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Mit wöchentlicher Kratis-Aeitage „MustrirLes AnterhatLungsökatL".
Nr. 17?
Dienstag den 8. Februar
1887.
Amtliches
Hersfeld, den 7. Februar 1887.
In Verfolg meiner Verfügungen von: 15. v.Mts. Nr. 437 (Extrablatt zum Kreisblatt) und vom 27. ej. Nr. 974 (Kreisblatt Nr. 14) werden die Herrn Bürgermeister und Ortsverwalter des Kreises hierdurch angewiesen, noch im Laufe dieser Woche, jedenfalls aber bis spätestens zum 12. d. Mts. in Ihren Verwaltungsbezirken öffentlich bekannt machen zu lassen, daß die Wahl zum Reichstage am 21. d. Mts. stattfindet, und daß die Wahlhandlung um 10 Uhr Vormittags beginnt und um 6 Uhr Nachmittags geschlossen wird, wobei zugleich nochmals die Abgrenzung des betreffenden Wahlbezirkes, das Wahllokal und der Name des Wahlvorstehers und dessen Stellvertreters anzugeben ist.
Im Weiteren haben dieselben in Gemäsheit des § 4 des Reglements vom 28« Mai 1870 die Wählerlisten am 15. d. Mts. abzuschließen, und nach vorgängiger ordnungsmäßiger Vollziehung der auf diesen vorgedruckten Bescheinigungen das Hauptexemplar derselben nebst den Belagstücken sorgfältig aufzubewahren, das zweite Exemplar dagegen dem betreffenden Wahlvorsteher Behufs Benutzung bei der Wahl alsbald zuzustellen.
1334, Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 7. Februar 1887.
Den Herren Wahlvorstehern der Landgemeinden des Kreises wird in diesen Tagen je ein Exemplar des Wahlgesetzes vom 31. Mai 1869 sowie des dazu erlassenen Reglements vom 28. Mai 1870 nebst einem Formulare zu dem über die Ermittelung des Wahlergebnisses aufzuneh- _____ ___________,..,.....„
menden Protokolle und zu der dabei zu führenden I gesetzes für den Reichstag vom 31. Mai 1869
(Rachdruck verboten.)
Mauerroschen.
Erzählung von E, Schlegel.
Neben dem großen, düsteren Stadtgefängniß, von derselben hohen Mauer umschlossen, wohnte seit einem Jahr der Gefangenwärter Ranin mit seiner Frau und der einzigen Tochter. Rose war ein auffallend schönes Mädchen von vierzehn Jahren, bislang ausgewachsen in der Stille eines nachbarlichen Dorfes. Auf den Wegen in der Stadt sah wohl mancher dem liebreizenden Kinde staunend oder entzückt in's Antlitz, ja mancher folgte ihrer Spur bis da, wo Gefängnißthor und Mauer ihre Erscheinung den Blicken entzogen.
Zur Seite der Wärterwohnung lag ein kleines, bepflanztes Fleckchen, der sogenannte „Garten.* Diese Bezeichnung aber kam der höchsten Ironie gleich, denn alles in diesem Garten zeigte vor Sonnenbrand und Steingeröll nur eine rostbraune Färbung und ein unbeschreiblich kümmerliches Wachsthum. Von Grün war keine Spur. Dennoch besuchte Rose dieses Plätzchen täglich. Neben der von verdorrten Moosflechten stellenweis über» rankten Mauer stand eine halb verwitterte Holzbank, darauf saß sie und arbeitete jeden Nachmittag. Ein einziger Kastanienbaum wölbte sein gelblich braunes Laubdach darüber. —
Als Rose wieder einmal in der Stadt Aufträge der Mutter erledigte, bemerkte sie, daß ein Mann ihren Schritten mit ganz besonderer Aufmerksamkeit folge. Obwohl sie sich sehr hütete ihn gar zu
Gegenliste Behufs Benutzung bei der am 21. d. Mts. stattfindenden Reichstagswahl zugesandt werden, und wollen dieselben mit den bei der Wahlhandlung zu beachtenden Bestimmungen sich alsbald genau bekanntmachen und sorgfältig danach verfahren.
Insbesondere mache ich darauf aufmerksam, daß namentlich die Vorschriften der §§ 9 bis 25 des Reglements zu beachten sind, und daß sowohl zu Beisitzern als zu Protokollführern nach § 9 des Wahlgesetzes nur solche Personen herangezogen werden dürfen, welche kein unmittelbares Staatsamt bekleiden, mithin z. B. auch Standesbeamte ausgeschlossen sind, wenn solche ihre Besoldung aus der Staatskasse beziehen. Auch müssen die Wählerlisten, wie die Protokolle und die Gegenlisten von dem gesamm- ten Wahlvorstande, also von dem Wahlvorsteher, dem Protokollführer und den Beisitzern unterschrieben werden, und ungültig erklärte Stimmzettel sind mit fortlaufender Nummer zu versehen und dem Protokolle, in welchem die Gründe angegeben werden müssen, aus denen die Ungültigkeitserklärung erfolgt ist, beizuheften. Die Wahlprotokolle mit sämmtlichen zugehörigen Schriftstücken müssen sodann ungesäumt mir eingereicht werden, so daß sie spätestens am 24. d. Mts. Nachmittags 2 U h r in meinen Händen sind.
Die Herren Bürgermeister der Wahlorte, welche nicht selbst Wahlvorsteher sind, haben den Herren Wahlvorstehern diese Verfügung zur Einsicht mitzutheilen.
