Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal am Dienstag, Donnerstag und Sonnabend Abonnementsprei- : vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl.

Postausschlag.

Die InsertionSgebührev

betragen für den Raum einer Spaltzeile

10 Psg., im amtlichen Theile 15 Psg.

Reklamen die Zeile 20 Pfg.

Bei größeren Aufträge» entsprechender Rabatt.

IIwmWiW fitHAhlltff

Mit wöchentlicher Kratis-AeitageIllustrirtes Ilnterhattungsökatt".

Nr. 20. Dienstag den 15. Februar 1887.

Amtliches.

Der Reichstag ist aufgelöst, weil die Mehrheit dem von dem Kaiser und Seinen Verbündeten vor­gelegten Gesetzentwürfe über die Friedenspräsenz­stärke des Deutschen Heeres die Zustimmung ver­sagt hatte.

Das Deutsche Volk soll am 21. Februar an der Wahlurne darüber entscheiden, auf Wessen Seite es treten will.

Unter Entstellung der Wahrheit wird der Ver­such gemacht, bei den Wählern über die Bedeutung der abgelehnten Vorlage und über die Absichten der verbündeten Regierungen falsche Anschauungen hervorzurufen.

Insbesondere wird das WortSeptennat" dazu gemißbraucht, um die irrthümliche Meinung zu erregen, als ob die active Dienstpflicht von drei auf sieben Jahre verlängert werden solle.

Die Regierungsvorschläge verfolgen aber einzig und allein den Zweck, den Stärkebestand des stehenden Heeres während eines Zeitraums von sieben Jahren gesetzlich zu sichern. Dies und nichts anderes ist unterSeptennat" zu verstehen. Die active Dienstpflicht, d. h. die Zeit, während welcher der Einzelne bei der Fahne zu dienen hat, soll keinerlei Veränderung erfahren.

Auf Täuschung berechnet ist ferner die Behaup­tung, daß die Beschlüsse des Reichstags über die Militairvorlage nur den Vorwand zur Auflösung gegeben hätten, und daß die Neuwahlen zur Erreichung anderer Zwecke und Ziele dienen sollen. Die Zuversicht des Kaisers und seiner Verbündeten ist nur darauf gerichtet, daß aus den Neuwahlen eine Mehrheit hervorgehen wird, welche durch Annahme der von dem früheren Reichs­tage abgelehnten Militärvorlage dem deutschen Heerwesen diejenige feste und sichere Grund­lage zu geben entschlossen ist, die nach der Ueberzeu­

(Nachdruck verboten.)

MauerrSschen.

Erzählung von E. Schlegel. (Fortsetzung.)

Nein, Mutter, jetzt weder er, noch der wilde Veit dem bin ich nie Gehorsam schuldig gewesen, war nie seine Magd, und bin keine lose Dirne, auf die er seine giftigen Späße niederschütten darf. Vor dem beuge ich mir nie!"

Du sollst und wirst Dich noch vor ihm beugen, sobald er will und ich!" lachte Hanna höhnisch.

Rose stand allein. Die Thür war wieder ein­mal dröhnend ins Schloß gefallen, doch das war hier nichts Seltenes. Welch klopfendes Herz, welch fieberheiße Wangen 1 Wie lag doch die Zu­kunft so dunkel! Was trieb nur die Mutter zu dem harten Verlangen, weshalb nur wieder die plötzliche Unterwürfigkeit vor dem wüsten Burschen? und der schwache Vater ließ alles geschehen 1 Rose stützte den schweren, heißen Kopf; alle ihre Ge­danken flüchteten wieder zu Justus o, daß doch die Zeit seines Berweilens nimmer ein Ende ge­habt hätte!

Dann noch ein Tag, der letzte Tag.

