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fertig der Verwandten des 6. Grades in den Zinsengenuß dahier beantragt worden ist, werden diejenigen Verwandten des 5. Grades, welche ihre in dem Collocationsbescheide vom 6. December 1819 festgesetzten Legatenantheile noch nicht erhalten zu haben vermeinen resp, deren Erben, hiermit aufgefordert, ihre vermeintlichen Ansprüche bis spätestens zum 1. April d. I. bei dem Unterzeich­neten anzumelden und zu begründen, widrigenfalls dieselben mit ihren Ansprüchen ausgeschlossen werden und vollständige Befriedigung der Verwandten des 5. Grades angenommen werden wird.

Zugleich werden die Verwandten des 6. Grades (Urenkel der Geschwisterkinder) der Metropolitan Ludolph'schen Eheleute hiermit aufgefordert, ihr Verwandtschaftsverhältniß zu dem Stifter bzw. dessen Ehesrau mittels amtlicher Stammbäume, welche Geburtsjahr und Tag der Reflektanten er­sehen lassen müssen, ebenfalls bis spätestens zum 1. April d. J. dahier nachzuweisen und ihre An­sprüche aus den Zinsengenuß des Legats geltend zu machen.

Die Verwandten männlichen Geschlechtes, welche sich einem Studium gewidmet haben, haben solches durch amtliche Atteste, aus welchen auch der Zeit­punkt des Beginns des Aufenthaltes aus der Uni­versität rc. hervorgehen muß, nachzuweisen, ebenso haben die Verwandten weiblichen Geschlechts nach­zuweisen, ob und evtl. wann sie sich verheiratet haben.

Für die bereits verstorbenen Verwandten des 6. Grades können die resp. Ansprüche von deren Erben, welche sich als solche zu legitimiren haben, geltend gemacht werben.

Diejenigen Verwandten des 6. Grades, welche die Anmeldung und Begründung ihrer Ansprüche innerhalb der oben gesetzten Frist versäumen, bleiben bei der denmächstigen Classisication der Verwandten des 6. Grades unberücksichtigt und werden von dem Zinsengenuß des Legats ausgeschlossen.

Die etwa bereits früher eingereichten Gesuche um Verleihung von Legatenantheilen bleiben unberück­sichtigt.

Rotenburg a. F., den 31. Januar 1887.

Der Königliche Landrath v. Altenbockum.

Gefunden: eine Pferdedecke. Meldung des Eigen- thümers bei dem Ortsvorflaude zu Lerershausen.

# Der Papst und das Septennat.

AL neulich von einigen Blättern gemeldet wurde, daß der Papst in Sachen des Septennats sich geäußert habe oder äußern werde, suchte die ultramontane Presse eine derartige Kundgebung für unmöglich zu erklären, mit dem Hinzufügen, daß eine solche das Centrum sofort sprengen werde. Nunmehr liegt eine solche Aeußerung in einem Briefe des Cardinalstaatssecretärs Jacobini vom 21. Januar an den päpstlichen Nuntius in München vor.

Aus diesem Briese geht hervor, daß der heilige Vater schon vor der im Reichstage erfolgten Ent­scheidung dem Centrum seine Wünsche wegen Annahme des Septennats ausgesprochen hat. Diese Wünsche sind nicht berücksichtigt worden, und es scheint, als ob die Führer des Centrums die Partei nicht von denselben in Kenntniß gesetzt

leuchtender Sterne über dem Hofe schimmerten, dann war's so schön und Röschen athmete tief und meinte, jeder Athemzug müsse ungehindert jene Sterne streifen, und träumte sich weit, weit fort in eine andere Welt, die sie aber weder nennen, noch näher bezeichnen, die sie nur fühlen konnte. Auf der Straße durfte sie nie träumen, da gab es osort Stöße rechts und links, oder es schob ihr ;ar einer ihren Hut bis tief über die Nase des- M war ihrs daheim hinter der Mauer viel be- saglicher.

»Worüber sinnst Du?" störte Justus sie auf. Sie erröthete noch mehr und sagte ausweichend: »Wie macht man das, wenn man Blumen malt?"

»Das läßt sich wörtlich nicht gut sagen, Rös­chen. Man nimmt Papier, zeichnet die Blumen darauf und färbt ihnen danach mit Pinsel und Farbe das Kleidchen."

(Fortsetzung folgt.)

