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Mit wöchentlicher Kratis-Aeitage „Illustrirtes Anterhattungsötatt".
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Nr. 18. Donnerstag den 10. Februar 1887.
Amtliches.
Hersfeld, den 7. Februar 1887.
Für die am 25. März 1869 zu Niederaula geborene Clara Jacob ist um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
1388. Der Königliche Landrath ___Freiherr von Schleinitz.
Bekanntmachung.
Jeder Landbriefträger führt ein Annahmebuch, in welches er die angenommenen Sendungen mit Werthangabe, die Einschreibsendungen, die Postanweisungen und gewöhnlichen Packete, sowie die Nachnahmesendungen und die für Zeitungen vorausbezahlten Beträge einzutragen hat. Will der Absender die Eintragung selbst bewirken, so ist diesem das Annahmebuch vorzulegen. Auch kann der Absender die Vorlegung des Buches verlangen, um von der seine Sendung betreffenden Eintragung JitiH3rmfcbrtcfträßer£---^irtTrit’^----- Cassel, den 3. Februar 1887.
Der Kaiserliche Oder-Postdirector zur Linde.
# Der Monopoljchwindel.
In allen Reden und Blättern der freisinnigen Partei ist es der Regierung in den letzten Jahren wiederholt.zum Vorwurf gemacht worden, daß sie das Land fortgesetzt mit Steuer- und Mono- polprojecten „beunruhige."
Steuer- und Monopolprojecte sind gegenwärtig nicht vorhanden, wohl aber eine großartige Beunruhigung, welche fortgesetzt durch die freisinnige und ultramontane Partei in's Land getragen wird mit der Lüge, daß die Regierung Monopole einführen will und daß die Wahlen keinen anderen Zweck hätten, als eine monopolfreund- liche Reichstagsmajorität zu erhalten.
(Nachdruck verboten.)
Maueeröschen.
Erzählung von E. Schlegel.
(Fortsetzung.)
Diese Erklärung zog Röschens regstes Interesse hervor. „Malen Sie denn nur Blumen, oder auch so schöne Bilder, wie hier in der Stadt an den Fenstern hängen?"
„Ich male auch Bilder, also Menschen, Thiere, Bäume, Himmel und Wasser!"
„Nun, fragte Röschen unbefangen, frei und unaufhörlich. Es war die kurioseste Lehrstunde, die je gesordert und gegeben wurde. Roses Anschauungen bekundeten den welterfahrenen Künstler bald ein noch unberührtes, tiefsinniges Mädchengemüth, im Reiz noch erhöht durch wunderbare Körperschönheit. Das war, wenn auch kein Talent, so doch eine reine Perle, ein fast unbegreifliches Wunder inmitten einer Weltstadt voll frühreifer Entwicklung. Kurz vor dem Ziel Röschens reichte Justus dem Mädchen die Hand. „So," sagte er liebreich, „nun sage ich Dir für heut Lebewohl! Morgen sehen wir uns wieder."
„Morgen gehe ich aber nicht aus!"
„Aber Morgen komme ich zu Deinen Eltern um mir von ihnen die Erlaubniß zu erbitten, Dich malen zu dürfen. Ich komme sicher, lebe wohl, Mauerröschen l"
Noch ehe sie sich von ihrem erschreckten Erstaunen erholt, war er fort. Rose wußte nicht, ob sie sich mehr über seinen angekündigten Besuch, oder über
Mit dem „Monopol" wird jetzt ein ebensolcher Unfug getrieben wie mit der „Reaction". Weder an jenes noch an diese wird außerhalb der freisinnigen und ultramontanen Partei gedacht. Fürst Bismarck hat diese Vorspiegelungen für eine Ver- läumdung erklärt, an die — wie er hoffe — die ehrlichen Unterthanen des Königs nicht glauben werden. Trotzdem wird immer wieder und wieder dasselbe Lied angestimmt. Diesem Ge- bahren gegenüber kann nicht laut genug ins Land gerufen werden, daß Leute, welche die Lüge von Monopolprojecten verbreiten, dies wider besseres Wissen thun. Mit dem Monopolschwindel suchen sie die Kriegsgefahren zu verhüllen und während sie entrüstet sind über diejenigen, welche auf den Ernst der Lage und auf die Möglichkeit kriegerischer Verwickelungen Hinweisen, während sie die Gefahren, die von jedem vernünftigen Mann, von allen Staatsmännern Deutschlands wie Europas gesehen werden und fast mit Händen zn greifen sind, wegleugnen und unbegründet sind und der Friede erhalten bleiben wird, sind sie gewissenlos genug, das Volk mit Monopolprojecten zu beunruhigen, die nur in ihrer Phantasie existiren, und die Kriegsfurcht mit der Monopolfurcht zu bekämpfen. Die Leute sind Monopolschwindler in doppeltem Sinne: einmal weil sie dem Volke gar nicht existirende Monopolprojecte vorspiegeln, und sodann, weil sie so thun, als ob sie der beste Wall gegen Monopole seien.
Gerade das Gegentheil ist der Fall. Das beste Mittel gegen die Einführung von Monopolen besteht vielmehr darin, daß unter keinen Umständen Ultramontane, Freisinnige, Socialdemokraten rc. gewählt werden. Denn eine Reichstagsmajorität, welche sich aus diesen Parteien zusammensetzt, schwächt das Ansehen Deutschlands und verweigert, wie wir gesehen haben, das, was zur Verstärkung
sein angekündigtes Vorhaben verwundern sollte. Weshalb nur wollte er sie, gerade sie malen, wo es doch in der Stadt so viele schön geputzte Damen gab? und „Mauerröschen" hatte er sie zuletzt genannt — und was würde Vater, Mutter zu der ganzen Geschichte sagen? vor der Mutter fürchtete sich Rose, denn sie handelte oft heftig und hart gegen sie, weil sie nur ein Stiefkind war.