Sie mußte sich Justus wie immer gegenüber setzen. Er sah bleich und übernächtig aus, als sei kein Schlaf und keine Ruhe in seine Augen ge­kommen, schien aber glücklich, so lange er mit Rose sprach, und ihre Seele flog auf den Schwingen seiner Erzählung wieder in das weite, uferlose Land der Träume.

gung Seiner Majestät des Kaisers zur Wahrung der in schweren Kämpfen errungenen Machtstel­lung des Deutschen Reiches, zum Schutze seiner Grenzen und zur Erhaltung des Weltfriedens nothwendig ist.

Es ist die Pflicht der Behörden, gegenüber den unwahren Darstellungen der gegnerischen Parteien hierauf hinzuweisen und die Wähler über die wahre Bedeutung der Neuwahlen aufzuklären.

Die Ortsbehörden des Kreises werden daher veranlaßt, diese Bekanntmachung unverzüglich weiter zu veröffentlichen und ihr die größtmög­liche Verbreitung zu geben.

Hersfeld, den 14. Februar 1887.

Der Königliche Landrath __________Freiherr von Schleini£._

Hersseld, den 11. Februar 1887.

Es ist in neuerer Zeit verschiedenlich vorge­kommen, daß Personen, welche wegen Vergehen oder Verbrechen unter Anklage gestellt waren, demnächst aber unzurechnungsfähig befunden und nach Ueberweisung an die Polizeibehörde in Irrenhäusern rc. untergebracht wurden, aus diesen letzteren, für derartige besondere Fälle nicht immer genügend eingerichteten Anstalten entwichen und ihr verbrecherisches Treiben wieder aufnahmen.

Eine völlig befriedigende Regelung dieser Ver- Hältnisse wird erst nach Lösung der damit in Ver­bindung stehenden, gegenwärtig noch in der Er­örterung begriffenen principiellen Fragen eintreten können.

Inzwischen erscheint es zur Verhütung einer bedenklichen Verwirrung des öffentlichen Rechts­gefühls und nicht minder zur Wahrung wichtiger Interessen der öffentlichen Sicherheit und Ord­nung geboten, in gesteigertem Maße darüber zu wachen, daß Individuen der bezeichneten Gattung unter allen Umständen in einer die Eventualität der Entweichung soweit irgend möglich aus­schließenden Art und Weise internirt werden.

Und dann, dann kam die Umkehr zur furchtbaren Wirklichkeit. Das Bild war vollendet.

Wie vom Fieberfrost geschüttelt, stand sie vor ihm.

Du könntest wirklich gehen, für immer gehen?" rief sie mit todtbleichem Gesicht, als sie seine heiße Hand zum Abschied in der ihrigen hielt.

Er wendete die Augen ab, die Augen die sonst so treu und fest begegnen konnten, er senkte sie niederwärts vor ihren flehenden Blicken und sagte dumpt:Ich muß gehen!"

O nimm mich mit!" bat sie zitternd,nimm mich mit ich kann ohne Dich nicht leben!"

Süßes Kind, wenn Du den Ernst Deiner Bitte ermessen könntest!" flüsterte er mit unendlicher Wehmuth.Was soll ein Mann, der noch kein Haus, keine Heimath, kein Brot besitzt mit einem Kinde?" er fühlte wie fein Herz zuckte, sein Herz, dessen Sprache er nicht hören durfte . . .."

Es ist nur" Rose stockte, dann redete sie stoßweis fort,weil ich nimmer von Dir lassen kann x auch wenn Du plötzlich falsch wärest das muß doch bitter traurig sein, etwas lieb zu haben das das nichts von einem wissen will."

Justus kämpfte mit aller ihm zu Gebote stehen­den Willenskraft gegen das Gefühl, das sein Inneres durchtobte, nur um dem armen Kinde nicht zu zeigen, wie glühend er seine Neigung er­widere und wie das herbe Geschick sie zu erwidern verbot. Er faßte Roses Hand und preßte, ja küßte sie.Ich weiß Kind, die Liebe begehrt des anderen

Die Herren Ortsvorstände des Kreises erhalten die Weisung, mir in Fällen, in welchen Personen mit verbrecherischen Gewohnheiten von den Straf­gerichten für unzurechnungsfähig erklärt resp, den Polizeibehörden überwiefen werden, hierüber, so­wie über die Art und Weise der Unterbringung der qu. Personen jedesmal Bericht zu erstatten. 1523. Der Königliche Landrath __________________Freiherr von Schleinitz.