Aus dem Unter-Elsaß, 31. Januar. Wenn die Kriegsgerüchte geeignet sind, Handel und Verkehr lahm zu legen, so giebt es doch auch Fälle, in denen dieselbe eine entgegengesetzte Wirkung aus­üben. Kaust sich da unlängst ein Einwohner, um während des Kriegs keinen Hunger zu leiden, zwei Centner Kochsalz, 1 Centner Zucker, 25 Pfund Kaffee, eine Quantität Reis und andere Spezerei- waaren, so daß er im Ganzen eine Rechnung von über 100 Mark zu bezahlen hatte. Doch,wenn Herz und Mund sich laben, muß die Nase auch was haben," das läßt sich unser Käufer gesagt

haben. Nachdem am 14. Januar im Reichstage mit Hülfe des Centrums das Septennat zu Falle gebracht worden, hat sich Freiherr von Francken- stein in einem Schreiben an den Cardinalstaats- secretär Jocobini bemüht, das bei der Abstim­mung über die Septennats-Gesetzvorlage vom Centrum beobachtete Verfahren zu rechtfertigen und zugleich einen Vorstoß nach der Richtung zu machen, daß er erklärte, mit der Mehrzahl seiner Collegen _ auf weitere Mandate verzichten zu wollen, falls der Papst glaube, der fernere Be­stand des Centrums sei nicht mehr nothwendig. Auf dieses Schreiben bildet das oben erwähnte Schreiben Jacobinis vom 21. Januar die Ant­wort. In demselben beleuchtet Jacobini die Stellung der Curie zu dem Septennat folgender­maßen:

Dem Centrum in seiner Eigenschaft als politische Par­tei ist stets unbeschränkte Aktionssreiheit eingeräumt «or- den, sobald es sich aber um die Interessen der Kirche han­delt, würde es in dieser Eigenschaft dieselben nicht nach eigener Anschauung vertreten können. Wenn der Heilige Vater geglaubt hat, dem Centrum seine Wünsche hinsicht­lich des Septennats aussprechen zu müssen, so ist das dem Umstände zuzuschreiben, daß diese Frage mit Fragen von religiöser und moralischer Bedeutung zusammenhängt. Zunächst lagen triftige Gründe vor, anzunehmen, daß der endgiltigen Revision der Maigesetze ein mächtiger Impuls und eine große Berücksichtigung seitens der Regierung zu Theil geworden wäre, wenn die letztere durch das Beneh­men des Centrums bei der Abstimmung über das Septen­nat befriedigt worden wäre. Der Heilige Stuhl hätte dann in zweiter Linie durch Vermittelung des Centrums auf Erhaltung des Friedens hingearbeitet und sich auf diese Weise der Berliner Regierung verpflichtet und dieselbe günstig für das Centrum und freundlich für die Katholiken gestimmt. Schließlich hat der Heilige Stuhl mit seinen hinsichtlich des Septennats ertheilten Rathschlägen eine neue Gelegenheit herbeiführen wollen, sich dem deutschen Kaiser und dem Fürsten Bismarck angenehm zu machen; außerdem kann der Heilige Stuhl von dem Standpunkte seiner eigenen Interessen, welche mit den Interessen der Katholiken identisch sind, sich nicht eine Gelegenheit entgehen lassen, durch welche er für die Verbesserung seiner künftigen Lage das mächtige deutsche Reich günstig stimmen könnte. Vorstehende Betrachtungen, welche sich nach der Anschauungs­weise des Heiligen Stuhles auf die mit dem Septennat zusammenhängenden religiösen und moralischen Fragen be­ziehen, hatten den Heiligen Vater veranlaßt, seine Wünsche dem Centrum zu erkennen zu geben. Das gegenwärtige Schreiben, welches gleich dem früheren die erhabenen An­sichten des Papstes wiedergibt, wollen Sie dem Baron von Franckenstein mittheilen und ihn beauftragen, dasselbe zur Kenntniß der Centrums-Mitglieder zu bringen, gz. Jacobini.»