Von der Begegnung verrieth Rose nicht ein Wort; das Geständniß wollte und wollte nicht über ihre Lippen, fürchtend, rohen Späßen oder Rügen preisgegeben zu werden.
Am andern Morgen zu früher Stunde kam Justus wirklich mit einem großen Malkasten unterm Arm. Er trat den Eltern Roses sehr höflich und freundlich entgegen und erklärte ihnen ohne Umschweife den für sie schmeichelhaften Zweck seines Besuches. Der Gefangenwärter, ein schlichter, etwas beschränkter Mann, der aber sehr wohl wußte, daß seine Tochter sehr schön sei, hatte ge- rade so wenig Einwendungen dagegen, wie seine schlaue Hanna, die sich einredete, solche Idee könne nur im Kopfe eines über alle Maßen Verliebten entstehen und folgerte daraus eine baldige reiche Heirath Moses mit dem jungen Maler — eine Verbindung, die sie all den drückend kleinen Verhältnissen entheben werde.
Tag für Tag kam Justus. Ein nie geahntes Wunderreich erschloß sich nun vor der Wissens- durstigen Rose. Justus schilderte aus seinem Wanderleben die herrliche, weite Welt, die fremdländischen Städte, die Berge und Thäler, und
I der Wehrkraft und zur Erhaltung des Friedens unbedingt nothwendig ist. Geht eine solche Majorität aus den Wahlen hervor, dann wird Frankreich zweifellos zum Kriege ermuthigt. Wer aber kann für unseren Sieg bürgen? Sollten wir — was Gott verhüten möge — geschlagen werden, dann wird uns der Feind so furchtbare Lasten auferlegen, daß wir — mögen wir nun wollen oder nicht, ob wir nun von den Herren Richter, Windthorst oder Grillenberger oder von allen Dreien regiert werden oder nicht — uns zur Bezahlung der feindlichen Kriegscontributionen Monopole auferlegen müssen. Nach einer Berechnung der Kreuzztg. hat Frankreich uns in den Jahren 1806-1813, wo es nur 4 Mill. Preußen gab, nach heutigem Gelde eine Kriegsbuße von 6 Milliarden Francs auferlegt; nach demselben Maßstab würden wir im Falle unserer Niederlage bei 48 Millionen Deutschen 12 x 6 Milliarden, also 72 Milliarden Francs bezahlen müssen : in einem schieben ^nfsp mnk^n mir sebsiek- ttch Alles monopoliftren. Erst barm--iEbc« Mo-- nopolprojecte in Frage stehen. Wer einen Krieg und unsere Niederlage und somit die Einführung von Monopolen verhindern will, muß unter allen Umständen zu verhindern suchen, daß die Monopolschwindler, also die Freisinnigen, Ultramontanen und Socialdemokraten, in den Reichstag kommen. Also nur keine Monopolschwindler!
Aus dem Landtage.
Berlin, 8. Februar. Das Abgeordnetenhaus erledigte in einer einzigen und verhältnißmäßig kurzen Sitzung die ganze Berathung des Etats deS Ministeriums des Innern im Ordinarium und Extra-Ordinarium. Die Erledigung hätte noch weit schneller erfolgen können, wenn nicht der schon oft erörterte Rheinbrohler Fall von dem Abgeordneten Rimelen (Centrum) abermals in die Debatte gezogen wäre und zu einer fast zweistündigen Erörterung geführt hätte. Im Uebrigen kamen bei der Berathung nur Wünsche von geringer Bedeutung zum Ausdruck, welche die Staatsregierung zumeist lediglich zur Kenntniß nahm.
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alles mit einem Jauchzen über die erhabene Schönheit der Natur, so, daß auch Rose dadurch begeistert und hingerissen wurde. Alles erschien ihr neu, der Himmel, die Erde, das ganze Leben. Wohin sie ging, wohin sie schaute, war es anders, und zu jeder Stunde gehörten ihre Gedanken dem geliebten Manne.
Tiefes Empfinden und Aufmerken hatte ihren Geist erfaßt, seit JustuS ihr Freund und Lehrer geworden.
So reihten sich die Tage aneinander, viele verplaudert im Beisein der Eltern auf der Mauerbank unter des Herrgotts blitzenden Sternen, von denen Rose nun wußte, daß es Milliarden sich drehender Welten seien, und durchschauert von der Ahnung an ein wundervolles Glück, an ein Blühen und Sonnenleuchten überall.
Roses Porträt nahte der Vollendung. Mit verwunderten Blicken betrachtete sie das Werden ihres Bildes, o so schön, so liebreizend! und das sollte sie sein?
„Bin ich -das denn wirklich, Herr Justus?" fragte sie halb ängstlich.
„Steh Dich nur einmal in den Spiegel, der wird Dir die Antwort daraus geben!"
Aber Rosa that es nicht.
„So gehe doch und frage: Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land? kennst Du das Märchen vom Schneewittchen ?"
Sie schüttelte den Kopf, während die leicht fließenden Thränen ihre Augen füllten. «Ich