Zugelaufen: Dem Schäfer George Allendorf zu Hof Beiersgraben ein Schäferhund. Der Eigen­thümer kann denselben bei rc. Allendorf in Empfang nehmen.

Aus dem Landtage.

Berlin, 11. Februar. Das Abgeordnetenhaus erledigte den Etat der Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung. Es wurde anerkannt, daß der Etat mit Vorsicht aufgestellt und eine Mindereinnahme vorgesehen sei, da die inzwischen theilweise eingetretenen besseren Konjunkturen sich nicht als stichhaltig erweisen möchten. In der Hauptsache kamen aber Klagen zum Ausdruck über, die Nothlage, namentlich der westfälischen Kohlenindustrie. Es wurde gewünscht, daß durch eine Tarisermäßigung dieser Kalamität abgr- Holsen werde, da nur aus diese Weise das Absatzgebiet für die Kohlenindustrie erweitert werden könnte. Andererseits wurde die Nothlage auf eine mangelnde Konsolidation deS Kohlenindustrikbetriebes zurückgeführt. Aus der ganzen Debatte ging hervor, daß die Regierung, soweit eS die allgemeinen Staatsinteresien zulassen, thunlichst allen Wünschen entgegenkommt, daß sie sich aber nicht berech­tigt hält, aus Kosten der Steuerzahler zum Vortheil eines einzigen Industriezweiges eine Tarisermäßigung soweit ein­treten zu lassen, daß nicht einmal die Kosten des Trans- porls gedeckt werden würden. Außerdem wurde die Frage der Einschränkung der Produktion zur Verbesserung der Lage der Kohlenindustrie erörtert. Es kam dann noch eine Reihe von Einzelsragen zur Erörterung, von denen namentlich die bezüglich der materiellen Besserstellung der technischen Unterbeamten ein allgemeines Interesse hat. Der Minister sagte ein wohlwollendes Entgegenkommen zu. Im Uebrigen wurde der Etat im Ordinarium und Extra- ! ordinarium unverändert genehmigt. Indem letzteren wurde I speziell als neu eine Position von 350,000 Mark zur Her-

Herz zum Himmelreich," sagte er mit bebender Stimme,und ich habe Dich lieb! aber meinem Herzen gebietet die Pflicht noch frei sich zu erhalten, frei für mein Wandern, frei für meine Kunst." Im Uebermaß seiner Empfindung küßte er auch ihre reine Stirn und hauchte dann sein letztes Wort,:Lebewohl .. ."

Ein kleines Buch glitt in ihre Hand es war das Märchen vom Dornröschen sie küßte es, kauerte sich damit aus den Erdboden und weinte dann still und bitterlich in sich hinein.

Ueber ihren Himmel spannte sich von da ab ein düsterer Flor, die ganze Erde schien voll Weh­klagen.

In der rauhen Herbstluft erkrankte plötzlich der Vater, und an einem stürmischen Novembertage trug man ihn hinaus auf den Friedhof.

Frau Hanna schaltete von nun ab unbarmher­ziger den je zuvor. Oede schlich die Zeit dahin, Monate zogen ins Land.

Die innegehabte Wohnung hatte Hanna nach dem Tode ihres Mannes sogleich einer neuen Gefangen« wärter-Familte einräumen müssen und wohnte jetzt ohne jegliche Pension mit Rose in einem dämmrigen Dachstübchen des Gefängniffes. Das verbitterte ihre Stimmung vollends.

Rose wurde mit jedem Tage bleicher; sie schien abgestorben für alle Vorgänge. Still, ohne Er­widerung ertrug ste die rauhe Behandlungsweise von feiten der Stiesmutter. Nur Roses Augen verriethen einen namenlosen Kummer.