1335.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
Bekanntmachung.
Mit Bezugnahme auf den § 26 des Reglements vom 28. Mai 1870 zur Ausführung des Wahl-
dreist anzusehen, so gelang es ihr mit Mädchenlist dennoch, bald zu erspähen, daß es ein junger und schöner Begleiter war. Sein Haar, etwas lang und sehr dunkel, fiel lockig herab, seine Augen funkelten wie schwarze Diamanten.
Sobald bei allzugroßer Eile Roses eine Straßenecke sich trennend zwischen schob, so hemmte sie absichtlich ihre Schritte, damit — nun damit —
Aber weshalb denn, lieber Leser, mußt Du gleich alles Wissens
Vor einem Blumenladen blieb Rose endlich erwartungsvoll stehen. Ob er wohl — O wirklich, wirklich I er kam, er lächelte. — Da flatterte, ohne daß er's bemerkte, ein bemaltes Blatt Papier aus seiner Mappe — Rose trat herzu, bückte sich, hob es auf und gab es tief erröthend und verlegen zurück. Er nickte so dankbar und begann zu plaudern — aber wies so, daß er Roses Kinderherz und Vertrauen wie im Sturm eroberte. Er wies gleich zu Anfang auf die duftenden Blüthen und fragte: „Liebst Du auch die Blumen, mein kleines Röschens*
Rose lLckte und sah ihn mit ihren großen, ernsten Rehaugen überrascht an. Woher er nur wußte, daß sie Rose Hießs „Sie kennen mich Wohls* entgegnete sie schü . lern.
„Nein, ich denke mir aber, daß Du nur Röschen heißen kannst.*
„Lieben Sie denn auch die Blumen s*
„Ich liebe sie so sehr, Röschen, daß ich sie male und die Menschen glauben machen möchte, jede Blume sei eines Engels Kuß oder eines Engels
bringe ich hierdurch zur öffentlichen Kenntniß, daß die Ermittelung des Ergebnisfes der am 21. d. Mts. vorzunehmenden Wahl eines Reichstagsabgeordneten für den 6. Wahlkreis im Regierungsbezirk Caffel am Freitag den 25. d. M t s. von Morgens 9 Uhr an im hiesigen Rathhaussaale Statt finden wird, und der Zutritt zu dem Lokale jedem Wähler offen steht.;
Hersfeld, am 7. Februar 1887.
Der Wahlcommissar für den VI. Wahlkreis im Regierungsbezirk Caffel:
Freiherr von Schleinitz,
1336.________Königlicher Landrath.____________
Hersfeld, den 7. Februar 1887.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche noch mit Erledigung meiner Verfügung vom 3. Januar c. I. Nr. 51 im Kreisblatt Nr. 3, die Einreichung der Rekrutirungs- Stammrollen 2C. de 1867,1866 und 1865 betreffend, im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 12. b. Mts. beiMeidungvon je 3 M. Strafe erinnert.
51. Der Königliche Landrath ___________Freiherr von Schleinitz.
Bekanntmachung.
Der zu Lichtenau (Kreis Witzenhausen) verstorbene Metropolitan Caspar Ludolph hat im Jahre 1736 eine letztwillige Verfügung errichtet, nach welcher er u. A. den Mitgliedern seiner und seiner Ehegattin, geb. Metz, Familie den Zinsengenuß eines Capitals von 2100 Thalern = 6300 M. legirt hat. Die Aufsicht über dieses Legat wird von der unterzeichneten Behörde geführt.
Durch den von der vorhinnigen Kurfürstlichen Reservaten - Commission dahier am 6. December 1819 erlassenen Collocationsbescheid sind die Verwandten des 5. Grades (Enkel der Geschwisterkinder) des Stifters und dessen Ehefrau in den
1 Zinsengenuß eingesetzt worden. Nachdem die Ein-
Thräne!* antwortete der Fremde mit herzlich warmem Ton.
Roses Gesichtchen begann sich zu färben. Sie scharrte mit der Schuhspitze etwas verlegen im Sande herum und sagte dann leise: „Woher wissen Sie denn, daß ich Rose heißes*
Jetzt lachte der schöne Mann so muthwillig auf, daß Rose mitlachte. „Weil Du ausstehst wie ein Röschen! erst wie ein weißes, jetzt wie ein rothes!*
„Das ist sehr komisch, ich heiße ja wirklich Rose!* „Sieh, wie schön!* rief der Fremde. „Dann mußt Du mir gleich einmal Deine kleine Hand geben. So! Ich heiße Justus und bin Maler. Jetzt sind wir beide zwei alte Bekannte, nicht wahr s*
Röschen nickte zustimmend. Dieser Herr Justus erschien ihr wirklich wie ein alter Bekannter. „Ich muß jetzt aber nach Hause gehen, sonst wird die Mutter böse !* sagte sie endlich.
Er schritt neben Rose weiter und ste wehrte ihm nicht.
„Wo wohnst Du denn Roses*
„In dem großen Gefängniß, mein Vater ist da Wärter.*
„Hinter der düsteren, himmelshohen Mauer bist Du daheim s* fiel Justus betrübt ein. „O, Du kleines, armes Röschen Du!*
Dieses Mitleid verstand sie nicht. Wenn das bunte Lärmen der Weltstadt sie bisweilen auch belustigte, so kehrte sie sich davon doch stets gern ab und hinter ihre Mauer zurück. Da war's so still, so still. Und wenn Abends die Millionen