Der Papst hält also trotz der Rechtfertigungs­versuche Franckensteins seine Stellung in der Septennatsfrage in einer Weise aufrecht, welche jeden Widerspruch ausschließt, und beauftragt den Freiherr» von Franckenstein ausdrücklich, hiervon die Centrumsmitglieder in Kenntniß zu setzen. Wie werden sich Dem gegenüber die katholischen Wähler verhalten?__

Aus dem Landtage

Berlin, 4, Februar. Das Abgeordnetenhaus berieth heute den Etat der Eisenbahnverwaltung. Abg. Dr. Meyer- Breslau (deutschfreis,) hielt dafür, daß auch heute noch kein abschließendes Urtheil darüber möglich sei, ob die Verstaatlichung sich finanziell als vortheilhast erweise. Zu­gleich brächte er beschwerend verschiedene Einzelpunkte zur Sprache. Abg. Graf v. Kanitz (kons.) dagegen sprach seine volle Anerkennung für die Leistung der Eisenbahnverwal­tung und das von ihr befolgte Tarissystem aus. Der Minister der öffentlichen Arbeiten Maybach wies dem Abg. Meyer gegenüber aus die hohen Zwecke der Staatseisen- bahn-Verwaltung hin; bei ihr handele es sich nur soweit

sein und vermehrt seine Einkäuse noch um einen halben Centner Schnupftabak, weiter auch während des Krieges seine Prise nicht missen will.

S w in e n d e, 31. Januar. (Ein ge­nügsamer Gatte.) Unter den Passagieren der Gothia", welche von hier nach Rew-Aork abge­gangen, befand sich auch (wie das Kreisbl. für Us.-Woll. meldet) eine Frau, die ihrem Manne davongelaufen war und nun mit ihrem Liebhaber dem fernen Westen zufährt, um sich dort mit ihm ein neues schöneres Heim zu gründen. Bevor das edle Paar aber seine Reise alttrat, wurde es von dem Manne der Frau überrascht. Der betrogene Gatte nahm die Hülfe der Polizei in Anspruch und machte mit Nachdruck sein Recht auf seine bessere Hälfte geltend. Wie er aber sah, mit welch' großer Liebe sie an ihrem Liebhaber hing, da ward er immer nachgiebiger und gab sie endlich frei unter der Bedingung, daß der Liebhaber ihm 15 Mark als Abstandssumme zahle. Nachdem der Gatte dann noch einen Kuß von seiner ver­kauften Gattin erhalten, schieden sie von einander in Frieden und Eintracht.

Ueber das bereits gemeldete Erdbeben zu Aquila in den Abruzzen wird von dort des Weiteren geschrieben: Der erste Stoß war leicht und wurde vielfach gar nicht bemerkt. Gegen Mitternacht aber krachte und dröhnte es allenthalben. Die fußdicken Mauern der alten Paläste zitterten und die Fenster klirrten. Es war eine rhythmische Bewegung von neun Stößen in rascher Aufeinander­folge, jeder in der Dauer von etwa vier Secunden.

Beim Tribunals-Prästdenten war gerade Ball. Nach der Erderschütterung wurde die Festlichkeit sofort eingestellt. Die Bevölkerung ist arlarmtrt, umsomehr, als auf dem Observatorium eine Fort­setzung der Erderschütterungen angekündigt wurde. Man ist um so besorgter, als ein großes Erdbeben das im Jahre 1703 halb Aquila zerstörte, ebenfalls in den Winter fiel, fast genau in diese Jahreszeit, nämlich aus den 2. Februar. Häuser und Werk­stätten stehen leer. Alles ist auf den Beinen unter freiem Himmel und man übernachtet im Freien. Indem ich dies in meinem Zimmer schreibe," so schließt der betr. Berichterstatter, »sehe ich meine Hausgenossen, in Mäntel gehüllt, im Garten sitzen und zu Mittag essen. Auf dem Schnee steht der Tisch und im Schnee sind daneben die üblichen bracieri (große Kohlenpfannen, Gluthpsannen) ausgestellt.

(Der Gipfel der Langlebigkeit.) A.:Ich hatte einen Onkel, der ein Alter von 105 Jahren erreichte." B.:Und ich eine Tante, die im Alter von 115 Jahren starb." C.: »Unsinn l Mein Großvater wurde 145 Jahre alt." D.: »Das ist gar nichts, meine Herren, in meiner Familie ist überhaupt noch niemals Je­mand gestorben."

