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Mit wöchentticher Kratis-Aeilage „IllustrirLes Anterhaktungsökatt".
Nr. 16. Sonnabend den 5. Februar 1887.
Hersfeld, den 2. Februar 1887.
Diejenigen Herren Standesbeamten des Kreises, welche noch mit Einreichung der Listen der im laufenden Jahre zur Erstimpfung vorzustellenden Kinder, sowie weiter mit der Erledigung meiner Verfügung vom 6. März 1885 Nr. 2599 (Kreisblatt Nr. 30) den Nachweis über die Bewegung der Bevölkerung betreffend, im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 10. d. Mts. bei Meidung von Strafe erinnert.
302. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 3. Februar 1887.
Diejenigen Herren Ortsvorstände rc. des hiesigen Kreises, welche mit derErledigung meiner .Verfügung ü®kO2Ä-!i
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Aus dem Reichstage.
Berlin, 18. Januar. Der Rei ch st ag trat heute in die Spezialberathung des Etats der Post- und Telegraphen- verwattung ein. Zunächst sührten Bemerkungen des Abg. Gamp (Reichspartei) zu einer Art allgemeiner Diskussion, in welcher dieser Redner seine bei der ersten Lesung des EratS gemachten finanziellen Anregungen im Wesentlichen als berechtigt aufrecht hielt, aber ausdrücklich betonte, daß seine Partei die Anerkennung für die verdienten Leistungen der Postverwaltung vollständig theile. Der Staatsfecre- tair deS Reichs.Postamts beschränkte sich auf kurze Entgegnungen und glaubte in den Ausführungen des Vorredners einen Rückzug von seinem früheren Standpunkte zu erblicken. Die Ausführungen der folgenden Redner kamen
(Nachdruck verboten.) ।
Verlassen.
Novelle von F. S t ö ck e r.
(Fortsetzung.)
„Ich bin ja.nicht sein, ich nicht," flüsterte An- gioltna, „und darum muß ich fort, fort —*
Da brauste ein Zug an ihr vorüber, das Unge- thüm mit den feurigen Augen taucht aus und verschwindet zischend in der Ferne.
Sie hatte die Bahnstation erreicht. Im Wartesalon wurden soeben die Gasflammen ausgedreht.
„War das der letzte Zug?" fragte sie einen der Schaffner.
„Ja, mein Fräulein, vor morgen früh um fünf kommt nun keiner wieder, da gehen Sie nur wieder heim und schlafen Sie erst ordentlich aus."
„Heimgehen! weich' eigenen, süßen Klang hatte doch dieses Wort, es trieb ihr die Thränen in die Augen. Wo sollte sie sich hinwenden, wo das todt- Müde Haupt zur Ruhe legen in dieser Herbstnacht?
In die Stadt hinein zu gehen, die Menschen im Gasthause aus dem Schlaf klopfen wagte sie nicht.
Sie kehrte wieder um. Seitwärts von der Chaussee führte ein schmaler Weg eine kleine Anhöhe hinauf, dort stand ein altes verfallenes Gebäude, die Ritterburg, das Grasenschloß nannte mgn es in der Umgegend.
Dahin lenkte das junge Mädchen ihre Schritte.
Ein Obdach für die Nacht werde ich ja wohl dort oben finden, dachte sie, als sie die ausgetretenen Steinstufen zu der Burg Hinaufklomm.
Die alten grauen Mauern derselben sahen so gespensterhast aus im Licht des Mondes; eine einsame Fichte stand an der kleinen öffnen Pforte,
und seinen Landsturm in Bereitschaft, um für den Fall, daß der Friede gestört werden könnte, seine Interessen wahrnehmen zu können. Deutschland hat sich genöthigt gesehen, der weiteren Ausfuhr von Pferden vorzubeugen. Rußland hat soeben dieselbe Vorsichtsmaßregel getroffen und für Oesterreich-Ungarn steht gleichfalls ein Pferdeausfuhrverbot bevor. Nur die deutschen freisinnigen und ultramontanen Blätter wollen den Wald vor Bäumen nicht sehen, erklären die ungünstigen Nachrichten für Erfindungen, die im Interesse der Wahlen gemacht seien, und werfen sich zu Vertheidigern des Generals Boulanger auf, der nach ihrer Meinung kein Wässerchen trüben könne.
Es gehört ein außerordentlich hoher Grad von
Unverfrorenheit dazu, das Volk angesichts offenkundiger Thatsache^ in eine solche Sicherheit c“ . iNvM^zu wollen, i^e es viL, freisinnigen und »^» ^i«,*» 1». ^ v^—^. •— O"^.. ^ 60 W«W* .bereit iM EmWvor^vrdeer
dieses Pauschale drehte, audererseits so ziemlich alle das Kolonialwesen betreffenden Fragen berührte. In letzterer Beziehung konnte die Debatte zu einem Resultate nicht führen, in ersterer beschloß man die Rückverweisung der Position an die Budgetkommission zu weiterer Prüfung und Berichterstattung. Schluß 5'^ Uhr. Morgen: Rechtspflege in den deutschen Schutzgebieten; Etat (Zölle und Lerbrauchssteuern, Stempelabgaben.)
politische Nachrichten.
(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser hat am Sonntag in aller Rüstigkeit das Krönungs- und Ordensfest abgehalten. Es haben
wie eine Schildwache.
