in den Händen des Volks selbst ruht;" ferner gegendas politische Bevormundungssy­stem", gegendie unverhältnißmäßige Belastung des arbeitenden Volkes", gegendie Verschwen­dung des Volksvermögens in hohen Gehältern für bloße Stellenjäger," gegen das Militärbudget, gegen denMilitarismus" gegen dasSystem der stehenden Heere". Es sind dies die mildesten Stellen, andere lassen sich überhaupt nicht tote- vergeben.

Der demokratische Geist, der aus diesen Pro­testen laut und vernehmlich spricht, ist der Geist der Revolution, welcher sich nicht einmal in der gegenwärtig bedrängten äußeren Lage scheut, ja vielmehr dieselbe mit verdoppelter Kraft dazu benutzen zu wollen scheint,^daß oas sesteGefuge der staatlichen Ordnung über den Haufen ge­worfen und das Königsthum bedroht wird, und das Alles für das Trug- und Gaukelbild einer Herrschaft des Volks durch das Volk!

Das politische Programm der Partei wird von demSocialdemokrat" in die engste Ver­bindung mit dem socialen gebracht, und dieses wird von dem Blatte mit den bekannten Schlag­worten des Protestes gegen dieAusbeutung der Menschen durch den Menschen", gegendie wirth- schaftliche und sociale Abhängigkeit der großen Blasse der Bevölkerung von Einzelnen", gegen dieKnechtschaft in jeder Form", gegenjede Ungleichheit" charakterisirt; dasselbe gipfelt in dem Rufe:Nieder mit der Herrschaft des Kapitals, nieder mit der Eintheilung der Gesell- gass%£*Maac»iss^5ig8gMeaeasi!mreg3aK»agCG«BaKa^

lag das Neugeborene in weiße Kissen gebettet da und ein von Freudenthränen gefeuchtetes Augen­paar schaute es wie ein Wunderding an. Ueber das Bettchen gebeugt lauschte der Vater den kaum vernehmbaren Athemzügen. Als wenn er sich da­von überzeugen wolle, daß wirklich warmes, lebendes Blut in dem kleinen Körper pulsire, fuhr er mit einem Finger schüchtern über das Gesichtchen und faßte dann das zusammengeballte zierliche Händchen.

Sie hält meine Hand schon ganz fest, Marie I" flüsterte der Mann.

Die Mutter, die bleich und erschöpft in dem Bette neben der Wiege lag, hob matt den Kopf. Laß das Kind schlafen, Heinrich!" mahnte sie.

O sprich nicht, Liebste," bat er.Du weißt, das könnte Dir schaden! Ich hätte so gern noch einmal die Augen unseres Engels gesehen sie sind ebenso blau wie die Deinen, Marie, wie ein Stückchen vom lieben Gotteshimmel ich möchte so gern noch mal das zarte Stimmchen hören, ehe ich fortgehel"

Sie wird Dir noch genug vorschreien, warte es nur ab," lächelte die junge Mutter. Der Mann war jetzt zu ihr getreten und schloß ihr mit einem Kusse den Mund.

Du sollst und darfst nicht sprechen!" sagte er. Versuche auch zu schlafen, hörst Du! Ich muß jetzt in die Schule, in drei Stunden bin ich zurück. Bis dahin darf die Luise nicht von Deinem Bett gehen. Ich werde sie hinein schicken!"

Noch ein inniger Kuß, ein liebvoller Händedruck, der mehr als Worte sagte, und Heinrich verließ

schüft in Besitzende und Besitzlose!" Zu der politischen Revolution gesellt sich also das Ziel der Socialdemokratie die sociale Revolution, welche mit Allem aufräumen soll, was Christen­thum und Gesittung in Jahrhunderte langer Arbeit der menschlichen Gesellschaft zum Heile eines Jeden hat erwirken helfen.

Die Gefahren, welche Staat und Gesellschaft drohen, können nicht unverhüllter verkündet werden. Niemand kann sich mit Unkenntniß der­selben entschuldigen, Niemand kann mehr im Zweifel darüber sein, was die socialdemokratischen Stimmzettel bedeuten, Niemand kann sich ver­hehlen, daß es das Princip der Revolution, der -olitischen und socialen, ist, was mit den Ver- retern der Socialdemokratie in den Reichstag zieht. Bei den Stichwahlen wird in vielen Fällen die Socialdemokratie betheiligt sein. Wenn dann die Wähler noch einmal zur Urne chreiten, dann mögen sie sich dessen voll bewußt ein, daß, wenn sie sich vor der Revolution chützen wollen, die Weib und Kind, Geld und schaaren müssen, welches wie bisher so auch in Zukunft nach innen und außen uns allein vor den heranziehenden Stürmen zu retten vermag.

Volttische Nachrichten.

(Deutschland.) Das Wohlbefinden Sr. Majestät des K a i s e r s ist erfreulicherweise wieder ein völlig befriedigendes; der Katharrh ist gänzlich geschwunden.

Fürst Alexander von Bulgarien, der nach Aegypten gehen wollte, ist wieder in Darm- stadt eingetroffen. Durch einen Rückfall ins Wechsel- fieber wurde er zur Rückkehr gezwungen.

Ein Berliner Correspondent derKöln. Ztg." betont, daß die Fortdauer des italienischen An-

das Zimmer. Draußen in der Küche fand er die Magd, eine alte Person, deren Haar schon schloh­weiß war, die sich aber eine fast jugendliche Rührig­keit bewahrt hatte. Mit wichtigem Ton gab er ihr seine Anordnungen, so daß die Alte ihn ganz verwundert anschaute.

Ich glaube ja, das Sie alles das bester ver­stehen als ich, Luise aber" Heinrich wußte eigent­lich selbst nicht, was für einen Grund er anführen sollte, denn Luise hatte seine Frau schon gewartet und gepflegt als diese nicht viel älter war, wie das kleine Kind, das drinnen in der Wiege schlummerte.

Gehen Sie ohne Angst und Sorge, Herr Müller erwiderte die Alte.Bis jetzt ist Alles gut abge­laufen und da wirb es mit Gottes Hülfe auch weiter gut gehen. Aus mich können Sie sich verlaffen!"

Davon bin ich überzeugt. Ich bin auch ganz ruhig und werde meine Stunden ebenso geben, wie sonst!" Heinrich reichte der Alten die Hand. Er schämte sich fast, weil er fürchtete, daß man ihm anmerke, wie wenig er seinen eigenen Worten traute. Trotzdem mußte er sich aber auf der Schwelle noch einmal umwenden.Achten Sie recht auf meine Tochter, liebe Luise!" bat er.

Meine Tochter." Wie das klang ? Der Schul­meister schritt jetzt ordentlich stolz durch den kleinen Garten. Die einfachen Blumen schienen ihm heute herrlicheren Duft, leuchtendere Farben zu haben, denn sonst.Wenn die Kleine Euch erst pflegen wird!" dachte er und sah sich schon nach einem