(Pariert.) Patient (wüthend): »Aber, Herr Doctor, wie können Sie mir eine solche Dosis Jod verschreiben? Wissen Sie, wie mein Freund Sie genannt hat? Einen Viehdoctor l" Doctor (mit sarkastischem Lächeln): »Aber das brauchen Sie sich wirklich nicht gefallen zu lassen."

um finanzielle Erfolge, als nicht die Steuerzahler zur Ver­zinsung der Eisenbahnschuld herangezogen werden durften. Worauf es ankomme, sei die Hebung des Volkswohlstandes und diese erfolge durch niedrige und gleichmäßige Tarife. Der Herr Minister betonte im Uebrigen, daß gleichwohl die Eisenbahnverwaltung trotz der vielsachen Mehraufwen­dungen, die sie für Verbesserung der Gehälter rc im Ver­gleich zu den Privatbahnen mache, nach Abzug der Schuldverzinsung einen erfreulichen Ueberschuß habe. Es könne auch nicht zweifelhaft sein, daß, wenn erst die Ueber- gangszeit ganz überwunden sei, die Verstaatlichung eine ganz ungetheilte Anerkennung im Lande finden werde. Abg. Dr. Natorp (nat.-lib.), Freund des Staatsbahnsy­stems, hält das Verhältniß der Staatsbahnen zu den in« dustrieellen Anschlußbahnen reformbedürftig. Abg. Dr. v. Jazdzewski wünscht Verlängerung der Retourbillets für Arbeiter und beklagt die Versetzung polnischer Beamten in rein deutsche Gegenden. Morgen: Fortsetzung der Bera­thung. des Eisenbahnetats.

Berlin, 5. Februar. In der heutigen Sitzung deS Abgeordnetenhauses wurden bei Fortsetzung der Berathung des Eisenbahnetats wiederholt, auch von bisherigen Geg­nern des Staatsbahnsystems, die persönlichen Verdienste des gegenwärtigen Ministers um die Verwaltung aner­kannt. Abg. Dr. Hammacher (nat.-lib.) konstatirte, daß die Eisenbahnverwaltung einen Ueberschuß von 220,800,000 Mk. ergeben, der nicht blos die Zinsen der Eisenbahnschuld, sondern die der gesammten Staatsschuld sowie die Amor- tisationsq roten decke, und daß für andere StaatSzwecke doch noch 31 Millionen erübrigten. Ebenso wurde vom Mi­nister der öffentlichen Arbeiten Maybach hervorgehoben, daß das Eisenbahnanlagekapital ein Rente von 5,46 Pro­zent abwerse, gewiß ein günstiges Resultat, auf das er indeß keineswegs stolz sei, weil der Zweck des StaatSbahn- systems nicht auf hohe Renten, sondern aus die Förderung deS Wohlstandes des Landes gerichtet sei. Gleichzeitig konnte der Minister statistisch Nachweisen, daß erfreulicher­weise die Zahl der Eisenbahnunsälle im Rückgänge be­griffen sei, was aber die Verwaltung nicht abhalte, ihre Fürsorge für Sicherheit des Verkehrs fortzusetzen. Von den zu diesem Etat vorliegenden Petitionen wurden die von Neubautechnikern der früheren Rheinischen Eisenbahn- gesellschaft um Uebernahme in den unmittelbaren Staats­dienst und von Eisenbahn-Telegraphisten um Versetzung in die II. Klaffe der Subalternbeamten nach längerer Debatte zur Berücksichtigung überwiesen. Bei den Ausgaben wur­den noch mehrfache Wünsche zumeist lokaler Natur ausge­sprochen, im Uebrigen aber der Etat im Ordinarium un­verändert genehmigt. Dienstag: Etat des Ministerium» des Innern.

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) Am Sonnabend Vormittag nahm Se. Majestät der Kaiser den Vortrag des Grafen Perponcher entgegen, empfing den Commandeur der 17. Infanterie-Division, General- Lieutenant Bronsart von Schellendorff und arbeitete Mittags längere Zeit mit dem Chef des Militär- Cabinets v. Albedyll. Nachmittags vor dem Diner hatte der Monarch eine längere Conferenz mit dem Unterstaatssecretär des Aeußern Grafen Herbert V. Bismarck.

DemArmeeverordnungsblatt" zufolge beträgt die Zahl der zur Ausbildung mit dem Repettrge- wehr einberufenen Reserven 73,000. Die Uebungen finden vom 7. bis 18. Februar statt.

In den nächsten Tagen bereits dürfte dem Ab­geordnetenhause die Vorlage betr. die Verstaat­lichung einer Anzahl von E i s e n b a h n e n, sowie betr. den weiteren Ausbau desSecundärbahn- netzes zugehen.

Die nächste General-Versammlung der Katho­liken Deutschlands soll, wie der Fürst zu Löwenstein bekannt macht, in T r i e r abgehalten werden.