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Wit wöchentlicher Kratis-ZLeilage „Mustrirtes Anterhattungsblatt"._________
Nr. 22. Sonnabend den 19. Februar 1887.
Bekanntmachung.
An der Landwirthschaftsschule zu Weilburg soll auch im Jahre 1887 ein Fortbildungskursus für Elementarlehrer abgehalten werden, und ist hierzu Termin in der Herbstserienzeit (Ende August bis Ende September) in Aussicht genommen.
Die in dem Kursus zu behandelnden Gegenstände sind folgende:
L W?? I. Theil (Sauerstoff, Wasserstoff, Stickstoff, Kohlenstoff);
2. Pflanzenproduetionslehre;
3. Zoologie (Anatomie und Physiologie der land- wirthschaftlichen Hausthiere);
4. Unterrichtswesen;
Den theilnehmenden Lehrern aus dem Regierungsbezirke Cassel wird ein Zuschuß von 80 M. in Aussicht gestellt, sobald die betreffende Gemeinde oder der Lehrer selbst mindestens 35 M. zuzuschießen bereit ist. Den Gemeinden wird anheimgestellt, sich durch einen von-Ei Leb^i^auS- zustellenden Revers dahin zu sichern, däßder von der Gemeinde subventionirte Lehrer den Betrag zurückzuzahlen hat, wenn er innerhalb Jahresfrist nach dem Knrsus die-betreffende Gemeinde verläßt.
Diejenigen Lehrer, welche an dem in Rede stehenden Kursus Theil nehmen wollen, werden aufgefordert ihre Gesuche bis zum 15. Mai l. I. durch Vermittelung des betreffenden Königlichen Schulvorstandes bezws. der betreffenden Stadt- schuldeputation hierher einzureichen.
Cassel, den 2. Februar 1887.
Königliche Regierung.
Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen.
* * *
Cassel, den 2. Februar 1887.
Für den am 14. Juli 1871 geborenen Sigis-
Abschriftlich mit der Veranlassung, die Lehrer1 mund Nußbaum dahier ist um Entlassung aus
(Nachdruck verboten.) Mauerröschen.
Erzählung von E. Schlegel.
(Fortsetzung.)
»Rede, rede! heute sprich meinetwegen drei Längen und drei Breiten, Röse. An der Sache selbst ändert's freilich gar nichts, aber heut höre ich Dir einmal zu!* erwiderte Veit geringschätzend.
»Denn «hört also!* sagte Rose gefaßt. »Ich mag Euch nicht — Ihr mich auch nicht I was soll das für ein Paar abgeben? Ihr habt's Euch in den Kopf gesetzt, weil ich im Dorf die Schönste war, nicht? vielleicht auch habt Ihr mit wüsten Gesellen eine Wette darum gemacht — wer weiß es? eine Wette um mein Leben, denn ich sage Euch, mein Hochzeitskleid wird auch bald mein Todtenkleid. Wir haben nie zu einander gepaßt, jetzt aber gar nicht! wißt, ich suche anderes an einem Mann, an den ich mich anhalten, und zu dem ich sprechen darf: Führe mich! Ihr seid in meinen Augen aber Einer, der selber geleitet werden müßte, vor Euch kann ich keine Achtung empfinden — und Liebe? die hab' ich schon verschenkt bis in alle Ewigkeit hinein! Seht Veit das sage ich Euch — was wollt Ihr mit einer solchen Frau?"
Veit war um keine Erwiderung verlegen. Ohne irgend welchen Eindruck klangen die Worte an seinem Ohre vorüber.
»Du sprichst wie eine Elster, der man das Reden gelehrt — ja das gezierte Reden vom Wandermaler!" entgegnete er verächtlich. »Aber
und Gemeinden auf den in Aussicht genommenen Fortbildungscursus an der Landwirthschaftsschule zu Weilburg hinzuweisen bezw. zur Theilnahme an demselben aufzufordern und über das Ergebniß bis spätestens 25. Mai d. J. zu berichten, wobei zugleich anzuzeigen ist', in welcher Weise für die Vertretung der eventuell an dem Cursus theilnehmenden Lehrer gesorgt werden kann.
In Fällen, wo für die in Vorschlag gebrachten Lehrer eine Unterstützung beantragt wird, ist jedesmal bestimmt anzugeben, ob die betreffende Gemeinde bezws. der Lehrer sich verbindlich gemacht hat, zu diesem Zwecke mindestens 35 M. zuzuschießen.
Königliche Regierung, Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen.
Op itz.
An die Königlichen Landräthe rc. B, 1207.
* * *
Hersfeld, den 16. Februar 1887.
1) Wird den Ortsvorständen des Kreises mit dem Auftrage zugefertigt, das weiter Nöthige hiernach mit den betreffenden Herren Localschul- darüber, ob ihre Gemeinde bereit ist, ihrem Lehrer behufs Theilnahme an dem fraglichen Cursus in Weilburg eine Beihülfe von mindestens 35 M. zu gewähren, bis zum 25. März c. zü berichten mit dem Bemerken, daß von einer etwaigen Negativanzeige abgestanden wird.
2) Werden die Königlichen Localschulinspectoren des Kreises hiervon ergebenst in Kenntniß gesetzt mit dem Ersuchen, das Erforderliche hiernach gefälligst zu besorgen und mir eventuell directe Mittheilung machen zu wollen.