Vor einiger Zeit hatte Angiolina in Begleitung Emmy's einen Spaziergang nach der Ruine gemacht; und erinnerte sich jetzt einer Wendeltreppe, welche zu einem kleinen Thurmgemach führte, sie stieg dieselbe hinauf.
In den Fensterrahmen des kleinen Gemach's waren sogar noch einige erblindete Scheiben, aber der Himmel schaute oben hinein, und lange Epheu- ranken spannen sich von der Oeffnung dort an den Wänden herunter.
Angiolina legte ihre Reisetasche unter den Kopf, wickelte sich ein in den grauen Mantel, und der Schlaf, der uns im Alter oft treulos verläßt, er erbarmte sich ihrer frischen, holden Jugend.
Wie Dornröschen lag sie in dem epheuumsponne- nen Thurmgemach in tiefem Schlummer und der Mond blickte neugierig herab auf das schöne einsame Mädchen.
Unterdessen hatte das Fest auf dem Schlosse auch sein Ende erreicht. Alles rüstete sich zum Aufbruch.
„Wo ist Angiolina!" tönte da plötzlich Waldau's Stimme und gab das Signal zu einem allgemeinen Fragen und Suchen.
Niemand konnte Auskunft geben.
„War es nicht Angiolina, die da so geisterhaft an uns vorüber schwebte im Boudoir," fragte Wulfen Herta, ihr Zublinzeln nicht ganz verstehend.
„Ich habe nichts gesehen," erwiderte diese, eine leichte Blässe flog über ihr Antlitz; Waldau's Blicke ruhten durchbohrend auf ihr, wie sie jetzt mit zitternden Händen das schöne Haupt in den dunkelrothen Baschlick hüllte.
Dann zog er Wulfen in eine Fensternische.
Deutschland gewiß eine neue Ermuthigung finden,
auf die Ausführung seiner alten Rachepläne zu sinnen. Denn ein innerer Conflict, die Unmöglichkeit, zu einer Einigung über die Verstärkung der Wehrkraft zu gelangen, eine Majorität, welche entschlossen ist, die Waffe des Heeres durch Verkürzung der Dienstzeit oder unzulängliche Bewilligungen abzustumpfen, das Alles wird auf die kriegslustige Partei Frankreichs zweifellos nicht in beruhigendem und mäßigendem Sinne wirken, es wird vielmehr in Frankreich ebenso das Selbstgefühl erhöhen, wie es nothwendigerweise in Deutschland das Selbstbewußtsein herabdrücken muß.
In des deutschen Volkes Hand ist jetzt das Schicksal des Reichs gelegt. Das Volk hat es in der Hand, jetzt vor aller Welt zu zeigen, daß es, mit der Regierung des Kaisers einig, zu allen Opfern für die EMalt^n des Friedens
ronn es umer ülMttm heißt: Was die Lage der wichtigen Industrien und Gewerbe anbelangt, so sei dieselbe, wie in anderen Ländern auch, eine weniger befriedigende. Der Regierung seien zahlreiche Petitionen um Einführung von Schutzzöllen zugegangen, dieselben seien Gegenstand der ver- fassungsmäßigen Erwägung.
(Spanien.) Der bisherige spanische Gesandte in Berlin, Graf Benomar, ist in gleicher Eigenschaft nach Wien versetzt und Don Juan de Valera, dem der Ruf eines wackeren Diplomaten und Dichters vorangeht, als Gesandter in Berlin ernannt worden.
(Rußland.) Am russischen Sylvesterabend
„Sie haben mit Frau von Steinbach über Angiolina gesprochen, nicht wahr?" fragte er mit bebender Stimme, „Herta hat vielleicht ein beleidigendes Wort fallen lassen, wie?"
„Ja, ich erinnere mich, meine schöne Tante sagte: Daß Sie ihrem Pflichtgefühl Ihr Lebensglück opfern und Angiolina's wegen der Jugendgeliebten entsagten, da Sie sich nicht entschliefen könnten, sie unter Fremde zu schicken," stieß Wulfen halb verlegen heraus.
„Und sie hörte es, mein armer Liebling, das Wort hat sie fortgetrieben, sie ist gegangen, geflohen, Gott weiß, wo sie jetzt umher irrt."
Wulfen erschrak fast über den Ausdruck von Zorn und Leidenschaft in den Augen Waldau's.
„Komm, Emmy, schnell, was zögerst Du noch, wir müssen eilen sie zu suchen," rief er jetzt mit rauher Stimme seiner Schwester zu.
An Herta streifte er vorüber, ohne sie nur eines Blickes zu würdigen.
Und dann jagte er mit dem kleinen Einspänner dem Dorfe zu, daß Emmy jede Minute glaubte aus dem leichten Wagen zu fliegen.
„Herr Gott, wozu nur diese grenzenlose Eile, Hubert," rief sie empört.
Er würdigte sie keiner Antwort.
Emmy faltete gottergeben die Hände.
„Er ist von Sinnen," murmelte sie» „das große Mädchen wird nicht verloren gegangen sein."
Jetzt hielt der Wagen vor dem Forsthause.
„Ist sie hier? Ist Angiolina zu Haus?" rief Waldau der schlaftrunkenen Köchin entgegen.
„Ja, schon lange, lange ist sie zurück," erwiderte diese, „sie ging, glaube ich, nach dem Herrn Oberförster seinem Zimmer."