1675. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz.
Hersfeld, den 18. Februar 1887.
ich sagte Dir ja schon: Es ändert an der Sache gar nichts. Du wirst meine Frau weil ich's will! Jetzt hört jedes Gethue zwischen uns auf. Komm, hier schlag ein in meine Hand zum Versprach! ist's dann abgethan."
Hannas Antlitz glühte bereits; ihre Finger griffen in furchtbarer Unruhe an dem Kleide auf- und abwärts. Noch immer stand Rose wie die Wand so weiß und rührte sich nicht. Endlich schlug sie die matten Augen auf und ließ sie mit herzzerreißendem Ausdruck auf der Mutter Gesicht ruhen.
»Gelob's!" schrie diese zornig mit einem so entsetzlichen Klang, daß Rose wie unbewußt ihren Arm ausstreckte und flüsterte: »Ich gelob's!"
Veit küßte sie. Rosewandte sich schaudernd ab, er lachte: »Wirst Dich schon daran gewöhnen."
»Wann wollt Ihr nun mit der Röse zu Eurem Vater gehen?" erinnerte Hanna vorsorglich.
Schneller als man es • dem plumpen Burschen zugetraut, drehte er sich auf dem Absatz seines Stiefels herum und antwortete: »Da kämen wir schön an! Die Röse sieht der Schulze noch nicht über seine Achsel an — die ist ihm zu betteltg."
Auf Hannas Stirn perlte der Schweiß. »Das dachte ich mir, Euer Vater ist hochmüthig — was soll nun werden?"
»Hoho, nur nicht gleich die Flinte ins Korn geworfen! nur nicht ängstlich, Mutter Hanna — ich bin großjährig! mein Vermögen ist mir ausgezahlt! Wenn der Alte nicht will, dann läßt er's bleiben! zu einer Ehe gehören nur zwei!•
dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswande- rang nach Amerika nachgesucht worden.
1818.
Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz.
# Für den Frieden, für Kaiser und Reich.
Kurz vor bet Entscheidung legen wir noch ein- mal allen Wählern recht dringlich ans Herz, mit sich zu Rathe zu gehen, für wen sie am Montag ihre Stimme abgeben sollen.
Seit Bestehen des deutschen Reichs ist der bevorstehende Wahltag vielleicht der wichtigste Tag in dem Leben der deutschen Nation. Denn an diesem Tage soll sie auf die Probe gestellt werden, ob sie mit leichtsinniger Hand zerbrechen und zerstören will, was vor sechszehn Jahren ein gnädiges Geschick dem Vaterlande gespendet hat, oder ob sie fest entschlossen ist einzutreten für die Erhaltung des Reichs und die Sicherstellung des Friedens. ,
orNffj iM-Mmnnüdch der StatWrrermvmEtM- Lothringen bezeugt hat, die Gefahr eines Krieges. In einer solchen Zeit müssen alle anderen Sorgen und Gedanken zurückgestellt werden und alle Kräfte sich anspannen, um vor aller Welt Zeugniß davon abzulegen, daß die deutsche Nation ihr Alles • setzt an ihre Ehre, und daß sie sich als ein einig Volk von Brüdern um den Kaiser schaart, der Deutschland aus seiner jammervollen Zerrissenheit emporgehoben hat zu einem großen mächtigen Reich und der trotz seines greisen Alters nicht müde wird, um dieses Reich stark und mächtig zu erhalten und dasselbe der Nation als ein heiliges Vermächtniß zu hinterlassen für Kind und Kindeskinder.
Die deutsche Nation steht vor der Frage, ob sie die ungefährdete Fortdauer des Reiches will.
»Recht so!" schmunzelte Hanna beruhigt und schon im Vorgefühl der kommenden guten Tage.
»Nach Verlauf einer Woche bestimmte Veit den Hochzeitstag. Er hatte Recht, wenn er sagte, zu warten habe er nicht nöthig. Als einziger und sehr verzogener Sohn erhielt er mit seiner Majorennität ein bedeutendes Erbe und wurde Herr über Haus und Hof und große Ländereien —
Der Pfarrer des Dorfes, von dieser Hochzeit benachrichtigt, verweigerte die Trauung. Da klopfte Veit auf seinen dicken Geldsack und bestellte sich einen Prediger aus der Stadt. Denn im Dorfe sollte alle Prahlerei entfaltet und Rose ihm angetraut werden. Alles war zur Festlichkeit vorbereitet. Rose erhielt ein weißes, seidenes Kleid und einen langen Schleier, womit sie sich vor den übrigen Dorfeinwohnern schmücken sollte. Die Prunksucht Veits kannte keine Grenzen und auch Hanna konnte nichts mehr gut und vornehm genug bekommen. Mägde, Knechte und Stadtköche liefen aus dem Schulzengute seit Tagen unablässig hin und her.
Am Hochzeitsmorgen, da kaum der Morgen graute, erwachte Rose mit einem wahnsinnigen Schrei — und silberweißem Haar. Sie hatte nicht geschlafen, auch nicht gewacht, nur entsetzlich geträumt. Wie vom Frühreif überhaucht, prächtig voll und lang hingen die herrlichen Flechten im Nacken herab, aber vom schwersten Kummer in einer Nacht gebleicht.
Hanna gerieth vor Zorn ganz außer sich.
Am Nachmittag legte man der Rose das schnee-